Die World Superbikes in der Krise #WSBK – Teil 2

Wolrd Superbike LogoDass die #WSBK in einer Krise steckt, habe ich in Teil 1 schon gezeigt. Hier schreibe ich aus meinem Lehnsessel heraus, welche Gründe ich sehe. Andere Meinungen gerne und laut als Kommentar schreiben. Andreas ausführlicher Kommentar zum ersten Teil hat in meinem Kopf Purzelbäume geschlagen. Wie immer, sollte man die Entwicklung nicht isoliert betrachten. Trotzdem konzentriere ich mich hier erstmal auf die WSBK und lasse die Probleme der klassischen Medien, was auch immer die Motorsportverbände machen und so weiter erstmal außen vor. Ich gucke hier auf das Produkt WSBK und lasse den Markt ein wenig außen vor. 

Zweite Liga

Die Superbike ist die zweite Liga der MotoGP. Bei Honda z.B. sieht es so aus: Wenn es in der MotoGP mal nicht so richtig läuft, dann werden Ingenieure vom Superbike-Projekt abgezogen und in die MotoGP gesteckt. Sagt jedenfalls Roland Berger im Interview mit Zonko [Video 25 min]. Ganz davon abgesehen, dass Honda gar kein richtiges Superbike-Werksteam hat.
Somit bekommt sie nicht die Aufmerksamkeit die Fahrer, Teams, Hersteller und Sponsoren gerne hätten. 

Sieger

Ein Problem, dass die WSBK gerade hat, zeigt sich in den Siegerlisten der letzten Jahre [Link führt zum Jahr 2015]. Dort findet man fast nur die Namen von Johnny Rea, Tom Sykes und Chaz Davies. Seit 2015 wurden nur fünf von 68 Rennen (Stand: 17.08.2017) von anderen Fahrern gewonnen. Das alle Drei unter dem Union-Jack auf dem Siegertreppchen stehen, macht es nicht leichter, die Serie weltweit zu vermarkten. Als im Gegenzug dazu letztes Jahr neun verschiedene Fahrer in der MotoGP gewonnen hatten, wurde darüber weit und breit berichtet.

Regeln

In der WSBK versucht man etwas zu ändern. Seit diesem Jahr soll eine geänderte Startaufstellung im Sonntagsrennen für mehr Spannung und Spektakel sorgen, bei der die ersten Drei des Samstagsrennens aus der dritten Startreihe starten. Das erhöht die Spannung praktisch gar nicht, denn diese drei Fahrer sind oft schon in der ersten Kurve wieder vorne und es gibt wieder die bekannten Gesichter auf Platz eins.

Technik

Der Grund, warum immer wieder die gleichen Fahrer gewinnen, sind zu großen Teilen die Moppeds, die sie fahren. Nur Kawasaki und Ducati sind mit echten Werksteams und jeweils zwei Fahrern vertreten. Kawasaki fährt nicht in der MotoGP und kann sich so auf die WSBK konzentrieren.
Bei einer Rennserie, die auf Serienmoppeds basiert, sollten Werksteams eigentlich kein so großer Vorteil sein. Die Moppeds der WSBK sind jedoch nicht ganz so seriennah. Ein Zitat von Davide Giugliano, nach seinem Test für Honda: “und probierten verschiedene Set-ups, neue Verkleidungen sowie unterschiedliche Elektronikeinstellungen.” (Motorport Total): 
Neue Verkleidungen? Das klingt mehr nach MotoGP als nach einer Rennklasse, die mit getunten Serienmoppeds unterwegs ist. Je mehr technische Freiheiten an den Moppeds erlaubt sind, desto größer die Vorteile von Werksteams mit großen Entwicklungsabteilungen. Andererseits erlauben es diese technische Freiheiten auch Moppeds, die auf der Straße besser funktionieren (Vergleichstests gewinnen) als auf der Rennstrecke (Siege einfahren) entsprechend umzubauen.

Erschwerend für alle Beteiligten kommt hinzu, dass die WSBK und die größeren nationalen Serien jeweils andere technische Regeln haben. Es ist also nicht so ohne weiteres möglich, mit dem IDM Mopped einen Lauf in der britischen BSB, der MotoAmerica oder All-Japan Road Race zu starten [englisch].

Kurz zusammengefasst: Es ist kompliziert

Die WSBK hat eine ganze Reihe von Baustellen. Da sie sich ein Dach mit der MotoGP teilt, hat sie immer direkte Konkurrenz, die von fast allen Beteiligten bevorzugt wird. Ich schließe daraus: Je ähnlicher beide Serien sind, desto schwieriger wird es für die WSBK zu überleben.
Früher, als die Superbikes groß wurden, wurden im Grand Prix Sport noch Zweitakter gefahren, die MotoGP hieß noch 500er wegen dem Hubraum. Auf der Straße und besonders am Stammtisch, waren damals die sportlichsten Zweitakter schon länger nicht mehr die schnellsten Moppeds, die hatten vier Takte und mehr Hubraum.
Jetzt fahren die einen wie die anderen mit 1.000 ccm Vierzylinder Viertaktern (Ducati demnächst auch), bei annähernd gleichen Rundenzeiten auf teilweise gleichen Rennstrecken. Dass die Superbikes in Assen z.B. nur 21 Runden fahren und die MotoGP 26 merkt keiner.
Da die MotoGPs erfolgreicher sind, müssen sich die Superbikes ändern.

Ideen

Ich bin kein Fachmann für Technik oder Regelkunde, aber warum nicht:

  • Mit ganz anderen Moppeds fahren, z.B. Naked Bikes, die sehen schon anders aus als MotoGPs
  • Mit einer Balance of Performance die für die Serie homologiserten Moppeds (im Prinzip egal ob Reiseenduro oder Supersportler) jedes Jahr auf gleiche Rundenzeiten bringen und die Entwicklung einfrieren.
  • Längere Rennen mit Boxenstopp und ohne Fahrerwechsel fahren.
  • Werksteams verbieten und nur Tuner erlauben.
  • Mit komplett serienmäßigen Moppeds auf Straßenreifen fahren.
  • Experimentelle technische Lösungen fördern, egal ob Elektromotor oder Achsschenkellenkung.
  • Die Serie auf vier Rennen verkürzen, an denen die jeweils 5 besten aus BSB, IDM. MotoAmerica und A-Japan Road Race den Weltmeister ausfahren.
  • Stadtrennen wie die Formel E, beim Zuschauer vor der Haustür fahren.

Reicht das?

Ob es reicht, um die Mediacenter wieder voller Journalisten zu bekommen, die in die mediale Breite berichten, ist da noch eine ganz andere Frage. Vielleicht ist diese Zeit auch einfach vorbei. Ich glaube, heutzutage braucht es noch viele klassische Medien-Outlets um große Teile der Nicht-Fans zu erreichen. Braucht es diese Breite überhaupt?

Vielleicht reicht es aus, das Produkt WSBK so zu lassen, wie es ist, aber die komplette Vermarkung und mediale Verbreitung aumzukrempeln.

Zuerst sollte man damit anfangen für sich zu definieren, wann eine Rennserie erfolgreich ist: volle Tribünen von Ort, möglichst viele Live-Minuten in Free-TV, unendlich viele verkaufte Video-Pässe, unzählige Hollywood-Schauspieler in der Hospitality oder die Anzahl der am Montag verkauften Moppeds? 

Es mag in der Zukunft ausreichen, die erfolgreichste Rennserie auf Facebook oder Youtube zu sein, bis dahin wird es aber noch dauern. Youtube ist voller Game of Thrones Fan-Videos, in denen die letzte Folge analysiert und spekuliert wird. Wenn ich in Zukunft ähnlich viele WSBK-Fan-Kanäle finde, dann weiß ich, dass die Krise überstanden ist.

 

 

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Wem nutzt es? G20 und Randale

Die Randale in Hamburg rund um die G20-Veranstaltung bestimmt die Medien, egal ob traditionell oder sozial.

Es fällt mir schwer, nicht reflexartig in einen wütenden Schimpfmodus zu verfallen und mit dem Finger auf Schuldige, oder was ich dafür halte, zu deuten und den Besserwisser von zu Hause aus zu geben. Daher schreibe ich erst jetzt, wo ich mich besser beherrschen kann und beim zweiten Lesen nicht so viel löschen muss.
Ich, wie alle anderen wohl auch, habe erwartet, dass es rund um die Veranstaltung zu Konflikten kommen würde. Dass die beteiligten Parteien es so stark eskalieren würden, damit hatte ich nicht gerechnet.

Im TV

Freitag Nacht bedauert die ZDF-Moderatorin bei heute+ mehrfach, dass die Bilder von Plünderungen und brennenden Autos im Gedächtnis bleiben und nicht die schönen Bilder vom G20 und den friedlichen Demonstrationen. Gleichzeitig zeigt die Sendung hauptsächlich solche Bilder.
Ist das nötig, Plünderungen und Brandschatzungen in epischer Breite zu zeigen, wenn Ihr doch selbst erkannt habt, dass Ihr damit die falsche Geschichte erzählt? Wer fast ausschließlich solche Bilder zeigt, darf sich nicht wundern, eine Gaffer-Kultur zu erschaffen. Also: warum macht Ihr das?

Wem nützt es?

Nach dem ich mich kurz über diese Bigotterie aufgeregt hatte, steckte die eine Frage in meinem Kopf: Warum. Also nicht: Warum zeigen die das, warum wirft da einer einen Stein oder warum schlägt da jemand zu.
Ich denke da größer: Wem nützt es? Wer profitiert davon? Sollte das nicht die wichtigste Frage sein, die geklärt werden muss um wirklich Verantwortliche zu finden? Wer profitiert von dem, was geschehen ist? Wem spielt es in die Karten? 

Den Aluhut wieder absetzen

Mir ist klar, dass es da nicht einen einzigen Menschen oder eine Institution gibt, der an Fäden zieht und um Ende kommt das dabei heraus, was geschehen ist. Es wird auf mehreren Ebenen Profiteure geben, davon bin ich überzeugt. Natürlich gab es auch Menschen und Institutionen, die etwas anderes wollten und Fehler gemacht haben oder fahrlässig einfach auf die Köln Karte (et hätt noch immer jot jejange) gesetzt haben. Es wird welche geben, die wollten, dass es so eskaliert, und auch dass es dort passiert, wo es passiert ist.

Ich weiß nur, wem es nicht genutzt hat

Natürlich gibt es nicht nur Beteiligte, die von den Ereignissen profitieren. Den weitaus meisten vor Ort unterstelle ich, dass sie etwas anderes wollten. Diejenigen bekommen meinen Respekt und meine, zumindest moralische, Unterstützung von zu Hause aus:

  • Die friedlichen Demonstranten
  • Die Anwohnern
  • Den Polizisten auf der Straße
  • Die Menschen, die daran glauben, mit Vernunft, Verstand und Mut Probleme anzusprechen und friedlich eine gemeinsame Lösung zu finden

Unfallursache Nr. 1

Reflexartig kommt die Antwort: „Zu schnell gefahren”, wenn die Frage lautet: Was ist die häufigste Unfallursache.

Sagen alle, liest man überall, hört man ständig und wenn dann auf einer Straße irgendwo mal ein Unfall passiert ist steht ein paar Tage später da ein neues Schild mit einer niedrigeren erlaubten Höchstgeschwindigkeit. Muss also stimmen, Milliarden Fliegen können sich nicht irren.

Tatsächlich ist “nicht angepasste Geschwindigkeit” 2015 nur auf Platz vier der Ursachen bei Unfällen mit Personenschaden.
Die Ursache heißt übrigens “nicht angepasste Geschwindigkeit”, wir verstehen nur immer “zu schnell”.

Logisch

Die Logik sagt: Wenn ein Fahrzeug auf ein anderes fährt, war die Geschwindigkeit am Treffpunkt größer als Null, also zu schnell.
Wenn man nur die Millisekunde des Aufpralls berücksichtigt, ist das wohl richtig. Aber die Frage sollte eigentlich lauten: Warum war die Geschwindigkeit dort zu groß.

Draußen in der echten Verkehrswelt ist kompliziert herauszufinden, warum denn ein Unfall passiert ist, warum z.B. zwei Fahrzeuge zur gleichen Zeit am gleichen Ort waren.
Populäre Vermutung: Einer war zu schnell. Die Logik gebietet sofort eine weitere Möglichkeit: Einer war zu langsam. Wäre er schneller gewesen, wäre er schon weg, als der andere kam.

Realität

Ob er hätte schneller fahren können oder dürfen sind dann schon wieder andere Fragen.
Ob diese Möglichkeiten bei der Unfallanalyse zur Klärung der Schuldfrage geprüft wird, weiß ich nicht. Da es bei uns keine vorgeschriebene Geschwindigkeit gibt, sondern nur eine erlaubte Höchstgeschwindigkeit, gehe ich davon aus, dass “zu langsam” nicht standardmäßig bei der Schuldfrage berücksichtigt wird.

Und wer klärt eigentlich die Schuldfrage? Wie gut sind diese Menschen ausgebildet, und welche Werkzeuge, welche Motivationen haben sie? Kann die Polizei am Ende einer Ermittlung sagen “Fahrer A ist schuld, aber wir wissen nicht exakt warum, darum gibt es für Fahrer A keinen Strafzettel,” oder muss am Ende eine strafbare Handlung Grund für den Unfall sein? Die oben verlinkte Tabelle ist jedenfalls nicht vollständig in der Aufschlüsselung der einzelnen Ursachen. Letztendlich muss bei der Erstellung einer solchen Statistik irgendwo ein Kreuzchen gemacht werden.
Bleibt also die Frage, wie bekommt der Ermittler heraus, dass er das Kreuzchen bei “nicht angepasster Geschwindigkeit”  machen muss?

Die echte Nummer Eins

Und warum heißt es nicht “schneller als erlaubt” wenn “zu schnell” und “Unfallursachen Nr.1” schon als Begründung für Radarfallen herhalten müssen? Laut Statistik ist übrigens “Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren” Unfallursache Nr.1 Und damit sind nicht die kleinen Rempler gemeint, es geht ausschließlich um Unfälle mit Personenschaden.

Steile These

Ich behaupte jetzt einfach mal ganz kühn: “Schneller als erlaubt” ist viel viel seltener Unfallursache, als wir denken, ganz egal wie oft in Einzelfällen jemand mit 233 in einer 70er-Zone geblitzt wird. Immer dran denken: Wer geblitzt wird hat keinen Unfall. 

Schon alleine die Bezeichnung “nicht angepasste Geschwindigkeit” klingt nach “alles andere können wir nicht beweisen und irgendwas muss es ja sein” und nicht nach einer echten Ursache. Mindestens genauso gut könnte die Ursache “Unaufmerksamkeit” heißen. Egal wie schnell man fährt, wenn man eine Sekunde lang aufs Handy, Radio, Navi, dem Kindersitz hinten oder den Ausschnitt der Beifahrerin guckt, kann man in dieser Sekunde keine Notbremsung einleiten. Bei 50 km/h fährt man in dieser Sekunde 15 Meter weit, von 25 Metern Bremsweg, jeweils laut Faustformel.
Eine Sekunde weniger bremsen bedeutet eine sehr viel höhere Geschwindigkeit am Einschlagpunkt. Oder anders formuliert, kommt es dann zu einem Unfall, weil dem Fahrer 10 Meter Bremsweg fehlten, sieht es folgendermaßen aus: Der Fahrer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen, also war er mit „nicht angepasster“ Geschwindigkeit unterwegs. Nächstes Mal ist da dann Tempo 30. 

Im U.K. hat mal jemand geguckt

Auf eine ähnliche Idee ist man vor 20 Jahren im U.K. auch schon gekommen und hat geforscht. Das Ergebnis klaue ich jetzt mal vom australischen Motorbike Writer:

(…) found that less than 8% of all road crashes involved exceeding speed limits as a causal factor. It clearly identified driver ‘inattention’ as the biggest causal factor in road crashes.

Den gesamten U.K.-Report TRL 323 gibt es zum Download gegen Registrierung.

Wenn ich raten darf, dann ist der Einfluss der Unaufmerksamkeit mit Einführung des Smartphones und vieler elektronischer Fahrhelferlein seit 1997 nicht kleiner geworden, dagegen helfen auch keine neuen Tempolimits.

Warum ich das hier schreibe?

Ich bin heute zweimal fast über den Haufen gefahren worden, einmal war ich zu Fuß unterwegs und einmal mit dem Mopped. Beide male waren die Fahrer abgelenkt, wenn auch gefühlt nicht schneller als erlaubt.

Trotzdem wird immer und überall nur der Raser thematisiert, es gibt Blitzermarathon auf Blitzermarathon, neue Tempolimits und an allen Straßenrändern diese Ablenkungs-Plakate mit der Mahnung „Nicht so schnell“.

Die weitaus häufigeren Unfallursachen werden davon auch aus dem Fahrerbewusstsein gedrängt. „Ich fahre ja nur 80 in dieser Baustelle, da kann ich eben noch ein Selfie posten, bevor ich WhatsApp checke. Ich halte mich ja an die Geschwindigkeitsbeschränkung, da bin ich sicher.“

 

Ein enttäuschendes 24h Rennen in Le Mans #Eurosport

Seit einigen Jahren schon stehen die 24h in Le Mans, und ich meine die Autos, ganz fest in meinem Kalender. Seit Eurosport das Rennen zweimal  rund um die Uhr zeigt, mache ich die Nacht durch. Dieses Jahr bin ich kurz eingeschlafen.
Das lag nicht daran, dass alle Toyota und ein Porsche sich um den Kampf um den Gesamtsieg verabschiedet hatten und der übrig gebliebene LMP1 einsam und verlassen seine Runde zog. Natürlich ist ein Rennen, Der Kampf um den Sieg mit nur einem Beteiligten ist natürlich nicht besonders spannend, aber das es es nicht, was Le Mans ausmacht. Und es war ja auch nicht so, dass nur ein einziges Auto gefahren wäre.

In den Klassen

Es gab da noch die LMP2 mit 25 Autos. 7,5 h vor Schluss lagen da noch 7 Autos innerhalb von drei Runden, das entspricht 11 Minuten. Zu dem Zeitpunkt hatten diese Top 7 zwischen 24 und 27 Boxenstopps. In Le Mans dauert ein Boxenstopp deutlich länger als in der F1, denn es dürfen jeweils nur zwei Mechaniker zugleich am Auto arbeiten, auch beim Reifenwechsel, und während getankt wird, darf gar nicht am Auto gearbeitet werden Es gehen schnell mal über 90 Sekunden ins Land, bevor das Auto wieder losfährt. Die ersten beiden LMP2 waren noch in der gleichen Runde, es lagen nur 15 Sekunden auf der Strecke zwischen Ihnen. Und das war nicht die spannendste Fahrzeugkategorie.
Die GT-Klassen waren noch enger beisammen. In der GTE Pro Klasse lagen zu dem Zeitpunkt noch sieben Autos innerhalb einer Runde mit 16 bis 18 Boxenstopps. Und schließlich, in der langsamsten Amateur-Klasse lagen noch fünf Autos in der Führungsrunde mit 15 bis 17 Stopps.
Es ging also sehr eng zu. Wie im letzten Jahr auch.

Früher war alles besser

Aber im letzten Jahr haben die Kommentatoren es bemerkt und darüber berichtet. Es wurden Boxenstopps analysiert, und Standzeiten notiert. Rundenzeiten wurden verglichen und dabei berücksichtigt, wie viele Runden ein Auto mit einer Tankfüllung schafft und wie viel langsamer die Runde war, als das Auto eine Runde mehr schaffte.Wie viele dieser Stints schafft das Auto auf einem Satz Reifen? Werden harte oder weiche Reifen gefahren? Funktionieren die Reifen des einen Herstellers anders als die des anderen, also z.B. schneller am Anfang und langsamer am Ende oder bei Hitze besser oder schlechter. Wie sind die Rundenzeiten der Autos, die nicht im Bild sind, die Abstände zwischen einzelnen Autos und die Ursache, wenn sich diese ändern, wurde der Eine schneller oder der Andere langsamer?
All das wurde im letzten Jahr thematisiert und so war Das Rennen von vorne bis hinten und rund um die Uhr spannend.

Heute ist alles schlechter

Diese Jahr haben die Moderatoren nichts davon bemerkt. Boxenstopps wurden nur erwähnt, wenn sie im Bild zu sehen waren. Die strategischen Komponenten wurde verschwiegen. Überhaupt wurde fast nur das kommentiert, was im Bild zu sehen war. Aber das kann ich selber sehen, ich will wissen, was sonst noch im Rennen passiert
Warum auch immer Eurosport die Sprecher alle ausgetauscht hat, weiß ich nicht. Gut war es nicht.
Bei 24 Stunden werden die Kommentatoren-Teams durchgewechselt, das war schon immer so. Die Nachtschicht im letzten Jahr wurde aus einem Studio in Deutschland gemacht und nicht von der Strecke. Und die Jungs waren so gut, so unterhaltsam und informiert, dass ich davon ausging, dass sie dieses Jahr zumindest wieder die Nachtschicht übernehmen würden, wenn nicht gar mehrere Schichten. Pustekuchen, keine Silbe durften sie sagen.
Die diesjährigen Sprecher glänzten dagegen mit Ignoranz gegenüber dem Renngeschehen und kauten immer wieder die gleichen Themen durch. Immer wieder wurde versucht, einen Kampf um den Gesamtsieg zwischen LMP1 (Porsche #1) und LMP2 (Jackie Chan DC #38 oder Vaillante-Rebellion #13) herbei zu reden (die schnellste Runde des führenden LMP1 war 10 Sekunden schneller und hatte um 8 Uhr morgens 7 Pitstops weniger als die die führenden LMP2). In Wirklichkeit gab es im Gesamtklassement ein Kampf um Platz 2 zwischen den führenden LMP2 und dem LMP1 Porsche #2, der aufgrund eines technischen Problems sehr früh eine Stunde Rückstand aufgefasst hatte. Um 9 Uhr am Morgen lag er nur noch 5 Runden hinter dem LMP2 auf Platz 2, war pro Runde deutlich schneller und konnte natürlich mehr Runden mit einer Tankfüllung drehen, 13 im Gegensatz zu den zehn der LMP2. Laut meinem Taschenrechner hätte #2 alleine durch die schnellere Rundenzeit 4,5 Runden aufgeholt und war damit absolut auf Kurs. Eine Runde im LMP2 dauert ca. 3:30 min, eine halbe Runde demnach 1:45 min oder 105 Sekunden. Ein Pitstop von 90 Sekunden wird der LMP2 sicherlich mehr brauchen, fehlen nur noch 15 Sekunden, bei zwei zusätzlichen Tankpausen liegt der Porsche sicher vorne, plus-minus Slow Zones, Safety Cars, Pannen, Dreher und Defekte.
Die LMP2 fuhren dieses Jahr das erste Mal mit neuen Motoren und Defekte gibt es immer Reichlich bei einem 24h Rennen.
Falls sich das spannend und interessant liest, dann habe ich einen sehr viel besseren Job gemacht als die Moderatoren, 3,5 Stunden bevor der führende LMP1 liegen blieb. Danach ging es zwischen diesen Autos um den Sieg.
Eine Stunde vor dem Ende wurden die schnellsten LMP2 durch kleinere technische Probleme eingebremst und Porsche #2 übernahm die Spitze und gewann.
Die GTs erwähne ich hier aus Platzgründen nicht. Da war es vor allem in der GTE Pro bis zum Ziel sehr eng, mit zwei Überholmanövern in der letzten Runde, die die Top Drei umkrempelten.

Nicht mit der Fernbedienung spielen

Dafür hat Eurosport gefühlt alle 10 Minuten die Übertragung unterbrochen. Manchmal wurde in diesen Unterbrechungen auch Werbung gezeigt. Sehr oft liefen jedoch irgendwelche uninteressanten Rankings aus der Eurosport-Konserve, Top-10 Unfälle, Top-5 Standbilder und ähnlicher Schmonsenz. Es wirkte so, als habe Eurosport nur die Rechte für 22 Stunden des Rennens gekauft und müsste stückeln.

Twitter und E-Mail

Ein weiterer Tiefpunkt war die Aktion #FragLeMansES (hier steht ES für Eurosport). Unter diesem Hashtag konnten per Twitter Fragen gestellt werden. Es wurde auch eine GMX-Adresse eingerichtet, an die Fragen per E-Mail gestellt werden konnten. Auf beides wurde mehrfach hingewiesen.
Gute Idee, aber wer seine Zuschauer auffordert Fragen zu stellen, sollte diese auch beantworten. Klingt vielleicht trivial, ist es anscheinend jedoch nicht. Ab 23:30 wurde angekündigt, dass ab Mitternacht die eingegangenen Fragen beantwortet werden würden. Da wurde auf Twitter schon Frust geschoben, dass keine Antworten kamen. Wenig verwunderlich, wurden die Zuschauer doch seit dem Start um 15 Uhr auf diesen Hashtag hingewiesen. Der Plan, erst ab Mitternacht antworten zu wollen, wurde verschwiegen. Für Nicht-Mathematiker, von 15 Uhr bis Mitternacht sind neun Stunden. Die wirklich interessanten Fragen, die sich nicht mit 30 Sekunden googeln beantworten ließen, wurden da schon lange nicht mehr gestellt. Als dann doch einige wenige Antworten kamen wurden nur Tweets berücksichtigt, die in den letzten 10 Minuten geschickt wurden.
Schade.

Lob

Ein bisschen Lob habe ich aber auch. Die Le Mans Coach Einspieler in denen Tom Kristensen das Rennen analysiert waren ein guter Ansatz. Dort wurden schnellste Runden, die letzten drei Runden und durchschnittliche Rundenzeit, Anzahl der Boxenstopps, deren Länge und die Gesamtlänge von jeweils zwei Autos gegeneinander gestellt. Für mich könnte das noch viel tiefer ins Detail gehen.

Zum Schluss

Liebes Eurosport, ich habe mich wirklich bemüht bei Euch zu gucken, aber um 8 Uhr wurde es dann zu viel, ich habe Euch den Ton abgedreht und Radio Le Mans gehört. Eure vielen Werbeunterbrechungen habe ich seit dem Start mit den verschiedenen der verfügbaren Live-Streams, wie z.B. von Porsche, überbrückt. Ohne Euren Ton war das Rennen gleich viel spannender. Jetzt wo Ihr wisst, wie ein Austausch der Kommentatoren funktioniert, macht es doch noch einmal und wechselt dieses mal ein paar der guten ein.

P.S.
Das Rennen an sich war spannend, die Sendung nicht so.

 

Draußen schlafen – besser einpacken

In meinem letzten Beitrag habe ich Zelt, Isomatte, Schlaf- und Biwaksäcke nebeneinander gelegt. Zusammen sind es ca. 4,3 kg (nach Netzrecherche, ich habe keine Waage), was ich okay finde. Um das Gewicht zu reduzieren könnte ich die beiden Schlafsäcke durch ein Daunen Quilt ersetzen, damit würde ich dann, 1,3 kg sparen. Eine leichtere Luftmatratze wäre ebenfalls möglich, ich müsste dafür nur Geld investieren.

Das Gewicht stört mich jedoch weniger als das benötigte Packvolumen und die Anzahl der Packstücke. Als ich gemerkt hatte, dass ich die Anzahl der Packstücke reduzieren kann, wenn ich einfach zwei Dinge zusammen packe, musste ich das sofort mit Zelt und Isomatte ausprobieren.

Zelt links, Isomatte daneben

Zuerst habe ich die Isomatte ins Zelt gelegt, denn da liegt sie auch, wenn das Zelt aufgebaut ist, und habe beides zusammen eingerollt. Das hat nicht so gut funktioniert. Das Zeltmaterial ist ziemlich rutschig. Wenn die Isomatte nicht gefaltet ist, ist sie über 50 cm breit, was mir als Rolle zu lang ist, aber nur so lässt sich beides zusammen gut einrollen.

Dann habe ich es andersherum probiert, erst das Zelt eingepackt und dann die Matratze drum herum gewickelt. Normalerweise drittel ich die Matratze, dann passt sie komplett in den eigenen Packsack. Das Zelt ist jedoch länger, also habe ich die Matratze nur einmal längs gefaltet und dann um das Zelt gerollt. Beides zusammen passt von der Dicke her in den Beutel für die Isomatte, ist jedoch ein bisschen zu lang.

Zelt innen, Isomatte außen herum gewickelt

Auch wenn der Packsack oben nicht geschlossen ist, kann ich es so problemlos transportieren.

Den „dickeren“ Schlafsack in den Biwisack stecken und beide zusammen einpacken funktioniert ebenfalls. Dabei gefällt mir besonders gut, dass beide Doppel-Rollen ähnliche Maße haben.

Rechts: Schlafsack mit Biwisack mit 30 cm Lineal.

Im Vergleich dazu der Platzbedarf, wenn alle vier Ausrüstungsgegenstände einzeln gepackt sind:

Platzbedarf der einzelnen Packstücke

Jetzt überlege ich gerade, ob es sinnvoll ist, für Zelt und Matratze einen wasserdichten Packsack zu haben. Der Vorteil wäre, wenn es auf der Fahrt regnet bleibt die Matratze trocken und kommt trocken ins Zelt. Der Nachteil, wenn ich das Zelt feucht einpacke (egal ob Regen oder Tau) bleibt die Nässe im Packsack.

Hat jemand von Euch schon mal wasserdichte Packsäcke nach Maß selbst hergestellt?

Draußen schlafen – Ausrüstung

Wenn ich unterwegs bin, kann es vorkommen, dass ich auch mal über Nacht weg bleibe. Je nach Jahreszeit und Plan habe ich dann unterschiedliche Ausrüstung dabei.

Biwaksack

Bin ich zu Fuß unterwegs und nicht gerade in Wurfweite einer Bushaltestelle, habe ich einen Biwaksack im Rucksack.

Neben dem Biwaksack liegt ein 30 cm langes Lineal.

 

Der ist atmungsaktiv (ein bisschen jedenfalls), wind- und wasserdicht, bietet jedoch keine Isolierschicht. Wenn ich keine Übernachtung plane, es aber trotzdem dazu kommt, werde ich wenigstens nicht nass.
Dieser Biwaksack ist ohne Gestänge und alles, es gibt aber auch welche mit.

Mit Schlafsack

Eigentlich ist der Biwaksack dazu gedacht, dass ein Schlafsack drin steckt, daher habe ich auch einen solchen dabei, wenn ich eine Übernachtung z.B. im Wald plane und nur möglichst wenig Gepäck tragen will. Ich baue mir dann eine isolierende Unterlage aus Laub, Gras oder ähnlichem.

Schlafsack links

Den Schlafsack habe ich für kleines Geld (15,- Eumel) im Sonderangebot bei McTreck oder so gekauft. Es ist ein einfacher Schlafsack ohne Wärmekragen und der Reißverschluss geht nur bis zur Wade, der Komfortbereich reicht bis 9° Celsius und der Kompressionssack, der dabei war, geht jetzt, nach drei Jahren, an mehreren Stellen auseinander. Nicht überraschend bei dem Preis. Ich habe mit diesem Schlafsack, ohne Biwaksack, auch schon Nächte mit 6° durchgeschlafen. Die Temperaturangabe “Komfortbereich” soll aussagen, bei welcher Minimaltemperatur man komfortabel, also ohne zwischendurch frierend aufzuwachen, durchschlafen kann. Meistens gibt es noch weitere Temperaturangaben bei Schlafsäcken, bei diesem sind es +5° Übergang und die niedrigste gibt den Überlebensbereich an, hier sind es -8°. Kauft also keinen Schlafsack, mit der Angabe 9°, 5° -8°,  wenn ihr plant, bei 0° zu campen.

Mit Unterlage

Wenn ich mit dem Mopped unterwegs bin, oder damit rechne, dass ich keine Unterlage bauen kann oder will, packe ich noch meine Luftmatratze ein.

Luftmatratze rechts

Zu der Matratze habe ich bereits einen Beitrag geschrieben.

Mit Zelt

Im Gegensatz zu einem Biwaksack muss ein Zelt aufgebaut werden. Dafür ist alles Gepäck im Zelt vor Regen und anderem geschützt.

Zelt oben

Mein Zelt soll Platz genug für Zwei bieten, dann ist es jedoch ziemlich eng und alles an Gepäck muss draußen in der Apside bleiben. Ich finde es jedoch besser, meine Moppedmontur, mit Helm und allem mit ins Zelt zu nehmen und dann alleine drin zu liegen.
Zu dem Zelt habe ich mir einen Footprint gekauft, das ist eine Unterlage, die genau zum Zelt passt und hier mit eingepackt ist. Nicht im Bild sind die Heringe. Die habe ich in einem anderen Beutel, den ich getrennt aufbewahre. Sollte sich ein Hering während des Transports aus dem Beutel befreien, kann er die Zeltplane nicht beschädigen.

Mit extra Schlafsack

Für Übernachtungen auf der Couch habe ich noch einen Sommerschlafsack mit den Temperaturbereichen 15°, 10° und 3°.

Kleiner Schlafsack oben links

Das ist mein kleiner Luxus und als solcher kommt er nur mit dem Mopped mit. Den kleinen Schlafsack kann ich als Nackenrolle nutzen, falls es zu warm für den anderen ist oder wenn es zu kalt wird, dann nutze ich den zusätzlich. Im Kältefall könnte ich auch einfach die Moppedjacke als zusätzliche Decke nutzen. So eine Jacke kann jedoch leicht verrutschen,besonders wenn man sich im Schlaf bewegt. Den kleinen Schlafsack öffne ich zu zwei Dritteln, stecke den Fußteil des anderen Schlafsacks hinein und decke mich mit dem Rest zu. Funktioniert wunderbar auch bei Frostnächten. Wer schon mal im Hochgebirge war weiß, so eine Frostnacht kommt auch im Hochsommer mal vorbei.

Alles zusammen

Mein Problem mit den ganzen einzelnen, rundlich Packstücken mit unterschiedlichen Durchmessern ist der platzsparende Transport. In der Packrolle bleibt immer noch viel Luft zwischen den einzelnen Gepäckstücken, Im nächsten Optimierungsschritt werde ich versuchen, eine möglichst kompakte Tasche für alles zu finden. Wer eine Idee hat, kann sie mir gerne in die Kommentare schreiben.

P.S. und Edit:
Auf Facebook wurde nach dem Gewicht des ganzen gefragt. Ich habe keine Waage, habe also daher das Netz bemüht und folgendes gefunden: Zelt mit Footprint: 1,2 kg, kleiner Schlafsack: 700 g, großer: 1,1 kg; Biwisack: 300 g und LuMa: 900 g.
Macht zusammen ca. 4,2 kg.

Im Supermarkt

Alle Kassen sind geöffnet, an welcher stehe ich?
An einer hat eine Rollator-Omi vergessen die Erdbeeren zu wiegen, an einer muss die Bon-Rolle gewechselt werden und an einer reklamiert ein Kunde irgendwas.

Richtig: Kasse 4. Hier steht ein reklamierender oder lamentierender Kunde, irgendwas stimmt nicht mit seinem Kassenbon, der von der frisch gewechselten Rollen kommt, meint er. War aber wohl doch alles richtig.
Die fußkranke Omi, die mit dem Rollator, ist als nächste dran und hat vergessen die Erdbeeren zu wiegen. Sie ging davon aus, wenn die in einer Schale verkauft werden, dann gilt der Preis pro Schale und nicht pro Kilo. Die Kassiererin geht zur Waage im Kassenbereich, damit die Omi nicht laufen muss.

Es ist voll und um mich herum stehen geschätzte fünf Leute mit defekter Dusche oder Waschverbot – toll, die dem schwülwarmen Wetter. Einer versucht es mit Deo statt Wasser. Die Leute an der Kasse nebenan maulen und beschweren sich über irgendwas mit Bier.

Als ich dann endlich an der Reihe bin mit meinen vier Artikeln: Orangen, Zitronen, Milch und Milchreis, freue ich mich schon, endlich von hier wegzukommen.

“Schönen guten Morgen” flötet die Kassierin, die den Weg zur Waage kennt und offensichtlich gut gelaunt ist.

“Na Sie sind aber fröhlich heute”, normalerweise duze ich Leute eher, “Obwohl Sie am Samstag arbeiten müssen.”

“Ach, das bin ich doch gewöhnt, davon lass ich mir die gute Laune nicht verderben,” sagt sie mit einem strahlenden Lächeln während meine paar Artikel in rasanter Geschwindigkeit über den Scanner fliegen und das Geld den Besitzer wechselt.

“Schöne Pfingsttage” wünsche ich Ihr und bekomme ein schönes verlängertes Wochenende zurückgewünscht.

Einkaufen war heute gar nicht so schlimm.