Suzuki GSX-S1000 – gefahren

Weil mein Kettenrad und meine Felge sich nicht trennen wollten, jedenfalls nicht mit den paar Bordmitteln die meine Werkzeugkiste hergibt, habe ich die #Hippe in die Werkstatt gebracht. Andere Geschichte, später hier im Blog.

Haste Zeit?

Fragt mich der Chef und was soll ich sagen, ja, hatte ich. Also drückt er mir den Schlüssel der Suzuki GSX-S1000 in die Hand und sagt:

Ist noch für 120 km Sprit drin.

Also gut, dann werde ich wohl zwischendrin tanken müssen.

Suzuki GSX-S1000_2

Um es gleich vorne weg zu sagen, so nackte 1000er sind so gar nicht meins und wegen dem 100 km/h Tempolimit außerorts (außer es ist eine Autobahn) ziemlicher Quatsch. Eigentlich ist alles über 50 PS (oder 48, wie der Führerscheinneuling sagt) unnützer Ballast. Die GSX-S hat 145.
Um das mal anhand der Suzi zu verdeutlichen. Im zweiten Gang liegen bei 100 km/h ca. 7.000 Umdrehungen an, im sechsten dreht der Vierzylinder bei der Geschwindigkeit ca. 4.100 mal. Das Drehmomentmaximum liegt bei 9.500 U/min an und der rote Bereich bei 11.500. Ja, 100 gehen auch im ersten, aber da habe ich mir die Drehzahl nicht gemerkt. Also wenn das Mopped im legalen Geschwindigkeitsbereich bewegt wird ist der Motor noch in der Tiefschlafphase.

Aber die meisten Moppeds werden ja nicht gekauft, weil sie Sinn machen, sondern wegen dem Spaß. Und hier kommen wir zum nächsten Problempunkt, den sich die GSX-S1000 mit der S1000R, Speed Triple, CB1000R oder der Z1000 teilt, denn: Es macht mehr Spaß ein langsames Mopped schnell zu bewegen als ein schnelles langsam zu fahren. Und die aufgezählten Moppeds sind alle schnell. 100 km/h auf der Bundesstraße, und sei sie noch so kurvig, machen diese Fahrzeuge im Schlaf. Leistung gibt es im Überfluss und die Fahrwerke vertragen viel mehr Geschwindigkeit als legal ist.

Da wo ich mit der #Hippe in der bergauf Kurve die Linie ganz exakt treffen muss um nicht zu viel Schwung zu verlieren, merke ich mit dem Suzi-Motor nicht mal, dass es bergauf geht. Mit der #Hippe muss ich nicht nur die Linie richtig treffen, ich muss auch im richtigen Gang sein, ansonsten ist der Schwung auch weg. Die Suzi hat einen 1.000er Vierzylinder mit Superbike-Wurzeln und, wie alle modernen Vertreter dieser Gattung, Leistung von ganz wenig Drehzahlen bis oben hoch hinaus. Dass 100 im ersten gehen hatte ich oben schon erwähnt, aber es gehen auch 40 im sechsten ohne das es ruckelt.

Suzuki GSX-S1000_Cockpit

Euch ist sicherlich aufgefallen, dass ich die #Hippe zum Vergleich heranziehe und nicht das #Luxusweibchen. Der 1200er Vierzylinder mit 178 PS wäre in den Augen der meisten wohl ein besserer Vergleich, aber: damit fahre ich Langstrecke über die Autobahn und das in Geschwindigkeitsbereichen in denen eine Verkleidung sinnvoll ist. Die Suzi ist nackt, damit sind auch relativ locker 180 km/h und mehr auf der Bahn drin, aber dafür ist sie nicht gebaut. Ich bin nur ein kurzes Stückchen auf der Bahn gefahren um mal festzustellen, ob da wirklich kein Windschutz ist. Ne, die Lampe und der Tacho sind zwar da, aber das war es dann auch schon. Apropos Tacho und alles; die Suzi ist so gebaut, dass ich, wenn ich drauf sitze und fahre, nichts von dem Mopped sehe, die Honda CB1000R kann das auch. So etwas gefällt mir ausgesprochen gut, fühlt sich an, wie fliegen.

Weiter geht’s mit der Suzi, weg von der Bundesstraße und hinein ins #Hippe-Revier der Land- und Kreisstraßen. Eng geht es hier manchmal zu, die GSX-S hat jedoch mit keinem Radius ein Problem. Bei langsamen Tempo fällt sie einen Ticken zu schnell und zu weit in die Schräglage, wenn man bummelt. Es ist ein leiser Weckruf an den Fahrer, das Mopped will gefahren werden, will nicht die Aussichtsplattform für schöne Landschaft sein. Also fahren wir Kurven.
Abbremsen, Schräglage einleiten durch Druck auf die Raste oder Zug am Lenker – kann man machen, es reicht jedoch die richtige Blickführung – und sanft beschleunigend durch die Kurve. Geht wie von selbst. Das Mopped reagiert gut auf Gewichtsverlagerungen und bleibt auch auf der gewählten Linie, als ich Gas zu, Gas auf spiele um eine Reaktion zu provozieren, das überrascht mich nicht bei diesem Fahrwerk. Als nächstes versuche ich eine andere Kurvenfahrtechnik und bremse bis in den Scheitelpunkt. Auf der Bremse fällt die Suzi nicht mehr superleicht in Schräglage sondern nur noch leicht. Beim Gas geben kann es dann zu einem Rucken im Antriebsstrang kommen, wenn die Drosselklappen ganz geschlossen waren. Wer die Drosselklappen auch nur einen Millimeter offen lässt wird von dem Ruck verschont. Egal wie sanft das Gasgriff gedreht wird, ein Ruck ist immer spürbar. Schlimm ist es nicht, ich finde es nicht einmal störend.

Ach ja, Gas geben. Egal welcher Gang anliegt, wenn der Ort zu ende ist, zack (im sechsten eher za-a-ack) stehen 100 auf der Uhr. Manchmal muss ein LKW oder ein Trecker überholt werden, dann überlege ich kurz, welche Tonhöhe ich gerne hätte, legen den passenden Gang ein und fahre vorbei. Nötig ist ein Gangwechsel nicht. Meistens ist es der vierten oder fünften Gang, da hört sich die Suzi bei Landstraßentempo am besten an.

Suzuki GSX-S1000_4

Zum Schluss noch ein paar Worte zum Fahrwerk. Funktioniert gut, ist für meinen Geschmack jedoch zu hart abgestimmt, denn viele der kleinen Straßen hier hören auf den Namen Flickenteppich. Gabel und Federbein sind einstellbar, das kann also geändert werden.

Am Ende der Probefahrt stehen 180 km mehr auf der Uhr und die haben viel Spaß gemacht, vor allem wegen dem tollen Sound.

Bewertung der Moppeds nach bekanntem Muster.
Griesi-Dauertester-wäre-okay-Rating
4 Sterne
wegen dem tollen Sound (ohne nur 3)

Moppeds in diesem Beitrag

KTM 530 EXC mit ein bisschen Rally #Rumpelchen #BajaD

Endlich habe ich einen Namen für die KTM, die ich für die Baja Deutschland und andere Gelegenheiten gekauft habe: #Rumpelchen.
Rumpeln ist der treffendste Ausdruck, wenn ich das Fahrgefühl auf der Straße beschreiben will. Der 510 ccm Eintopf, die straffe Federung und die Stollenreifen sorgen dafür, dass es auf der langsamen Verbindungsstrecke von der Garage in den Wald rumpelt.
Einmal abseits des Asphalts und mit mehr Gas unterwegs ist davon nichts mehr zu merken. Okay, die Gabel ist noch ein bisschen zu hart eingestellt, da muss ich Dämpfung und Vorspannung ein wenig zurücknehmen.

KTM_530_EXC

Im Vergleich zur #Hippe sitze ich auf der KTM doppelt so hoch und bei mehr als doppeltem Hubraum habe ich fast die dreifache Leistung. Klingt erst mal nicht danach, als sei #Rumpelchen leichter im Gelände zu bewegen als die gemütliche Honda. Das deutlich niedrigere Gewicht der Großen ist jedoch ein deutlicher Vorteil, ebenso wie längere Federwege und eine höhere Bodenfreiheit. Und natürlich die Reifen. Auf Asphalt taugen die Pirelli MT16 nur sehr bedingt, einmal zu viel Gas und das Hinterrad dreht durch und schwänzelt.
Im Dreck gibt es dann kübelweise Traktion, dafür sind sie gebaut. So komme ich problemlos durch Passagen auf denen die #Hippe kämpfen muss.

Bei #Rumpelchen handelt es sich um eine KTM 530 Factory mit ein paar zusätzlichen Kleinigkeiten und einem Roadbook-Halter und einem Tripmaster, die am Lenker verbaut sind.

Memo an mich: Ich brauche dringend einen Enduro-Spielplatz um die Ecke.

KTM_530_EXC_02

Yamaha R1 auf dem Nürburgring #We_R1 und #Nring

Am 7. Juli werde ich an einem Renntraining auf der Nürburgring GP-Strecke teilnehmen und dabei die aktuelle Yamaha R1 testen können, wie geil ist das denn?
RossiLorenzoGriesi
Vielleicht passen zwischen Lorenzo und Griesi noch so der eine oder andere Rennfahrer wie z.B. Damian Cudlin oder Michael Galinksi (ohne Twitter), die beide vor Ort sein werden.

Mannmannmann, das wird was werden. Wahrscheinlich bin ich der einzige auf der Strecke, der noch nie Hanging-off gefahren ist, aber wenigstens habe ich ein paar Knieschleifer im Schrank.

Und: Ich habe schon zwei Hashtags für die Veranstaltung, #We_R1 und #Nring und ich werde beide benutzen um live zu berichten.

Wie sich die 200 Pferde wohl im Vergleich mit meinen alltäglichen 178 anfühlen? Und dann die ganze Elektronik, meine Moppeds kommen ja komplett ohne aus. Werde ich die bemerken oder gehe ich zu lasch ans Gas um die elektrischen Heinzelmännchen überhaupt arbeiten zu lassen?
Werde ich mit meinem Straßenfahrstil den Rennfahrer im Weg stehen?
Wir es eine Zeitmessung geben? Transponder sind jedenfalls Pflicht.

Ich freue mich schon tierisch.

So wie ich das sehe, könnt Ihr Euch kurzentschlossen auch zu dem Event anmelden, wenn Ihr denn einen Yamaha-Sportler oder Sporttourer fahrt. Probefahrten der neuen R1 sind auch möglich.
Wahlweise könnt Ihr das ganze am 14. Juli auf dem Bilster Berg
oder als zweitägige Veranstaltung am Sachsenring (31. August bis 1. September) machen.
Ich finde es cool, das Yamaha die aktuelle R1 vor Ort für Testfahrten auf der Rennstrecke zur Verfügung stellt. Andererseits, wo soll man denn sonst eine ordentlich Probefahrt machen?

War einer von Euch schon mal auf dem Nürburgring GP-Kurs? Ich gucke mir jetzt erst mal ein paar Onboard-Runden auf der Tube an, damit ich weiß, wo es da lang geht.

Vielen Dank an Yamaha, die mich zu diesem Event eingeladen haben.

Mit Triumph am Ende

Am Ende des Triumph Presse-Tages saßen wir noch in lockerer Feedback-Runde zusammen, ließen den Tag Revue passieren und planten neue Schandtaten (Ich sage nur Triumph Scrambler vs. Scrambler Ducati, demnächst in diesem Blog und bei @schrm \o/).

Uli Bonsels in voller Fahrt. Foto: Markus Jahn

Uli Bonsels in voller Fahrt.
Foto: Markus Jahn

Ein paar Gesprächsfetzen gebe ich hier mal aus der Erinnerung wieder.

Uli:

Nächstes Jahr machen wir wieder Ausfahrten, da haben wir einige Neuheiten.

Chor:

Was denn erzähl mal, ein paar Andeutungen wenigstens.

Uli:

Kann ich leider nicht machen.

Ich

Es gab Erlkönig Bilder einer kleinen 250er Triumph.

Uli:

Die wird nicht kommen, wir bleiben in unserem Segment.

Später fiel mir ein, dass im Netz bereits Erlkönig Bilder von neuen Zweizylinder Triumphs mit Wasserkühler zu sehen war, danach habe ich leider nicht gefragt. Mist.

Edit:
Vormittags war ich mit der Tiger 800 auf der Crossstrecke und nachmittags mit Triumph beim Kurventraining.

Mit Triumph beim Kurvertraining

Die zweite Hälfte des Triumph Media-Tages fand auf dem ADAC Fahrsicherheitszentrum Gründau statt (hier geht es zum Vormittag). Dort stand eine kleine aber feine Auswahl an Moppeds aus der aktuellen Palette von Triumph für einige Fahrübungen zur Verfügung. Ein paar der Moppeds stehen dort immer und Triumph hat aus dem Pressefuhrpark ergänzt.

Ich hatte also endlich die Gelegenheit ein normale Bonnie zu fahren, nachdem mich die Scrambler bei unserer ersten Begegnung zu begeistern und die Thruxton zu enttäuschen wussten fehlte das Standardmodell noch auf meiner Liste. Die Bonnie ist überraschend klein, man sitzt tief aber ich fühle mich sofort gut aufgehoben.
Zum warm werden fahren wir erst mal einen Slalom-Parcour und ein paar kurze Ründchen über einen Teil des Geländes.

Erschreckt die Autofahrer nicht, die hier auch unterwegs sind,

sagt der Trainer.
Wie soll das denn gehen, die fahren doch ganz woanders, denke ich mir noch und schon kratzt da was auf dem Asphalt. Ja verdammt, die Schräglagenfreiheit ist da wirklich schon am Ende. Ich schätze, es sind ca. 40° bis die kurzen Nippel am unteren Ende der Fußraste kratzen. Dass das sofort gelingt spricht für die kurze Eingewöhnungszeit die die Bonnie benötigt.
Die nächste Übung: Vollbremsung, erst auf trockener Straße und dann im Nassen. Bremsübungen mit voller ABS-Ausrüstung sind ja ziemlich langweilig, aber die Bonnie ist ohne ABS, also echt oldschool. Und auch hier zeigt sich wieder, wie zugänglich das Mopped ist. Das Vorderrad pfeift beim ersten Versuch und hinten blockiert es. Ich bin da an der Hinterhand mehr Pedalwiderstand gewohnt. Beim zweiten Versuch wird es besser und hinten blockiert es nicht mehr. Eine Gewichtsverlagerung nach hinten, so wie auf der Crosspiste geübt, verkürzt den Bremsweg noch um ein paar Zentimeter. Auch auf nassem Asphalt bremst die Bonnie stabil und mit klarer Rückmeldung.

Instruktor auf der Bonneville (Sondermodell: Spirit)  Foto: Markus Jahn

Instruktor auf der Bonneville (Sondermodell: Spirit)
Foto: Markus Jahn

Als nächstes fahren wir einen neuen Kurvenkurs mit Wechselkurven, Kehren und Co an einer anderen Stelle des ADAC-Geländes. In den lang gezogenen Kurven gelingt es mir die Raste die komplette Kurve hindurch kratzen zu lassen. Nach der Raste setzt relativ schnell irgendwas anderes auf, das nicht hochklappt, also Obacht da draußen im Straßenverkehr. Hier auf dem Übungsgelände ist das spaßig und sicher zu testen, aber wer draußen mit der Raste kratzt hat keine Reserven mehr.

Wir tauschen die Moppeds durch und mit der Street Triple sind nochmal ganz andere Schräglagen möglich. Und sowieso ist die Streety ein Gedicht und, hier wiederhole ich mich gerne, wohl mit das Beste was man im öffentlichen Straßenverkehr fahren kann.

Foto: Markus Jahn

Foto: Markus Jahn

Weitere Übungen waren Bremsen in Schräglage und das Überfahren eines Gummibalkens in Schräglage. Dabei musste ich aufpassen, dass die Bonnie sich in voller Schräglage nicht den Balken unter die kurzen Schleifnippel der Fußrasten klemmt und mitnimmt, sonst hätte der Instruktor die erst wieder einsammeln müssen.

Nächste Übung: Schräglagentrainer mit Auslegern; bin ich noch nie gefahren und sehr gespannt wie das ist. Als die Ersten ihre Runden drehen und das Stützrad auftitschen lassen sieht es nach einem großen Spaß aus. Dann bin ich an der Reihe und sehe, dass die Stütze auf 40° eingestellt ist. 50° wären möglich und so wie die anderen gefahren sind, wäre das die bessere Einstellung gewesen um eine Herausforderung darzustellen. Eine ganze Runde am Stützrad zu fahren ist gar nicht so leicht, denn je mehr Druck auf dem Auslegerrad lastet um so stärker schiebt es die Streety nach außen.

Hanging off,

sagt der Instruktor. Toll, habe ich noch nie gemacht. Aber vielleicht ist so ein Ausleger am Mopped genau das Ding, mit dem ich zumindest die Haltung am Scheitelpunkt üben könnte. Aber nicht jetzt, jetzt will ich noch ein anderes Mopped fahren.

Foto: Markus Jahn

Foto: Markus Jahn

Ganz zum Schluss steige ich auf meine Lieblings-Triumph, die Rocket 3. Einfach übermächtig das Gerät. Möglicherweise nicht die intuitiv richtige Wahl für ein Kurventraining; Egal. Auf der letzten Abschlussrunde ging es mit der Rocket durch viele Kurven, noch kurz über die Wiese und ein kleines Stück Schotter und dann mit kratzenden Rasten zurück in die Garage.

Hach, was für ein toller Tag.

Bewertung der Moppeds nach bekanntem Muster.

Triumph Bonneville
Griesi-Dauertester-wäre-okay-Rating:
3 Sterne
Handliches Mopped, aber die geringe Schräglagenfreiheit würde mich bei der Kurvenrräuberei stören.

Triumph Street Triple
Griesi-Dauertester-wäre-okay-Rating:
5 Sterne
Eines der besten Moppeds da draußen.

Triumph Rocket 3
Griesi-Dauertester-wäre-okay-Rating:
5 Sterne mit Sternchen
Hach

Disclaimer:
Ich habe für Moppeds, Sprit, Trainer, Gelände, Essen und viel Trinken nichts bezahlt, das hat alles Triumph organisiert.

Edit:
Vormittags war ich mit dem Triumph Tiger auf der Crossstrecke und zum Ende des Tages gab es noch eine Abschlussrunde.

Bernd Posselt macht mich ratlos

Gestern habe ich in diesem Internetz den Beitrag Bernd Posselt: Warum er trotz Abwahl weiter ins Parlament geht gelesen.

Kurz zusammengefasst: Posselt war für die CSU Europa-Parlamentarier. Bei der letzten Wahl bekam die CSU zu wenig Stimmen und Posselt hat sein Mandat verloren. Das stört ihn jedoch nicht, er geht einfach weiter ins EU Parlament, nimmt dort an Sitzungen teil und meldet sich dort zu Wort, geht in Gremien, nimmt an der Besprechung der Außenpolitiker seiner Fraktion teil, dort bekommt er die Unterlagen, hält eine Rede, sitzt in Reihe eins. Aber er ist nicht nur im EU Parlamament aktiv sondern auch in seinem Bürgerbüro in München.
Das alles bezahlt er aus eigener Tasche.

Irgendwie lässt es mich ratlos zurück. Einerseits mag ich kauzige Menschen und Leute, die das was sie tun, aus Überzeugung tun.

Aber was genau tut er?

Wenn Oppa Paschulke jeden Tag seiner Rente damit verbringt zur Schicht zu gehen, wird er nur bis zum Pförtner kommen. Dort darf er vielleicht die Schranke hochhalten und den Chef begrüßen und verabschieden, aber das wars.

Posselt aber geht rein in die Fabrik und steht am Band.

Ich finde es bedenklich, dass Posselt da überall reingelassen wird. Das liegt vielleicht daran, dass ich mir das Parlament als einen abgeschlossenen Raum vorstelle. Vielleicht ist es jedoch offen für alle Bürger und das was Posselt da macht, das könnte jeder EU-Bürger tun.
Ich denke, ich würde schon scheitern wenn ich das bewachte Café, „members only“, das nur für Abgeordnete und Gäste offen ist, betreten wollte. Ich rechne mir auch wenig Chancen aus, an einer Gremiumssitzung teilzunehmen oder dort das Wort erteilt zu bekommen.

Posselt ist dort überall und ich frage mich warum. Ist er der possierliche Posselt, über den sich alle heimlich amüsieren oder ist es der kompetente Posselt, der so viel weiß und kann, dass er fehlen würde, bliebe er zu Hause? Vielleicht wissen die EU Parlamentarier aber auch, dass es total egal ist, was sie da machen und daher stört es auch nicht, wenn Posselt da mitmacht. Darüber lässt uns der Artikel leider im Dunkeln.

Warum macht er das überhaupt?

Wenn er ins Parlament geht, weil er eine Mission hat (für krummere Bananen o. ä.), dann wir sie im Artikel verschwiegen. Er geht dort hin, weil er nichts anderes kennt. Vielleicht ist seine Mission, „Ich will Europa-Abgeordneter sein“, aber das zählt in diesem Fall für mich nicht.
Posselt will die Welt nicht davon überzeugen, dass im EU-Parlament wichtige Arbeit gemacht wird, dann würde er jetzt, wo er kein Abgeordneter mehr ist, durch die Institutionen oder Gemeinden ziehen und darüber berichten, was dort passiert und für das institutionelle Europa werben.
Es ist auch nicht so, dass er davon überzeugt ist, dass die CSU möglichst viele Abgeordnete ins EU Parlament schicken muss, dann würde er durch Bayern ziehen und schon jetzt Wahlkampf machen.

Posselt ist auch nicht überzeugt davon, dass er ein besserer Abgeordneter ist als die anderen, sonst würde er daran arbeiten, einen legitimen Platz zu erhalten. Er würde seine Erfahrung, Intelligenz und Kreativität dazu einsetzen.
Tut er alles nicht, er geht einfach nur hin, weil er nichts anderes kennt.

Um wieder auf Oppa Paschulke zurückzukommen, wenn er wirklich wieder am Band stehen möchte, dann wird ihn schon was einfallen um dorthin zu kommen.
Posselt steht am Band – aber an einer Stelle, an der nicht gearbeitet wird.

Was soll ich davon halten?

Wahrscheinlich ist es gar nicht so kompliziert zu einem rationalen Urteil über Posselt zu gelangen, ich muss mich nur fragen: Möchte ich von einem solchen Apparatschik politisch vertreten werden? Die Antwort ist nein, daher hoffe ich, dass die CSU auch bei der nächsten EU-Wahl zu wenig Stimmen bekommt als das Posselt ins Parlament einzieht.

Trotzdem finde ich es schön und für alle bereichernd, dass es so skurrile Geschichten wie die von Posselt gibt. Falls der mal in eine Talk-Show eingeladen wird, sagt mir bitte Bescheid, dann werde ich mir mal eine Talk-Show ansehen.

Mit Triumph Tiger 800 auf der Crossstrecke

Letztes Jahr testete ich bei den Triumph Media Days die Tiger 800 auf der Straße und fand es gut. Ein Off-Road-Test war nicht möglich und so schloss ich meinen Beitrag mit den Worten :

Können wir das beim nächsten Mal bitte testen, liebe Triumphs?

Die Triumphs haben zwar keinen Kommentar in den Blog geschrieben, aber mit Taten geantwortet und extra meinetwegen für dieses Mal einen Offroad-Test anberaumt. Pech für die Straßenfahrer, die wie in den Jahren zuvor mit möglichst vielen verschiedenen Triumph Modellen über Mittelgebirgsstraßen fahren wollten, die mussten mit.

Der Vormittag des Testtages gehörte der Triumph Tiger 800 XCx und der Crossstrecke des MSC Aufenau, nachmittags ging es dann zum ADAC Fahrsicherheitszentrum nach Gründau, aber dazu gibt es später einen anderen Artikel.
Es ist übrigens möglich, beim ADAC ein Reiseenduro-Training auf gestellten Tigern XCx zu buchen.

Foto: Markus Jahn

Foto: Markus Jahn

Los geht’s

Es war kackrattenbrülleheiß, so heiß, dass der Schweiß schon in Strömen floss wenn man nur aus dem Fenster guckt und wir standen da mit Moppedklamotten und Helm in der Sonne und wollten losfahren. Vorher erfolgte eine kurze Einweisung ins Gerät, in meinem Fall in eine blaue Tiger, es standen aber auch weiße zur Verfügung, alles jedoch 800er Xcx. Bei der kann man verschiedene Fahrmodi einstellen, darunter auch den »Rider Mode«, in dem Traktionskontrolle, ABS und Gasannahme individuell eingestellt werden können, was bereits im Vorfeld für uns erledigt wurde. Dann muss nach der Drehung des Zündschlüssels nur über eine Taste der Modus von Straße über Off-Road zu Rider gestellt werden, zwei Klicks. Der Modus stellt sich automatisch wieder auf Straße zurück, sobald die Zündung ausgestellt wird.
Es folgt eine kurze Erklärung, wie man auf dem Mopped im Gelände steht (es waren vor allem Straßenfahrer anwesend) und los! Unter Anleitung eines ADAC-Trainers wurden als erstes Kurven (wer wollte und konnte durfte auch driften) und Notbremsungen auf Schotter geübt.

Triumph_Tiger_800_03

Die gewählten ABS-Einstellungen ließen das Hinterrad blockieren und regelten vorne sehr großzügig mit längeren Phasen in denen das Vorderrad blockiert, so waren auf Schotter sehr kurze Bremswege möglich, weil jeder voll in die Bremse rein greifen konnte. Mit blockierendem Vorderrad bremsen und dabei nicht umfallen ist ja nicht jedermanns Sache.

Solchermaßen vorbereitet ging es dann auf die Strecke erst ins Sektionstraining, bei dem aus einem gefühlten Viertel der Kurses ein kleiner Rundkurs mit allem gemacht wurde, Kurven mit und ohne Anlieger, steile Auf- und Abfahrten, ein kleines Waschbrett und vier Sprungkuppen, wenn man mit dem entsprechendem Tempo unterwegs war. Wer langsamer fuhr, sprang halt nicht.

Triumphs Pressesprecher und unser Gastgeber ließ sich nicht lumpen und nahm uns als erstes die Angst davor, mit den nagelneuen Moppeds umzufallen und zeigte uns: der Tiger ist robust und steckt das weg, wenn man ihn hinlegt. Mopped und Fahrer ist nichts passiert.

Tiger_Sturz

Foto: Markus Jahn

Ja, das hat uns die Angst genommen, aber nachmachen wollten wir es dann doch nicht wirklich und so übten wir weiter.

Zum Abschluss durften diejenigen die wollten noch ein paar Runden auf der kompletten Strecke drehen, die noch längere Steilstücke, noch mehr Sprungkuppen und einige weiche Sandpassagen zu bieten hat. Eine ganze Runde auf dieser Strecke (allerdings mit einem Zweitakt-Crosser gefahren) gibt es auf der Tube, klickt einfach vorne auf den Link.

Fazit

Wie vermutet, der 800er Tiger tut sich deutlich leichter als die dicke Tiger Explorer. Ab einer gewissen Sprunghöhe und -weite schlug jedoch die Gabel durch. Das Fahrwerk ist einstellbar, vorne in Federvorspannung, Zug- und Druckstufe und hinten in Vorspannung und Zugstufe. Für unsere Anfängerrunde war alles auf weich gestellt, demnach gibt es für den sportlichen Weitspringer noch Potential.

Der Tiger hat das alles weggesteckt und hat damit alle Erwartungen die ich in ihn gesetzt hatte mehr als erfüllt.
Er lässt sich gut über Druck auf den Rasten steuern und bietet für meine Größe von 187 cm genug Platz um mein Gewicht nach vorne und hinten zu verlagern. Mit diesem Gefährt lässt sich vergleichsweise locker im leichten Gelände wie z.B. über Crossstrecken fahren.

Ohne KTMs 1050er Adventure gefahren zu sein, traue ich dem Tiger abseits der Teerstraße deutlich mehr zu, bei gleicher Leistung ist er leichter, hat längere Federwege, einstellbare Federelemente, serienmäßig einen Ölwannenschutz, 21 Zoll Vorderrad und kostet noch einen Tausender weniger.
Das schreit ja förmlich „Vergleichstest!“ aber ich habe keinen im Netz gefunden. Mal überlegen, ob und wie ich das selber anstellen kann.

Zu Schluss noch das Griesi-Dauerstester-wäre-okay-Rating:
Fünf Sterne

Funktioniert auf Asphalt und daneben super

Mehr zut Bewertungsmethode steht im vormittags Bericht der Honda Presse Tage.

P.S.
Wer gerne selber mal über die Crossstrecke fahren möchte hat, nach mündlicher Aussage, Mittwochs von 17:00 bis 19:00 und Samstags von 15:00 bis 18:00 dazu die Möglichkeit. Fragt aber vorher nach, vielleicht ist gerade eine Veranstaltung oder die Strecke ist anderen Gründen nicht offen.

Disclaimer:
Ich habe für Moppeds, Sprit, Trainer, Gelände, Essen und viel Trinken nichts bezahlt, das hat alles Triumph organisiert.

Edit:

Weiter geht es mit den Artiklen zum Kurventraining am Nachmittag und mit der Abschlussrunde am Ende.