Moppedzeitschriften und ich

Erst fange ich diesen Blogartikel an, und dann kommt Clemens auf Google+ mit den IVW Zahlen um die Ecke

Hier also kurz mein Leben mit Moppedzeitschriften.

Oscar - Quelle PinterestGanz früher, als ich so gerade an die Pedale meines 24 Zoll Rennrads kam, da habe ich jede Mopped-Zeitschrift gekauft und gelesen, die ich an der Bude um die Ecke bekommen konnte. Das waren zwei: die Motorrad und die Easy Rider (nicht zu verwechseln mit der Harley Fan-Zeitschrift aus den USA, die es später auch hier und auf deutsch gab oder gibt). Heute gibt es an der Bude keine Moppedzeitschriften mehr. Und dann wurde ich älter und hatte mehr Taschengeld, da konnte ich dann noch andere Zeitschriften kaufen, die PS und die MO, die es inzwischen gab.

Die verrückten Briten

Und noch später dann, wurde der Zeitschriftenladen am Bahnhof mein Freund, denn der hatte englische Zeitschriften. Die waren zwar verdammt teuer, aber trafen meinen Geschmack viel deutlicher, denn da wurden Moppeds erlebt und und nicht seziert. Die Schreiber hatten eine große Klappe und gnadenlose Selbstüberschätzung, es gab immer mindestens einen Crash, ein Wheelie, ein Stoppie und eine Flucht vor der Polizei und oder dem örtlichen Verbrecher-Kartell und böse Sprüche.

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Eine meiner Lieblingsgeschichten war ein Vergleichstest zwischen einer Hayabusa und einer ZX-12R. Damit die Testkriterien für den Leser auch nachvollziehbar waren, wurden sie einfach gewählt. Beide Moppeds fahren zusammen in England vom Redaktionsparkplatz los bis nach Nizza und wieder zurück, wer zuerst ankommt, hat den Test gewonnen. In England und Frankreich gab es auch damals ein Tempolimit, aber wer sich daran hielt hatte eben keine Chance auf den Testsieg. Am Ende hat die Kawa gewonnen, denn die hat die defekte Busa ins Ziel geschleppt, war also vorne. Ein solcher Test hätte und wird es wohl auch nie aus deutschen Redaktionen geben. Die Redaktionen werden das nicht wollen und die Leserbriefschreiber würden bei Erscheinen eines solchen Tests gar nicht mehr mit dem kündigen nicht vorhandener Abos aufhören könne, wenn sich nicht vom tot geschüttelten Oberlehrer-Zeigefinger daran gehindert werden.
Bonus-Fact des Test: die ZX-R verbraucht fast 12 Liter auf 100 km wenn sie eine Busa mit 240 (schneller ging nicht, die Kawa hat halt nur 178 PS und die Busa ich schwer) abschleppt.

Außerdem habe ich noch Zeitschriften über Classic Racer, Grey Imports und die AWoL gelesen. Letztere war ein Custom-Magazin von einer Anarchistischen Redaktions-Kommune. Zu der Zeit verstand man in Deutschland unter einem Custom-Bike eine Harley mit angeschraubten oder getauschten Anbauteilen. In England wurden Starrrahmen mit Turbo-Vierzylinder, Trikes mit Automotoren, dieselgetriebene Gespanne und alles dazwischen und drumherum darunter verstanden.

Ich habe zwischendurch auch immer wieder deutsches probiert, Sonderausgaben, Moped, motorradfahrer, motorrad News, Oldtimer Motorrad, Custombike usw. Aber irgendwie war das alles zu steril abgepackt und nachgemessen.

Jetzt ist der Griesgram alt

Oscar - Quelle PinterestHeute bin ich älter, viele der englischen Zeitschriften gibt’s nicht mehr oder nicht mehr am Bahnhof. Ich muss auch nicht zum tausendundfünfundreißigsten mal lesen, wie ein Testfahrer einen Supersportler weggeworfen hat, oder dass das neue Baujahr besser als das alte ist oder wie jemand im Winter zum Elefantentreffen gefahren ist oder irgendein pensionierten Werkzeugmacher eine original Schwingsattelschraube in 35 Arbeitsstunden wieder in Originalzustand versetzt hat oder oder oder, egal ob auf deutsch oder englisch.

Ich war am Wochenende wieder mal an einem Bahnhof und dort in einem Buchhandel mit einer ordentlichen Auswahl an deutschen Titeln und ich hatte Zeit zum stöbern. Ich habe mir keine gekauft. Es gab keine Zeitschrift, die mehr als zwei Artikel hatte, die ich lesen wollte. Das mag in anderen Monaten ganz anders sein. Und die Artikel, in die ich hineingelesen hatte, fand ich langweilig geschrieben, irgendwo zwischen PR-Meldung und Textbausteine aus dem Ich-weiß-nicht-was-ich-schreiben-soll Baukasten. Hmpf.
Die Zeitschrift, mit den zwei Interessanten Artikeln habe ich auch nicht gekauft. Der eine Artikel “Rally für Einsteiger” über 4 Seiten kam ohne das Thema Roadbook aus (jedenfalls gab es kein Bild und keine Zwischenüberschrift) und war damit für mich nicht interessant und der Bericht über die Enfield Himalayan war 2 Seiten Fotos mit dem Mopped im eigenen Garten und geschätzte 300 Worte (dieser Text hat über 650) in 14 Punkt Schrift. Das war mir zu dürftig für einen Kauf.

Und jetzt stehe ich hier vor meinem Schreibtisch und frage mich, was müsste in einer Moppedzeitschrift stehen, damit ich sie kaufe?

Zum Glück bin ich Leser und muss diese Frage nicht beantworten. Wenn ich mir die IVW Zahlen (siehe Link oben) so ansehe, sollten die Redaktionen diese Frage ziemlich bald beantworten können, wenn sie weiterhin ihre Zeitschrift machen wollen.

Quo Vadis Mopped-Markt?

In den letzten Tagen haben mich einige Meldungen auf Motofire ins Grübeln gebracht.

Harley-Davidson

Harley-Davidson wird 2017 weniger Moppeds bauen, damit die Händler Überbestände von 2016 abverkaufen können (gut für die Händler, kurzfristig schlecht für die Mutterfirma). Damit werden höchst wahrscheinlich die Umsätze der Company weiter zurückgehen. Harley hatte 2016 in den USA (-3,9%) und in Lateinamerika (-13,2%) weniger Moppeds verkauft als im Vorjahr. In den anderen Märkten konnten die Stückzahlen gesteigert werden, aber da in den USA 168k Stück von insgesamt 264k verkauft werden, gibt das ein Gesamtminus von 1,6%.
Außerdem erklärte die Firma aus Milwaukee, dass in den nächsten fünf Jahren 50 neuen Moppeds auf den Markt kommen sollen und dass man in den nächsten 10 Jahren eine ganz neue Generation an H-D Fahrern aufbauen werde.

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Wobei mir nicht so ganz klar ist, was bei H-D mit einem neuen Modell gemeint ist. Meinen die damit wirklich etwas neu konstruiertes, oder nur eine neue Kombination alter, vorhandener Teile mit neuem Namen, das hat dort bekanntlich eine lange Tradition? Die aktuelle Einsteigerreihe hat zwei verschiedene Rahmen und zwei verschiedene Motoren und kommt damit auf drei Modelle. Die Sportster (ein Rahmen, zwei Motoren) kommt durch verschiedenen Anbauteile schon auf sechs Modelle.
Allerdings hat H-D in den letzten Jahren bereits viel wirklich Neues gebracht: neue Motoren, neue Rahmen, ganz neue Modellreihen.
Wie sportlich die Ankündigung von 50 neuen Modellen wirklich ist, zeigt ein Blick auf die aktuelle Website von H-D USA, auf der für 2017 „nur“ 38 Modelle angeboten werden.

Indien

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Eine andere Meldung betrifft die beiden indischen Hersteller Bajaj (Exporte -18%) und Hero % zurück (Exporte -16%). Insgesamt gingen die Exporte der indischen Motorradindustrie um 10,5% zurück.
Die Inder liefern ganz andere Moppeds als H-D aus und das großteils in ganz andere Märkte. Die leichten, und preiswerten Moppeds gehen in großer Zahl in afrikanische, arabische und südamerikanische Märkte. Die dortigen politischen Unsicherheiten wird als Hauptursache für den Rückgang gesehen und man erwartet, dass es in ein paar Monaten wieder bergauf geht. Warten wir es ab, ob dort nicht aufs Auto umgestiegen wird.

Häh?

Wieso packe ich diese Meldungen hier zusammen? Ich denke, der Motorradmarkt entwickelt sich weltweit weiter. In den USA, wo die Nicest People [Google Bildersuche] schon viele Jahre vor den Europäern aufs Freizeit-Mopped gestiegen sind, geben diese netten Menschen bereits vermehrt den Führerschein und Löffel ab, so dass neue nette Leute fürs Mopped begeistert werden wollen.
Die Easy Rider [Google Bildersuche] sterben aus, Harley braucht ein neues Role Model für die Zukunft. Und die wollen neue und andere Moppeds um Ihre Zweirad-Karriere zu starten. Welche das sein werden, ist H-D noch nicht ganz klar, daher sollen nicht zwei oder drei neue Modelle kommen, sondern 50. Ich gehe davon aus, dass dabei von den 110 Cubic Inch in Richtung weniger Hubraum gegangen wird.

In Indien wird man sich um stabilere Exportzahlen bemühen. Da bieten sich stabile Märkte wie die USA und Europa an. Dort werden jedoch größere Moppeds gefahren als das, was die Hersteller momentan als Big Bike im Angebot haben. Ich gehe davon aus, dass die Entwicklung von 300 ccm in Richtung mehr Hubraum gehen wird.

Und Japan?

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Honda ist zumindest in den USA bereits dort, wo die Einsteiger sind. Inklusive der Grom, der bei uns MSX heißt (als 125er habe ich sie unten in der Übersicht nicht berücksichtigt), bieten sie 10 Moppeds bis 500 ccm an; neue Moppeds, keine Überbleibsel aus vorvergangenen Zeiten.
Wenn die ollen Kamellen auch zählen, dann haben auch die anderen Japaner in Amerika viel zu bieten. Bei uns ist das Angebot deutlich schmaler. Ob das daran liegt, dass in Europa der Generationswechsel später erwartet wird, oder daran, dass niemand so richtig geguckt hat, wird die Zukunft zeigen.

Aktuelles Angebot in USA und DE

Hier eine Auflistung der Anzahl einsteigerfreundlicher Moppeds zwischen 125 und 500 ccm.

Hätte ich die Grenze bei 48 PS gezogen, wären für Deutschland noch mehr Modelle hinzugekommen, weil es hier einige größere Moppeds in einer gedrosselten Ausführung gibt. Diese Modelle zähle ich jedoch nicht zu den Einsteiger-Bikes. Aus den USA hätten sich noch einige 650er Dualsports mit offen unter 48 PS hinzugesellt und die Kluft noch größer gemacht. Diese 650er sind jedoch ausnahmslos sehr alte Konstruktionen ohne Chance auf Euro 4.

  • Honda: USA 9 / DE 6
  • Suzuki USA 8 / DE 1
  • Yamaha USA 6 / DE 2
  • Kawasaki USA 2 / 2 (Z 300 nur in DE, die Ninja 300 nur in den USA)
  • Harley USA 1 / DE 0

Einige USA Modelle sind bei uns spätestens durch die Euro 4 verschwunden (z.B. SR 400), andere schon vor Jahrzehnten (DRZ 400). Diese Modelle werden mit Sicherheit kein ABS und keinen Diagnosestecker für die Euro 4 bekommen. Solche Moppeds sind in der Übersicht vor allem bei Yam und Suzi zu finden.

Harley als Vorreiter – wer hätte das gedacht?

Eingespritzter Zweitakter

KTM hat in dieser Woche per Pressemitteilung erklärt, dass das nächste Baujahr der großen zweitaktenden Enduros eine Einspritzung erhält.
Aha
Viele große und kleine Portale haben das weiter gemeldet und dabei gerne die KTM-Wortwahl von „Weltsensation“ und „technischer Revolution“ übernommen.
Ist das so? Und wenn ja, warum?

Liebe Journalisten, Euer Job ist nicht, Pressemeldungen zu verteilen. Nehmt sie, Oscar - Quelle Pinterestbewertet sie, recherchiert dazu und macht dann eine Meldung oder einen Bericht.
Ich habe mit diesem Blogbeitrag extra ein paar Tage gewartet, nachdem KTM die Pressemeldung verschickt hatte, damit Ihr Zeit für Recherche habt.
Einem Blogger oder einer KTM-Händler-Website kann verzeihen, dass dort die Pressemeldung umkommentiert übernommen wird, einem Journalisten jedoch nicht. Und der Website einer Fachzeitschrift schon gar nicht.
Ich habe so viele Fragen zu dieser Meldung, und weil die Euch nicht eingefallen sind, schreibe ich sie hier hinein. Vielleicht bekomme ich bei Euch später mal Antworten.

Ingenieur

Ich bin nicht Ingenieur genug, um zu beurteilen, wie revolutionär diese Technik ist. Hat es gereicht, die Benzineinspritzung des Viertakters zu nehmen und an den Zweitakter zu bauen? Und wenn nicht, warum nicht? Wo liegen die Probleme einer Einspritzung für Zweitakter? Oder, falls die KTM-Lösung etwas ganz besonderes ist, was unterscheidet die von den anderen?

Historiker

Ich bin nicht Historiker genug um zu wissen, ob es wirklich die erste Benzineinspritzung für einen Zweitaktmotor ist. Möglicherweise haben andere das bereits vorher getan, vielleicht nicht an einem Enduro Motor und vielleicht nicht mal an einem Motorradmotor. Hat das wer recherchiert?
Wahrscheinlich nicht, sonst gäbe es irgendwo einen Hinweis auf Provenion (auf Seite 1 bei bei der Google-Suche nach „zweitakt einspritzer“) oder den 50er Roller Namens SR 50 Di-Tech, den Aprilia 1999 laut Wikipedia mit Zweitakt Motor und Einspritzung vorgestellt hat. Und es gab da mal von Bimota die zweitaktende Vdue, hatte die nicht auch eine Einspritzung? Was macht diese KTM-Einspritzung zur „Revolution“?

Prophet

Oscar - Quelle PinterestIch bin auch nicht Prophet genug um vor einer Probefahrt (die Modelle werden erst in zwei Monaten, im Mai, vorgestellt) beurteilen zu können, ob die versprochenen Vorteile der Einspritzung (weniger Verbrauch, bessere Fahrbarkeit) tatsächlich spürbar sind. Mich machen jedoch ein paar Details zumindest stutzig:
Die 250er und die 300 EXC Enduros werden mit dem neuen Einspritzmotor kommen. Von den kleineres Zweitakt Enduros mit 125 und 150 Kubik steht nichts In der Meldung. Von den zweitaktenden Motorcrossern und der 250er Freeride (die hat auch Straßenzulassung) steht dort auch nichts. Wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, dann hatte KTM in der Vergangenheit erst die Crosser modernisiert und die Enduros dann im nächsten Modelljahr nachgezogen. Habt Ihr bei KTM mal nachgefragt, warum die Crosser auf bessere Fahrbarkeit verzichten können?

Abgaswerte

Auf der Website der Motorrad (extra kein Link) wird gesagt, dass die Euro 4 Abgaswerte mit Vergaser bestückten Zweitaktern nicht erreicht werden können. Ich denke nicht, dass diese Aussage so pauschal richtig ist. Die Euro 4 gilt seit dem ersten Januar und die aktuellen EXC 250 und 300 werden trotzdem mit Vergaser verkauft. Das mag eine Ausnahmegenehmigung sein, aber davon steht nichts bei der Motorrad. Die anderen Hersteller von Zweitakt-Enduros verkaufen auch nur Vergaser-Modelle, manche mit elektrischer Getrenntschmierung, die auch mal „Öl-Einspritzung“ genannt wird. Was ist mit Husqvarna, die auch zu KTM gehören und für die es noch keine Einspritzungs-Zweitakter angekündigt sind, verkaufen die alle illegale Motoren? Dürfen die Einspritz-Zweitakter auch in Kalifornien verkauft werden? Dort wurden Zweitakter vor vielen Jahren aus Umweltschutzgründen verboten.

Meine Spekulation

Möglicherweise wird KTM im nächsten Jahr Vergaser und Einspritzer parallel anbieten, denn die angekündigten Modelle haben den Namenszusatz TPI erhalten. Darüberhinaus spricht KTM davon, dass in den USA und Kanada die Einspritzer nur in „limitierter Stückzahl“ angeboten werden. Das nur mal so zum Schluss als Bonus. Ich bin gespannt, ob ich damit Recht behalte.

 

Kommen die großen Dualsports zurück?

Honda bietet die CRF250L und die Rally an, BMW eine 310er GS, Suzuki eine 250er V-Strom und Kawasaki ersetzt die KLX250 durch eine kleine Versys 300. Yamaha bietet noch nichts in der Art an, hat aber eine MT03, der auch die Beine langgezogen und die Tracer 300 genannt werden könnte und in der Gerüchteküche wird schon länger einen 390er KTM Adventure gekocht.

Der Markt der kleinen Reise-Enduros ist auch in Europa eröffnet worden. Grund dafür ist vermutlich, dass diese Mopeds in vielen asiatischen Märkten als Big Bikes verkauft werden können, das bringt Stückzahlen. Die Moppeds werden dort auch nicht im Gelände eingesetzt, sondern auf schlechten und nicht asphaltierten Straßen. Das entspricht in etwa dem, was wir hierzulande oft mit off-road verwechseln. Ich gehe blind davon aus, dass mit jedem oben genannten Modell jede geschotterte Passstraße in den Alpen befahren werden kann, auch ohne die in Foren geforderten Speichenräder, auch mit den 19 Zöllern, auch ohne Unterfahrschutz.
Was diese kleinen Adventure-Moppeds nicht so gut können ist die Autobahn, dafür fehlen Kubik und PS.

Ich wünsch mir was

Oscar - Quelle PinterestIch wünsche mir, dass ich in diesem Jahr viele dieser kleinen Abenteurer auf dem Hänger auf der Autobahnen Richtung Urlaub sehen werde, gerne auch an der Seite der 1200er SUV, die sowieso per Hänger in die Alpen fährt. Und noch mehr wünsche ich mir viele dieser kleinen Moppeds auf der Straße zu treffen.

Die Mittelklasse

Wir haben jetzt einen Markt mit kleinen (300 ccm), großen (800 ccm) und ganz großen (1200 ccm) Reiseenduros. Und wie die Wortwahl suggeriert, fehlt noch die goldene Mitte. Aktuell tummeln sich dort die 650 Versys von Kawa und die 650 V-Strom von Suzuki mit der CB500X von Honda, alles Straßen-Moppeds. In den USA gibt es bei Honda noch die XR650L (644 ccm, luftgekühlter Single, ca. halb so teuer wie die Africa Twin), Suzuki bietet die DR650S (auch luftgekühlt) zu einem ähnlichen Preis, ebenso die wassergekühlte DR-Z400S. Kawasaki hat die wassergekühlte KLR650, die ca. 30 kg mehr wiegt als die vorgenannten, sie entspricht am ehesten der kürzlich aus dem Programm genommenen Yamaha XTZ660 Ténéré.
Diese Moppeds sind teilweise schon sehr lange von unserem Markt verschwunden und wurden ersatzlos gestrichen.
Die dicken Reise-Singles von Yamaha und Kawasaki zeigen das Problem dieser Klasse: sie wiegen 200 kg, fast so viel wie die 800er, haben aber nicht mal 50 PS. Oder anders ausgedrückt: Wer von der kleinen 300er Adventure aufsteigen möchte bekommt hier: Mittelklasse Leistung zum Gewicht der Großen. Ausstattung wiegt halt und macht schwer.
Wer von der kleinen Enduro jedoch nicht in Richtung „fast nur Straße“ sondern lieber weiter in Richtung „Straße und Gelände“ aufsteigen möchte, guckt ins Rohr.

Weniger Gewicht durch weniger Ausstattung

Oscar - Quelle PinterestIn kniffligen Fahrsituationen hilft es, wenn das Mopped wenig wiegt. Das weiß jeder, der sein Mopped mal ein bisschen geschoben hat, ganz besonders auf einem abschüssigen, engen Schotterparkplatz. Leichtbau ist teuer, fällt also aus, wenn das Mittelklasse Mopped nicht so teuer wie die Großen sein soll.
Weglassen macht aber auch leicht: weg mit riesigem Tank, großer Verkleidung, den Sturzbügelwäldern, die die teure Verkleidung schützen, der Koffersammlung und Polsterlandschaft. Damit ist die mittlere Klasse kein Adventure Mopped mehr, sondern ein Dualsport, die klassische Alltag-Enduro. Der logische Aufstieg für diejenigen, die auf den 300ern die Lust an schwierigen Straßen und Gelände entdeckt haben. Die anderen, die schneller reisen wollen, mit mehr Gepäck oder zu zweit, werden schon bedient.

Der Abstieg

Es geht auch anders herum. Wer mit seiner 1200er auf dem Hänger in die Alpen reist wird sich vielleicht irgendwann die Frage stellen, wofür er die 1200er hat. Und ob ein Mopped mit dem er selbst den ausgesetzten Schotterpässe fahren kann, nicht vielleicht viel abenteuerlicher wäre?
Für diejenigen wird gerade eine Mutlistrada Enduro, eine GS1200 Rallye, ein 800er Tiger XC, die 650er V-Strom XT und ähnliches angeboten, die Leichtesten liegen bei ca. 215 kg.
Jeder hat schon den SUV-Enduristen getroffen, der drehen musste, weil der Weg voraus „unpassierbar“ sei. Wer dennoch weiter fuhr traf oben dann meistens eine einheimische Vespa. Unpassierbar ist immer relativ, mit einem leichten Mopped kann jedoch jeder mehr. Aber deshalb eine 300er? Das können die Hersteller nicht wollen.

Der Markt der Dualsports

Im Angebot von heute sind:

  • Husqvarna 701 145 – 157 kg trocken, je nach Quelle, 49 kw / 67 PS, 9.295€ (DE)
  • SWM RS 650 R: 150 kg trocken, 40 kW, 6.490€ (DE)
  • CCM GP450 Adventure 125,5 kg trocken 29 kW 40 PS, Preis: ohne Angabe, ich kenne Preise von 8.000 GBP und 11.000 Euro (CCM hat gerade einen 600er Straßen-Single vorgestellt, vielleicht kommt da ein Motorwechsel?)
  • AJP PR7 (wenn sie denn mal kommt) 148 kg trocken, 28 PS, 10.500 Euro (DE) (es soll auch eine 52 PS Variante geben, Preis: unbekannt)

Alle oben genannten Hersteller fehlen. Die Husky kostet so viel wie die 800er, die CCM und AJP sind nicht wirklich am Markt und eher noch teurer, bleibt also nur noch die SWM, die ganz alleine auf verdammt weiter Flur steht. Also mitten im Gelände.
Kurze Randnotiz:
Bis auf die Husqvarna, die von KTM kommt, setzen alle Motoren ein, die von BMW/Husqvarna entwickelt wurden.

Wer könnte noch kommen und warum?

Oscar - Quelle PinterestAktuell wird der Markt, der tatsächlich besteht, noch vom Angebot an gebrauchten Enduros abgedeckt. Die werden jedoch immer älter und die Ersatzteile seltener. Hinzu kommt, dass der Umbauer-Markt diese Moppeds entdeckt und daraus Street Tracker, Scrambler oder ähnliches baut. Ich tippe, dass auf jeden fertigen Umbau zusätzlich mindestens 10 unvollendete in den Garagen und Kellern der Republik stehen. Es wird also immer dünner bei uns.
Möglicherweise gibt es nur so wenig Nachfrage, dann reichen die SWM. Wenn nicht, Fantic bringt im Herbst die Cabalero 500. Die hat einen 450er Motor, der von Zongshen gebaut wird. Ob das auch ein altes Husky-Aggregat ist, was eigenes oder eine Lizenz von wem anderes konnte ich nicht finden.
Und wer könnte noch kommen?
Die Japaner werden die alten Modelle mit Sicherheit nicht an Euro 4 anpassen. Aber die Chinesen und Inder könnten Ihr Angebot nach oben erweitern. Den Herstellern in beiden Ländern fehlen die großen Modelle. Und wir gewöhnen uns dann an neue Marken, so wie damals, als Honda nicht mehr exotisch klang und BSA plötzlich vom Markt verschwand und Norton und Horex, DKW …
Von den Japanern gab es anfangs auch nur kleine Moppeds für kleine Marktlücken.
Vielleicht motiviert das die heutigen Japaner und sie bauen einen neuen Euro 4 Einzylinder mit 45 PS und 10.000 km Wartungsintervall, möglicherweise auf Basis Ihrer Quad- und Snowmobil-Motoren und stricken einen Rahmen drum herum. Oder BMW baut eine  F500 Enduro (Rotax hat bestimmt eine passende Motor-Basis, falls TVS nichts entwickeln will oder soll) und KTM bringt endlich die verdammte 390er Enduro.

Edit:
Hier ein Video der 450er Zongshen, die dieses Jahr auch noch irgendwo verkauft werden soll. Der Motor sieht so aus wie der, der in der Fantic verbaut ist und soll 42 PS bei 9.000 U/min leisten und 40 Nm bei 7.000 U/min.
/Edit

Touratech Rambler

Anscheinend sind alle von der Touratech Rambler begeistert; ich nicht. Ich habe noch nicht so ganz verstanden, warum sich alle so über den Prototypen freuen. Klar, wenn eine Firma Dir gratis Content liefert, dann wird er gerne verbreitet und wenn man eingeladen wird, damit eine Runde zu um einen schönen Ort zu fahren sowieso. Das ist immer so, wenn ein neues Mopped vorgestellt wird. Aber ich glaube, hier geht die positive Berichterstattung darüber hinaus. Liegt es vielleicht daran, dass die Rambler kein Serienmopped ist?

Touratech RamblerDie Rambler ist eine Mischung aus verschiedenen BMW-Modellen, ein Dual Sport-Modell mit Boxer, das weniger als 200 kg fahrfertig wiegt. Das Gewicht wurde mit Hilfe von Titan, Kohlefaser und Funktionseinschränkungen erreicht. Damit ist die Rambler 45 kg leichter als die 1200er GS mit der sie sich den Kardan teilt. Das klingt beeindruckend. Es sind immer noch 33 kg weniger als die R 1200 R von der Rahmen und Motor kommen. Das sind nur noch 18 kg weniger als die 800er GS, von der die Gabel kommt. In vielen Berichten wird die Rambler mit der HP2 Enduro verglichen, die wog nur 192 kg, das sind 7 weniger als die Rambler.

Keine HP2
Die HP2 war damals (2005) der Versuch eine Hardenduro (270 mm Federweg vorne, hinten k.A, 290 mm Bodenfreiheit, 105 PS) mit Motor der GS zu bauen und für viel Geld zu verkaufen. Eine Rennmaschine für Endurosport gegen die KTM 950 Superenduro R und auch für Supermoto (gab es auch von KTM).
War ein tolles Mopped, fand aber zu wenig Käufer. Das lag wohl nicht nur am Preis von 16.000 Euro. Die Kati kostete rund 11.000 und wurde auch nicht sehr oft verkauft, weil wohl fast niemand so ein Ding tatsächlich haben wollte. Es es ist halt ein Unterschied zwischen: Wow tolles Mopped zu: Ja, das kaufe ich.
Leider liegt jeder, der in der Rambler eine neue HP2 sieht falsch, denn Touratech sagt: dass ist keine Renn-Enduro.

Keine Wanderenduro

Die Rambler, sagt Touratech, ist zum wandern gemacht. Klar, mit 230 mm Federweg vorne und 200 mm hinten (die 800er hat 215 mm hinten), ist im Hardenduro-Prospekt kein Staat zu machen. Allerdings weiß ich nicht, wofür man beim gemütlichen wandern 125 PS braucht.
Eine Wanderenduro gibt es eigentlich nicht in den herkömmlichen Prospekten, vielleicht von der Montesa 4Ride abgesehen. Das ist jedoch eine umgebaute Trialer, hier sprechen wir von unter 90 kg abmarschbereit und auch nur von geschätzten 25 PS (es gibt keine offizielle Angabe). Wanderenduro bedeutet, zumindest nach meinem Verständnis, stressfrei und möglichst einfach durch schöne Landschaften bummeln. Dazu gehört wenig Gewicht, viel Traktion und ein Mopped, mit dem ich mich traue, auch Geländeabschnitte, die schwierig aussehen, wenigstens zu versuchen. Neben der wirklich spaßigen Montesa können das auch alle kleinen Dualsports wie die #Hippe, KLX250, WR250R, DR350, Beta Alp 200 und Alp 4.0, CCM 450 GP und noch hunderte alte oder in Europa nicht angebotene Modelle mehr.

Keine GS

Das Endurowandern mit der Rambler funktioniert jedoch nur als Tagesausflug mit Rucksack, denn vor lauter Leichtbau an Sitzbank und Rahmenheck, gibt es keine Möglichkeit Gepäck mitzunehmen. Man kann auch nur alleine fahren. Damit ist auch das Marktsegment Adventure (früher sagte man Reise) gestorben, also das was die GS ausmacht. Keine Koffer an denen man oben und hinten und vorne noch Zusatztaschen anbauen kann, keine elektrisch verstell- und beheizbaren Griffe, Sitze oder Scheiben, kein wenn-ich-wollte-könnte-ich-jetzt-gleich-sofort-um-die-Welt-fahren. Die Vielseitigkeit, die die GS in den Augen Ihrer Fans auszeichnet, fehlt hier komplett. Damit irren sich alle Journalisten, die die Rambler für eine leichtere GS halten. 

Was ist es?

Also ist die Rambler ein 200 kg 125 PS Kurzstrecken-Fahrzeug mit weniger Federweg als eine serienmäßige 800er GS. Oder auch, eine Boxer-GS die fast alles, was eine serienmäßige GS konnte, nicht mehr kann. Ich verstehe nicht, warum man so etwas von BMW als Serienmopped gebaut bekommen will, wie fast alle Schreiber jubeln und fordern.

Erklärt es mir in den Kommentaren. 

P.S.
Es geht nicht darum, warum Touratech so ein Ding für sich baut und ich nicht darum, ob es die Rambler das, wofür sie gebaut wurde gut oder schlecht kann, sondern um die Jubelperser Journalisten.

Motorsport und die Fans – Griesi meint mal was

Zwischen dem Ende der einen Saison und bevor es wieder losgeht, ist die Dumme-Gurken-Zeit, angefüllt mit Rückblicken, als Ausblick getarnten Spekulationen und Kommentar-Bullshit.  Meistens amüsiere ich mich wenigstens ein bisschen darüber, besonders wenn Äpfel mit Bratwürsten verglichen und daraus dann unausgegorene Schlüsse gezogen werden.

Kommentrara

Zum Beispiel (natürlich ohne Link, ich will den Unfug nicht noch unterstützen): Die Zuschauerzahlen der Formel 1 sind rückläufig, bei der MotoGP wachsen sie, also muss die Formel 1 mehr wie die MotoGP werden (also vermutlich zwei Räder in der Box lassen) und alles ist wieder gut.
So ein Kommentar kommt natürlich aus der Formel 1 Ecke des Netzes, Unsinn auf allen Ebenen.

Zur Ausgangslage: Sind die F1-Zuschauerzahlen wirklich rückläufig? An der Strecke oder im TV? Nur in einem Land, in ganz Europa, weltweit, als Summe über das Jahr? Haben dieses Jahr wirklich mehr Menschen MotoGP geguckt als letztes? Weiß der Kommentierende wahrscheinlich selber nicht. Falls er es weiß, vergisst er es zu belegen. Und was genau, soll die F1 ändern? Da picken sich die Kommentatoren meistens genau den einen Punkt heraus, den sie selbst verstanden haben. Den Vorschlag mit den zwei Rädern habe ich noch nicht gelesen, das war Polemik meinerseits. Die Argumentationskette ist meistens, dass die gewünschte Änderung dazu führt, dass die Zuschauer mehr von dem zu sehen bekommen, was ihnen gefällt und so die Einschalt/-Besucherzahlen steigen.

Der Zuschau-auhaha

Andererseits, was weiß ich schon von dem was “die Zuschauer” sehen wollen. Ist der Zuschauer wirklich damit überfordert, wenn die Superbike-Startaufstellung am Sonntag anders ermittelt wird, als am die am Samstag, wie immer wieder zu lesen ist? Interessiert es den Zuschauer überhaupt? Oder ist es unsportlich, wenn eine Regel durch eine andere ersetzt wird? Will der Zuschauer überhaupt das Rennen sehen oder nur, wie sein Lieblingsfahrer gewinnt? Oder interessieren ihn nur die Unfälle?
Mich interessieren die Unfälle gar nicht, aber da scheine ich in der Minderheit zu sein, wenn ich mir die Rennzusammenfassungen im TV und auf Youtube so ansehe, ganz egal wer sie erstellt hat, Sender, Sponsor, Veranstalter oder sonstwer.

Damals an der Rennstrecke

Ich muss da immer an das Indy-Champ-Cart Rennen auf dem Lausitzring denken. Ich war damals vor Ort, an der Gegengeraden, ein mit Wiese bewachsener Erdwall ohne Sitzplätze. Es wurde das Tri-Oval befahren. Ich konnte ganz vorne am Zaun stehen, wenige Meter von der Strecke entfernt, der Luftzug der Autos war spürbar, das Methanol zu riechen. Das Beste war aber, dass die ganze Strecke zu sehen war. Überholmanöver wurden über Runden vorbereitet und während der ganzen Zeit, konnte man die Autos im Blick behalten.
Ovalrennen sind vor Ort sehr spannend, viel besser als alle Rundstrecken, an denen ich bisher war, finde ich. Im TV mag ich die anderen Kurse lieber.
Aber auch hier scheint es den meisten anders zu gehen, denn ich war so ziemlich der einzige, der am Zaun stand und Rennen guckte. Weiter oben saßen Leute auf Ihren mitgebrachten Klappstühlen und stapelten leergetrunkene Bierbecher ineinander. War mir nur recht, konnte ich das Rennen ungestört gucken.

13 Runden vor Schluss passiert dann, fast vor meiner Nase, der Unfall, der Alex Zanardi beide Beine kostete. Noch bevor sein Auto zum Stillstand kam stand ich nicht mehr in der ersten Reihe, der ganze Zaun hing voller Leute. Es wurde wild diskutiert, ob das alles Blut oder Öl oder beides war. Das Rennen wurde unter Gelb zu Ende gefahren. Ich bin zurück zum Parkplatz und habe Zanardi die Daumen gedrückt, die Zaungäste haben das Blut wohl noch beim Trocknen angefeuert.

Um es kurz zu machen, mir ist es egal, was diese Kreaturen, die am Zaun hingen sehen wollen oder nicht. Ich will auch keine Unfälle sehen, wenn alle unverletzt geblieben sind, mir ist egal was die anderen wollen. Ich fände es gut, wenn auf die ganzen Unfall-Zeitlupen und Wiederholungen aus allen Perspektiven verzichtet würde, in der Live-Übertragung und in später auch. Die Gaffer werden es sich später auf YouTube selber basteln.

Überholverbot ist ungerechter Quatsch

Nach dem ich letztens behauptet habe, zu viel Sicherheit ist gefährlich und dabei hauptsächlich auf viel zu viele und zu niedrige Tempolimits abzielte, geht es heute um das Überholverbot.

Mittlerweile gibt es gefühlt so viel Überholverbote, gerade auf Straßen mit nur einer Spur pro Fahrtrichtung, dass es sich schon fast lohnt, nur noch Überholerlaubnisse auszuschildern.
Das will ich aber gar nicht, ich will viel öfter überholen dürfen.

Überholen im Überholverbot ist aus zwei Gründen gefährlich für den Führerschein:

  1. Der Herr Wachtmeister braucht keine lasergestützte Radaranlage um mich zu erwischen, da reichen normale Augen.
  2. Überholverbot ist immer irgendwie gekennzeichnet und doch nie so ganz klar
Überholverbot - ach ne, doch nicht.

Überholverbot – ach ne, doch nicht.

Den zweiten Punkt möchte ich erläutern. Um das Überholen zu verbieten gibt es ein Verkehrszeichen (Nr. 276), um es wieder zu erlauben, gibt es ein anders (Nr. 280). Außer den Schildern, gibt es die durchgezogene Mittellinie (Beamtenhochdeutsch: Fahrstreifenbegrenzung). Bis hierher ist die Theorie noch einfach.
Draußen auf der Straße sieht es jedoch so aus, dass mal ein Schild am Wegesrand steht, dann die Linie durchgezogen wird oder es wird beides verwendet.
Ich schildere mal ein paar Situationen, an denen Du Dein Fahrschulwissen nochmal überprüfen kannst.

  • Wie sieht es es denn aus, wenn erst ein Schild steht, später kommt noch eine durchgezogene Linie hinzu, und dann wird diese durch eine gestrichelte Linie ersetzt. Ist hier noch Überholverbot, wegen dem Schild?
  • Was ist, wenn kein Schild steht, die Fahrspur ist 5 Meter breit und diese mit einer durchgezogenen Mittellinie von der Gegenrichtung abgegrenzt wird. Darf ich nun mit meinem Mopped überholen, wenn der seitliche Abstand zum Überholten groß genug ist und ich nicht über die Mittellinie fahre?
  • Und wie sieht es an den Stellen der Landstraße aus, an denen: die Linie gestrichelt ist, kein Schild steht, die Sicht frei ist und die Gegenfahrbahn auch, allerdings fährt der zu überholende PKW 91 km/h? Auf der Autobahn gilt: der Überholende muss mindestens 10 km/h schneller fahren als der zu Überholende.
  • Und was ist bei einer doppelten durchgezogenen Linie, ist das dann eine doppelte Verneinung: Du darfst hier nicht nicht-überholen? Oder anders formuliert, hier musst Du überholen.
  • Auch wenn Schild 276 „Überholverbot für Kraftfahrzeuge aller Art Art“ heißt, dürfen Einspurige, außer Moppeds mit Beiwagen, überholt werden. Bei einem durchgezogenen Mittelstreifen wohl auch, aber dabei darf nicht über den Mittelstreifen gefahren werden.
  • Oder darf ich beim Überholen eines Einspurigen im Überholverbot doch über die durchgezogene Linie?
  • Darf ich beim Mopped-Überholen im Überholverbot (Schild) über die gestrichelte Linie?
  • Gilt ein Überholverbot auch noch nach einer Kreuzung oder Einmündung? Klar ist, wenn man abbiegt, gilt es nicht mehr. Aber bei geradeaus gilt: Kreuzungen heben Streckenverbote (auch Tempolimits etc.) nicht auf. Mit anderen Worten, Du darfst nach der Kreuzung immer noch nicht überholen, wenn Du geradeaus gefahren bist. Derjenige, der an der Kreuzung auf Deine Straße eingebogen ist, darf Dich jedoch überholen (außer er ist ortskundig und weiß, dass vor der Kreuzung ein Überholverbotsschild steht).
  • Und wie ist es mit den landwirtschaftlichen Fahrzeugen? trecker-duerfen-ueberholt-werdenDas ist wenigstens eindeutig. Als Trecker gemäß Zusatzschild (1049-11) gelten: „Kraftfahrzeuge und Züge, die nicht schneller als 25 km/h fahren können oder dürfen.“
    Na gut, halb-eindeutig, denn an allem mehrspurigen, was nicht schneller fahren darf als 25 km/h, steht hinten ein Schild. Wie ich feststelle, dass der Zug vor mir nicht schneller als 25 km/h fahren kann, obwohl er gerade nur 25 km/h fährt, ist nicht geregelt. Was ist, wenn auf dem Anhänger die bei LKW üblichen Aufkleber mit 60 und 80 stehen, er aber von einem Trecker mit 40 Schild gezogen wird, der es bei dem Gewicht nur auf maximal 25 km/h schafft? Dann darf der zwar schneller, aber woher erkenne ich, dass er nicht schneller kann? Was ist mit dem PKW, der hinter dem Trecker her fährt und nicht überholen will, weil beide zum gleichen Ziel wollen? Der PKW darf schneller, kann schneller, will aber nicht schneller. Oder kann er doch nicht schneller, weil der Fahrer den Weg nicht kennt und daher hinterherfahren muss? Und was ist mit diesen Mopedautos mit 25 km/h Schild, die frisiert wurden und jetzt 70 fahren, dürfen die überholt werden?

Oder kurz: es ist kompliziert mit diesem Überholverbot.

Dabei könnte es so einfach sein. Eigentlich ist überholen nämlich nur dann erlaubt, wenn dadurch niemand gefährdet wird steht ein bisschen ausführlicher in StVO §5). Alles andere ist zusätzlicher Quatsch. Von dem noch gröberen Quatsch, seit neuestem nur noch dreispurige Straßen mit abwechselndem Überholverbot zu bauen, hat Ras-mussen bereits geschrieben. Eine ganz dumme Idee, die Ihren Ursprung bestimmt in gefühlter Gerechtigkeit und Aktionismus hat. Motto: Mehr Regeln – mehr Sicherheit.

Und ganz besonders unfugiger Quatsch ist, die Unlogik, dass im Überholverbot drei Reifen nebeneinander fahren dürfen, solange die äußeren beiden zu einem mehrspurigen Fahrzeug (vulgo: Auto) gehören. Andersherum ist es verboten. Oder anderes und von links formuliert:
2 m Auto plus, 1,5 m Sicherheitsabstand, plus 1 m Motorrad (gleich 4,5 m) ist sicher, 1 m Motorrad, plus 1,5 m Sicherheitsabstand, plus 2 m Auto (gleich 4,5 m) ist gefährlich. Ich hoffe, es liegt nicht an meinen mangelnden mathematischen Kenntnissen, dass ich nicht begreife, wieso 4,5 m gefährlicher und damit verboten sind als 4,5 m. Zumal die tatsächliche Straßenerfahrung etwas ganz anderes sagt.
Die links gelenkten PKW haben Schwierigkeiten den seitlichen Abstand zum überholten Einspurer einzuhalten, wohingegen es von Lenker eines Moppeds ziemlich einfach ist (Faustformel: doppelte Armlänge).
Die theoretisch mögliche Beschleunigung eines Motorrads ist deutlich höher als die eines Autos. Wer das nicht glaubt, kann gerne mal im Netz recherchieren. Und fernab der Theorie, ist die tatsächliche Beschleunigung eines Moppeds nochmal um ein x-faches höher als die eines Autos. Das liegt wohl daran, dass der durchschnittliche Autofahrer auf der Landstraße immer im allerhöchsten Gang fährt und das Gaspedal auch nur leicht andrückt, warum auch immer. Der Überholweg für ein Motorrad demnach viel kürzer ist als der eines PKW. Je kürzer der Überholweg, desto öfter kann überholt werden. Je öfter überholt wird, desto kürzer die Schlange, umso stressfreier das Fahren für alle.
Es gibt keinen Grund, warum im Überholverbot Moppeds nicht auch überholen dürfen sollten. Außer vielleicht, dass die PKW-Fahrer sich ungerecht behandelt fühlen. Jemand anderem das gleiche Privileg zu geben, dass man selbst genießt, wird bei vielen Menschen als Verlust wahrgenommen. Vielleicht gehen so die Kuhhandel von Verkehrspolitik und PKW-Lobbyisten: Wir machen die PKW-Maut für alle, dafür dürft Ihr weiter Motorräder im Überholverbot überholen. Und alle so: Yeah! Ich habe gewonnen!

Und überhaupt, es gibt viel zu viele Verbote. Für mehr 282!

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