#Traummopped – Folge Null

Ich lese die Serie “Let’s all tell [Name eines Mopedherrstellers] what to do” bei RideApart und The Motorcycle Obsession gerne. Ganz unten findet Ihr die Links zu den bisher geschriebenen Folgen.
In der Serie schreiben Journalisten, welche Moppeds die Firmen bauen müssten, damit sie erfolgreich sind. In den Kommentaren schreiben Leser weitere Empfehlungen.
Die Verkaufszahlen in unseren westlichen Märkten sind im Vegleich zu Asien winzig klein und die Artikel betrachten jeweils den US und ein bisschen auch den europäischen Markt.
Andererseits ist die Serie keine ernsthafte Empfehlung, sondern eine sehr subjektive Wunsch Sammlung der Autoren und daher ist die echte Realität des Marktes irgendwie egal und der Rest der Welt sowieso.

Ich jetzt

Ich habe beschlossen: Das kann ich auch, aber anders. Ich werden nicht den etablierten großen Herstellern schreiben, was sie bauen sollen, sondern ich wünsche mir einfach Moppeds für verschiedene Einsatzzwecke für mich. In Ermangelung einer besseren Idee, nenne ich diese Reihe einfach: #Traummopped.
Wer mag, kann den Hashtag #Traummopped einfach für seinen Blog, Twitter oder sonst was-Account übernehmen und selbst was schreiben. Ich werde in den kommenden Wochen unregelmäßig immer wieder ein solches Traummopped beschreiben.

Das optimale Mopped

Das optimale Mopped, und ich denke, da gibt es keine Diskussion, ist definiert. Ich habe die beste Formulierung in einem 125er Test gelesen. Der ganze Test und das dazu gehörige Video sind super, aber auf englisch.
Die Definition lautet:

It inspires you to want to ride far and be awesome

Somit wäre das geklärt.

Zum Schluss

Die Marktchancen meiner Traummoppeds sind nicht gegeben, also werde ich darauf keine Rücksicht nehmen.
Was es schon als echtes Mopped gibt, ist vielleicht zu teuer, als dass ich es mir kaufen würde oder könnte, aber kein Traummopped. Traummoppeds sind nicht real.

Links zu Let us all tell …

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Einmal Mopped zum selber schrauben bitte.

Revzilla ist in den USA ein Versandhandel, bei dem ich noch nie was bestellt habe. Den Revzilla-Blog habe ich dagegen schon lange geordert und lasse ihn mir in den RSS-Reader liefern. Dieses Mal schreibt Spurgeon, einer der Blog-Autoren, über die SG250 Café Racer der Marke CSC .

Die Marke CSC

Wer die Marke CSC hierzulande nicht kennt, muss sich nicht grämen. CSC steht für Califonia Scooter Company und hat ein Vertriebskonzept, dass ich hier vorstellen möchte.

CSC RX3

CSC importiert Moppeds aus China, z.B. die Zongshen Cyclone RX3 und verkauft sie dortzulande als CSC RX3 Adventure.
Ob die anderen CSC Modelle auch Zongshen-Badge-Engineering sind oder von anderen Herstellern kommen, habe ich nicht überprüft, denn es ist nicht Thema dieses Beitrags. Wer Zongshen nicht kennt: Die Chinesen bauen laut Wikipedia [englisch] ca. 1.000.000 Moppeds pro Jahr und sind Partner von Piaggio und Harley-Davidson.

Das Vertriebsmodell

CSC Verkauft die Moppeds über das Netz (wie es die etablierten Premium-Hersteller mit Ihren Limitied Edition Modelle auch antesten) und verzichten auf Händler und Werkstätten vor Ort (was die Etablierten nicht tun). Stattdessen werden fertig zusammengeschraubte Moppeds direkt zum Kunden geschickt.

Yamaha XT250

Und statt dem Händler vorzugeben, wie viel Zeiteinheiten er pro Inspektion oder Reparatur abrechnen darf, kriegt der Kunde ein Werkstatthandbuch und darf selber schrauben. Zusätzlich gibt es auf der Website von CSC Schrauber Tutorials.
So ganz ohne Händler und Niederlassungen und Vertragswerkstätten spart CSC viel Geld und kann die Moppeds vergleichsweise billig verkaufen. 12 Monate Garantie gibt es trotzdem.
Ein kleiner Preisvergleich: Die CSC TT250 kostet inklusive Auslieferung $2.595. Eine vergleichbare Yamaha XT250 steht mit $5.199 auf der Website, das ist so ca. das Doppelte. Die Preise können sich natürlich jederzeit ändern.

Meine Meinung

Die Idee, den Kunden zum selber schrauben zu motivieren, gefällt mir. In der Stadt ist es bei uns schwierig eine Garage zu finden, die nicht an einer 150 Quadratmeter-Wohnung für 1.500 Eumel Kaltmiete hängt, aber so ein billiges kleines Motorrad kann gut unter der Laterne parken. Wenn dann geschraubt werden soll, kann man sich in eine Mietwerkstatt einbuchen und findet dort in der Regel auch noch kompetente Beratung. Das könnte auch die Maker-Hipster-Reparatur-Café-Freunde ansprechen, die nicht als Bikini-Vollbart-Model-Influencer bei Instagram 1.000 Hashtags unter jedes Foto schreiben. Wer sein Mppped mal selbst  beschraubt hat, wird viel schwerer auf ein Mopped verzichten und komplett aufs Auto umsteigen wollen, behaupte ich bis zum wissenschaftlichen Beweis des Gegenteils.
Für die großen Hersteller, mit Ihren vielen Händlern und Werkstätten für die 200 PS Moppeds mit voller Elektro-Packung ist das nicht unbedingt der richtige Weg, Einsteiger-Moppeds zum selber schrauben zu verkaufen. Trotzdem ist das kein Grund, den chinesischen Konfektionären das Feld zu überlassen, falls sie es denn auch nach Europa brächten. Neben den ca. 140.000 Neukunden pro Jahr könnten sich die Etablierten auch verstärkt um den Altbestand von mehr als 4,3 Millionen Moppeds kümmern und kleine, preiswerte 125er bis 400er haben inzwischen auch fast alle wieder im Programm. Vielleicht lassen sie sich von CSC inspirieren.

Laut ist wieder out

Der IVM, das ist kurz für Industrie Verband Motorrad, ist der Zusammenschluss derjenigen Firmen, die uns unter anderem den Klappenauspuff gebracht haben.
Der Klappenauspuff ist so eine Art Mini-Dieselgate. Im Schalldämpfer ist eine Klappe eingebaut, die auf geht, sobald die Motordrehzahl höher ist als die, bei der die Geräusche auf dem Prüfstand gemessen werden. Ist die Klappe auf, ist das Mopped laut.

Diese Frühjahr kam es wieder zu einigen Streckensperrungen für Moppeds, die auch mit „Lärmbelästigung“ begründet wurden.

Die Kampagne

Der Klappenauspuff-Verband macht jetzt was dagegen: Er holt den alten 90er Jahre Gassenhauer: „Laut ist out“ wieder aus dem Archiv.

Statt Aufkleber gibt es dieses mal eine Social Media-Kampagne mit ironisch-fiktiver Wendung und dem Horrorszenario „Streckensperrung“.  Ziel ist eine breite engagierte Diskussion unter Motorradfahrern.

Meine Meinung

Für mich klingt das alles wie: Diesel mit Schummelsoftware bauen und dann eine Social Media Kampagne (mit ironisch-fiktiver Wendung und Horrorszenario „Innenstadt-Sperrung“) starten, damit die Kunden den Diesel so fahren, wie im Prüfzyklus vorgesehen. Ach nein, Ziel ist ja gar nicht, dass die Leute anders fahren, sie sollen nur eine breite engagierte Diskussion führen.

Oder anders formuliert sagt der IVM: Klar ist das Mopped zu laut, aber am Prüfstand ist es leise.
Ich habe noch keinen Auto-Lobbyisten gehört der sagte: Klar ist der Diesel zu schmutzig im Alltag, aber am Prüfstand ist er sauber.
Das sagen die Auto-Leute nicht, weil sie wissen, dass es nicht gut fürs Diesel-Image ist.
Das ist von mir simplifiziert dargestellt, aber ich denke Ihr versteht, wie ich es meine. Der Legalität-Status der Diesel-Software ist nicht eindeutig geklärt und die Abschaltung wird nicht als Verkaufsargument genutzt, im Gegensatz zur Auspuff-Klappe bei Moppeds.

P.S.
Meine #Hippe ist verdammt leise und hat auch keinen Klappe im Auspuff und das gefällt mir.

P.P.S.
Natürlich könnte der IVM auch eine andere Image-Strategie verfolgen, statt die Nachteile und Defizite (eine andere Kampagne heißt Motorrad Aber sicher!), die ein Mopped hat, zu thematisieren. Wie wäre es mit den Vorteilen, ich sage nur: Stau und Parkplatzsuche. Oder wie wäre es mit Sport, wie z.B. der IDM …

 

 

Der Grüß-August und die Mopped-Community

Vorweg: ich kann mit diesem Ausdruck “Mopped-Community” nix anfangen, ich bin da auch kein Mitglied.

Die Grüßer

Für viele scheint auf dem Mopped, das Wedeln mit der Hand, total wichtig zu sein. Nein, falsch oder besser: anders.
Für viele scheint es total wichtig zu sein, von einem entgegenkommenden Mopped angewedelt zu werden.

Normalerweise schreibe ich hier nichts von meinen Wanderungen, aber da ich letztes ein paar Kilometer entlang einer Landstraße wandern musste (wieso sperrt man einen ganzen Wald?), konnte ich folgende Beobachtung machen:
Moppedfahrer, die wütend den Stinkefinger nach hinten zeigten.
Da ich erst nicht wusste, ob das eine regionale Tradition ist, die ich nicht kenne, habe ich ein wenig beobachtet. Der Finger nach hinten wurde gezeigt, nachdem der Kradist nicht vom entgegenkommenden zurück gegrüßt wurde. Das habe ich vorher noch nie so beobachtet. Ist das mittlerweile üblich unter Grüßern, Nicht-Grüßern den Finger in den Rücken zu zeigen?

Nicht-Grüßer

Nicht-Grüßer

Ich bin einer von den Nicht-Grüßern. Es ist mir nämlich egal, wer oder was mir entgegen kommt. Wenn ich im Landschafts-Guck-Modus fahre, habe ich keine Kapazitäten in meinem Hirn frei, die nicht mit fahren oder gucken beschäftigt sind.
Und wenn ich im Angriffs-Modus fahre, dann habe ich dafür erst recht keine Hirnkapazität übrig.

Im Bummel-Modus oder im Winter kann es aber schon mal vorkommen, dass ich auch den Grüß-August mache, dann ist mir aber egal, ob ich zurück gegrüßt werde.

In gleicher Richtung

Ganz seltsam finde ich, dass sich das Grüßen auf Moppeds zu beschränken scheint, die in Gegenrichtung unterwegs sind. Wer nebeneinander an der Ampel steht muss starr geradeaus gucken, auf gar keinen Fall darf man Blickkontakt aufnehmen. Einen anderen Moppedfahrer an der Ampel anzusprechen wird mit Zündaussetzern und im Wiederholungsfall mit Plattfuß bestraft, vermute ich.
Manchmal spreche ich trotzdem den anderen an, was dann zu herrlich verwirrten Blicken und Hektik führt und ab und zu auch zu einer Antwort. Oft wird es aber auch einfach nur ignoriert,
Die Tage wurde ich von einer GS-Reisegruppe aus DU-KR-MO überholt, die alle mit dem Fuß gegrüßt haben. Das ist mir in Deutschland noch nie passiert. Der Fuß-Gruß ist hierzulande fast unbekannt.
Und überhaupt, wenn ich mal etwas Verbindendes mit anderen Moppedfahrern gespürt habe, dann immer mit Leuten, die in der gleichen Richtung wie ich unterwegs waren und nicht in den tageslichthellen 12 Millisekunden, in denen mir jemand winkend entgegen kam.
(Memo an mich: da könnte ich in Zukunft mal ein paar Beiträge zu schreiben, was ich dabei erlebt habe.)

Keine Community

Letztes Jahr habe ich im Bergischen bei einem gestrandeten Mopped auf der Bundesstraße gehalten. Dass er gestrandet war und keine Pause machte war sehr leicht daran zu erkennen, dass er den Bock schob.

Soll ich Dich abschleppen?
Nein, lieber nicht.
ADAC rufen, Dich irgendwo hinfahren? Was ist den kaputt?
Ich brauche nur Sprit, im nächsten Ort ist eine Tankstelle.

Er gab mir dann einen Fünfer und drückte mir eine Wasserflasche, die er noch schnell leer gemacht hat, in die Hand. Der Tankwart wollte mir den Sprit, den ich in die Flasche gezapft habe, erst nicht verkaufen, weil das kein geeigneter Transport-Behälter sei. Zurücknehmen und mir nur den Sprit verkaufen, den ich in mein Mopped gepackt habe, wollte er dann auch nicht. Komischer Typ.

Zurück zum Pannen-Mopped. Mit frischem Wasserflaschen-Sprit lief die Kiste wieder. In der ganzen Zeit, über eine Stunde schieben plus eine halbe Stunde warten, hatte nicht ein einziges anderes Mopped angehalten, wurde mir berichtet. Aber immerhin hatten einige gegrüßt.

Vom Joe Bar Team geklaut. Lest mehr Joe Bar Comics!

Autobahn-Community

Wenn ich durch den Stau filter und mir macht ein PKW oder LKW Platz, dann grüße bzw. bedanke ich mich durch erhobene linke Hand. Ihr wisst schon: Die Linke zum Gruß und so, nur halt mit Autos.

Das Image von Moppeds

Ich habe den Eindruck, dass Moppeds außerhalb von Mopped-Zeitschriften, deren Ablegern und Blogs fast aus den Medien verschwunden sind. Selbst die vormals jedes Frühjahr wiederholt gedrehte Doku über Krach machende Raser-Moppeds aus dem ZDF, kam dieses Jahr gar nicht.

Zum Glück entdeckte ich dann im TV-Programm die 45 Min Doku mit einem Mopped-Bild als Aufmacher. Was das wohl sein könnte?

Screenshot

Die Inhaltsangabe sagt, dass es um das fehlende Tempolimit auf der Bahn geht und um Autos. Im ganzen Text kommt das Wort Motorrad nicht mal vor.
Auf dem Bild ist jedoch weder Auto noch Autobahn zu sehen und eine Vergrößerung zeigt, dass auf dem Tacho (nicht dem runden Drehzahlmesser) irgendwas mit 30 steht. Leider ist die Auflösung des Bilds nicht gut genug um den Tacho richtig lesen zu können. Ich habe es nicht geguckt.

Im Klartext: Für eine Autos-rasen-auf-der-Autobahn-Doku wirbt ein langsam fahrendes Mopped am Ortseingang.

Auto Hersteller

Und dann ist mir die Nissan-Reklame im TV aufgefallen, in der ein Auto in der Stadt schneller ans Ziel kommt, weil es eine Rückfahr-Kamera hat, als ein Mopped. Klick hier, falls Du das Video sehen willst.

Suzuki hatte mal vor langer Zeit eine ähnliche Idee, als man mit Hilfe von Morphing eine Hayabusa in einen Swift (oder sowas) verwandelte, um das Auto zu bewerben. Dazu habe ich nicht mal einen Link gesucht.

Was auch immer sich die Reklame-Menschen dabei gedacht haben wollen. Ich glaube, niemand, der sich für eine Busa interessierte, hat sich stattdessen einen Swift gekauft, weil der noch cooler, wilder oder schneller war. Und glaubt wirklich jemand, dass er innerorts mit dem Auto schneller ist als mit dem Mopped?

Im Klartext: Moppeds werden nur von Verlieren genutzt, sagt die Reklame.

Zeitschriften

Ich habe mir dann mal den Spaß gemacht und ein paar Zeitschriften nach Anzeigen mit Motorrädern durchgeblättert. Von Herstellern habe ich da nichts gefunden, aber auch andere Marken haben das Mopped aus Ihrer Lifestyle-Image-Welt entfernt. Mir fiel auf dem Rückweg noch ein Plakat mit Zigaretten-Reklame auf, in dem ein Roller per schlechter Bildbearbeitung in ein Strand-Szenario eingebaut wurde. Ansonsten konnte ich nirgendwo Moppeds finden.

Im Klartext: Moppeds gibt es gar nicht mehr.

Wie finde ich denn das?

Ich bin mir noch nicht so ganz sicher, ob ich es gut finde, dass Moppeds nur noch heimlich und versteckt stattfinden. Die Leute, die vom Verkauf von Moppeds und Zubehör leben wollen, könnten sich da mal ein paar Gedanken machen. Einerseits wird über rückläufige Verkäufe gejammert, andererseits werden keine neuen Kunden angesprochen.
Wenn nicht mal die Hersteller Ihre eigenen Produkte mit positiven Werten aufladen, wieso sollte dann der Kaffee-Röster, Pullover-Stricker, Uhr-Macher, Fenster-Kipper oder Sonstwas-Hersteller ein Mopped neben sein Produkt stellen? Wenn Lieschen Müller nicht weiß, dass eine Fireblade für Geschwindigkeit steht, wird die schnellste App der Welt eben mit einem Auto von z.B. Porsche beworben. So lernt Auto-Lieschen, dass die App schnell ist und App-Lieschen, dass der Porsche schnell ist.

Interessante Anekdote

Ich habe letztens meine alte, ungeputzte #Hippe vor einem Café zwischen einer aktuellen aufgemotzen  S-Klasse und einem dieser neuen VW-Sport-Bentleys geparkt. In den paar Minuten, die ich dort saß und Cola trank haben sich mehrere Kinder mein Mopped angeguckt, drauf gezeigt und mit den Eltern scheinbar darüber geredet. Die Autos haben sie nicht beachtet.

Die große Verschwörungs-Theorie

Wie alle Verschwörungs-Theorien kommt auch diese komplett ohne wissenschaftliche Beweise aus, stattdessen ist sie nur in meinen Hirnwindungen selbst zusammengestückelt.

Warum stehen so viele Kinder auf Moppeds? Es ist nicht nur die Café-Szene von oben, eigentlich immer, wenn ich mit dem Mopped unterwegs bin, gibt es irgendwo mindestens ein Kind, dass mit großen Augen in meine Richtung guckt. Das liegt natürlich am Mopped, nicht an mir.
Warum finden Kinder Moppeds toll und Erwachsene nicht?
Meine Vermutung ist: Moppedartiges ist teil Ihres Alltags. Ob es nun das Laufrad, das Fahrrad oder die Motorrad-Federwippe auf dem Spielplatz ist. Kinder verbinden Moppeds mit ihrer eigenen Welt und Spaß. Auto, das bedeutet: im Kindersitz festgebundener Passagier im eigenen Leben zu sein. Irgendwann später dann, stehen Moppeds nur noch für „kein Auto“.

 

Datenschutz ist Dein Job

In den letzten Tagen haben sich zwei Mopped-Blogger wegen der DSVGO verabschiedet. Es gibt zu dem Thema eine Menge in Netz, wer sich für die Details interessiert, kann dort mit einer Suche anfangen. Ich mache keinem Blogger einen Vorwurf, wenn er im Land des Abmahnungs-Geschäftsmodells seinen Blog zumacht.

Es ist nicht mein Job, auf Deine Daten aufzupassen

Datenschutz ist wichtig. Und es ist Deine verdammte Aufgabe, Deine Daten zu schützen.

  • Teile und Schreibe nichts, dass Du nicht auch einem Fremden auf der Straße sagen oder zeigen würdest
  • Nutze Pseudonyme
  • Nutze verschiedene Pseudonyme
  • Logge Dich nicht automatisch überall ein
  • Nutze die Privatsphäre Einstellungen bei Facebook, Google und Co.
  • Nutze verschiedene Browser
  • Lösche regelmäßig Cookies, Cache und Chronik Deiner Browser
  • Nutze verschiedene Suchmaschinen wie DuckDuckGo, Startpage, MetaGer
  • Nutze einen Passwort-Manager
  • Nutze Tools, die Deine Daten schützen

Das setze ich ein

Ich nutze Firefox als Browser mit ein paar Erweiterungen wie:

  • Multi Account Containers
  • Facebook Container
  • uBlock Origin als Werbeblocker

Weitere nützliche Tools sind:

  • AnonymoX
  • Disconnect
  • Ghostery
  • Policy Control
  • Privacy Badger
  • Script Safe

Diese Tools schränken manchmal die Funktion von Websites ein. Dann kann, bzw.muss man bewusst aussuchen, welche Scripte und Tracker man zulassen möchte, damit die Seite wieder funktioniert. Dazu müssen in den Add-Ons Einstellungen vorgenommen werden. Nicht jedes Script und jeder Tracker ist notwendig, damit Der Inhalt der Seite angezeigt wird, manche sind nur für die Werbung oder Datenerhebung. Das ist ein wenig mühsam und mit Sicherheit nicht für jeden interessant. Wer keine Lust auf manuelle Einstellungen hat kann die Add-Ons einfach auf der jeweiligen Seite deaktivieren und nach anderen, selbstlernenden suchen. Tipps könnt Ihr gerne in die Kommentare packen.
Wer diese Erweiterungen mal aktiviert hatte wird sich in Zukunft vielleicht daran erinnern, dass er nicht immer alles sofort jedem Datensammler auf die Nase binden muss.

Ich habe nicht alle oben genannten Erweiterungen gleichzeitig aktiv, die Funktionalitäten mancher Tools überschneiden sich, aber ich habe alle mal getestet und probiere gerne auch immer wieder was Neues aus.

Die obige Liste ist nur eine Auswahl an Tools für Firefox.
Für Chrome und seine Brüder wie Brave, gibt es ebenfalls viele Add-Ons, die die eigene Privatsphäre schützen.
Opera
kommt mit eingebautem VPN und auch dort gibt es weitere Add-Ons um die Privatsphäre zu schützen.
Einige der genannten FF-Tools gibt es auch für die anderen Browser, aber nicht alle. Mit ein wenig suchen findet Ihr aber mit Sicherheit für jeden Browser gute Datenschutz-Add-Ons und Erweiterungen.

Mal gucken, was Google so weiß

Wer sich für die Daten interessiert, die er bei Google eingetragen hat oder die Google getrackt hat, kann sie hier herunterladen: https://takeout.google.com/settings/takeout

Oder einfach mal gucken, wie die Timeline auf Google Maps aussieht, weil das Handy seinen Standort automatisch teilt? Geht hier: https://www.google.com/maps/timeline

Wenn Dich erschreckt, was Du dort siehst, dann ist das nicht die Schuld von Google, sondern Deine, denn Du teilst diese Daten. Lösche gespeicherte Daten, ändere Deine Einstellungen, löse Verknüpfungen zwischen verschiedenen Apps und Accounts.
Kümmer Dich gefälligst selbst um Deinen Datenschutz.

 

Marc Marquez und die Regeln in Argentinien #MotoGP


Der schnellste Moppedfahrer des Wochenendes hat nach in Termas De Rio Hondo drei Penalties eingesammelt und ging mit Null Punkten nach Hause. Weil ich seit der Startphase vom Sonntag weiß, dass die Moderatoren und Experten nicht regelfest sind, habe ich mir das Regelwerk heruntergeladen. Jetzt suche ich nach dem, was #MM93 am Sonntag so alles verbrochen hat und warum er welche Strafe bekam. Ich beziehe mich hier auf das 2018 FIM Grand Prix World Championships Regulations (update 04/04/2018) von der FIM Webiste. 

SPOILER ALARM: Hier gibt es keine moralisches Gewimmer oder fan-farbiges Geschrei für oder gegen #MM93

Bonus: Start von hinten

Nachdem Marquez sein Regenmopped aus der Startaufstellung herausgeschoben hatte um auf das Trockenmopped zu wechseln hat er seinen Startplatz aus dem Qualifying verloren. Das ist keine Strafe sondern im Regelwerk als ganz normaler Vorgang vorgesehen.  (Seite 40 1.18 / 4, Seite 41 1.18 / 7 letzter Absatz, Seite 42 1.18 / 13).
Mehr dazu in meinem Beitrag Start-Chaos in Argentinien

Erster Fehler: Mopped abgewürgt, Einmal durch die Boxengasse

Während die Startaufstellung inklusive Warm-Up-Lap aus der Boxengasse im Regelwerk sehr detailliert beschrieben wird, sind dem Fall, dass ein Fahrer sein Mopped in der Startaufstellung nach der Aufwärmrunde abwürgt nur zwei Sätze gewidmet:

Any rider who stalls his engine on the grid or who has other difficulties must remain on the motorcycle and raise an arm. It is not permitted to attempt to delay the start by any other means.


Ich sage mal, da hat das Regelwerk eine große Lücke. Der Fahrer darf nur den Arm heben, aber was dann passiert steht dort nicht. Darf irgendein Offizieller (und wenn ja, wer?) den Fahrer auffordern, sein Mopped alleine wieder anzuschieben und/oder darf jemand helfen? Muss der Fahrer das Mopped aus der Startaufstellung herausschieben und am Wegesrand oder in der Boxengasse auf Grün warten? Muss er mit erhobenem Arm auf dem Mopped sitzen bleiben und warten, bis der Start erfolgt ist?
Das Regelwerk sagt nichts dazu. Obwohl, Juristen bitte vortreten, im Regelwerk steht, dass der Fahrer nur den Arm heben darf um den Start zu verzögern und Abschnitt 1.18 / 18 auf Seite 46 widmet sich ausschließlich der Startverzögerung. Demnach entscheidet der Starter im Turm, ob der Start aus Sicherheitsgründen verzögert werden muss. Wie das im Detail funktioniert, steht dann dort.

In Argentinien hat Marquez sein Mopped nach Aufforderung eines Stewards, wenn ich das richtig gesehen habe, angeschoben und als die Honda wieder lief ist er gegen die Fahrtrichtung zurück an seinen Startplatz gefahren. Alles in großer Hektik. Der Starter hat keine Startverzögerung ausgerufen.

Für den abgewürgten Motor gab es keinen Penalty für Marquez, aber für das Fahren (statt schieben) gegen die Fahrtrichtung (Seite 45, 1.21 / 11), gab es eine Durchfahrtstrafe.

Meine Meinung

Oscar Quelle PinterestWeil das Regelwerk für ein Abwürgen am Start so lückenhaft ist musste direkt vor Ort und schnell entschieden werden. Der Marshal hat Marquez erlaubt das Mopped anzuschieben, was man gut oder schlecht finden kann. 1.21 / 11 erlaubt das Fahren gegen die Fahrtrichtung “under the direction of an Official”. Meiner Meinung nach war die in dieser Situation gegeben. Da alle Moppeds standen sehe ich da auch keinerlei Gefährdung, daher halte ich die Durchfahrtstrafe für nicht gerechtfertigt. Hätte der Starter im Turm schnell reagiert und “Start Delayed” erklärt (und damit die Regellücke geschlossen), wäre Marquez ans Ende der Startaufstellung zurückversetzt worden, was deutlich weniger Strafe ist eine Boxendurchfahrt.

> Edit: Falls der Steward Marquez nicht dazu aufgefordert hat, das Mopped zu starten, sondern irgendwas anderes, dann war die Durchfahrtstrafe auch falsch, weil zu wenig. /Edit <<

Zweiter Fehler: Rempler beim Überholen, eine Position zurück

Zuerst die passende Regel:

1.21 Behaviour During Practice and Race
2. Riders must ride in a responsible manner which does not cause danger to other competitors or participants, either on the track or in the pitlane. Any infringement of this rule may be penalised by the FIM MotoGP Stewards.

Es ist immer schwer, eine klare Grenze zwischen “Erlaubter Härte” und “Verbotener Gefährdung” zu ziehen. Liegt schon eine Gefährdung vor, wenn der andere nicht gestürzt ist? Hätte der gestürzte den Sturz vermeiden können, wenn er den anderen, der sich in einer stabileren Fahrsituation befand, einfach vorbei gelassen und nicht gefährdet hätte?
Vielleicht hilft uns Kapitel 3 der Regeln: Disciplinary and arbitration code, weiter. Dort steht ziemlich am Anfang, dass ein Fahrer mehrfach bestraft werden kann. Es steht dort jedoch nicht, dass nach X Strafen automatisch eine Disqualifikation, Sperre oder sonst was erfolgt.
Dann folgen verdammt viele Abschnitte darüber wer eine Strafe aussprechen kann, wie das Prozedere zu erfolgen hat und wie der Einspruch etc, aber kein Auslistung von Strafen für bestimmte Verstöße. Weiter vorne im Regelwerk steht was passiert, wenn ein Fahrer sich nicht an das Tempolimit in der Boxengasse hält, aber das passt hier gar nicht.

Dritter Fehler: Rempler beim Überholen der zum Sturz führt, 30 Sekunden Strafe

Oscar - Quelle PinterestWie oben geschrieben, es gibt keinen Strafenkatalog, der sagt:

  • Rossi über den Haufen gefahren: Disqualifikation und drei Rennen Sperre
  • Pedrosa umgefahren: keine Strafe
  • oder ähnliches

Wenn nichts im Regelwerk steht, dann müssen die Offiziellen vor Ort entscheiden und ich kann mit Blick auf das Regelwerk nur sagen, dass alle ausgesprochenen Strafen aufgelistet sind und somit den Regeln entsprechen.

Meine Meinung

Marquez hat aus der ersten Strafe nichts gelernt, und schon alleine deshalb sollte meiner Meinung nach, die zweite Strafe deutlich höher ausfallen.

Abschlussbemerkung

Marquez fährt immer hart und ein Rempler kommt regelmäßig vor. Im Gegenzug, so scheint es mir jedenfalls, hat er auch kein Problem damit, wenn er mal angerempelt wird. Das zeigt, dass er nach seinen Maßstäben nicht unfair fährt.
In Argentinien sahen die Schiedsrichter das jedoch anders und haben ihn für zwei Rempler zweimal bestraft. 
Bei den Streckenbedingungen mit der schmalen trockenen Ideallinie und der feuchten Reststrecke finde ich es gut, wenn die Marshals Rempler als gefährlich einstufen und Strafen aussprechen. Hätten sie bei Zarco, der mit einem Rempler Dani Pedroso in einen Sturz geschickt hat, auch machen sollen. Mit zweierlei Maß messen ist niemals gut. >> Edit: Ich habe jetzt mehrfach gelesen, dass Zarco und Pedrosa sich nicht berührt haben, es somit keinen Rempler gab. Wenn dem so ist, dann haben die Rennkommissare nicht mit zweierlei Maß gemessen. /Edit <<

Das nächste Problem sehe ich darin, dass Marquez zum Wiederholungstäter wurde. Nach der Strafe für den ersten Rempler hat er seinen Fahrstil nicht geändert. “Gut” dass es mit Rossi den absoluten Publikumsliebling getroffen hat, denn so wird es nicht sofort vergessen. Ich finde, das Regelwerk sollte angepasst werden, so dass es richtige Eskalationsstufen gibt. Wer nach einem Penalty den gleichen Regelverstoß wiederholt, wird aus dem Rennen genommen.