Ich mag keine Motovlogs

Die Überschrift verrät es schon: Ich mag keine Motovlogs.

Was ist ein Motot-Vlog?

Weil ich in Gesprächen immer wieder erklären muss, was ein Motovlog ist, fange ich auch hier mit einer Erklärung an.
Es ist ein Let’s Play mit dem Mopped
Oder für die Älteren, die den Begriff Let’s Play nicht verstehen: Es ist ein Onboard-Video von einer Ausfahrt mit dem Mopped, bei der der Fahrer unterwegs via Mikrophon zu einem Thema spricht.
Videos in denen in der Postporduction über Farhaufnahmen Text eingesprochen sind, sind demnach keine Motovlogs, sondern einfach Fahrvideos. Motovlogs werden live eingesprochen, dabei können auch mehr als eine Kamera benutzt werden. Die Themen müssen nicht unbedingt Mopped-Themen sein. Vlogger müssen auch keine Experten sein, es gibt Vlogs von Fahranfängern und Flachländern, die das erste Mal in den Bergen sind. Die Experten gibt es natürlich auch, nicht dass das falsch verstanden wird.

Was gefällt mir daran nicht

Ganz pauschal ist ein Motovlog das schlechteste aus zwei Welten kombiniert. Der Fahrer muss sich auf sein Video konzentrieren, also fährt er schlecht. Kommentare wie „Oh, hier ist ja Tempo XX“, „Hier hätte ich abbiegen müssen“ oder „Wo bin ich hier eigentlich“ sind gute Indizien, dass der Vlogger sich nicht aufs fahren konzentriert. Manchmal konzentriert er sich sie so sehr aufs Fahren, dass er beim Text den Faden verliert.

Da die Vlogger auf dem Mopped sitzen, gibt es auch keinen Platz für Stichwortlisten und änliches, mit allem, was das an Nachteilien bringt. Und natürlich beeinflusst das Fahren auch das Reden.

Frei nach dem Scientologen und Wrist-Twister Keith Code: Motovlogger müssen Ihre 10 Dollar auf fahren, filmen und reden aufteilen, statt sie nur fürs fahren auszugeben.

Webvideos

Auch wenn ich Motovlogs nicht mag, so gucke ich doch gerne Videos im Netz, nur bevorzuge ich eben andere Formate. Die Mopped-Videos die mir gefallen sind in der Regel 5 bis 10 Minuten lang, erzählen eine Geschichte (dasFormat TV-Show-Kopie mit mehreren Themen pro Video ist auch nicht so meins) und sind handwerklich gut gemacht. Davon gibt es so viele Kanäle und Videos, dass ich keine Zeit für Motovlogs habe.
Die meisten Kanäle sind entweder nur Vlogs oder nur gar keine Vlogs.
44Teeth [englisch] nutzt verschiedene Formate, auch Vlogs. So kann ich gut festmachen, dass es das Format ist, das mir nicht gefällt und nicht die Leute. Es ist einfach eine Geschmacksfrage, so wie die, welche Tee-Sorte man lieber mag als Kaffee.
Damit Ihr selbst entscheiden könnt, liste ich hier drei deutschsprachige Vlog-Kanäle. Und wenn Euch einzelne Videos gefallen (Vlogs oder nicht), teilt sich doch einfach über Reddit (Ihr könnt auch das Reddit-RSS der Motorradblogs abonnieren).

Links zu Vlogs

 

 

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Lauter wilde Mopeds (ja, ein P)

In meiner Timeline ist ein Bericht der Krone.at aufgetaucht, den ich hier nicht verlinke. Wer das Original lesen will, kann seine Lieblingssuchmaschine nach „Ötztal-Marathon“ und „484 Mopedlenker“ befragen.

Die Geschichte ist folgende

Der Ötztaler Mopedmarathon ist eine Veranstaltung, auf der 1.500 Mofas und Mopeds die Strecke: Sölden, Ötztal, Kühtai, Brenner, Jaufenpass, Timmelsjoch, Sölden fahren.
Die Landesverkehrsabteilung Tirol machte auf dieser Veranstaltung einen „Schwerpunkteinsatz“ und kontrollierte ca. ein Drittel der Mopeds. Die Kontrolle wurde durchgeführt wegen:

… teils massiver Beschwerden von Anrainern und Verkehrsteilnehmern beim letztjährigen Ötztaler Mopedmarathon.

Die Aktion wird anschließend mit folgendem Statement bilanziert:

… so zeigte der Einsatz doch auch deutlich, dass etliche Mopedlenker mit zu schnellen, zu lauten oder sonst technisch mangelhaften Fahrzeugen unterwegs waren und sich zum Teil auch nicht an die Alkoholbestimmungen gehalten haben

Das klingt nach so einer Art Sodom und Gomorrah auf der Straße. Die Zitate enstammen der Website der Krone.

Meine Meinung

Oscar Quelle PinterestDer Artikel liefert konkrete Zahlen, so dass ich die Wortwahl der Landesverkahrsabteilung (ab jetzt schreibe ich nur noch Polizei, weil das kürzer ist) berechnen kann.
Von 1.500 Teilnehmern wurden 484 überprüft, davon wurde 58 verdächtigt, dass Ihr Moped zu schnell sei und diese wurden gemessen. 11 (0,73% aller Teilnehmer) waren zu schnell, aber nur 4 (0,27%) waren so viel zu schnell, dass Ihnen das Kennzeichen abgenommen wurde.
Ich verstehe das so, dass 7 noch im Rahmen der Toleranz lagen. Im Text steht „erhebliche Überschreitung der Bauartgeschwindigkeit“, aber so erheblich kann sie nicht gewesen sein, denn sonst wären auch deren Kennzeichen eingezogen worden.
So laut, dass das Schild eingezogen wurde waren 3 (0,20%) Fahrzeuge.
Die angesprochenen technischen Mängel waren nicht so schlimm, denn es wurde kein einziges Fahrzeug aus dem Verkehr gezogen, obwohl 27 Mopeds (1,80%) bemängelt wurden.
Zum Vergleich: In einer Pressemeldung vom TÜV Nord vom 08.11.2017 freut man sich, dass die Quote der Autos mit erheblichen Mängeln (keine neue Plakette) auf 22,2% zurückgegangen ist.

Selbst wenn ich alles zusammenzähle, dann sind es nur 4+3+=7 Fahrer, die nicht weiter fahren durften. 7 von 1.500 Teilnehmern sind 0,47%.
Merke: „Etliche“ entspricht unter 0,5% ist aber größer als 0,4%, denn:

Bei der Alkoholkontrolle hatten 6 Fahrer (0,4%) einen Pegel zwischen 0,5 und 0,8 Promille und durften nicht weiterfahren.
0,4% heißt in Polizei-PR-Sprech „zum Teil“ und bedeutet in diesem Fall: Einer weniger als etliche.

Die bekloppten Anrainer

Ohne Frage, 1.500 Mopeds sind lauter als keine Mopeds, aber das ist eine angemeldete Veranstaltung. Und natürlich werden sich Autofahrer beschweren, dass da viele Mopeds fahren und sie eingebremst werden. Das wird bei Radfahrern, Pfingsprozessionen und Almabtrieben nicht anders sein.

Alternative Szenarios

Ich frage mich, wie viele etliche mehr Prozent Verkehrssünder die Polizei fände, wenn sie eine ähnliche Kontrolle bei einem beliebigen Volksfest durchführte. Ich behaupte, alleine die Quote der Fahrer mit zu hohem Alkoholpegel läge deutlich höher. Falschparker, auch solche die abgeschleppt werden, will ich lieber gar nicht erst erwähnen.

Und ich behaupte auch: Wenn die Quote bei unter 0,5% läge, würden Polizei und Krone in Ihrer Bilanz von einem vorbildlichen Verhalten und nur vereinzelten, nicht schlimmen, Ausnahmen sprechen und die Besucher des Festes loben.

Wie schön wäre es gewesen, wenn Polizei und Krone gesagt hätten:
Es gab im Vorfeld des Mopedmarathons viele Beschwerden aus der Bevölkerung. Diese nehmen wir sehr ernst und haben daher Kontrollen durchgeführt. Dabei haben wir festgestellt dass lediglich 3 von 1.500 Mopeds zu laut waren. Das finden wir vorbildlich. Mitbürgern, die sich erneut beschweren, möchten wir zu rufen:

 

 

#Traummopped – Folge Null

Ich lese die Serie “Let’s all tell [Name eines Mopedherrstellers] what to do” bei RideApart und The Motorcycle Obsession gerne. Ganz unten findet Ihr die Links zu den bisher geschriebenen Folgen.
In der Serie schreiben Journalisten, welche Moppeds die Firmen bauen müssten, damit sie erfolgreich sind. In den Kommentaren schreiben Leser weitere Empfehlungen.
Die Verkaufszahlen in unseren westlichen Märkten sind im Vegleich zu Asien winzig klein und die Artikel betrachten jeweils den US und ein bisschen auch den europäischen Markt.
Andererseits ist die Serie keine ernsthafte Empfehlung, sondern eine sehr subjektive Wunsch Sammlung der Autoren und daher ist die echte Realität des Marktes irgendwie egal und der Rest der Welt sowieso.

Ich jetzt

Ich habe beschlossen: Das kann ich auch, aber anders. Ich werden nicht den etablierten großen Herstellern schreiben, was sie bauen sollen, sondern ich wünsche mir einfach Moppeds für verschiedene Einsatzzwecke für mich. In Ermangelung einer besseren Idee, nenne ich diese Reihe einfach: #Traummopped.
Wer mag, kann den Hashtag #Traummopped einfach für seinen Blog, Twitter oder sonst was-Account übernehmen und selbst was schreiben. Ich werde in den kommenden Wochen unregelmäßig immer wieder ein solches Traummopped beschreiben.

Das optimale Mopped

Das optimale Mopped, und ich denke, da gibt es keine Diskussion, ist definiert. Ich habe die beste Formulierung in einem 125er Test gelesen. Der ganze Test und das dazu gehörige Video sind super, aber auf englisch.
Die Definition lautet:

It inspires you to want to ride far and be awesome

Somit wäre das geklärt.

Zum Schluss

Die Marktchancen meiner Traummoppeds sind nicht gegeben, also werde ich darauf keine Rücksicht nehmen.
Was es schon als echtes Mopped gibt, ist vielleicht zu teuer, als dass ich es mir kaufen würde oder könnte, aber kein Traummopped. Traummoppeds sind nicht real.

Links zu Let us all tell …

Einmal Mopped zum selber schrauben bitte.

Revzilla ist in den USA ein Versandhandel, bei dem ich noch nie was bestellt habe. Den Revzilla-Blog habe ich dagegen schon lange geordert und lasse ihn mir in den RSS-Reader liefern. Dieses Mal schreibt Spurgeon, einer der Blog-Autoren, über die SG250 Café Racer der Marke CSC .

Die Marke CSC

Wer die Marke CSC hierzulande nicht kennt, muss sich nicht grämen. CSC steht für Califonia Scooter Company und hat ein Vertriebskonzept, dass ich hier vorstellen möchte.

CSC RX3

CSC importiert Moppeds aus China, z.B. die Zongshen Cyclone RX3 und verkauft sie dortzulande als CSC RX3 Adventure.
Ob die anderen CSC Modelle auch Zongshen-Badge-Engineering sind oder von anderen Herstellern kommen, habe ich nicht überprüft, denn es ist nicht Thema dieses Beitrags. Wer Zongshen nicht kennt: Die Chinesen bauen laut Wikipedia [englisch] ca. 1.000.000 Moppeds pro Jahr und sind Partner von Piaggio und Harley-Davidson.

Das Vertriebsmodell

CSC Verkauft die Moppeds über das Netz (wie es die etablierten Premium-Hersteller mit Ihren Limitied Edition Modelle auch antesten) und verzichten auf Händler und Werkstätten vor Ort (was die Etablierten nicht tun). Stattdessen werden fertig zusammengeschraubte Moppeds direkt zum Kunden geschickt.

Yamaha XT250

Und statt dem Händler vorzugeben, wie viel Zeiteinheiten er pro Inspektion oder Reparatur abrechnen darf, kriegt der Kunde ein Werkstatthandbuch und darf selber schrauben. Zusätzlich gibt es auf der Website von CSC Schrauber Tutorials.
So ganz ohne Händler und Niederlassungen und Vertragswerkstätten spart CSC viel Geld und kann die Moppeds vergleichsweise billig verkaufen. 12 Monate Garantie gibt es trotzdem.
Ein kleiner Preisvergleich: Die CSC TT250 kostet inklusive Auslieferung $2.595. Eine vergleichbare Yamaha XT250 steht mit $5.199 auf der Website, das ist so ca. das Doppelte. Die Preise können sich natürlich jederzeit ändern.

Meine Meinung

Die Idee, den Kunden zum selber schrauben zu motivieren, gefällt mir. In der Stadt ist es bei uns schwierig eine Garage zu finden, die nicht an einer 150 Quadratmeter-Wohnung für 1.500 Eumel Kaltmiete hängt, aber so ein billiges kleines Motorrad kann gut unter der Laterne parken. Wenn dann geschraubt werden soll, kann man sich in eine Mietwerkstatt einbuchen und findet dort in der Regel auch noch kompetente Beratung. Das könnte auch die Maker-Hipster-Reparatur-Café-Freunde ansprechen, die nicht als Bikini-Vollbart-Model-Influencer bei Instagram 1.000 Hashtags unter jedes Foto schreiben. Wer sein Mppped mal selbst  beschraubt hat, wird viel schwerer auf ein Mopped verzichten und komplett aufs Auto umsteigen wollen, behaupte ich bis zum wissenschaftlichen Beweis des Gegenteils.
Für die großen Hersteller, mit Ihren vielen Händlern und Werkstätten für die 200 PS Moppeds mit voller Elektro-Packung ist das nicht unbedingt der richtige Weg, Einsteiger-Moppeds zum selber schrauben zu verkaufen. Trotzdem ist das kein Grund, den chinesischen Konfektionären das Feld zu überlassen, falls sie es denn auch nach Europa brächten. Neben den ca. 140.000 Neukunden pro Jahr könnten sich die Etablierten auch verstärkt um den Altbestand von mehr als 4,3 Millionen Moppeds kümmern und kleine, preiswerte 125er bis 400er haben inzwischen auch fast alle wieder im Programm. Vielleicht lassen sie sich von CSC inspirieren.

Laut ist wieder out

Der IVM, das ist kurz für Industrie Verband Motorrad, ist der Zusammenschluss derjenigen Firmen, die uns unter anderem den Klappenauspuff gebracht haben.
Der Klappenauspuff ist so eine Art Mini-Dieselgate. Im Schalldämpfer ist eine Klappe eingebaut, die auf geht, sobald die Motordrehzahl höher ist als die, bei der die Geräusche auf dem Prüfstand gemessen werden. Ist die Klappe auf, ist das Mopped laut.

Diese Frühjahr kam es wieder zu einigen Streckensperrungen für Moppeds, die auch mit „Lärmbelästigung“ begründet wurden.

Die Kampagne

Der Klappenauspuff-Verband macht jetzt was dagegen: Er holt den alten 90er Jahre Gassenhauer: „Laut ist out“ wieder aus dem Archiv.

Statt Aufkleber gibt es dieses mal eine Social Media-Kampagne mit ironisch-fiktiver Wendung und dem Horrorszenario „Streckensperrung“.  Ziel ist eine breite engagierte Diskussion unter Motorradfahrern.

Meine Meinung

Für mich klingt das alles wie: Diesel mit Schummelsoftware bauen und dann eine Social Media Kampagne (mit ironisch-fiktiver Wendung und Horrorszenario „Innenstadt-Sperrung“) starten, damit die Kunden den Diesel so fahren, wie im Prüfzyklus vorgesehen. Ach nein, Ziel ist ja gar nicht, dass die Leute anders fahren, sie sollen nur eine breite engagierte Diskussion führen.

Oder anders formuliert sagt der IVM: Klar ist das Mopped zu laut, aber am Prüfstand ist es leise.
Ich habe noch keinen Auto-Lobbyisten gehört der sagte: Klar ist der Diesel zu schmutzig im Alltag, aber am Prüfstand ist er sauber.
Das sagen die Auto-Leute nicht, weil sie wissen, dass es nicht gut fürs Diesel-Image ist.
Das ist von mir simplifiziert dargestellt, aber ich denke Ihr versteht, wie ich es meine. Der Legalität-Status der Diesel-Software ist nicht eindeutig geklärt und die Abschaltung wird nicht als Verkaufsargument genutzt, im Gegensatz zur Auspuff-Klappe bei Moppeds.

P.S.
Meine #Hippe ist verdammt leise und hat auch keinen Klappe im Auspuff und das gefällt mir.

P.P.S.
Natürlich könnte der IVM auch eine andere Image-Strategie verfolgen, statt die Nachteile und Defizite (eine andere Kampagne heißt Motorrad Aber sicher!), die ein Mopped hat, zu thematisieren. Wie wäre es mit den Vorteilen, ich sage nur: Stau und Parkplatzsuche. Oder wie wäre es mit Sport, wie z.B. der IDM …

 

 

Der Grüß-August und die Mopped-Community

Vorweg: ich kann mit diesem Ausdruck “Mopped-Community” nix anfangen, ich bin da auch kein Mitglied.

Die Grüßer

Für viele scheint auf dem Mopped, das Wedeln mit der Hand, total wichtig zu sein. Nein, falsch oder besser: anders.
Für viele scheint es total wichtig zu sein, von einem entgegenkommenden Mopped angewedelt zu werden.

Normalerweise schreibe ich hier nichts von meinen Wanderungen, aber da ich letztes ein paar Kilometer entlang einer Landstraße wandern musste (wieso sperrt man einen ganzen Wald?), konnte ich folgende Beobachtung machen:
Moppedfahrer, die wütend den Stinkefinger nach hinten zeigten.
Da ich erst nicht wusste, ob das eine regionale Tradition ist, die ich nicht kenne, habe ich ein wenig beobachtet. Der Finger nach hinten wurde gezeigt, nachdem der Kradist nicht vom entgegenkommenden zurück gegrüßt wurde. Das habe ich vorher noch nie so beobachtet. Ist das mittlerweile üblich unter Grüßern, Nicht-Grüßern den Finger in den Rücken zu zeigen?

Nicht-Grüßer

Nicht-Grüßer

Ich bin einer von den Nicht-Grüßern. Es ist mir nämlich egal, wer oder was mir entgegen kommt. Wenn ich im Landschafts-Guck-Modus fahre, habe ich keine Kapazitäten in meinem Hirn frei, die nicht mit fahren oder gucken beschäftigt sind.
Und wenn ich im Angriffs-Modus fahre, dann habe ich dafür erst recht keine Hirnkapazität übrig.

Im Bummel-Modus oder im Winter kann es aber schon mal vorkommen, dass ich auch den Grüß-August mache, dann ist mir aber egal, ob ich zurück gegrüßt werde.

In gleicher Richtung

Ganz seltsam finde ich, dass sich das Grüßen auf Moppeds zu beschränken scheint, die in Gegenrichtung unterwegs sind. Wer nebeneinander an der Ampel steht muss starr geradeaus gucken, auf gar keinen Fall darf man Blickkontakt aufnehmen. Einen anderen Moppedfahrer an der Ampel anzusprechen wird mit Zündaussetzern und im Wiederholungsfall mit Plattfuß bestraft, vermute ich.
Manchmal spreche ich trotzdem den anderen an, was dann zu herrlich verwirrten Blicken und Hektik führt und ab und zu auch zu einer Antwort. Oft wird es aber auch einfach nur ignoriert,
Die Tage wurde ich von einer GS-Reisegruppe aus DU-KR-MO überholt, die alle mit dem Fuß gegrüßt haben. Das ist mir in Deutschland noch nie passiert. Der Fuß-Gruß ist hierzulande fast unbekannt.
Und überhaupt, wenn ich mal etwas Verbindendes mit anderen Moppedfahrern gespürt habe, dann immer mit Leuten, die in der gleichen Richtung wie ich unterwegs waren und nicht in den tageslichthellen 12 Millisekunden, in denen mir jemand winkend entgegen kam.
(Memo an mich: da könnte ich in Zukunft mal ein paar Beiträge zu schreiben, was ich dabei erlebt habe.)

Keine Community

Letztes Jahr habe ich im Bergischen bei einem gestrandeten Mopped auf der Bundesstraße gehalten. Dass er gestrandet war und keine Pause machte war sehr leicht daran zu erkennen, dass er den Bock schob.

Soll ich Dich abschleppen?
Nein, lieber nicht.
ADAC rufen, Dich irgendwo hinfahren? Was ist den kaputt?
Ich brauche nur Sprit, im nächsten Ort ist eine Tankstelle.

Er gab mir dann einen Fünfer und drückte mir eine Wasserflasche, die er noch schnell leer gemacht hat, in die Hand. Der Tankwart wollte mir den Sprit, den ich in die Flasche gezapft habe, erst nicht verkaufen, weil das kein geeigneter Transport-Behälter sei. Zurücknehmen und mir nur den Sprit verkaufen, den ich in mein Mopped gepackt habe, wollte er dann auch nicht. Komischer Typ.

Zurück zum Pannen-Mopped. Mit frischem Wasserflaschen-Sprit lief die Kiste wieder. In der ganzen Zeit, über eine Stunde schieben plus eine halbe Stunde warten, hatte nicht ein einziges anderes Mopped angehalten, wurde mir berichtet. Aber immerhin hatten einige gegrüßt.

Vom Joe Bar Team geklaut. Lest mehr Joe Bar Comics!

Autobahn-Community

Wenn ich durch den Stau filter und mir macht ein PKW oder LKW Platz, dann grüße bzw. bedanke ich mich durch erhobene linke Hand. Ihr wisst schon: Die Linke zum Gruß und so, nur halt mit Autos.

Das Image von Moppeds

Ich habe den Eindruck, dass Moppeds außerhalb von Mopped-Zeitschriften, deren Ablegern und Blogs fast aus den Medien verschwunden sind. Selbst die vormals jedes Frühjahr wiederholt gedrehte Doku über Krach machende Raser-Moppeds aus dem ZDF, kam dieses Jahr gar nicht.

Zum Glück entdeckte ich dann im TV-Programm die 45 Min Doku mit einem Mopped-Bild als Aufmacher. Was das wohl sein könnte?

Screenshot

Die Inhaltsangabe sagt, dass es um das fehlende Tempolimit auf der Bahn geht und um Autos. Im ganzen Text kommt das Wort Motorrad nicht mal vor.
Auf dem Bild ist jedoch weder Auto noch Autobahn zu sehen und eine Vergrößerung zeigt, dass auf dem Tacho (nicht dem runden Drehzahlmesser) irgendwas mit 30 steht. Leider ist die Auflösung des Bilds nicht gut genug um den Tacho richtig lesen zu können. Ich habe es nicht geguckt.

Im Klartext: Für eine Autos-rasen-auf-der-Autobahn-Doku wirbt ein langsam fahrendes Mopped am Ortseingang.

Auto Hersteller

Und dann ist mir die Nissan-Reklame im TV aufgefallen, in der ein Auto in der Stadt schneller ans Ziel kommt, weil es eine Rückfahr-Kamera hat, als ein Mopped. Klick hier, falls Du das Video sehen willst.

Suzuki hatte mal vor langer Zeit eine ähnliche Idee, als man mit Hilfe von Morphing eine Hayabusa in einen Swift (oder sowas) verwandelte, um das Auto zu bewerben. Dazu habe ich nicht mal einen Link gesucht.

Was auch immer sich die Reklame-Menschen dabei gedacht haben wollen. Ich glaube, niemand, der sich für eine Busa interessierte, hat sich stattdessen einen Swift gekauft, weil der noch cooler, wilder oder schneller war. Und glaubt wirklich jemand, dass er innerorts mit dem Auto schneller ist als mit dem Mopped?

Im Klartext: Moppeds werden nur von Verlieren genutzt, sagt die Reklame.

Zeitschriften

Ich habe mir dann mal den Spaß gemacht und ein paar Zeitschriften nach Anzeigen mit Motorrädern durchgeblättert. Von Herstellern habe ich da nichts gefunden, aber auch andere Marken haben das Mopped aus Ihrer Lifestyle-Image-Welt entfernt. Mir fiel auf dem Rückweg noch ein Plakat mit Zigaretten-Reklame auf, in dem ein Roller per schlechter Bildbearbeitung in ein Strand-Szenario eingebaut wurde. Ansonsten konnte ich nirgendwo Moppeds finden.

Im Klartext: Moppeds gibt es gar nicht mehr.

Wie finde ich denn das?

Ich bin mir noch nicht so ganz sicher, ob ich es gut finde, dass Moppeds nur noch heimlich und versteckt stattfinden. Die Leute, die vom Verkauf von Moppeds und Zubehör leben wollen, könnten sich da mal ein paar Gedanken machen. Einerseits wird über rückläufige Verkäufe gejammert, andererseits werden keine neuen Kunden angesprochen.
Wenn nicht mal die Hersteller Ihre eigenen Produkte mit positiven Werten aufladen, wieso sollte dann der Kaffee-Röster, Pullover-Stricker, Uhr-Macher, Fenster-Kipper oder Sonstwas-Hersteller ein Mopped neben sein Produkt stellen? Wenn Lieschen Müller nicht weiß, dass eine Fireblade für Geschwindigkeit steht, wird die schnellste App der Welt eben mit einem Auto von z.B. Porsche beworben. So lernt Auto-Lieschen, dass die App schnell ist und App-Lieschen, dass der Porsche schnell ist.

Interessante Anekdote

Ich habe letztens meine alte, ungeputzte #Hippe vor einem Café zwischen einer aktuellen aufgemotzen  S-Klasse und einem dieser neuen VW-Sport-Bentleys geparkt. In den paar Minuten, die ich dort saß und Cola trank haben sich mehrere Kinder mein Mopped angeguckt, drauf gezeigt und mit den Eltern scheinbar darüber geredet. Die Autos haben sie nicht beachtet.

Die große Verschwörungs-Theorie

Wie alle Verschwörungs-Theorien kommt auch diese komplett ohne wissenschaftliche Beweise aus, stattdessen ist sie nur in meinen Hirnwindungen selbst zusammengestückelt.

Warum stehen so viele Kinder auf Moppeds? Es ist nicht nur die Café-Szene von oben, eigentlich immer, wenn ich mit dem Mopped unterwegs bin, gibt es irgendwo mindestens ein Kind, dass mit großen Augen in meine Richtung guckt. Das liegt natürlich am Mopped, nicht an mir.
Warum finden Kinder Moppeds toll und Erwachsene nicht?
Meine Vermutung ist: Moppedartiges ist teil Ihres Alltags. Ob es nun das Laufrad, das Fahrrad oder die Motorrad-Federwippe auf dem Spielplatz ist. Kinder verbinden Moppeds mit ihrer eigenen Welt und Spaß. Auto, das bedeutet: im Kindersitz festgebundener Passagier im eigenen Leben zu sein. Irgendwann später dann, stehen Moppeds nur noch für „kein Auto“.