Packmaße von Exped und Therm-a-Rest

Ein kurzer Nachgang zu meinem letzten Beitrag: Eigentlich wollte ich nur schlafen.

Um zu verdeutlichen, wie groß der Unterschied zwischen meiner alten Therm-a-Rest und der neuen Exped ist, habe ich ein Foto gemacht.

Packmaß. Links Exped (ca 23 x 17) rechts Therm-a-Rest (ca 67 x 15) ohne Tasche oder Gurte.

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Beide sind in etwa gleich dick (15 gegen 17 cm) die alte Selbstaufblasende ist dabei jedoch fast dreimal länger (67 gegen 23 cm). Die Durchmesser lassen sich mit Gurten oder Packtaschen noch verringern. Die lange Matratze könnte ich falten (habe ich bisher nur versuchsweise gemacht, soll aber auch auf Dauer funktionieren, wie ich den Kommentaren unter dem originalen Artikel entnehmen konnte) und dann rollen, dann wird die Rolle aber dicker, das geringe Volumen der Luftmatratze erreiche ich mit der Großen nie. Mit diesem kleineren Volumen passt die Exped viel besser in einen Rucksack, die große hatte ich immer außen am Rucksack gefestigt und dafür habe ich sie auch gekauft.

Die Exped ist auch leichter, wie viel kann ich aber nicht sagen, denn ich habe keine Küchenwaage.

Edit:

Die Nachbarn haben keine Küchenwaage, daher habe ich mit ein bisschen Google-Fu die Gewichte recherchiert. Die die Exped Synmat 7m habe ich 860 Gramm gefunden und für die große Therm-a-Rest 4,2 lbs, was 1.920 Gramm sind.

Ende Edit.

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Eigentlich wollte ich nur schlafen …

Wenn alles gut läuft, dann läuft es so: Man hat eine Problemlage, die durch Kauf eines Gegenstandes gelöst werden kann. Im Fachhandel werden verschiedene Lösungen angeboten und nach kompetenter Beratung entscheidet man sich für Lösung A und alle anderen Lösungen werden nicht gekauft. Demnach hat man mit Lösung B bis Z auch keine Erfahrung. Ich habe mittlerweile hier Lösung A und B zum Thema: Schlafunterlage.

Lösung A: Selbstaufblasend

Früher bin ich immer mit einer großen Therm-A-Rest Matratze zum Camping gefahren. Die ist “selbstaufblasend”, 195 x 63 x 3 cm groß, hat einen R-Wert von 3 und ist deutlich bequemer als alle Iso-Matten, die ich jemals probiert habe.
“Selbstaufblasend” bedeutet, dass in der Matte ein schwammartiger Schaum ist. Beim einrollen der Matratze wird die Luft herausgedrückt und beim ausrollen nimmt der Schaum seine ursprüngliche Form wieder an. Ich puste immer noch etwas Luft hinein, bevor ich mich drauf lege.
Hauptnachteil, vor allem beim Wandern, ist das riesige Packmaß, aufgerollt sind dass immer 63 cm Breite. Das war damals, beim Kauf (ein Superschnapper im Fabrikverkauf für unter $30) noch egal, weil ich meine Nächte im Wanderurlaub immer in Hotels verbracht habe und die Matte nur mit dem Mopped transportiert wurde.

Lösung B: Fremdaufblasend

Jetzt wollte ich aber auch beim wandern draußen schlafen, und da musste etwas neues her, dass sich kleiner verpacken lässt und weniger wiegt. Mir wurde in einem Laden die Exped SynMat 7M (183 x 55 x 8 groß, R-Wert ca. 5) empfohlen, eine Luftmatratze mit synthetischer Füllung und eingebauter “Pumpe”. Bei einer besseren Beratung hätte ich mir das teurere und bessere Modell mit Daunenfüllung gekauft, das bietet die bessere Wärmeisolierung, auch wenn ich diese bisher nicht gebraucht habe. Die Exped ist leichter und lässt sich deutlich kleiner zusammenrollen.
Die “Pumpe” ist ein Schaum und kein hartes, unbequemes Ding mit Hebeln. Die Pumpe funktioniert gut, wenn die Matratze auf einem harten, geraden Untergrund liegt.

Kurzer Exkurs

Wer draußen schläft (ich rede hier von mit oder ohne Zelt, nicht von Wohnwagen oder anderen Camping-Fahrzeugen), wird wissen, dass der Boden, auf dem man liegt, viel Wärme aus dem Körper zieht. Je kälter der Boden, desto besser sollte die Isolierschicht sein. Mit einer guten Unterlage funktioniert der Schlafsack viel besser, denn die untere Seite des Schlafsacks wird durch das Körpergewicht zusammengedrückt und isoliert daher deutlsch schlechter als die Seiten oder oben. Ohne Zelt kann man die aus Tannenzweigen, Laub, Farn, Stroh, oder ähnlichem bauen. Mit Zelt, also wenn das Zelt einen Boden hat, wird das schwierig.

Der Test, den ich machen wollte

Größenvergleich

Ich habe hier zu Hause also zwei Systeme, die ich miteinander vergleichen könnte. Auf dem heimatlichen Balkon ist das deutlich leichter als unterwegs. Also habe ich die Exped aufgeblasen, den dicken Schlafsack genommen und bei 4 bis 7 Grad (je nach Thermometer) auf dem Balkon geschlafen. War muckelig warm.
In der Nacht darauf, bei gleicher Temperatur, habe ich das gleiche mit der der Therm-A-Rest wiederholt, war auch warm.
Hmpf, unentschieden. Ich hätte vielleicht meinen mittleren Schlafsack wählen müssen, um einen Unterschied zu merken. 

Falls ich später mal wieder Lust darauf habe, auf dem Balko zu schlafen, werde ich es wiederholen, dann vielleicht mit einer Decke statt einem Schlafsack.

 

P.S.

Beide Produkte sind auf den Herstellerseiten nicht mehr aufgeführt, also wohl aus dem Programm geflogen. Die R-Werte sind aus meinem Kopf, die Maße im aufgebauten Zustand habe ich gemessen.
Die Therm-A-Rest ist mittlerweile über 20 Jahre alt, da wundert mich das nicht, dass die nicht mehr angeboten wird.

P.P.S

R-Wert ist der Wärmedurchgangswiderstand, je höher, desto besser.

Balkon-camping gestaucht ohne Zelt.

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Winterhandschuhe im Vergleich: Held vs. Reusch

Ich habe zwei Paar Winterhandschuhe, Held Cold Champ (160,- €) und Reusch Nordkap (100,- Eumel). Die Held habe ich ein paar Monate länger als den Reusch, den Reusch trage ich dafür öfter. Im Winter habe ich, wenn ich meine Regenklamotten einpacke auch immer ein zweites Paar Handschuhe dabei. Kalte, nasse Hände sind im Winter doppelt Scheiße. Da ich meinen Rucksack nicht ständig ein – und auspacke, fahre ich halt meistens mit den Handschuhen, die nicht im Rucksack liegen.
Seltsamerwesie kam ich erst gestern auf die Idee, beide Handschuhe direkt miteinander zu vergleichen um festzusellen, welche den  nun wärmer sind. Dafür habe ich mir ein ca. 150km weit liegendes Ziel ausgesucht und meine Hippe vorbereitet. Die Hippe bietet, wenn ich die Handschützer abbaue und die Stulpen weglasse, keinen Windschutz und die Handschuhe müssen zeigen, was sie können. Heizgriffe habe ich keine.

Winterhandschuhe von Reusch und Held

Hinfahrt
Auf der Hinfahrt hatte ich links den Held -und rechts den Reusch-Handschuh an. Im Held fühlte ich zuerst eine Kühle, während der Reusch noch schön behaglich war. Später dann kühlte der Reusch stärker aus und die Fingerspitzen wurden kalt, der Held hat seinen Level an Kühlung gehalten. Beim Tankstopp habe ich die Handschuhe draußen auf der Zapfsäule liegen gelassen und als ich nach dem Bezahlen wieder hinein schlüpfte waren meine Hände wieder warm und blieben es auch die letzten 30 km bis zum Ziel.

Erstes Fazit
Für kurze Etappen ist der Reusch der bessere Handschuhe

Rückfahrt
Jetzt wurden die Handschuhe getauscht, Kupplung Reusch und Gas Held. Es wurde auch dunkel und kälter trotzdem hielt der Held Cold Champ die Temperatur besser und wurde nicht so schnell kühl wie sein Kumpel für die linke Hand. Der linke Reusch hielt auch wärmer, bis zum Ende der hatte ich keine kalten Fingerspitzen.

Zweites Fazit
Jetzt bin ich ein bisschen verwirrt. Ich hätte vielleicht ein Thermometer mitnehmen sollen um die Temperatur aufzuzeichnen. Oder sind meine Hände unterschiedlich gebaut, so dass ich links eine Reusch-Hand und rechts eine Held-Hand habe? Oder liegt es daran, dass die Qualtität der Handschuhe so unterschiedlich ist, dass der linke Handschuh eine deutlich andere Isolierleistung bietet als der rechte und habe Glück, dass ich einen gut funktionierenden linken Handschuh von Reusch und einen guten rechten von Held habe?

Wie denn nu?
Ich werde jetzt in den nächsten Tagen weiterhin mit unterschiedlichen Handschuhen fahren und falls sich irgendwann herausstellt, dass es einen eindeutigen Sieger gibt, melde ich mich dazu wieder.

Mopped in diesem Artikel:

 

Hinweis zum Schluß:
Ich habe die Handschuhe selbst gekauft und bezahlt. Die Hippe auch und den Sprit. Und die Reifen. Den Schnee habe ich aber nicht selbst von den Straßen geräumt, aber mit meinen Steuern habe ich das Räumen bestimmt bezahlt, dabei will ich, dass der Schnee auf der Straße bleibt.

Ducati Scrambler – International Press Launch #DucScr

Bei den Autobloggern lese ich es alle Nase lang. Sie werden von Herstellern in Flugzeuge gepackt, um die halbe Welt geflogen, in Luxushotels untergebracht, fahren dann ein Fahrzeug und werden wieder nach Hause geflogen. Jetzt hat es mich auch einmal erwischt, glücklicherweise musste ich dafür in keiner langweiligen Dose herumrollern sondern konnte Motorrad fahren, die neue Scrambler von Ducati.

Für mich ging es nach Palm Springs in Kalifornien.

Himmel über Palm Springs

Himmel über Palm Springs

Dazu musste ich erst einmal zum Flughafen in Frankfurt. Mein Zug dorthin verließ pünktlich um 05:12 Uhr den heimischen Bahnhof. Einmal umsteigen und keine dreieinhalb Stunden später war ich da; gut, dass es nur 175 km sind. Einchecken am Automaten ging nicht aber am Schalter, Gepäck konnte ich dann direkt dort aufgeben. Nur durch die Sicherheitskontrolle kam ich nicht, denn die Polizei hat die für die Economy Class einfach dicht gemacht. Ich habe keine Ahnung, warum an der Gürtel raus-und-durch-Schleuse nach Ticketklasse gefilzt wird und es gab lustige Szenen als manche die Ihren Flieger erwischen wollten sich einfach selbst upgradeten und den Schalter wechselten um sich bei der Ersten Klasse befummeln zu lassen. Überhaupt verstehe ich den ganzen Aufwand nicht, wer soll durch diesen Quatsch beruhigt werden, die Passgiere, die Politiker oder die Stewardessen? Mich würde auch interessieren, wer beschlossen hat, dass eine aus Billigblech gepresste Schere aus dem Hotel-Nähset viel gefährlicher ist als die Stahlgabel, die im Flugzeug mit dem Essen serviert wird. Oder ob es einen Grund gab, die einzige offene Fußvolk-Sicherheitskontrolle zu schließen und die anderen acht einfach nicht zu öffnen bis die Schlange zur Passkontrolle reichte.

Ich wurde dann doch noch zum Flugzeug gelassen und konnte nach Los Angeles fliegen. Ducati Deutschland hat sich um die deutschen Journalisten und mich gekümmert. Wegen diesem Kümmern sind wir aus Deutschland einen Tag früher an die Westküste der USA gereist als die Italiener und Spanier, die mit uns zusammen in Palm Springs waren, damit der Jet Lag nicht zu groß wird. Super Idee, dafür ein extra Danke von mir.

Santa Monica

Santa Monica, vom Hotel aus gesehen

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Palm Springs wo das italienische Werk alles vorbereitet hatte.

Das Hotel in dem Ducati seine Container aufgeschlagen hat ist eine echte Empfehlung, ich werde hier bestimmt noch einmal hinkommen, wenn ich wieder mal in der Gegend bin. Was brauche ich fünf Sterne, wenn ich in meinem Zimmer einen Plattenspieler mit 5 LPs habe und ein Nachthemd, dass aus einem Stan & Olli Film stammen könnte?

Nachthemd

Nachthemd

Langspielplatten

Langspielplatten, in jedem Zimmer andere.

Plattenspieler Anleitung

Plattenspieler mit Anleitung

Herzlichen Glückwunsch für die Wahl des Ace Hotel für diesen Event.

Im Hotel gab es dann zuerst eine Geschenk Kiste und dann eine rund um die Uhr Bespaßung von Ducati. Am ersten Abend gab es zuerst die erwartete Modell- und Zubehörvorstellung mit Powerpoint und Co. Alles war zum Anfassen und Ausprobieren da, aber noch nicht für die Probefahrt.

Ducati Kiste

Ducatis Geschenke Kiste

Dafür gab es vier Mini-Burger zum Abendessen. Und zu jedem der vier kleinen Burger gehörte eine ganz spezielle Spezial-Bierspezialität. Nun steht amerikanisches Bier nicht im besten Ruf, und den Gesichtern der anderen an unserem Tisch zu urteilen wohl zu recht. Keiner hat alle vier Mini-Gläser ausgetrunken. Ich schon, aber ich bin auch kein Biertrinker sondern ein Nichts-Übrig-Lasser.

Dann ging es weiter mit erstklassiger Musik vom Vinyl, Tischtennis, Whirlpool, Lagerfeuer, Graffiti und so weiter.

Am nächsten Tag gab es dann erst Regen und dann eine eingekürzte Probefahrt, aber dazu habe ich ja bereits gebloggt. Abends ging es dann mit essen und feiern weiter bis die Flasche leer war und der Morgen kam. Glücklicherweise hatte ich bereits gepackt, denn es war schon wieder Abreisetag und so ging es erst mit alle Mann nach L.A. zum Flughafen und dann via Denver weiter nach Frankfurt und nach Hause.

Alles in allem war es ein tolles Erlebnis, und ich würde gerne an weiteren Präsentationen mitfahren, auch wenn sie am Ende der Welt stattfinden.
Jedoch seien wir mal ehrlich, Fahrberichte zur Scrambler gibt es demnächst wie Sand am Meer. Und wenn ich sehe, dass insgesamt zehn deutsche Journalisten (wenn ich mich jetzt mal mitzähle) die gleiche kurze Runde gefahren sind, dann kann dabei gar nicht viel verschiedener Content herumkommen. Hinzu kommt, die meisten der anwesenden Journalisten schreiben für mehr als eine Publikation. Schaut Euch an, was bei den amerikanischen Kollegen zur Ducati Scrambler veröffentlicht wurde, dann wird klar was ich meine. Und die Bilder sind auch überall ähnlich, weil alle an der Stelle vorbei fuhren, an der die Fotografen saßen. Die deutschen Papiermedien haben noch nicht gemerkt, dass es ein Internet gibt, dass macht meinen Bericht zu etwas Besonderem, aber das ist wohl ein deutscher Spezialfall. So gesehen macht es natürlich Sinn auch Blogger zu solchen Events zu laden zwinker-zwinker, denn dann ist der Bericht schnell online (so wie bei Welt.de und Motor-Talk) und nicht erst mit Erscheinen der Februar-Ausgabe. Davon ab können wir zusätzlich in-Time alle möglichen Kanäle wie Twitter, Facebook, Instagramm und Co. bedienen und #Hashtags (s.o.) verwenden. Und wenn wir jetzt den Zeitvorteil abziehen bleibt nur wieder ein weiterer Fahrbericht.
Da möchte ich lieber ganz andere Dinge machen und darüber schreiben. Die Scrambler hätte z.B. wunderbar in unsere Alpen-Runde gepasst, zu der es was bei Ernie, Heise und ein bisschen bei mir gibt.

Ich habe mich natürlich gefreut, als erster deutscher Blogger die Scrambler von Ducati fahren zu können. Mein Bericht war eher im Netz als die aktuelle Ausgabe der „Motorrad“ die auf dem Titel behauptet, die Scrambler exklusiv gefahren zu haben. Ich fand, es war schon ein exklusiver Event (danke @LeFronc für dieses Wortspiel) aber dennoch kein Grund, seinen Lesern ein X für ein U vorzumachen. Es tut der Glaubwürdigkeit der gedruckten Magazine nicht gut, wenn da so kreativ mit der Wahrheit umgegangen wird. Der Leser merkt das und entzieht Vertrauen und kauft entweder etwas anderes oder gar nicht mehr.

Nicht exklusiv gefahren

 

Ducati Scrambler – gefahren #DucScr

Edit:
Hier geht es zum ersten Teil des Scrambler Vergleich Triumph vs. Ducati, den ich viel später als diese erste Begegnung gemacht habe.
Edit Ende

Ich muss es zugeben, als Ducati seine Scrambler-Kamapgne im Netz startete ließ es mich kalt. Ein weiterer Hersteller der geguckt hat, warum BMW so erfolgreich ist und einem Straßenmotorrad die Federbeine langzieht. Aus der R80 wird die G/S, aus der Z1000 die Versys, aus der LeMans die Stelvio, aus der VFR die Crosstourer und nun eben aus der Monster die Scrambler. Gähn.

Ganz so einfach hat Ducati es sich das dann aber doch nicht gemacht, die Scrambler soll nicht nur ein neues Modell werden sondern eine ganz neue Marken-Welt mit eigenen Werten darstellen. Das verspricht schon mal größere Chancen auf einen dauerhaft erfolgreichen Verkauf. BMW (die schon wieder) ist es bei den Autos mit dem Mini damals ja auch gelungen ein einzelnes Fahrzeug zu einer ganzen Marke zu erheben und hat dafür allerlei Zeug drumherum gebaut: Zeitschrift, Bekleidungslinie, Veranstaltungen und weiß der Geier was noch. Hat geklappt, heute gibt es den Mini in vielen verschiedenen Ausführungen in der dritten oder so Generation und, obwohl er kleiner als ein Golf ist und im Gegensatz zum englischen Original innen tatsächlich kleiner als außen, stehen die Straßen voll damit und die Leuten zahlen gerne einen Aufpreis dafür, dass es eben kein Kleinwagen sondern eine Erlebnismarke ist. Schein und Sein stehen bei diesem Ding in meinen Augen in einem eklatanten Gegensatz, aber des Menschen Wille ist sein Himmelsreich und niemand wird gezwungen sich so ein Ding zu kaufen.

Ducati Scrambler Tank Verkleidung

Die Scrambler ist nun eine Marke für Hippster, also dem bärtigen Jutetaschenträger im Ballungsraum der, seit dem er es aus der Realität in die Massenmedien geschafft hat, Ziel von Hohn und Spott ist, aber trotzdem von immer mehr Motorradmarken als lohnenswerte Zielgruppe definiert wird. Das H-Wort fällt jedoch nicht in der Präsentation, dort wird eher darauf hingewiesen, dass man eine Marke ohne Marktforschung dafür mit Mood-Boards und Spaß-Events u.ä. geschaffen habe. Wie es letztendlich passiert ist, ist mir egal, mich interessiert das Mopped.

Eine Markenwelt statt einem Mopped muss per se nichts schlechtes sein und wenn es funktioniert und die Straßen voller Scrambler anstatt von Minis sind ist es sogar gut. Je mehr Menschen Mopped fahren umso besser.

Harte Fakten zur Scrambler gab es im Vorfeld wenige. 800 Kubik, 75 PS, 8.500 Euro. Nichts was vor kurzem noch einen alte müde Katze hinter dem Ofen hervor locken konnte, galt es doch eine elektronische Software-Revolution zu gewinnen um Otto Normal davon zu überzeugen, dass 200 PS das neue Sicherheits-Wohlfühlsofa sind, erst auf dem Renner dann auf der SUV-Enduro. Und eine Ducati musste gefühlt immer teuer sein. Aber die Zeiten ändern sich seit Honda die NC und Yamaha die MTs nicht mehr nur als Zwischenschritt zum Topmodell verstehen sondern als richtiges Motorrad für lange. Hat man früher noch geheuchekle Sätzen wie „mehr PS braucht man eigentlich nicht“ gehört, weil man etwas anderes als das Trumpf-Ass des örtlichen Motorrad-Stammtischs fuhr, ist es heute immer öfter so, dass dieser Satz sogar ehrlich gemeint sein könnte.

Die Zahlen sind das eine, aber gut aussehen muss das Ding ja auch.

Alle die ich kenne und die den Scrambler auf Messen gesehen haben waren begeistert, so dass ich auch einen Blick riskiert habe. Ja, die Ducati sieht gut aus, endlich mal wieder. Entgegen dem was jeder sagt und schreibt verfügt nicht jedes Motorrad aus Bella Italia über ein gelungenes Design. Schon mal eine wirklich schöne Aprillia gesehen? Und auch Ducatis Designer haben nach der 900er Monster und der 916 eine längere Erfolgspause eingelegt.

Ihr merkt schon, meine Vorfreude auf den Scrambler hielt sich in engen Grenzen als die Einladung zur Probefahrt in Palm Springs kam. Die Freude, an diesem Event teilnehmen zu können war dagegen immens. Aber: Ich werde mich nicht von dem ganzen Bling-Bling täuschen lassen und nicht durch die Anstrengung der langen Anreise mürbe klopfen lassen sondern extrem objektiv sein.

Bei unserer Ankunft standen dann vier wirklich schöne Moppeds im Raum, die Scrambler in allen vier angebotenen Ausführungen: Icon, Classic, Full Throttle und Urban Enduro.

Ducati Scrambler Icon

Icon – Bild: Ducati

Sofort ging die Diskussion unter den mitreisenden Journalisten los, welche Ausführung denn die schönste sei und schnell wurden sich dabei alle einig, es sollte Model X mit Anbauteilen von Model Y und Z sowie einigem Zubehör sein. X, Y und Z waren bei jedem ein anderes Modell. Es wurde an Bauteilen geklopft, Stahltank, Alu-Lampe und Schutzbleche aus Alu oder Kunststoff, je nach Modell, erfühlt und das wirklich hervorragende Design gelobt. Nun darf man gutes Design nicht unbedingt mit Schönheit verwechseln (auch wenn ich es selbst oben angedeutet habe), denn Design ist ein Handwerk und Schönheit ist Geschmackssache. Die Scrambler und alle ausgestellten Anbauteile, mehr werden noch kommen, zeichnen sich jedoch durch gut gemachtes Design aus. Und was ich sehe finde ich sehr schön. Nur das ich keine Gepäckhaken sehe gefällt mir nicht. Sobald genügend Kunden fragen wo sie ihre Jogamatte, Strandmatte oder Ihr Longboard festmachen sollen wir da hoffentlich was kommen.

Bei der ersten Sitzprobe fällt mir der spitze Kniewinkel auf, mit 187 cm bin ich wohl immer am oberen Ende der Ducati-Größen-Skala, aber noch nicht zu groß. Je genauer ich hin schaue um so mehr gefällt mir der Scrambler und umso dringender will ich wissen, ob er auch in Bewegung Spaß macht. Leider dürfen wir erst am nächsten Tag los.
Und schon am Abend wird klar, dass wir uns nicht an den Original-Plan halten werden, denn es ist Regen angesagt. In Palm Springs regnent es nur selten. Die meisten Einheimischen sind sich sicher, dass es seit drei Jahren nicht mehr geregnet habe, manche denke es regne dort nie. Mir ist das eigentlich nicht nur egal, ich fahre sogar gerne bei Regen, aber da scheine ich der Einzige zu sein.

Ducati Scrambler Classic

Classic – Bild: Ducati

Morgens regnet es dann tatsächlich. Nun ist es jedoch so, dass Ducati ein paar Fotografen mitgebracht hat, damit jeder Journalist ein paar schöne Bilder für seine Zeitschrift mit nach Hause bringen kann. Für solche Fotos braucht man gutes Licht und für Bilder in Schräglage braucht man Asphalt mit guter Haftung. Die hiesigen Straße sind bei Nässe jedoch ziemlich rutschig wie mir mein Test mit den Stiefeln bestätigte. Also fuhren wir nicht sofort los sondern verbrachten unsere Zeit im Hotel mit warten.
Gnaaaaaaaa, da fliege ich um die halbe Welt um eben nicht Mopped zu fahren. Die amerikanischen Kollegen, die vor uns da waren, hatten Sonnenschein und das volle Fahrprogramm, wir dagegen bekommen von Ducati gelbe Ostfriesennerz-Regenkombis geliehen und warten auf das Ende des Wassers von oben oder wenigstens auf 11 Uhr. Das ist drei Stunden nach der geplanten Abfahrt. Da wir ja auch noch vor der Dunkelheit wieder im Hotel sein sollen wird die Strecke auf eine kurze hin-und-dann-wieder-zurück Fahrt von insgesamt ca. 90 km reduziert. Aber Zeit für eine zweistündige Mittagspause bleibt. Ich hätte da ja lieber mehr Kilometer gefressen auch ohne Fotografen, aber ich war der einzige Blogger (Yeah!) vor Ort und: könnt Ihr Euch einen Fahrbericht in der MO oder so (klingt besser als eine der anderen anwesenden Zeitschriften plus „oder so“) ohne Bilder vorstellen? Ducati auch nicht. Also wurde zu den Fotopunkten gefahren und das in der Gruppe.

Ducati Scrambler Full Throttle

Full Throttle – Bild: Ducati

Ich fahre ja gerne Mopped, aber das war dann doch etwas langsam, teilweise erreichten wir nicht einmal das Speed Limit. Bisher hatte ich immer nur von den schnellen italienischen Tourguides gehört, aber hier, wo der Carabinieri mit Rennsport-Herz gegen einen Sheriff mit Radarpistole getauscht wurde, mussten die schnellen Vor-Fahrer wohl zu Hause bleiben. Nun muss man mit der Scrambler ja auch nicht rasen und der Motor der Scrambler funktioniert sogar hervorragend bei langsamen Tempi. Im sechsten Gang bei wenig Drehzahlen läuft es immer noch rund und selbst ein Hirn befreites wildes Aufreißen der Drosselklappe kann den Motor dann nicht zum Verschlucken bringen, wunderbare Motorcharakteristik für den Stadtverkehr. Man muss den Motor jedoch nicht so niedrigtourig fahren, denn er dreht auch ganz flott hoch ohne dabei jedoch einen Leistungssprung zu machen. Es fühlt sich nach einer sehr linearen Leistungsentfaltung an, jedenfalls soweit ich das in der Gruppe feststellen konnte. Wenn man bei mittleren Drehzahlen noch schnell eine Ampel bei spätgelb erwischen möchte reicht der Dreh am Gas und zack, liegt die Kreuzung in der Vergangenheit. Das Fahrwerk ist für diese Bummelei ein bisschen zu straff abgestimmt, überfahrene Gullideckel und Schlaglöcher werden an den Fahrer weiter gemeldet. Für diese Fahrweise hätte ich lieber eine schaukelige Gemütlichkeit.

Ducati Scrambler Urban Enduro

Urban Enduro – Bild: Ducati

Endlich geht es auf den kleineren Highway 74, die Landstraße ruft, durch die Kurven rauf in die Berge, da wo die Fotografen lauern, soll es gehen. Und schon wenige Kurven später standen wir alle auf einem Parkplatz. Weil ja keiner der Herren Journalisten ein Gruppenfoto bekommen sollte wurden wir jetzt einzeln auf die Reise geschickt, mussten die Reihenfolge streng einhalten und mit mindestens 150 Meter Abstand fahren. Versucht das mal mit zwei Gruppen mit je 16 Moppeds die genau hintereinander fahren auf einer öffentlichen Straße. Was passiert da? Genau es sortieren sich ein paar Autos ein, die nicht auf dem Parkplatz auf das Startkommando warten sondern einfach von A nach B wollen. Es wird also weiterhin langsam durch die Kurven gefahren, die Schräglagenfreiheit der Scrambler kann so nicht getestet werden, gefühlt würde bei unserem Tempo nicht mal ein Serien-Cruiser mit den Rasten kratzen. Bei einer zweiten Fotostelle noch einmal das gleiche Spiel, dann kommt der Regen zurück.
Die meisten fahren offene Helme, einige wenige haben ein Tuch vor dem Gesicht. „Es ist das erste mal, dass ich mit einem offenen Helm im Regen fahre, das tut ja richtig weh!“ sagt mir einer der anwesenden Journalisten. Mir ist das früher regelmäßig passiert als eine SR 500 meine einziges Transportmittel war und ich Integralhelme doof fand. Ihr könnt Euch denken, dass wir wieder nicht das Tempolimit geschafft haben. An den Reifen liegt es nicht, denn der speziell für die Scrambler entwickelte Pirelli MT60 RS hat weniger Traktionsprobleme als meine Stiefel.
35 Meilen sind wir nach dem Start gefahren als wir zur Mittagspause einlaufen, und während ich auf mein Sandwich warte kann ich ein bisschen Zwischenfazit ziehen.

Ducati Scrambler Testgruppe

Trotz Regen und Bummeltempo habe ich Spaß. Der (oder heißt es die?) Scrambler funtioniert in der Stadt und auf der Landstraße gut und ich kann mir richtig vorstellen, wie viel Spaß es machen würde, wenn ich hier auf eigene Faust unterwegs wäre. Auch wenn ich gerne bei Regen fahre, vermisse ich doch die Ausblicke die ich von meinen vergangenen Reisen hierher noch kenne. Alle die Klischees ziehen an meinem geistigen Auge vorbei, ein Wochenende mit Freunden, draußen, ein Lagerfeuer, Faxen machen mit dem Mopped, in Zeitlupe und mit schrägem Midtempo Gitarrensound im Sixties-Style, so wie in alle diesen YouTube Werbefilmchen von den angesagten Mopped-Bauern mit Jeans-Sponsor. Der Scrambler passt da rein.

Aber jetzt will ich auch wissen, ob er mehr kann als bummeln.
Zurück geht es wieder die gleiche Strecke aber es gibt nur eine Stelle an der sich die Fotografen versammelt haben. Wir müssen uns jedoch ein bisschen beeilen, damit das mit dem Licht noch klappt. Na endlich!

So macht der Scrambler gleich doppelt Spaß. Wir lassen es nicht wirklich fliegen, aber jetzt werden auch schon mal Autos überholt. Der Asphalt trocknet ab, die Kurven werden schräger genommen, und es setzt nichts auf. Zügig kann der Scrambler also auch über die Landstraße, für die schnelle Genussrunde genau richtig. In den Kurven wackelt oder schaukelt nichts, und wenn der Fahrer den Kurvenverlauf falsch eingeschätzt hat, kann er über den breiten Lenker fein und unaufgeregt korrigieren. Ob die Scrambler sich beim Bremsen aufstellt habe ich vergessen zu testen, es hat zu viel Spaß gemacht, dass es endlich mal ordentlich lief. Ich fahre gerne einen runden Stil, dieses hektische Gas aufreissen und dann heftig zusammen bremsen ist nichts für mich und daher habe ich es auch nicht ausprobiert.
Ob der Scrambler dafür taugt eine neue Rekordzeit auf der Hausrunde aufzustellen weiß ich nicht, ich habe nicht mal eine Hausrunde. Was ich aber weiß ist, das Fahrwerk der Scrambler mag es gerne etwas schneller, dann werden auch die Schlampereien der Straßenbauer glatt gebügelt.

Kommen wir zur wichtigsten Frage, nach so einem Probefahrt: Würde ich mir den Scrambler kaufen?
Ja, aber mit zwei Aber.

Aber 1
Nicht so wie der in den Laden kommt, natürlich mit Gußlegen, aber mit dem niedrigen Lenker der Full Throttle, dem hohen Schutzblech der Urban Enduro und dem hohen Auspuff aus der Zubehörliste.

Aber 2
Ich habe eine #Hippe und ein #Luxusweibchen und momentan ist dazwischen kein Platz für ein drittes Fahrzeug. Aber ich könnte sie mir sogar als Ersatz für beide vorstellen.
Vielleicht kaufe ich sie mir doch …