Exotische Moppeds auf der #Dakar2018

Die Zeiten, als die Dakar ein echter Abenteuer-Zirkus war, sind vorbei. Es ist schwer vorstellbar, dass heute jemand eine Vespa an den Start rollt, so wie 1980 [englisch]. Heute setzen alle 142 Starter auf 450 ccm Einzylinder Rally-Enduros. Obwohl, vielleicht auch nicht, aber dazu komme ich weiter unten.

Mit der Vespa auf der Rally Paris-Dakar

Mit der Vespa auf der Rally Paris-Dakar

Privatfahrer

Die meisten Privatiers haben sich für die einzige käufliche Rally-Maschine, die von KTM / Husqvarna, entschieden. Fast alle anderen Nicht-Werksfahrer kauften sich eine Yamaha WR450F und haben diese umgebaut.
Somit gehören Patricio Cabrera 036 (alle Fahrer.Links führen aus die englische Dakar.com Site) und Cristobal Andres Guldman Gonzales 070 (Malle Moto) mit Ihren Kawasaki-Umbauten ebeso zu den Exoten wie Roberto Vecco 132 auf seiner Suzuki. Eigentlich kann man Moppeds dieser beiden großen japanischen Werke nicht zu den Exoten zählen. Elric Lambert 133 tritt mit einer ZF450 Quaddy an. Das ist so exotisch, dass ich bei Google keine ordentlichen Infos dazu gefunden habe. Was ist denn Qaddy für eine Marke? Alles was es zu Quaddy mit zwei D gibt ist ein italienischer Yamaha Händler und Bilder von Rally-Yamahas. Auf Facebook habe ich dann Bilder von einem Mopped mit der Startnummer 133 gefunden, und da steht Yamaha drauf, also gar kein Exot.
Bleibt vielleicht noch Jurgen van den Goorbergh 048 (Malle Moto), der zwar auch mit KTM antritt, aber nicht mit der ferigen Rally-KTM, sondern sich eine EXC-Enduro umgebaut hat. Letztes Jahr war er der einzige, der auf einer EXC angetreten ist, dieses Jahr setzt mit Stephane Gourlia 087 (Malle Moto) mindestens ein weiterer Fahrer auf dieses Rezept.
Die Privatiers, die irgendwoher die 50.000 bis 100.000 Euro für die Teilnahme bei der Dakar auftreiben müssen, setzen auf Bewährtes.

Exotische Werke

KTM, Husqvarna, Honda und Yamaha sind alles keine Exoten sondern haben bereits mehrere Dakars gewonnen. Husky eigentlich nicht, aber da es nur weiße KTM sind, zähle ich sie einfach dazu.

Für uns Europäer sind die indischen Marken TVS und Hero Exoten, die auch in diesem Jahr wieder mit dabei sind. Jedoch setzen diese auf Moppeds von Sherco (TVS) und Speedbrain (Hero), weil das eigene Modellprogramm keine geeignete Basismaschine enthält. Noch nicht.
Letztes Jahr ist Zongshen glorreich mit eigenen Maschinen gescheitert, vier Moppeds fielen bereits auf der zweiten Etappe aus und die letzte nach der dritten. Dieses Jahr ist keine mehr am Start. Zwei der letztjährigen Fahrer starten auf KTM und sammeln weitere Dakar-Erfahrung. Ich bin mir sicher, dass Zongshen wiederkommt. Vielleicht sehen wir in den nächsten Jahren dann Zongshen-Suzukis, dafür gäbe es Vorbilder auf der Rundstrecke. 2002 wurde das Zongshen-Team mit einer Suzuki Endurance Weltmeister.

Letzter möglicher Exot ist Gasgas. Nach der Insolvenz von 2015 gibt es wieder neue Moppeds: Trialer und Zweitakt-Enduros. Gibt es eine kleine Chance auf einenn Werks-Zweitakter? Ich habe keine Bilder vom Einschiffen der Gasgas gefunden, wer was weiß, sagt mir bitte Bescheid.
Ich vermute jedoch, dass Gasgas eine Version der 2015er Raid einsetzen wird und die hat einen 450er Viertakt-Single wie alle anderen auch.

Hero Speedbrain, offizielles Promo-Foto

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UFOS aus den 1990ern

Früher war alles besser, habe ich schon öfter geschrieben. Eine Google Suche nach “früher+besser” in diesem Blog liefert 190 Ergebnisse. Damals war weniger besser, denn “damals+besser” bringt nur 179 Treffer.

In den Zeiten vor dem Internet hatte ich jedenfalls keine Kosten für eine mobile und eine feste Datenflat, Streaming-Dienste und Kabelanschluss. Dafür habe ich viel mehr Geld für Zeitschriften ausgegeben.

Mitte der 90er habe ich zum Beispiel regelmäßig das “Sport Rider” Magazin aus den USA gelesen. Dort hatte man einmal im Jahr die schnellsten Tuning-Moppeds miteinander verglichen, auf der Straße, der Rundstrecke, dem Dragstrip und die Höchstgeschwindigkeit. Das ganze wurde UFO genannt. Das “F” stand dabei, warum auch immer, nicht für fast (im Sinne vom englischen schnell, nicht vom deutschen beinahe).

Kawasaki 750 Turbo

Kawasaki Turbo im Serienzustand

In dieser Zeit wurde in der Superbike Weltmeisterschaft mit 750ern gefahren, die Werke haben also das Beste vom Besten genommen und eine RC45 oder eine OW01 [englisch] gebaut. Gleichzeitig hatten die Hersteller aber auch Sportler mit mehr als 1.000 Kubik im Programm. Da lag es nahe, dass Tuner das beste Fahrwerk mit dem größten Motor zusammen steckten. Noch mehr Hubraum, Turbo, längere Schwingen und aerodynamische Vollverkleidungen, fertig ist das UFO-Mopped-Rezept.
Mein Liebling war damals eine 1988er GPz Turbo aus der 1996er UFO-Ausgabe, die fast noch original aussah, es aber faustdick unter dem Tank hatte. 

230 PS, Zeiten unter 9 Sekunden auf 400 Metern und Endgeschwindigkeiten über 350 km/h wurden gemessen. Das sind auch heute noch Werte für die man zum Tuner muss. Damals, als in Deutschland noch das 100 PS Limit galt, waren das Zahlen aus einer ganz anderen Welt. Nur wenige Menschen wussten hierzulande, dass es diese Welt überhaupt gab, denn selbstverständlich wurden in deutschen Magazinen auch nur 100 PS getestet und die Höchstgeschwindigkeit wurde oft mit „über 200 km/h“ angegeben. Amerikanische Zeitschriften gab es bei uns nur an wenigen Kiosken und auch nicht jede Ausgabe.

Heute dagegen ist es gar nicht schwer die wildesten Umbauten aus aller Welt zu finden, in diesem Internetz gibt es alles. Es gibt sogar ein Archiv des Sport Rider Magazins, in dem man die UFO-Berichte von 1995 und 1996 [beide englisch] nachlesen kann. In anderen Jahren gab es keine UFOs in dem Magazin, jedenfalls kennen ich und Google keine.

Heute ist eben manches doch besser als damals, zumindest für mich als Leser, denn die Sport Rider gibt es als gedrucktes Magazin nicht mehr. 

Streckenvorstellung #Dakar2018

44 Tage vor dem Start wurde die Strecke der 2018er Rally Dakar vorgestellt. In Stichpunkten sind es:

  • 14 Etappen insgesamt
  • 7 Etappen zu 100% Dünen / Off-Piste
  • 2 Marathon Etappen -für Moppeds
  • Über 4.200 km Sonderprüfung
  • 5 Tage auf über 3.000 m Höhe

Filmchen zur Strecke auf Youtube [englisch]

Und die Dakar-Website zur Route [englisch] 

P.S.

Autos fahren auch mit.

Was fehlt – EICMA und Tokyo Motor Show

Früher war alles besser. Da gab es Moppedmessen und ich war von den Moppeds, die da gezeigt wurden begeistert. Egal ob das Prototypen, Konzeptstudien oder Serienmoppeds waren, irgendwas war immer dabei.
Heute, nach der Tokyo Motorschow und der EICMA gibt es da nichts für mich.

Oscar - Quelle PinterestBMW

Bringt die neue 850 mit Kette und Auspuff an der anderen Seite, wiegt ein bisschen mehr als die alte und hat mehr Knöpfe und anderes 1.200er GS-Zeug.
Vom sechszylinder Bagger (das ist in etwa der Tourer ohne Topcase) gibt es jetzt auch eine Version mit Topcase. Ist für den US-Markt, die werden da schon verstehen, wie das gemeint ist.

Ducati

Bringt eine Ducati für Ducati-Fans denen Desmodromik reicht. Gitterrohrrahmen sind schon länger weg, der liegende Zylinder des V2 liegt ebenso lange schon nicht mehr und jetzt sind es sogar mehr als zwei, von denen keiner liegt.

Honda

Bringt eine neue Gold Wing mit Hossack Gabel, sieben Gang DCT und dem vollen elektronischen Fahrwerk, Unterhaltungs- und Sicherheits-Bling-Bling, die über 40 Kilo leichter als die Vorgängerin ist. Das sind fast 10%, ziemlich viel für einen Generationswechsel. Ich bin großer Fan des DCT und würde mir wünschen, dass andere Hersteller mit ähnlichen Systemen nachziehen würden. Allerdings ist die Goldie, so spaßig es auch ist, sie mal zwischendurch zu fahren, nichts für meine Garage.

Kawasaki

Bringt eine Sporttourer-Version der H2 mit Reisekoffern als Zubehör und weniger Drehmoment als die etablierte ZZR 1400 und eine moderne Z900 die als Z900 von damals verkleidet ist.

KTM / Husqvarna

Bringt einen Nachfolger für die BMW-Husky Nuda [englisch], die beim Markeneinkauf nicht mit übernommen wurde und die Einzylinder Dukes in weiß oder schwarz und rund statt orange und eckig. Hat ja nur drei Jahre oder so gedauert für die neuen Plastics.

Royal Enfield

Oscar - Quelle PinterestBringt, ganz neu, einen luftgekühlen 650 Twin in zwei ähnlichen Moppeds [englisch]. 47 PS bei 7.100 U/mins und 52 Nm bei 4000 Umdrehungen treffen auf 200 kg ohne Sprit. Die 1965er Interceptor hatte 736 ccm für 52,5 PS und 190 kg aber kein Euro 4, Bremsen die nur der Dekoration dienten und so weiter. Fortschritt kann man nicht immer an den Leistungsdaten festmachen.
Die Inder haben es geschafft den luftgekühlten Motor zu bauen, den Kawasaki nicht für die W800 bauen konnte. Triumph hat sich auch Wasserkühlung entschieden. Ein Vergleich der beiden Engländer (die Enfields wurden in England entwicklet) auf der Straße wird interessant.
Übrigens: Norton hat ebenfalls 650er angekündigt [englisch], aber mit Wasserkühlung und auch die sollen in Indien gebaut werden.

Suzuki

Versteckt eine neue Katana 3.0 [englisch] – die allerdings nicht aus Japan kommt, sondern von einer italienischen Moppedzeitschrift – und präsentiert eine Anbauteilevariation der SV650.

Yamaha

Bringt ein Tricity-Mopped für die, die keinen Tricity-Roller fahren wollen und keine kaufbare T7, sondern einen nicht kaufbaren Ténéré 700 Prototypen.

Die heimlichen Chinesen

Bringen keine neuen Mash Retros oder Borossoi Enduros, Moppeds die in jedem Markt der Welt anders heißen, aber im Grunde immer das Gleiche sind. Möglicherweise ist diese Phase vorbei.
Neue Moppeds mit alter Optik und alten Namen wie Kreidler scheinen auch nicht auf den Messen gewesen zu sein oder haben sich vor den Journalisten versteckt.
Zu Benelli kommme ich weiter unten und SWM hat wohl nur einen Prototypen namens Six Days [Video italienisch] (zufälligerweise heißen Sondermodelle bei KTM auch Six Days) gezeigt.

Was fehlt: Kleine Dual Sports

Nachdem im letzten Jahr kleine Adventures aus fast allen Löchern kamen, hatte ich gedacht, dass die anderen, also vor allem KTM mit einer 390er und Yamaha mit einer T3 nachziehen. Es waren jedoch nur Hero [Video englisch] und Sym [englisch] mit Prototypen zu sehen.
Eigentlich hatte ich gehofft, dass noch ein paar Hersteller kleine Dual Sports bringen und Ihren Mini-SUVs an die Seite stellen. Die CRF250L ist immer noch alleine. Die 250er KLX gibt es jetzt wieder, aber nicht als EURO4 Version, also auch nicht bei uns. Dabei ist doch seit kurzem mit dem TET [englisch] eine wunderbare 34.000 km lange Offroad-Runde durch Europa, für jedermann als GPX herunterladbar. Falls jemand fragt, wo man denn bei uns mit einer Dual Sports fahren könnte.

Was fehlt: 500er NC35 Nachfolger

Honda CB4 Interceptor Konzept, bitte so als 500er.

Es muss nicht unbedingt von Honda sein, die mir diese Lücke im Programm erst so richtig sichtbar gemacht haben: Ein 50 PS Landstraßenmopped für Leute die das wollen und nicht auf den großen Führerschein warten, gibt es gar nicht. Ein Mopped in der Tradition der NC35 [englisch]: leicht, mehrzylindrig und mit hochklassigem Fahrwerk und exklusiven Anbauteilen, Gepäckhaken nicht vergessen. Am liebsten in der Optip des Interceptors (nicht zu verwechseln mit der Norton Interceptor), vor allem mit dem Föhngesicht [Bild].
Benellis Leoncino (48 PS, 170 kg) könnte auch als Basis dafür liefern, dürfte dann aber nicht mehr so adipös-pummelig aussehen. Vielleicht mit Ventilator (ich befürchte da entwickelt sich eine seltsame Vorliebe bei mir) am Heck wie bei der Tornado RS. Immerhin ist die Leo deutlich leichter als die TRK502 Schwester, die mit 235 Kilo im Prospekt steht.

Die Ninja 400 (45 PS 168 kg) hat ebenfalls technische Eckdaten die in die richtige Richtung weisen. Allerdings macht sie auf mich den Eindruck eines aufgebohrten Einsteigerbikes mit den billigsten Anbauteilen aus dem Regal.
Paton kann das, was ich meine in Handarbeit mit 650ccm und in ganz teuer [englisch]

Die 500er Klasse scheint beinahe vom Markt verschwunden zu sein, so wie es viele Jahre lang die 250er auch war.

Was fehlt: Flattracker

Die Retro-Neo-Welle hängt immer noch an Café Racer und Scrambler fest. Trotz Harley gegen Indian bei der AMA, Sideburn, Dirt Quake, Hells Race, Superprestigio und der VR46-Farm ist noch kein Hersteller so richtig auf den Flattrack-Zug aufgesprungen. Nur Indian zeigt das gefühlt 32. Konzeptmodell. Dabei macht Ducati sogar eigene Flattrack Veranstaltungen.
In der Custom-Szene lauern schon 80er Jahre Endurance-Racer als nächster Trend.

Was fehlt: Innovationen für Neukunden

Oscar - Quelle PinterestMoppedkunden tun sich zugegebenermaßen hierzulande schwer mit Neuerungen. Heutzutage wird immer noch verdammt laut gerufen, dass die Einspritzung und das ABS Erfindungen des Teufels seien und an einem Mopped nichts zu suchen hätten. Wahrscheinlich sind deshalb offen laufende Ketten immer noch en vogue.

Aber da draußen gibt es noch mehr Menschen. Die sitzen jeden Tag alleine im Stau in ihrem Auto. Oder überlegen sich, ob sie mit dem Auto zum Supermarkt fahren wollen, wo Sie doch nur fünf Minuten zu Fuß von der Haustür einen Parkplatz haben, der dann weg wäre. Oder die sitzen an der Haltestelle und warten im Regen, weil die Bahn drei Minuten zu spät kam, dafür aber der Bus eine Minute früher fuhr.

Und dann gibt es da noch die vielen Kunden der kleinen Moppeds und Roller, die nur darauf warten, endlich ein Auto fahren zu dürfen oder zu können.

Ob diese Leute mit rennfahrenden Robotern [Video englisch], selbstparkenden Moppeds [Video englisch] oder elektrischen [englisch] Lambrettas [englisch] interessiert werden können, bezweifel ich.
Ich denke, hoffe wünsche mir, dass in nächster Zukunft was passiert, dass dann auch nach Europa kommt. Es kann ja nicht sein, dass Gold Wing Taxis in Paris das einzige sein, das uns einfällt. Damit wir eine Chace haben, an diesen Ideen teilzuhaben müssten sie von den Marken, die hier bei uns schon im Geschäft sind. In Indonesien [englisch] läuft da schon was, bei Call-a-Bike muss man noch selber trampeln, ich ich denke, da zeichnet sich was ab.

P.S.
Auf Motofire gibt es zwei weitere lesenswerte EICMA-Rückblicke in einem Beitrag[englisch]. 

KTM vs. Ducati auf der EICMA

KTM Duke 790

Am Ende einer Messe gibt es immer ein Fahrzeug, dass gewonnen hat, das auf den meisten Aufmacherbildern erscheint, am häufigsten erwähnt wird und auf das sich die Meisten freuen. 2017 scheint es so, als habe die KTM Duke 790 die EICMA gewonnen. In Italien wurde von den Messebesuchern zwar die V4 Ducati als schönstes Mopped gewählt, trotzdem hat, wenn ich meine Filterblase mal Revue passieren lassen, KTM gewonnen. Die 790er Duke scheint bei den Straßenfreunden der Star der Messe gewesen zu sein, die Offroader feierten den 790er Adventure Prototypen.

Ducati Panigale V4

Ducati Panigale V4

Wie kann das sein, dass sich die Menschen über ein 800 ccm Mopped mit 105 PS mehr freuen als über eine 1.1000 Kubik, 215 PS Granate? Liegt das nur an der erfolgreichen PR-Arbeit aus Österreich? Hätte KTM auch mit einem zivilisierten MotoGP-Ableger gewonnen? Oder hat am Ende KTM gar nicht gewonnen sondern Ducati hat verloren, weil die Panigale V4 mit Desmocedici Stradale Motor nicht so doll ist? Hätte Ducati vielleicht eine nagelneue 821er Monster präsentieren … oh.

Die Marken

KTM schafft es wirklich oft und positiv in die Medien, aber Ducati ist nicht uncool, das Gegenteil ist der Fall. Beide Marken sind Imageriesen mit engagierter Gefolgschaft. Mit der Scrambler und der Supersport gehörten die letzten großen Messesiege den Italienern. Diese beiden Modelle sind keine Supersportler mit extremen technischen Daten. Sie gehören mehr oder weniger zur Mittelklasse, mit Betonung auf Fahrspaß und Nutzbarkeit auf echten Straßen, das Gegenteil von einem Rennstrecken-Mopped wie es die V4 Ducati ist.

Die Mittelklasse ist der Messestar

Supersportler waren auch in den vergangenen Jahren nicht mehr die Messestars. Als die neue Fireblade kam, redeten alle über einen Sporttourer. Dass zeitgleich mit der GSX-R sogar ein zweiter Supersportler präsentiert wurde, blieb beinahe unbemerkt.
Diesjährige Messeneuheiten waren unter anderem: 790er Duke und Adventure, Ténéré 700, Guzzi 850, Z900, F750, F800, SV650X, Tiger 800 zusehen; alles Moppeds aus der Mittelklassse, dem Neuheiten-Schwerpunkt der EICMA.

Neu und nicht so neu

Die 790er ist eine echte Neuheit, kein Nachfolgemodell und keine Variante mit Rahmen oder Motor eines anderen Moppeds. Alles ganz neu. KTM schließt damit eine Lücke im eigenen Programm und trifft auf viel Konkurrenz: die vier Japaner, BMW, Ducati und Triumph haben in der Mittelklasse jeweils mehrere Modelle etabliert.

Ducati hat dagegen bereits vor zehn Jahren einen V4 Supersportler (Wikipedia) präsentiert. Dazu übernimmt man den Namen Panigale von dem seit 2011 produzierten V2-Supersportler. Auf eine gänzlich neue Optik verzichtet man bei Ducati ebenfalls und übernimmt auch hier das Styling der V2 Panigale. Dass das Mopped trotzdem ganz neu ist, fällt da gar nicht mehr auf.

Konkurrenzlos oder nicht

Auf der Straße trifft sich die Duke mit MT-09, Street Triple, Monster und Co. auf Augenhöhe.

Die V4 Panigale entzieht sich der direkten Vergleichbarkeit und kommt mit mehr als 1.100 Kubik. Der andere italienische V4 von Aprilia misst sich seit 2008 in der 1.000 Kubik-Superbike Klasse mit den Reihenmotoren der anderen. Klingt vielleicht nach einer Kleinigkeit, aber Ducati ist viel mehr Rennsport und erst recht viel mehr Superbike als alle anderen Hersteller. Das Reglement schreibt maximal 1.000 Kubik für Vierzylinder vor. Ducati darf den neuen Supersportler also gar nicht in der WSBK einsetzen und muss dort weiterhin auf den alten V2 setzen. Es wirkt ein bisschen so, als traue man dem neuen Mopped nicht zu, auf der Rennstrecke eine gute Figur zu machen, dabei sollte das doch die Kernkompetenz der Neuen sein.

Sexy gegen Nerds

Trotz Mittelklasse wird die Duke als Posterboy präsentiert und nicht als praktisches, jedoch langweiliges Alltagseisen. Das aktuelle Duke-Design ist noch relativ frisch, radikal und eigenständig genug um aufzufallen. Die KTM ist das Ready to Race Skalpell (das ist KTM Terminologie, nicht meine) und spielt die ganz große Emotions-Karte. Die ebenfalls ganz neue F850 GS ist dagegen was? Der Nachfolger der F800 mit jetzt noch mehr Features der großen GS, emotional durch 270° Motor und sportliche goldene Felgen (so sagte die Projektverantwortliche Dorit Mangold in einem Video [englisch]). Dabei ist die KTM technisch gar nichts Besonderes, wiegt so viel wie MT-09 und Streety, hat dabei aber weniger PS, das Fahrwerk ist in der Basisversion ebenfalls nicht einstellbar. Allenfalls der serienmäßige Blipper und IMU gesteuerte Traktionskontrole und ABS stechen hervor. Inwieweit sich dahinter ein echter Performancevorteil verbirgt, muss die Zukunft zeigen.
KTM pfeift drauf und verpasst der Duke trotzdem ein sexy Image, davon kann man sich ein Poster in die Garage hängen oder als Jugendlicher übers Bett.

Die Ducati bietet neben der bekannten Optik eine gegen die Drehrichtung der Räder rotierende Kurbelwelle, 70° Hubzapfenversatz bei 90° Zylinderwinkel und Desmodromik. Das sind Details für Ingenieur-Fans und Technik-Nerds, von außen unsichtbar aber bereits lange vor der EICMA mit eigener Website der Welt verkündet. Wer hängt sich davon schon ein Poster an die Wand? Hängt da nicht noch die sackrattenteure Desmocedici RR, die fast noch neue Voll-Carbon Superleggera mit ebenfalls 215 PS oder die auch noch fast nagelneue Final Edition? Es wirkt fast so, als habe die V4 im eigenen Haus mehr Konkurrenz als vom Rest der Welt.

Der Boden der Tatsachen

Heutzutage klingen 216 PS aus 1.100 Kubik nicht mehr beeindruckend, PS-Zahlen jenseits der 200 gab es schon oft, wie vor kurzen erst bei der Superleggera. Und wenn man Pech hat, wird man am Stammtisch von einem Aprilia Fan mit den 215 PS der RSV4 in der FW-SBK Edition ausgekontert. Die ist zwar nur für die Rennstrecke und kostet 36.000 Eumel (ich glaube Netto, es ist eine amerikanische Seite, auf der Werk-Seite habe ich keine Preise gefunden), braucht dafür aber nur 1.000 Kubik. Und wenn wir schon Supertrumpf spielen, dann gibt es die Priller auch mit pneumatischen Ventilfedern, Flügeln und über 250 PS aus immer noch 1.000 Kubik für handliche 80.000 Eumel. Mit MotoGP-Flügeln!
Die Flügel hatte übrigens Ducati in der MotoGP eingeführt aber verbaut sie nicht an der Neuen.

Ganz anders

Oder aber, meine Filterblase ist kaputt, die ganze Welt sabbert wenn sie nur Ducati V4 hört und die 790er Duke hat die EICMA gar nicht gewonnen.

Zum Schluss

Ich würde beide Moppeds fahren wollen, aber nicht unbedingt kaufen, die Ducati noch eher als die Kati. Den Motor der Duc könnte ich auf der Autobahn ausfahren und ich stehe auf Supersportler, besonders mit dieser ganzen leckeren Technik wie Magnesiumdeckelchen und Minimalrahmen.
Aus der Duke-Familie würde ich mir die 390er in die Garage stellen, die ist auf der echten Landstraße nicht langsamer als die 790er und für die weite Autobahnanreise hätte ich ja die Duc.

Warum EICMA doof war

Es war EICMA in Mailand und meine Filterblase wurde mit Wiederholungen verstopft. Jede Website, jeder YouTuber, Twitterati, Instagrammer, Blogger oder Facebooker der vor Ort war meinte, dass er zu jedem neuen Modell mindestens einen eigenen Beitrag machen musste. 10 RSS-Abos von Moppedmagazinen mal 10 neue Moppeds, zack sind 100 Beiträge in meinem Feedreader in denen nichts Neues steht, denn die Pressemeldungen der Hersteller hatte ich vorher schon vorher. Die vor der Messe geleakten Informationen haben die gleichen Magazine schon in den Wochen davor selbst gebracht. 

Warum?

Nicht falsch verstehen, wer als Privatperson seine Bilder und Eindrücke ins Netz stellt, egal ob live oder erst am Abend, wenn er wieder WLAN hat, soll, kann, muss, darf das machen.
Ich beschwere mich mich über diejenigen, die das professionell, im Sinne von, dass dafür Geld oder Test-Produkte erhofft oder bekommen werden, machen. Die Influencer sein wollen, AdImpressions oder Affiliate Links verkaufen möchten oder für ihre Worte, Bilder und Videos bezahlt werden.

Die Profis

Symbolbild der Berichterstattung

Liebe Profis und wer sich dafür hält: Die großen Hersteller streamen Ihre Produktvorstellungen live und teilen Ihre Bilder über alle Kanäle direkt mit den Lesern. Das müsst Ihr nicht nachplappern. Wie wäre es wenn Ihr filtert, sortiert, bewertet, recherchiert und kommentiert? Heutzutage bezieht niemand mehr alle seine Informationen aus nur einer Quelle. 

Die ganzen Moppeds auf der Messe sind für den Laien (vulgo: der Kunde, der die Produkte kauft) da. Und warum seid Ihr dort? Um auf dem Pressetag leckere Häppchen zu essen? Um am Fachbesuchertag näher an die Messehostessen zu kommen? Um mit einer kleinen Videokamera eine wackelige 90 Sekunden-Runde um ein Mopped zu drehen und später dann mit kostenloser, schrecklicher Musik unterlegt auf Eurem Kanal zu teilen, bevor am nächsten Tag die Kunden selbst gucken und filmen können?

Die Zeiten, in denen die einzige Moppedzeitschrift, die der Dorf-Kiosk im Angebot hatte, die einzige Informationsquelle war sind schon lange vorbei. Wäre schön, wenn ihr das auch bemerken würdet.Orientiert Euch nicht an den Laien, die alles melden, was sie sehen, beweist, dass Ihr Profis seit.

Die Menschen

Warum seid Ihr Profis nicht auf der Messe um den Menschen, den Ingenieuren oder Projektverantwortlichen oder Managern Fragen zu stellen? Die Menschen mit Ahnung sind für Euch da. Die sind wieder weg, wenn die Kunden kommen. Fragt dort nach den Infos, die nicht in der Pressemappe stehen. Fragt nach, warum die F850 GS schwerer als die F800 GS ist.

Die Fakten

Wenn KTM seine neue 790er Duke (105 PS, 9.300 Euro) “Skalpell” nennt, warum macht Ihr das dann auch in Eurem redaktionellenText und erweckt den Eindruck, als hättet Ihr das Mopped schon gefahren?
Warum sagt keiner, dass die 169 kg der KTM Trockengewicht sind, während Yamaha bei der MT-09 (115 PS, 8.000 Euro) 193 kg fahrbereit angibt. Die KTM wird auf der Straße
 genauso viel wiegen, wenn sie nicht mehr trocken ist. Die Street Triple S (113 PS 9.000 Euro) wiegt trocken nur 167 kg.
Oder anders ausgedrückt: Die technischen Daten die KTM meldet liegen auf dem Niveau der anderen Moppeds, die es schon seit Jahren auf dem Markt gibt. Eine Sensation sieht anders aus.
Das bedeutet jetzt nicht, dass die KTM schlecht ist sondern nur, dass die technischen Angaben von KTM eben nichts sensationelles sind, für alles andere braucht es eine Probefahrt. Warum muss ich das selber recherchieren? 

Die Anderen

Oder, ganz verwegen, zeigt uns das, wozu die Hersteller keine Pressemeldung schicken. Warum war Hero auf der EICMA, wollen Sie ihre Moppeds demnächst auch in Europa verkaufen? Wer war denn noch da, den wir nicht so auf dem Schirm haben? Und wer war nicht da, was wurde nicht gezeigt und hat das eine Bedeutung?

Habe ich die falschen Feeds abonniert, waren andere besser? Dann her mit den Links!

P.S.
Kann es sein, dass einige von Euch die Klickstrecke: Ische an Mopped vergessen haben?

Warum Honda, warum?

Vor der EICMA hat Honda zwei Neuheiten auf YouTube angeteasert, also angekündigt ohne sie zu zeigen oder zu benennen, sondern nur so ein bisschen Chi-Chi und Trallala [dazu auf meinem Blog], wie man das heute wohl so macht. Es sind die neue Gold Wing und die CB1000R, der Neo-Dingsbums.

Super-Tourer

Die Goldie wird von den meisten Nicht-Wingern immer wieder schwer unterschätzt. Die ganzen Neuerungen die Honda da jetzt eingebaut hat, sollten daraus ein noch besseres Mopped gemacht haben. Die möchte ich gerne mal ausprobieren, die alte hat mir schon viel Spaß gemacht. 

Neo Cafe Sport

Honda CB1000R

Die CB1000R dagegen reizt mich gar nicht. Auf den Bildern ist es ein wirklich schönes Mopped geworden, viele Details sehen gut aus, die technischen Daten klingen auch nicht schlecht. Das Label Neo Sports Café finde ich ein bisschen bemüht, aber das hat die Marketing-Abteilung verbockt, da kann das Mopped ja nichts für. Also warum interessiert mich das Mopped nicht?

Es ist eine 140 PS Tausender für die Landstraße auf der man nur 100 km/h fahren darf. Das gefällt, wenn man sich die Verkaufszahlen anguckt, ziemlich vielen Leuten. Ich mag viel Kubik und PS vor allem mit viel Verkleidung auf der Autobahn oder, einmal alle 5 bis 8 Jahre auf der Rennstrecke. Auf der Landstraße mag ich es lieber leicht und handlich. Ist natürlich Geschmacksache. Und Honda ist darauf vorbereitet.

Noch mehr Cafe Neo Sport

Honda CB300R

An die Seite der CB1000R stellen sie eine 125er für die ganz Jungen und Wilden (da bin ich wirklich gespannt, wie die sich am Markt behaupten kann) und eine 300er mit 31 PS.

Die finde ich interessanter. Man erkennt auf den Bildern schon, dass hier auch auf den Preis geguckt wurde. Es wird wohl das Big Bike der aufstrebenden Märkte in Asien, Afrika und Südamerika. Wahrscheinlich bekommt die deshalb den Single statt dem 300er Twin. Dort muss sie sich nicht nur gegen die Duke und MT-03 behaupten, sondern auch gegen die vielen 250 bis 300er aus China und Indien, da gibt es sehr viel Interessantes.
Aber warum gibt es nichts zwischen der 300er und der 1000er? Die Rebel gibt es doch auch mit dem 300er Single und dem 500er Twin der CB500-Familie. Kommt da noch was?

Der ganze halbe Liter

Da wo bei der 300er noch auf den Preis geguckt wurde könnte bei der 500er, um sie deutlich anders am Markt zu positionieren, auf trickreiche Komponenten zurückgegriffen werden: Alu-Rahmen, Einarmschwinge, TTX-Federbein, Cartridge Gabel, Monoblockbremse, Schmiederäder, Kohlefaser, LED, Leichtbau-Bling-Bling. Wie wäre es mit 157 kg Gewicht, zufälligerweise genauso viel wie ein MotoGP Bike? Oder mit 165 kg wie bei den Superbikes, natürlich fahrfertig, nicht Trockengewicht.Und das in dieser schönen Neo Sport Cafe-Optik.

So, und jetzt, wo ich das Mopped in meinem Kopf habe finde ich die 300er schon wieder deutlich weniger interessant.

Also Honda: Warum baut Ihr so eine schicke Tausender, zeigt mir dann mit der 300er, das ihr selber wisst, was auf der Landstraße zählt, inspiriert mich so von einer schönen luxusleichten 500er zu träumen aber baut die nicht?

Warum Honda, warum?

P.S.
Gibt es für die Sport Cafe Neos ein umfangreiches Zubehör und Kleidungsprogramm wie bei Scrambler Ducati und NineT BMW?