Korrektur und Meinungsänderung zur #MotoGP in Argentinien

Lest mehr Motomatters!

In meinem zweiten Beitrag zum MotoGP Rennen in Argentinien hatte ich geschrieben:

In Argentinien hat Marquez sein Mopped nach Aufforderung eines Stewards, wenn ich das richtig gesehen habe, angeschoben und als die Honda wieder lief ist er gegen die Fahrtrichtung zurück an seinen Startplatz gefahren.

Dabei musste ich mich darauf verlassen, was ich bei der Liveübertragung gesehen hatte, beziehungsweise wie ich mich daran erinnerte. Bei Mototomatters [englisch] (lest mehr Motomatters, weil das wirklich sehr gut ist!) beschreibt David Emmett [Twitter, englisch] sehr detailliert, was dort passiert ist. Das ist nur ein kleiner Teil des oben verlinkten Berichts auf den ich mich hier beziehe, der restliche Bericht lohnt sich immer noch zu lesen. Und sogar einige der Kommentare sind lesenswert.

Hier die Reihenfolge, was passiert ist, so wie Motormatters es schreibt

  1. Marquez Motor geht aus
  2. Marques bleibt sitzen und hebt den Arm
  3. Der für die Startreihe zuständige Marshal zieht das Schild mit der Startreihen Nummer ein, was bedeutet, alle Moppeds in seiner Reihe sind startbereit. Waren sie aber nicht, deshalb hatte #MM93 den Arm gehoben. Ein klarer Regelverstoß des Marshals.
    Das eingezogene Schild signalisiert dem Starter (Graham Webber) an der Ampel, dass er den Start nicht verzögern muss
  4. Ca. 1,26 Sekunden nachdem er den Arm gehoben hat spring Marquez vom Mopped und schiebt es an, ein Regelverstoß von Marquez
  5. Zwei Marshals rennen  auf die Strecke. Der Start kann jede Millisekunde freigegeben werden, die Marshals riskieren also Ihr Leben, weil Marquez sich nicht an die Regeln hält. Einer der Marshals (Tony Congram) versucht Marquez aus der Startaufstellung heraus zu lotsen.
    Der Zweite (Danny Aldridge) sieht, was sein Kollege mach und signalisiert dem Starter mit einem erhobenen Daumen, dass Marquez Motor wieder läuft
    Der Daumen war das falsche Signal, denn … und ab hier geht es chronologisch durcheinander.
  6. Die Marshals sind per Funk mit der Rennleitung verbunden. Marquez fragt den Marshal, der bei ihm ankommt: “Pit lane or grid?” sieht dann den erhobenen Daumen des zweiten Marshals und interpretiert es so, dass die Marshals jetzt wieder von der Strecke gehen und er auf den Startplatz zurück darf
  7. Marquez fährt auf seine Startposition
  8. Der Start erfolgt.

Meine neue Meinung

Ursprünglich hatte die ich Situation so interpretiert, dass Marquez aufgefordert wurde, sein Mopped zu starten und die Strafe, einmal durch die Boxengasse, für falsch gehalten.
Ich muss meine Meinung ändern, denn Marquez hat klar gegen die Regeln verstoßen, als er von sich aus den Arm herunter nahm und das Mopped anschob. Und dann hat er ein zweites Mal gegen die Regeln verstoßen, als er gegen die Fahrtrichtung in die Startaufstellung zurück fuhr. Für das Zurückfahren wurde er bereits bestraft, für das selbständige Anschieben nicht, da könnte also noch was kommen.

Die IRTA und die beteiligten Marshals sind an dem Chaos jedoch nicht unschuldig. Während Marc Marquez nach dem Rennen eine PRessekonferenz gab, um seine Sicht der Dinge zu teilen, wurden die Journalisten nicht zur Rennleitung und Marshals vorgelassen.

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Marc Marquez und die Regeln in Argentinien #MotoGP


Der schnellste Moppedfahrer des Wochenendes hat nach in Termas De Rio Hondo drei Penalties eingesammelt und ging mit Null Punkten nach Hause. Weil ich seit der Startphase vom Sonntag weiß, dass die Moderatoren und Experten nicht regelfest sind, habe ich mir das Regelwerk heruntergeladen. Jetzt suche ich nach dem, was #MM93 am Sonntag so alles verbrochen hat und warum er welche Strafe bekam. Ich beziehe mich hier auf das 2018 FIM Grand Prix World Championships Regulations (update 04/04/2018) von der FIM Webiste. 

SPOILER ALARM: Hier gibt es keine moralisches Gewimmer oder fan-farbiges Geschrei für oder gegen #MM93

Bonus: Start von hinten

Nachdem Marquez sein Regenmopped aus der Startaufstellung herausgeschoben hatte um auf das Trockenmopped zu wechseln hat er seinen Startplatz aus dem Qualifying verloren. Das ist keine Strafe sondern im Regelwerk als ganz normaler Vorgang vorgesehen.  (Seite 40 1.18 / 4, Seite 41 1.18 / 7 letzter Absatz, Seite 42 1.18 / 13).
Mehr dazu in meinem Beitrag Start-Chaos in Argentinien

Erster Fehler: Mopped abgewürgt, Einmal durch die Boxengasse

Während die Startaufstellung inklusive Warm-Up-Lap aus der Boxengasse im Regelwerk sehr detailliert beschrieben wird, sind dem Fall, dass ein Fahrer sein Mopped in der Startaufstellung nach der Aufwärmrunde abwürgt nur zwei Sätze gewidmet:

Any rider who stalls his engine on the grid or who has other difficulties must remain on the motorcycle and raise an arm. It is not permitted to attempt to delay the start by any other means.


Ich sage mal, da hat das Regelwerk eine große Lücke. Der Fahrer darf nur den Arm heben, aber was dann passiert steht dort nicht. Darf irgendein Offizieller (und wenn ja, wer?) den Fahrer auffordern, sein Mopped alleine wieder anzuschieben und/oder darf jemand helfen? Muss der Fahrer das Mopped aus der Startaufstellung herausschieben und am Wegesrand oder in der Boxengasse auf Grün warten? Muss er mit erhobenem Arm auf dem Mopped sitzen bleiben und warten, bis der Start erfolgt ist?
Das Regelwerk sagt nichts dazu. Obwohl, Juristen bitte vortreten, im Regelwerk steht, dass der Fahrer nur den Arm heben darf um den Start zu verzögern und Abschnitt 1.18 / 18 auf Seite 46 widmet sich ausschließlich der Startverzögerung. Demnach entscheidet der Starter im Turm, ob der Start aus Sicherheitsgründen verzögert werden muss. Wie das im Detail funktioniert, steht dann dort.

In Argentinien hat Marquez sein Mopped nach Aufforderung eines Stewards, wenn ich das richtig gesehen habe, angeschoben und als die Honda wieder lief ist er gegen die Fahrtrichtung zurück an seinen Startplatz gefahren. Alles in großer Hektik. Der Starter hat keine Startverzögerung ausgerufen.

Für den abgewürgten Motor gab es keinen Penalty für Marquez, aber für das Fahren (statt schieben) gegen die Fahrtrichtung (Seite 45, 1.21 / 11), gab es eine Durchfahrtstrafe.

Meine Meinung

Oscar Quelle PinterestWeil das Regelwerk für ein Abwürgen am Start so lückenhaft ist musste direkt vor Ort und schnell entschieden werden. Der Marshal hat Marquez erlaubt das Mopped anzuschieben, was man gut oder schlecht finden kann. 1.21 / 11 erlaubt das Fahren gegen die Fahrtrichtung “under the direction of an Official”. Meiner Meinung nach war die in dieser Situation gegeben. Da alle Moppeds standen sehe ich da auch keinerlei Gefährdung, daher halte ich die Durchfahrtstrafe für nicht gerechtfertigt. Hätte der Starter im Turm schnell reagiert und “Start Delayed” erklärt (und damit die Regellücke geschlossen), wäre Marquez ans Ende der Startaufstellung zurückversetzt worden, was deutlich weniger Strafe ist eine Boxendurchfahrt.

> Edit: Falls der Steward Marquez nicht dazu aufgefordert hat, das Mopped zu starten, sondern irgendwas anderes, dann war die Durchfahrtstrafe auch falsch, weil zu wenig. /Edit <<

Zweiter Fehler: Rempler beim Überholen, eine Position zurück

Zuerst die passende Regel:

1.21 Behaviour During Practice and Race
2. Riders must ride in a responsible manner which does not cause danger to other competitors or participants, either on the track or in the pitlane. Any infringement of this rule may be penalised by the FIM MotoGP Stewards.

Es ist immer schwer, eine klare Grenze zwischen “Erlaubter Härte” und “Verbotener Gefährdung” zu ziehen. Liegt schon eine Gefährdung vor, wenn der andere nicht gestürzt ist? Hätte der gestürzte den Sturz vermeiden können, wenn er den anderen, der sich in einer stabileren Fahrsituation befand, einfach vorbei gelassen und nicht gefährdet hätte?
Vielleicht hilft uns Kapitel 3 der Regeln: Disciplinary and arbitration code, weiter. Dort steht ziemlich am Anfang, dass ein Fahrer mehrfach bestraft werden kann. Es steht dort jedoch nicht, dass nach X Strafen automatisch eine Disqualifikation, Sperre oder sonst was erfolgt.
Dann folgen verdammt viele Abschnitte darüber wer eine Strafe aussprechen kann, wie das Prozedere zu erfolgen hat und wie der Einspruch etc, aber kein Auslistung von Strafen für bestimmte Verstöße. Weiter vorne im Regelwerk steht was passiert, wenn ein Fahrer sich nicht an das Tempolimit in der Boxengasse hält, aber das passt hier gar nicht.

Dritter Fehler: Rempler beim Überholen der zum Sturz führt, 30 Sekunden Strafe

Oscar - Quelle PinterestWie oben geschrieben, es gibt keinen Strafenkatalog, der sagt:

  • Rossi über den Haufen gefahren: Disqualifikation und drei Rennen Sperre
  • Pedrosa umgefahren: keine Strafe
  • oder ähnliches

Wenn nichts im Regelwerk steht, dann müssen die Offiziellen vor Ort entscheiden und ich kann mit Blick auf das Regelwerk nur sagen, dass alle ausgesprochenen Strafen aufgelistet sind und somit den Regeln entsprechen.

Meine Meinung

Marquez hat aus der ersten Strafe nichts gelernt, und schon alleine deshalb sollte meiner Meinung nach, die zweite Strafe deutlich höher ausfallen.

Abschlussbemerkung

Marquez fährt immer hart und ein Rempler kommt regelmäßig vor. Im Gegenzug, so scheint es mir jedenfalls, hat er auch kein Problem damit, wenn er mal angerempelt wird. Das zeigt, dass er nach seinen Maßstäben nicht unfair fährt.
In Argentinien sahen die Schiedsrichter das jedoch anders und haben ihn für zwei Rempler zweimal bestraft. 
Bei den Streckenbedingungen mit der schmalen trockenen Ideallinie und der feuchten Reststrecke finde ich es gut, wenn die Marshals Rempler als gefährlich einstufen und Strafen aussprechen. Hätten sie bei Zarco, der mit einem Rempler Dani Pedroso in einen Sturz geschickt hat, auch machen sollen. Mit zweierlei Maß messen ist niemals gut. >> Edit: Ich habe jetzt mehrfach gelesen, dass Zarco und Pedrosa sich nicht berührt haben, es somit keinen Rempler gab. Wenn dem so ist, dann haben die Rennkommissare nicht mit zweierlei Maß gemessen. /Edit <<

Das nächste Problem sehe ich darin, dass Marquez zum Wiederholungstäter wurde. Nach der Strafe für den ersten Rempler hat er seinen Fahrstil nicht geändert. “Gut” dass es mit Rossi den absoluten Publikumsliebling getroffen hat, denn so wird es nicht sofort vergessen. Ich finde, das Regelwerk sollte angepasst werden, so dass es richtige Eskalationsstufen gibt. Wer nach einem Penalty den gleichen Regelverstoß wiederholt, wird aus dem Rennen genommen.

MotoGP Start-Chaos in Argentinien 2018

Vor dem Start des MotoGP Laufes in Argentinien: Das Wetter war unbeständig und die Strecke stellenweise nass, die Rennleitung hat ein Wet-Race erklärt. Das bedeutet, die Fahrer dürfen im Rennen in die Box fahren und das Mopped gegen eine zweite Maschine tauschen. solange diese auf anderen Reifen steht. Startet der Fahrer auf Regenreifen, muss das Mopped in der Box auf Slicks stehen und umgekehrt. Das wird das Flag-to-Flag-Rennen genannt.

Jack Miller stand auf Slicks in der Startaufstellung, alle anderen hatten Regenreifen aufgezogen. Noch vor dem Start der Aufwärmrunde haben sich erst einzelne, dann auf einmal alle bis auf Jack Miller, entschlossen, das Mopped zu wechseln. Die Moppeds wurden in die Box geschoben und die Fahrer haben sich mit dem anderen Mopped vorne an der Ausfahrt der Boxengasse aufgestellt.

Die Regelsituation

Wenn die Moppeds in der Startaufstellung stehen und die Boxengasse geschlossen ist, dürfen die Moppeds in die Boxengasse zurückgeschoben werden. Die Moppeds dürfen aus der Boxengasse die Einführungsrunde starten und sich dann hinten in der Startaufstellung einreihen, der ursprüngliche Startplatz bleibt frei.

Bei anderen Rennen

Es ist schon öfter vorgekommen, dass einzelne oder auch fast alle Fahrer sich auf der Einführungsrunde umentschieden haben und dann am Ende nicht in die Startaufstellung fuhren sondern in die Box, dort das Mopped wechseln und dann dem Feld hinterher starteten. 

Start aus der Boxengasse

Die Boxengasse wird erst geöffnet, wenn das Feld sicher vorbei ist, meistens, wenn der Letze durch die erste Kurve durch ist. Wer aus der Boxengasse ins Rennen startet hat einen viel größeren Rückstand als diejenigen, die von den hinteren Plätzen starten.

Jetzt neu in Argentinien

Oscar Quelle Pinterest

In Argentinien standen nur ein Mopped bereit um vom Startplatz in die Aufwärmrunde zu fahren, viele andere standen an der Boxenausfahrt und noch ein paar waren noch in der Box. Die letztgenannten hätten die Aufwärmrunde nicht fahren und aus der Boxengasse ins Rennen starten müssen.

Statt jedoch die Aufwärmrunde zu starten, so wie es im Regelwerk steht hat die Rennleitung den Start “aus Sicherheitsgründen” verschoben. Somit wurde auch den Fahrern, die noch in ihrer Box waren ermöglicht, das Mopped zu tauschen und die Aufwärmrunde zu fahren. Theoretisch hätte in der Box auch noch am Mopped geschraubt werden können, Zeit genug gab es jetzt. An Jack Millers Bike konnte natürlich nicht geschraubt werden, der stand ja in der Startaufstellung. Hätte es während der Startverzögerung angefangen zu regnen, hätten alle in der Box wieder auf das Regenmopped wechseln können, aber Jack Miller nicht.

Mein Regel-Problem

Wenn nur ein Mopped die Einführungsrunde aus der Boxengasse startet, dann stellt sich der Fahrer auf Startplatz 25 (bei 24 Startern wie in Argentinien), direkt neben dem letzten regulären Startplatz. Ich weiß jedoch nicht definitiv, wie die Hinten-anstellen-Reihenfolge ist, wenn mehrere Fahrer aus der Boxengasse in die Startaufstellung fahren. Ich vermute, dass der am besten qualifizierte auf Platz 25 startet und dann der zweitbeste usw. Regelfüchse dürfen mich gerne verbessern oder die entsprechende Passage des Regelbuchs nennen.

Die praktischen Probleme

Da nur ein Fahrer auf der regulären Startposition stand ist es für die Boxengassler natürlich schwierig die Startplätze 24 bis 45 zu finden. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

ABER

Oscar - Quelle PinterestDas ist kein Grund, den Start “aus Sicherheitsgründen” zu verschieben. Die Rennnleitung hätte die Einführungsrunde ganz normal starten können. Alle Moppeds, die zu dem Zeitpunkt an der Boxengasse bereitstanden wären mitgefahren und hätten sich dann ab Platz 25 aufgestellt und gut wäre es gewesen. Diejenigen, die noch später dran waren hätten dann aus der Boxengasse starten müssen.

Wie hätten die Fahrer Ihren Startplatz gefunden?

Die Teams hätten den Fahrern von der Boxenmauer den Startplatz anzeigen können. Die Rennleitung hätte die einzelnen Startreihen anzeigen können, die Rennleitung hätte den Fahrern den neuen Startplatz auf Display schicken können.

Das alles hat man nicht gemacht, sondern man hat den Start “aus Sicherheitsgründen“ verschoben.

Nach der Verschiebung sind alle Moppeds in die neue Startaufstellung gefahren, so dass Jack Miller auf Pole stand und Dani Pedrosa in Reihe 7. Aus dieser Aufstellung wurde erst eine Einführungsrunde gefahren und dann gestartet. Bis auf die Startverschiebung also alles fast so, wie es in den Regeln steht.

Wo war das Problem?

Ich sehe vor allem zwei Probleme. Das erste ist ein Kommunikationsproblem: Die Rennleitung hat den Start “aus Sicherheitsgründen” verschoben, obwohl keine Sicherheitsgründe vorlagen. Damit wurden die Fans belogen und zwar so, dass sie es sofort durchschaut haben. Und zack: schlechte Stimmung. Vielleicht erlaubt das Regelwerk es nicht, den Start aus organisatorischen Gründen zu verschieben, aber die Rennleitung hätte den Zuschauern und Medien erklären müssen, was vorgeht. Ich habe das Rennen auf BT2 geguckt und dort kannte niemand die Regeln so genau. Die Reporter und Experten haben gedacht, dass die Moppeds alle aus der Box ins Rennen hätten starten müssen.

Das nächste Problem war, dass alle diejenigen, die zu langsam waren um aus der Box in die Einführungsrunde zu starten, das nun doch konnten und so einen nicht regelkonformen Vorteil bekamen.

Servus und Eurosport und andere Medien

Hatten die Experten bei Servus und Eurosport die Regeln drauf? Ich habe dort nicht geguckt und weiß es daher nicht. Bei Twitter hatte ich jedoch den Eindruck, dass auch dort Verwirrung herrschte.
Auch heute lese ich noch von „Erfundenen neuen Start-Regeln“, wenn es um das Rennen geht. Wie oben dargelegt, denke ich, dass, bis auf die Verschiebung, alles regelkonform war.

 

Überholwut in der #MotoGP

Heute Morgen wurde auf Phillip Island in Sydney, Australien, passend zum Frühstück ein spannender MotoGP Lauf (Ergebnis hier bei Motorsport Total) gefahren.

Es war eng und weil es so eng war wurde auch viel überholt. Richtig viel. Um genau zu sein: die Top 7 haben insgesamt 73 mal überholt in 25 Runden.

Das hat jedenfalls die TV Journalistin Tammy Gorali gezählt und per Twitter geteilt. Im Einzelnen waren es:

  • Rossi: 18
  • Zarco : 15
  • Vinales: 10
  • Ianone: 9
  • Miller: 8
  • Marquez: 7
  • Crutchlow: 6

Die meisten Überholmanöver gab es in den Runden 3 (5 plus eine Berührung) und 25 (5, davon 3 von Iannone).

Gleich kommt Formel 1, mal gucken, ob da auch jemand überholt 😀

P.S.
Hier die direkten Links zu den Tweets, die auf englisch sind und noch zusätzliche Informationen enthalten.:

https://twitter.com/tammygorali/status/922128467696734209

https://twitter.com/tammygorali/status/922129113367896064

https://twitter.com/tammygorali/status/922129431552028673

https://twitter.com/tammygorali/status/922130066435387392

https://twitter.com/tammygorali/status/922130520837951488

https://twitter.com/tammygorali/status/922131109063856128

https://twitter.com/tammygorali/status/922131587847917568

https://twitter.com/tammygorali/status/922132217001926658

https://twitter.com/tammygorali/status/922133527847735297

Marc Marquez – keine überragende Taktik in Brno #MotoGP

Ich gucke gerade MotoGP und sehe im Vorbericht eine Zusammenfassung des Laufs in Brno. Das Rennen wurde von allen Fahrern mit Regenreifen gestartet. Die Strecke trocknete ab und daher wechselten alle auf Slicks, Marquez (#MM93) als erster, mindestens eine Runde vor den anderen und am Ende gewann er das Rennen mit deutlichem Vorsprung. Weil Marquez gewonnen hat, sprechen jetzt alle Journalisten (auch diejenigen, die das ganze Rennen gesehen haben) von einer taktischen Glanzleistung. Ich nicht.

Mehr Glück als Plan

Marquez startete das Rennen mit den weichen Regenreifen, die anderen Top-Piloten wählten die harte Version. Marquez Reifenwahl war falsch, denn sein Reifen baute schnell ab und er verlor Positionen, er wurde nach hinten durchgereicht. Wäre er eine weitere Runde auf den falschen Reifen gefahren, hätte er viel Zeit auf die Spitze verloren, also musste er an die Box und auf Slicks wechseln. Er hatte keine Wahl.
Ich behaupte: hätte er sich am Start für den richtigen Reifen entschieden, hätte er später gewechselt.

Eine taktische Meisterleistung

Jonas Folger (#JF94) ist in der gleichen Runde wie #MM93 zum Wechsel gefahren. Im Gegensatz zum Weltmeister hatte der Rookie jedoch den richtigen Regenreifen aufgezogen, seine Rundenzeiten bauten nicht ab, er musste nicht wechseln – er wollte. So gesehen ist es doppelt schade, dass sein Team noch nicht fertig war, und Jonas unverrichteter Dinge durch die Boxengasse fahren musste.

Hätte, hätte Tech3 Sieg

Oscar - Quelle PinterestStellt Euch vor, Jonas’ Tech3 Team hätte das Mopped fertig gehabt, dann wären Jonas und Marc direkt hintereinander mit Slicks auf die Strecke gekommen.
Und stellt Euch jetzt noch vor, Marc hätte am Start die richtigen Reifen aufgezogen, dann wäre er frühestens eine Runde nach Jonas an die Box gekommen, als Jonas schon ganz weit weg gewesen wäre.

Dani Pedrosa ist mein Fahrer des Jahres #MotoGP #DP26

Als Couch-Sportler mit flinkem Daumen an der Fernbedienung, habe die diesjährige MotoGP Saison wirklich genossen. Der neue Reifenhersteller, die neuen Regeln mit dieser beinahe Einheits-Elektronik, das Wetter und bestimmt noch andere Faktoren, die am TV nicht zu sehen und zu hören waren, haben dafür gesorgt, dass in diesem Jahr neun verschiedene Fahrer mindestens ein Rennen gewinnen konnten. Um das in Relation zu setzen, in den vergangenen fünf Jahren gab es insgesamt nur fünf verschiedene Rennsieger (habe ich nicht selbst recherchiert, habe ich bei Motofire.com gelesen).

In so einer Saison scheint es schwierig zu sein, einen Fahrer des Jahres zu finden.

mm93Ist es Marc Marquez #MM93 der Weltmeister wurde? Ohne Zweifel ein verdammt schneller Fahrer. Er ist derjenige, der auf ein nicht optimal eingestelltes Ersatzmopped springt und mal eben die Pole Position damit erfährt. Der Fahrer, der wohl am besten sehr eng, beidseitig des Limits fahren kann, der ein Mopped mit Ellenbogen und Knie aus dem Lowsider wieder aufrichten kann. Er ist derjenige, der die Linie am weitesten variieren kann und der schon zum Ende der letzten Saison gelernt hat, auch mal die Punkte mitzunehmen.

vr46Oder Valentino Rossi #VR46, der mehr Rekorde und Superlative auf sich vereinigt als Heu in einem Haufen um eine Stecknadel zu verstecken? Der neunfache Weltmeister, der schon vor der Saison seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert hat? Der Meister der psychologischen Kriegsführung, der doch eher wie ein unschuldiger Lausbub in die Kamera guckt und die MotoGP um das Ehrenrunden-Show-Element bereichert hat?

cc35Oder Cal Crutchlow #CC35, der mit der privaten LCR Honda dieses Jahr zwei Siege einfahren konnte? Der im TV zitiert wurde mit dem Wunsch, nicht in ein Werksteam zu wollen?

ai29Oder Andrea Iannone #AI29 der mit drei frisch reparierten Rückenwirbeln in Valencia die wilde Show gerissen hat? Nein, der hat sich disqualifiziert, als er seinen TeamkollegenAndrea Dovizioso #AD04 in Argentinien in der Zielkurve abschoss.

dp26Für mich ist es Dani Pedrosa #DP26. Die ewige Nummer zwei im Honda Werksteam. Der Fahrer mit den meisten GP-Siegen ohne Weltmeistertitel. Derjenige, der bisher jedes Jahr immer mindestens ein Rennen gewonnen hat. Er ist wohl derjenige der, neben Jorge Lorenzo #JL99 am stärksten vom Wechsel des Reifenherstellers betroffen wurde.
Dani Pedrosa ist mein Fahrer des Jahres, nicht wegen der Ergebnisse die er eingefahren hat, sondern wegen dem, was er Austin gemacht hat. Er stürzte und sein über die Strecke rutschendes Mopped traf die Ducati von Dovizioso (der Abschuss durch Iannone war genau ein Rennen vorher). Natürlich ging Dovi auch zu Boden. Und Dani läuft als erstes nicht zu seinem Mopped, wie es jeder andere Rennfahrer und vermutlich auch 99,8% der Straßenfahrer, machen, sondern er lief zu Dovi.

Quelle: Motorfire

Quelle: Motorfire

Keine Ahnung was er da gesagt oder getan hat, vermutlich gefragt: Bist Du okay? Tut mir leid, dass Du wegen mir mir gestürzt bist o.ä. Danach erst lief er zu seinem Mopped und nahm das Rennen wieder auf. Am Ende des Rennen ging er sofort in die Box zu Dovi um sich dort zu entschuldigen oder was auch immer. Ich hatte den Eindruck, wäre es erlaubt gewesen, hätte Dani dem abgeschossenen Dovi seine Honda geliehen,damit er weiter fahren kann.

Großer Mann, der Dani.

Dani Pedrosa #DP26

Quelle: Twitter: @26_DaniPedrosa

ForeverForward Trophy – Mit Potential

Die Idee hinter dem sperrigen Namen finde ich gut.
In der Moto3 und Moto2 wird es eine extra Wertung geben für die Fahrer, die von der Startposition aus die meisten Plätze gut machen und viel weiter vorne ins Ziel kommen. Eine gute Gelegenheit um die Aufmerksamkeit von der Spitze des Feldes weg in die tiefen des Raumes zu lenken. Nun haben meiner Meinung nach ausgerechnet die Moto2und3 das nur wenig nötig, im Gegensatz zur Formel 1 zum Beispiel. Wer schon mal eine F1 Übertragung bei RTL gesehen hat, wird wissen was ich meine. In der F1 wird zwar wenig überholt, wenn dann jedoch weiter hinten, wo die Bildregie und die Moderatoren nie hinsehen.

Aber ich will jetzt die gute Idee nicht schlecht reden, denn es hat seine Gründe, warum es diese Wertung in eben den beiden kleinen und wild umkämpften MotoGP Klassen gibt. Der Sponsor für die FFT ist Dunlop, der Reifenausrüster für eben die Moto3 und Moto2.

Ich bin mal gespannt, wie diese Wertung aussehen wird und wie sie im Detail funktioniert, ob die Punkte zum Beispiel einfach berechnet werden, eventuell nach der Formel Startposition minus Zielposition gleich Punkte. #( als 26. gestaeret, als 15. im Ziel ergibt 26-15=11 Punkte).
Oder ob nur tatsächliche auf der Strecke heraus gefahrene Überholmanöver zählen und es keine Punkte gibt, wenn ein Ausgefallener überholt wird. Das wird dann aber nicht mehr so leicht nachvollziehbar zu werden.

Dunlop hat über die FFT eine Pressemitteilung verfasst (nur hinter einem Login zu finden) in der auch auf den Hashtag #ForeverForward und auf den @DunlopMoto Twitter Feed hingewiesen wird. Bisher sind alle Tweets von diesem Account auf englisch gewesen, ich nehme an das bleibt auch so.

Die Tabelle zur FFT soll dann bestimmt auch irgendwo stehen, nur wo? Leider gibt es dazu keinen Hinweis. Eine schnelle Suche bei Metager, Duckduckgo und noch einer anderen Suchmaschine brachte kein Ergebnis, dort finde ich nur viele Websites, die die Pressemeldung übernommen oder darüber berichtet haben.
Auf der Website von Dunlop Motorradreifen stand gar nichts zur FFT und der Link von dort zur englischsprachigen Seite Motorsport zeigt den Text der Pressemeldung gleich drei Mal. Und so Zeug mit Autos.
So wie auf der MotoGP-Website sollen am Montag nach den Rennen weitere Informationen und Videos der besten Überholmanöver usw. zu finden sein. Mal sehen. Die Open Klasse der MotoGP wird auf der offiziellen Website jedenfalls nicht gut dargestellt.

Ich hoffe, das wird besser und ich finde spätestens am Montag einen ersten Zwischenstand. Wäre doch schade, wenn die FFT nur eine Pressemeldung vor der Saison wäre.
Dunlop, bitte begleitet Euer Sponsoring mit entsprechender Kommunikation, das hat diese Idee verdient.