Triumph Scrambler Ducati – #VogScramble Nachspiel

Es gibt noch so viele Kleinigkeiten, die ich in den bisherigen Beiträgen über Triumph Scramber und Scramber Ducati nicht erwähnt hatte.
Da ist zum Beispiel der Wendekreis der Scrambler. Für eine Ducati ist der sehr klein, die englische Lady braucht aber noch weniger Platz für eine Kehrtwende.
Oder die Spiegel, die an der Triumph viel weiter verstellt werden können als an der Duc. Das hatte zur Folge, dass ich bei der Triumph fast aus dem Augenwinkel sehen konnte, was sich hinter mir abspielt und nicht erst meinen Kopf relativ weit in Richtung Spiegel bewegen musste. Wäre es schlimm, hätte ich die Duc-Spiegel an der Aufnahme und mit einem Maulschlüssel in eine neue Position bringen können, es war aber nur ein bisschen störend.
Und dann ist da der Seitenständer, der die Triumph sehr schräg stehen lässt. Manchmal habe ich einen Stein oder Ast unter den Ständer gelegt, damit ich mich sicherer fühlte. War natürlich Quatsch, aber die Duc stand merklich aufrechter.
Und die Sache mit der Motorwärme. Ich bin nicht in Hipster-Jeans sondern in Textil-Kombi mit Lederverstärkung gefahren, da habe ich bei der Duc im Stadtverkehr ein bisschen vom Motor gemerkt, bei der Triumph, trotz dem hoch verlegten Auspuff gar nichts. Bei dünnerer Kleidung merkt man bestimmt eher was, aber wir hatten bis zu 35° (die Duc hat ein Themometer an Bord) und ich habe keine dünnere Sicherheitsbekleidung. Hotpants-Fahrer können Ihre Temperatur-Gefühle gerne unten in den Kommentaren verewigen.

In den Kommentaren könnt Ihr natürlich auch gerne Fragen stellen, wenn ihr was wissen wollt, das in meinen Artikeln nicht steht.

Vielleicht sollte ich noch ein paar Worte über unsere Strecken verlieren.
Wir hatten unser Zelt in Munster aufgeschlagen und von dort sind wir durch die südlichen Vogesen gekreiselt. Die Strecken hatte ich vorher mit Garmins Basecamp und der Openstreetmap Freizeitkarte Frankreich gebastelt. Einige der Wege auf der Strecke waren wohl eher für Fußgänger gedacht und so sind wir z.B. diese Treppe nicht runtergefahren.

Treppe

Aber das ist egal, denn in den Vogesen gibt es so viele schöne Strecken, da ist es fast egal, wo man lang fährt. Es gibt natürlich die bekannten Strecken über die gut ausgebauten Straßen, auf denen wir dutzende von Moppeds trafen, aber es gibt auch viele kleine Sträßchen, nicht viel breiter als ein Radweg, auf denen man meistens ganz alleine unterwegs ist. Ich war schon im Frühjahr mit der #Hippe dort unterwegs und werde bestimmt noch das eine oder andere mal dort hin fahren.

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Disclaimer: Die Scrambler wurden uns von Triumph und Ducati für die Testfahrt zur Verfügung gestellt.

P.S.
Nächstes Mal mache ich viel mehr Fotos, damit ich auch beim letzten Beitrag noch ein paar zur Auswahl habe und nicht nur Storche (oder Störche?).

Storche

Triumph Scrambler Ducati – Vergleich und Fazit #VogScramble Teil 4

Nach ein paar tollen Tagen Scrambler fahren und drei Blogbeiträgen wird es nun Zeit für ein Fazit und das ist gar nicht so einfach.

Ich hatte mit beiden Scramblern viel Spaß. Wie erwartet unterscheiden sich die Scrambler Ducati und die Triumph Scrambler in ihrem Charakter viel zu sehr, als dass man beide direkt vergleichen könnte.

Scrambler_Ducati_Front

Scrambler Ducati

Da ist einerseits die gelbe Ducati, der Straßenscrambler. Vor dem Eiscafe sieht sie aus wie ein unschuldiges kleines Modeaccessoire, vergleichbar einer kleinen Designer Damenhandtasche die nur schön ist aber zu klein um Handy und Brieftasche gleichzeitig Platz zu bieten. Wenn es dann aber auf die Straßen geht, zeigt sie ein anderes Gesicht. Ballerinagleich geht es durch den Stadtverkehr, das jeder Roller sich plump anfühlt um dann, vor den Toren der Stadt auf den Landstraßen ein Feuerwerk abzubrennen, dass schwer zu überholen ist.
Wahrscheilich wurde die Duc gebaut, um in der Stadt vor dem Cafe bewundert zu werden, dann als letzte (wenn keiner mehr gucken kann, weil ja alle schon weg sind) loszufahren, alle zu überholen und als erste oben am Pass zu stehen, damit sie wieder jeder (die anderen kommen ja erst noch) sie wieder bewundern kann. Das würde auch erklären, warum sie in Schlaglochhausen so schlecht funktioniert, denn da fährt ja niemand lang, der sie bewundern könnte.

Triumph_Scrambler_Front

Triumph Scrambler

Die Triumph ist da aus anderem Holz geschnitzt. Schön ist sie auch, aber sie wurde nicht für schnell gebaut, sondern für Genuss. Der Motor bietet schon bei geringer Drehzahl genug Kraft und Rundlauf um es auch mal ruhig angehen zu lassen, das Fahrwerk bügelt genug Unebenheiten aus um auch abseits perfekt gebauter Straßen einen Weg zu suchen. So kann die Triumph gemütlich in mitten einer Horde klischeehaft schleichender Harleys mitfahren und es passt. Wenn die Reisegruppe jedoch aus engagierteren Landstraßensurfern besteht, dann kann die Triumph auch da mithalten und es passt wieder. Und wenn es dann über Stock und Stein zum einsam gelegenen Waldsee gehen soll, dann funktioniert auch das ganz entspannt.

Testsieger

Da ich ja nun beide Moppeds für eine längere Tour zur Verfügung hatte passt das Griesis-Dauertester-wäre-okay-Rating nicht mehr wirklich. Und ich überlege, muss es bei so einem Vergleich eigentlich einen Sieger geben und wenn ja, woran könnte ich den festmachen und welches Mopped bekäme der Siegerkranz?
Letztendlich habe ich mich gefragt, wenn ich noch einmal eine solche Vogesentour fahren würde, welches der beiden Moppeds würde ich nehmen? Und da fällt die Antwort ganz leicht, das wäre nämlich die Triumph. Die funktioniert nicht nur besser abseits der topfebenen wunderschönen Landstraßen sondern die ist auch noch schwarz, tiefschwarz.

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Disclaimer:
Die Scrambler wurden uns von Triumph und Ducati für die Testfahrt zur Verfügung gestellt.

P.S.
Kaufen würde ich mir aber eher die Ducati, weil, wegen, also da gibt es eigentlich keinen vernünftigen Grund, ist halt so.

P.P.S
Auch wenn das hier schon das Fazit zu den Scramblern war, kommt bestimmt noch ein weiterer Artikel zur Vogesentour. Irgendwas ist halt immer.

Triumph Scrambler Ducati auf Schotter und Co. – Gefahren #VogScramble Teil 3

Ja ich weiß, und beide Pressesprecher haben uns darauf hingewiesen, die Scrambler Ducati und die Triumph Scrambler sind keine Enduros. Aber es sind Scrambler und beide Hersteller weisen darauf hin, dass sie Ihre Wurzeln in den Geländesportlern der Vergangenheit haben. Und was sind Geländesportler der Gegenwart? Enduros. Eine Tiger Explorer oder Multistrada sollen dagegen Enduros sein und irgendwie denke ich, dass die Scrambler dann auch mal eine Schotterstraße oder einen Waldweg unter die Räder nehmen können sollen.

Scrambler_Ducati_Tunnel

Die Duc macht es dem Fahrer jedoch nicht leicht. Auf platt gewalzten Schotterwegen funktioniert sie noch wunderbar, wird der Weg dann schlechter, wird das Fahren der gelben Icon schwerer. Die Federung bleibt steif und schickt jede Unebenheit an den Fahrer weiter. Der muss sich dann bemühen, dass diese Bewegungen sich nicht auf die rechte Hand übertragen, denn jede kleine Bewegung am Gasgriff wird sofort vom Motor in ordentlich viel Beschleunigung umgesetzt. Auf der glatten Straße ist das traumhaft, hier wird es dadurch schwierig die Linie zu halten. Da stellt sich mir die Frage, warum hat die Duc vorne und hinten 150 mm Federweg? Das ist mehr als eine Straßenmaschine durchschnittlich hat und wird hier nicht genutzt um die „Geländefähigkeiten“ zu verbessern. Stehend fahren hilft natürlich auch, so kann man mit den Knien wegfiltern, was die Federung durchlässt. Lenker und Fußrastenposition passen bei mir mit über 1,80m Höhe und auch bei @schrm mit unter 1,80.
Der fehlende Motorschutz an der Duc macht uns vorsichtig als die Route uns über immer wilder ausgesetzte Wege führt. Sind das wirklich noch Straßen oder schickt uns Herr Garmin hier über Wanderwege? Es ist fahrbar, also definieren wir es als Straße. Die Fußgänger die uns entgegenkommen grüßen, machen Platz und lassen uns durch, müssen wohl wirklich Straßen sein. Auf nur noch halbwilden Wegstrecken, wenn wir schneller fahren können, beginnt die Federung der Duc besser zu funktionieren. Wie auf Asphalt gilt: je schneller es wird, umso besser passt das Fahrwerk.
Aber, Hand aufs Herz, für viel mehr als einen geschotterten Parkplatz ist die gelbe Scrambler nicht gebaut, sie macht es dem Fahrer schon schwerer als nötig.

Triumph_Scrambler_Instrumente

Jetzt die Triumph: Das Datenblatt zeigt, sie ist mehr als 40kg schwerer, ein bisschen länger als die Italienerin und hat die kürzeren Federwegen, vorne straßenübliche 120 mm und hinten gar nur chopperhafte 106 mm. In der Theorie ist sie also noch weniger für die Wege jenseits der asphaltierten Straßen geeignet.
Aber: die Federung schluckt Unebenheiten und der Motor zieht das Mopped wie ein stoischer Traktor über alle Hindernisse. Angaben über die Bodenfreiheit konnte ich nicht finden, aber da die Triumph unter dem Motor eine solide wirkende Metallplatte hat, haben wir uns darüber keine Sorgen gemacht. Wie auch auf der Straße gilt hier wieder, je hubbeliger es wird, desto besser die Triumph.
Auch die Triumph fahren wir im stehen. Ich positioniere meine Füße immer sehr weit außen auf den Rasten, daher stört mich der rechtseitig verlegte Doppelauspuff nicht, bei @schrm sieht dagegen sehr o-beinig aus.
Die halbhoch verlegte Auspuffanlage hilft bei der Wasserdurchfahrt, die wir am Wegesrand sehen. Die ist tief genug, dass wir befürchten, der tief angebrachten Schalldämpfer der Duc könnte unter Wasser liegen. Da wir nur ein paar Aufnahmen machen wollen nehmen wir mit der Ducati die Brücke, die direkt nebenan steht und fahren mit der Triumph durch die Furt. Und weil es soviel Spaß macht, fahren wir wieder durchs Wasser zurück und wieder hin und nochmal zurück und dann für das Foto auf die Brücke.

Die Triumph ist keine Enduro im Sinne einer Wettbewerbs Hard-Enduro, macht es dem Fahrer aber sehr leicht, abseits befestigter Straßen zu fahren.

So, nachdem wir jetzt alles mal ausprobiert haben können wir nun wieder nach Hause fahren und ein Fazit ziehen, im nächsten Beitrag.

VogScramble

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Die Scrambler wurden uns von Triumph und Ducati für die Testfahrt zur Verfügung gestellt.

Triumph Scrambler Ducati auf Asphalt – Gefahren #VogScramble Teil 2

Zuerst geht es über die Autobahn. Die Triumph Scrambler rührt und schaukelt vor mir her, das sieht nicht gut aus. @Schrm fährt aber einfach weiter, wahrscheinlich sieht es schlimmer aus als es sich anfühlt. Als wir später tauschen merke ich das Rühren auch, aber wirklich schlimm fühlt es sich nicht an. Ob die Triumph bei mir wirklich weniger rührt müsste ein Dritter beurteilen der es von außen betrachtet, es fühlt sich jedenfalls nur nach einem weichen Fahrwerk an, nicht nach Geschlinger. Mit der linken Hand an der Gabel, dem rechten Unterarm waagerecht im Wind und ganz flach gauf dem Tank liegend klettert der Tache bis fast zur 190 hoch, da hat die Triumph aber noch nicht ausgedreht. Ihr merkt also, es ist nicht schlimm, sonst hätte ich das nicht ausprobiert.
Ein wenig überraschend ist, dass die Scrambler Ducati die Triumph nicht abschütteln kann, hat die Duc doch 75 PS und wiegt 190 kg (im KFZ Schein, im Katalog sind es 170 kg trocken, die Scheinangabe ist mit Öl und Sprit und Co.), während die Triumph ihre 230 kg mit nur 58 PS beschleunigen muss.
Dieses Phänomen werden wir auf unserer Reise noch öfter erleben. Klar beschleunigt die Duc über Tacho 140 schneller und hat eine höhere Endgeschwindigkeit, wir fahren jedoch nicht im luftleeren Raum sondern im Freitagsverkehr, da schließt die Engländerin immer wieder auf, weil die Duc vom Verkehr aufgehalten wird.

Triumph_Scrambler_Ducati_2

Runter von der Bahn, ab auf die Bundesstraße. Die Duc stürmt vorne weg, denn sie hat einen USB-Port unter dem Sitz mit dem wir unser Navi mit Strom versorgen. Die Triumph hält den Anschluss (bietet aber keinen Stromanschluss), aber das weichere Fahrwerk und der nicht so drehfreudige Motor sorgen dafür, dass es sich langsam anfühlt. Würden nicht ab und an die Fußrasten über den Asphalt kratzen, wähnte ich mich eher auf einer Kaffeefahrt als auf der Verfolgung der Ducati.
Wir kommen auf kleinere Straßen mit vielen Schlaglöchern. Das bemerke ich vor allem daran, dass die Ducati deutlich langsamer wird. Je schlechter die Straße wird umso lustiger hüpft @schrm auf dem Sattel herum. Ich merke von der schlechten Oberfläche fast gar nichts und philosophiere mit der britischen Lady noch darüber, warum ich English Breakfast Tea lieber am Nachmittag zum Gepäck als morgens zum Porridge trinke.
Je schlechter die Straßen werden, umso schneller ist die Triumph. Schnell wird die Triumph vor allem dadurch, dass sie so einfach zu fahren ist. Die weiche Federung schluckt alle Schlaglöcher und der Motor reagiert nicht nervös auf jeden Millimeter Gasgriffbewegung. Die Straße wird besser, die gelbe Duc beschleunigt wieder schneller und durch die höhere Schräglagenfreiheit kann sich auch schneller durch die Kurven, aber die nächste Schlaglochkaskade kommt bestimmt und schon ist die Triumph nicht nur dran sondern auch vorbei.

Triumph_Scrambler_Ducati_4

Wir tauschen wieder. Direkt von der Triumph kommend fällt mir erst auf, wie knapp der Sitzplatz der Duc geschnitten ist. Die Engländerin bietet mehr Bewegungsfreiheit, wie eine Jogginghose im Vergleich zu einem Maßanzug. Das ist natürlich nur ein sehr theoretischer Vergleich, denn eine englische Lady würde niemals eine Jogginghose anziehen, zur Passform von Tweet-Kostümen kann ich aus eigener Erfahrung jedoch nichts sagen. Wo ich auf der Triumph nachlässig durch die Gegend fahren konnte, möchte die Duc sportlich aktiv bewegt werden, gerne auch in einem kleineren Gang bei höheren Drehzahlen, da hört sich der Motor nicht nur besser an, der Sound ab 6.000 U/min sollte verschreibungspflichtig sein, Gasgriffbewegungen werden auch weicher in Drehzahländerung umgesetzt als unten herum. Je schneller man die Duc über Schlaglöcher prügelt um so besser arbeitet auch das Fahrwerk. Nun ist es aber so, dass eine kleine unübersichtliche Straße voller Schlaglöcher und Rollsplitt nicht die beste Gegend für hohe Geschwindigkeiten ist. Also fahre ich dort langsam und lasse mich von Gabel und Federbein durchschütteln, nicht durchrühren wie auf der Autobahn mit der Triumph.

Triumph_Scrambler_Ducati_3

Unvorsichtige Superbikes kann man mit der Italienerin leicht richten, aber auch mit der Triumph komme ich vorbei, wenn ich den Nicht-Parallel-Twin entgegen seines Charakters ausdrehe. Die Triumph kann schnell, allerdings muss man mit der Hinterradbremse vorsichtig sein, nach meinem Geschmack blockiert das Hinterrad zu schnell, eine defensivere Abstimmung gefiele mir besser. Einen sechsten Gang habe ich nie vermisst.

Halten wir also fest, je schlechter die Straße, desto besser die Triumph.

Jetzt geht es jedoch runter vom Asphalt und auf Schotter, aber das ist ein anderer Blogbeitrag.

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Disclaimer:
Die Scrambler wurden uns von Triumph und Ducati für die Testfahrt zur Verfügung gestellt.

Triumph Scrambler Ducati – Geguckt #VogScramble Teil 1

Ducati und Triumph bauen beide Moppeds, die auf den Namen Scrambler hören. Was liegt also näher, als beide zu nehmen und damit eine Runde durch die Vogesen zu drehen? Glücklicherweise fiel den beiden Herstellern auch nichts besseres ein und so stellten sie @schrm und mir je eine Scrambler zur Verfügung. Vielen Dank dafür.

Ich holte die Scrambler bei Ducati ab und brachte sie über die Autobahn zum Treffpunkt. Die Duc in der Icon Ausführung war so, wie ich sie in Erinnerung hatte, wunderschön und gelb, das Fahrwerk straff und der Motor lebhaft. Die offene und aufrechte Sitzposition ist jedoch nicht für die Autobahn gemacht. Geschwindigkeiten über Tacho 150 empfinde ich auf Dauer als anstrengend, da hilft nur Kopf runter nehmen und um sich besser gegen den Wind stemmen zu können, die Füße auf die Soziusrasten, so sind auch Tempi bis zu Tacho 208 drin, wenn die roten Warnlämpchen das Drehzahllimit ankündigen.
Langsamer fahren ginge natürlich auch.

Triumph_Scrambler_Ducati

Am Treffpunkt angekommen wartet die Triumph Scrambler in schwarz, ach was sage ich, in tiefschwarz. Wenn man mit dieser Triumph durch die Lackierstraßen beim Daimler oder sonst wem fährt werden sich die Lack-Roboter auf der Stelle selbst entleiben und die Qualitätssicherung wird sich von Weinkrämpfen geschüttelt nie wieder aus dem dunklen Keller hervor trauen. Schwarz ohne Orangenhaut ist möglich.

Hier stehen also zwei Moppeds, die gar nicht so viel gemein haben, außer dem Namen und die Anzahl an Rädern und Zylindern, Augen in Auge auf dem Parkplatz.
Die Triumph feiert die gute alte Zeit des British Motorbike Empire, als der Paralleltwin die Macht auf der Landstraße war: Faltenbelege an der Gabel, Kniekissen am Tank, klassisches Lenkerschloss am Steuerrohr und zwei Federbeine hinten. Manchmal wird die Klassik zur Fassade, wenn die Einspritzanlage aussieht als seien es Vergaser an dem sogar ein „Chokehebel“ angebracht wird mit dem die Drehzahl angehoben wird. Auch der Motor entspricht nicht dem klassischen Muster, zwar stehen die zwei luftgekühlten Zylinder parallel nebeneinander, aber die Hubzapfen sind um 270° versetzt und nicht um 360°. Die Triumph ist halt nicht nur ein Nachbau von früher.
Schöne Details finde ich an jeder Ecke, die Blinker, das vordere Schutzblech mit der Sicke, der Triumph Schriftzug hinten auf der Sitzbank und natürlich die Auspuffführung, die nicht nur erstklassig aussieht sondern auch funktionale Vorteile gegenüber der unten liegenden Version der Bonneville bietet. In dieser Höhe setzen die Schalldämpfer nicht sofort nach den Fußrasten in Kurvenfahrt auf, und sind auch aus dem Weg, wenn der Weg grob steinig wird. In hoch gelegte Schalldämpfer läuft auch das Wasser bei einer Flußdurchfahrt nicht so leicht hinein. Hier auf dem Parkplatz mag sich das noch theoretisch anhören, im Laufe unserer Tour durch die Vogesen werden sie sich als sehr praktisch erweisen. Einen Nachteil hat die Krümmerführung jedoch auch, das rechte Bein wird auf Abstand vom Mopped gehalten. Irgendwas ist halt immer.

Triumph_Scrambler_Krümmer Triumph_Scrambler_Blinker Triumph_Scrambler_Schutzblech

Ja die Triumph sieht verdammt gut aus, neben der Ducati aber auch verdammt alt. Das ist aber so gewollt, von beiden Firmen.

Ducati hatte in der Vergangenheit nie einen Scrambler mit V2 Motor (oder L2, wie in letzter Zeit wegen der Einbaulage öfter geschrieben wird) gebaut. Also blieb Ducati nichts anderes übrig, als die alten Scramber neu zu interpretieren. Und was für eine tolle Interpretation das geworden ist. Im Detail mindestens so schön wie die Triumph, wenn auch einer modernen Optik verpflichtet. Die Ballance zwischen klassisch und modern stimmt ebenso wie die zwischen Verspieltheit und Purismus. Nur die Blinker wirken wie eine billige Fertiglösung aus dem Zubehör, umso mehr, als sie in unmittelbarer Nähe zu dem tollen Scheinwerfer und dem schönen Rücklicht angebracht wurden. Den Markennamen hinten auf der Sitzbank hat die Ducati auch, aber nicht dezent wie die Triumph sondern leuchtend weiß.

Scrambler_Ducati_Auspuff Scrambler_Ducati_Blinker Scrambler_Ducati_Sitz

Im Laufe unserer Tour wird die Ducati mehr Blicke auf sich ziehen als die Triumph.

Genug geguckt, ich will los ,aber das ist ein anderer Blogbeitrag.

Es geht zum scramblen in die Vogesen #VogScramble

Schon auf der Premierenrunde der Scrambler mit dem Nachnamen Ducati wusste ich, dass ich mit dem Mopped nochmal und länger fahren will.
Schon auf meiner Premierenrunde der Scrambler mit dem Vornamen Triumph wusste ich, dass ich mit dem Mopped nochmal und länger fahren will.

Und jetzt ist es konkret. Wir, dass sind @Schrm und ich, fahren ab dem 10. Juli mit den beiden Scramblern in die Vogesen.

Wald in den Vogesen

Die Moppeds dazu bekommen wir von den jeweiligen Importeuren gestellt, dafür schon mal vielen Dank.

Auch wenn beide Moppeds sehr viel unterschiedlicher sind, als der gleichlautende Name vermuten lässt, habe beide Pressesprecher uns das Gleiche mit auf den Weg gegeben:

Das ist keine Enduro.

Natürlich nicht, das sind ja Scrambler.

P.S.
Wir werden versuchen Euch unterwegs auf dem Laufenden zu halten, achtet auf den Hashtag #VogScramble bei Twitter, Facebook, Instagram und Co.

Schotter in den Vogesen

Es war einmal eine Zeit, da bekam der Kollege @Schrm über dunkle Kanäle eine Vektorgrafik mit Touren in den Vogesen, die einen Schotteranteil von 40% haben sollen, zugespielt. Meine #Hippe und ich wollten da mit und auch der Profi-Testfahrer @Systemstig musste nach der Alpentour mit der 690er KTM noch ein SUV-Mopped abseits des Asphalts testen. Die Reisegruppe stand also und wie wir nun mal so sind waren wir zu allem bereit, nur nicht zu warten; also ging es sofort los.

Ja, es gibt in den Vogesen Pässe über 1.000 Meter Höhe und Ski-Gebiete gibt es da auch. Den wohl informierten Kradisten wird es also nicht überraschen, dass manche Straßen dort Anfang März noch wegen Schnee gesperrt sind. Ich habe mir da vorher keine Gedanken gemacht und meine Winterreifen noch schnell gegen flammneue TKC80 getauscht und zack sind wir los und haben uns in Orbey auf einem Campingplatz getroffen. Zelten war dort noch nicht möglich, also reservierten wir eine Blockhütte. Straßenkarten der Region haben wir vor Ort gekauft, denn zu Hause haben wir nichts passendes bekommen.

Ohne weitere Gedanken sind wir dann am ersten Tag die nördliche PDF-Runden gefahren, eine die nach viel Asphalt aussah; ein guter Auftakt. Und so kamen wir in einen Ort, in dem die Zeit nach dem Krieg stehengeblieben schien. Ich meine den Dreißigjährigen Krieg, nicht so ein modernes Zeug. Wundervoll! Dort suchte ich in meinem Garmin GPSMAP nach einer Tankstelle und ließ eine Route erstellen. Der Weg führte dann auf einen Schotterweg (jippie) der immer kleiner wurde und dann zu einem wanderwegartigen Singletrack mutierte (juchuuu).

Waldweg in den Vogesen

Genau das richtige um mit der Hippe Enduro zu wandern oder mit der XL 250er vom @Schrm. Nicht so sehr das Terrain für den Crosstourer, der die Gruppe der SUVs repräsentierte und 285 kg Gewicht und Straßenreifen mitbrachte. Ich kannte das Mopped von unserer Eis-Tour nach Genua.
Also wurde mit dem Tomtom Rider (ein super Navi, wenn ihr mich fragt)  neu geroutet und siehe da, man konnte die Tanke auch über Asphalt erreichen. Sachen gibt’s.

Frisch mit Benzin und köstlichem Apfelsaft versorgt hatten wir Blut geleckt und nahmen den nächsten Singletrail in Angriff. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich sehe, wie gut sich so ein Dickschiff auch abseits der Straße schlägt. Besonders die Crosstourer hat mich überrascht, ist sie doch eigentlich nicht viel mehr als eine Autobahn-VFR mit 25 mm mehr Federweg, diese sogar mit automatischer Doppelkupplung. Wie ein adipöses Reh hüpfte die dicke Honda über Wurzeln und Steine den Berg hinauf bis zu der Stelle an der ein kreuzendes Bächlein den Weg verschlammte. Hier beendeten die Straßenreifen schlagartig Vortrieb und Seitenführung, die Dicke legte sich auf die Seite in den Matsch.

Crosstourer im Matsch

Zu dritt haben wir die Dicke dann durch die schlammige Zone ein Stück bergauf geschoben. Es war sofort klar, das Limit der Reifen ist erreicht, also haben wir gedreht und sind zurück.

Am nächsten Tag sah der Plan sehr viele kleine Sträßchen vor. Tomtom routete uns über Wald- und Forstwege die teilweise mehr Geländefähigkeiten erforderten als die Reifen der Crosstourer bieten konnten. Ja, offizielle Straßen ohne Durchfahrtsverbot oder so. Aber es gab immer alternative Strecken die wir hätten fahren können, wenn denn da nicht der vereiste Schnee gewesen wäre.

Schnee in den Vogesen

So wurde der zweite Tag der des Re-Routings. Tolle Strecken, aber wieder fast ausschließlich Asphalt. Klarer Fall, hier müssen wir nochmal hin, dann aber mit anderen Reifen und ohne Schnee. Wahrscheinlich auch ohne Dickschiff sondern nur mit echten Reiseenduros wie der Hippe oder XL.

Abends haben wir dann unsere Abreise geplant und dabei festgestellt, dass die nördliche Runde, die wir am ersten Tag gefahren sind, auf unserem gemeinsamen Heimweg liegt, wir also die südliche Runde gar nicht sinnvoll fahren können. Egal, wir wollen ja sowieso nochmal hierher. Auf geht’s, nochmal die Nordroute!

Mittags, nach Kaffee (ich Kakao) und Blaubeerkuchen (ich Käsekuchen) bog @Systemstig als erster ab und trieb die Dicke in Richtung Heimat. @Schrm und ich fuhren noch ein Stück gemeinsam weiter, dabei sollte uns mein Garmin nochmal über Singeltracks leiten. Tat es aber nicht sondern immer nur über Straßen. Ich habe einige Profile und Routing-Methoden ausprobiert, immer nur Asphalt. Dann eben nicht.

Kaum war auch der @Schrm abgebogen werde mein Weg erst verdammt kurvig und zack war es ein Feldweg und dann ging es durch den Wald und plötzlich lag da ein Baum im Weg

Baum versperrt der Hippe den Weg

Also was nu, wieder zurück? Ich konnte zu Fuß unter dem Baum durch krabbeln, aufrecht passt die Hippe da aber nicht durch. Aber vielleicht kann ich sie schräg gegen den Berg lehnen und dann mit schieben, ziehen und zerren, vielleicht die Spiegel ab …

Hippe vor Baum

Klappt!

Der restliche Weg war dann weniger aufregend aber immer noch schön, zumindest bis nach Saarbrücken. Ab da war es dann Bundesstraße.

Ob morgen immer noch Schnee in den Vogesen liegt?

Moppeds in diesem Beitrag: