Alle Moppeds sind böse

Gestern wurde auf diesem einen Socialmedia-Kanal für ältere Web-Nutzer ein Link der Stuttgarter Nachrichten in meine Timeline gespült.

Eigentlich will ich den nicht teilen, denn ich möchte nicht, dass so ein Mist mit Klicks belohnt wird, aber hier ist er. Bitte nicht klicken sondern einfach dem glauben, was ich hier schreibe. Texte zwischen Anführungszeichen sind Zitate aus der Meldung.

Behörden, Anwohner und Medien gegen Moppeds

Es geht darum, dass der Rems-Murr-Kreis (nord-östlich von Stuttgart) etwas gegen Motorradlärm tun will.

Es geht nicht um Maßnahmen gegen Verkehrsteilnehmer mit manipulierten Schalldämpfern, auch nicht gegen Verkehrslärm im allgemeinen.

Ist es wirklich ein Problem?

Frau “Anna Katharina Maier vom Amt für Recht und Ordnung im Waiblinger Landratsamt” wird mit folgender Aussage zitiert: “So liege der von Motorrädern verursachte Lärm in den meisten Fällen durchaus im Rahmen des Erlaubten, weil die Fahrzeuge die für sie geltenden Grenzen einhielten.”

Oscar - Quelle PinterestDas ist in etwa so als würde man einen Blitzer-Marathon ankünden und es damit Begründen, dass sich fast alle an das Tempolimit halten. Klar halten sich fast alle an das Tempolimit, aber trotzdem wird die Aktion damit begründet, dass man gegen Raser vorgeht. Stellt Euch mal vor, wie ADAC, Autofahrer und Medien reagieren würden, wenn der nächste Blitzer-Marathon so begründet wird.

Man könnte aus der Aussage auch schließen, dass es gar kein Problem ist, sondern nur ein subjektives Empfinden. Aber nein, hier geht es ja um brave angepasste Anwohner-Kleinbürger gegen die zu verdrängende Minderheit der Moppedfahrer. Und es geht um “Recht und Ordnung”, weil so heißt die Abteilung – Zucht und Ordnung war wohl schon aus.

Die Maßnahmen-Keule

Oscar Quelle PinterestDanach wird es noch kruder, als die einzelnen Maßnahmen vorgestellt werden. Bei gemeinsamen Kontrollen von Behörde und Polizei sollen bei “Verstößen Gelbe Karten verschickt werden. In den „Gefährderanschreiben“ könnten für den Wiederholungsfall schlimmere Sanktionen angedroht werden – etwa eine Überprüfung der Fahrerlaubnis oder die Auflage eines Fahrtenbuches.”
Wie ich es verstehe steht da: Wenn bei einer Kontrolle ein Verstoß festgestellt wird, gibt es eine gelbe Karte. Gelbe Karte statt KBA-Punkten und Strafe? Hilft bestimmt.
Und wenn dann später nochmal ein Verstoß festgestellt wir, dann wird der Führerschein kontrolliert.

Helm-Terroristen

Am schlimsten finde ich jedoch die Wortwahl Gefährder, die auch aus der Terrorismus-Bekämpfung bekannt ist. Ich habe das kursiv gesetzt, weil es für mich Sicherheits-Theater zur Simulation von Aktivität und Bürger Beruhigung ist. Wirkliche Terror-Bekämfung ist anderes und wir nur selten in der Öffentlichkeit bemerkt. Aber dennoch wird so der Moppedfahrer durch dieses Wort in die Nähe von Terroristen gerückt.

Das hat Folgen

Tut das Not? Muss man eine Gruppe von Verkehrsteilnehmern, die sich, und ich zitiere aus dem obigen Zitat, “im Rahmen des Erlaubten” bewegen, so diskreditieren? Und was wird daraus folgen, wie werden die an den Rand der Gesellschaft gedrängten Kradisten reagieren, wenn sie das gelesen haben? Werden sie sich verstanden fühlen und beim nächsten Mal in einem höheren Gang durch den Ort fahren und der Ampel nicht mehr am Gas spielen? Werden Sie eine langweiligere Strecke ohne Kurven fahren? Werden Sie als nächstes ein Mopped ohne Klappensteuerung im Auspiff kaufen? Werden Sie gar Ihr Mopped gar nicht mehr aus der Garage holen und am Wochenende nur noch Rasenmäher, Laubbläser und Kantenschneider fahren?

Oder werden Sie Lesebriefe schreiben und um eine objektive Berichterstattung und neutrale Wortwahl bitten?

Höchstwahrscheinlich alles davon, denn ein emotional aggressiver Stil ist immer schon der beste Weg gefunden um ein Problem gemeinsam zu lösen oder eine Diskussion zu eröffnen. 

Wer Journalismus so einseitig und mit Agenda betreibt, darf sich über Vertrauensverlust wundern sondern sollte in PR oder Werbung wechseln.

Advertisements

Loud Pipes und was die so machen

Die #Hippe hat einen verdammt leisen Auspuff. Das sorgt immer wieder für Erheiterung bei echten Hardcore Dingsbums-Leuten. Mir gefällt das.

An einem meiner alten Helme klebte mal ein Aufkleber: “Laut ist out”. Damals fuhr ich eine SR 500 mit offenem Lufttrichter und Megaphon-Auspuff, noch mehr out ging nicht. Das Mopped war ein klarer Vertreter der “Leis’ ist Scheiß!” Fraktion, die Reim Dich oder ich fress Dich-Antwort auf die englischsprachige “Loud Pipes save lives” Idee.

Anekdotisch belegt

Meine war roter.

Ich hatte mal eine CBR600F in leuchtend Rot mit einem gigantisch großen Scheinwerfer und einem sehr effektiven Schalldämpfer. Das optisch auffälligste Fahrzeug, dass ich je hatte. Mit dem bin ich jahrelang täglich 60 Kilometer zur Arbeit gependelt und abends nochmal 60 km zurück. Es verging keine einzige Woche, in der ich nicht von einem Auto übersehen und geschnitten wurde. Bremsen und ausweichen können war meine Lebensversicherung.

Was für ein geiles Spaß-Gerät. #Hach

Nachfolgerin wurde eine tiefschwarze TL1000S mit winzig kleinen Projektionsscheinwerfern und Brüllrohren. Bester V2-Sound  in gefühlten 180 dB, also fast so laut wie die SR.
Obwohl das Mopped optisch sehr viel unauffälliger war, bin ich damit bei der täglichen Pendelei deutlich seltener übersehen worden. Ich vermute, ich wurde gehört und das hat die Autofahrer veranlasst zu gucken oder einfach nicht die Spur zu wechseln oder in die Kreuzung zu fahren.

So gesehen können laute Moppeds wirklich helfen, die nächste Fahrt zu überleben.

Andererseits hat mich auch mit den leisen Moppeds nie ein Auto auf die Hörner genommen, weil ich immer ausweichen oder bremsen konnte.

Daran musste ich denken, als ich dieses T-Shirt gesehen habe.

 

Lock’n’Loll ist der wilde Bruder von …

Warum Soundcheck, wenn man alle Regler nach rechts drehen kann?

Warum musizieren, wenn man Krach machen kann?

Warum singen, wenn man brüllen kann?

Warum miteinander spielen, wenn es auch gegeneinander geht?

Warum selber auf die Gitarre eindreschen, wenn man sie auch irgendjemandem aus dem Publikum geben kann?

Warum Rock’n’Roll, wenn es auch Lock’n’Loll sein kann?

<p>Guitar Wolf – Missile Me / Fujiyama Attack from Marcus Wilén on Vimeo.</p>

Gerade in Deutschland unterwegs: Guitar Wolf

Siehe auch: Ich habe das Ende gesehen und den Anfang – Guitar Wolf

Ich habe das Ende gesehen und den Anfang – Guitar Wolf

Eigentlich hatte ich den Plan, über meinen Besuch auf dem Sjock-Festival im belgischen Gierle zu schreiben. Ich habe mir auch brav Notizen gemacht, die ich für den Blog verwenden kann. Insgesamt, so viel kann ich schon mal vorwegnehmen, War das Line-Up nicht so stark wie im letzten Jahr. Sjock 36 hatte aber einen einsamen Höhepunkt, der alle anderen Bands überragte, nicht nur die aus diesem Jahr sondern auch aus den Jahren davor: Guitar Wolf.

Jetzt wo ich hier anfange zu schreiben, merke ich, wie schwer es ist über Musik zu schreiben. Mir jedenfalls fällt es schwer. 

Damit hier aber schon mal was steht, was ich vor der Veröffentlichung nicht lösche schreibe ich hier den absoluten und allumfassenden, für jeden geltenden HINGEHBEFEHL! Egal was für Musik Ihr normalerweise hört, das muss man live erleben. 

Mich hat es in Belgien so sehr beeindruckt, dass ich mir im Anschluss erst mal die aktuelle CD gekauft habe. CD! Wo ich schon vor Jahren angefangen habe meine CDs zu rippen und entsorgen. Und ich hätte mir sogar noch das T-Shirt gekauft, wenn es auch nur ansatzweise in meiner Größe dagewesen wäre. Und: Ich habe sofort ins Netz geguckt, ob noch weitere Konzerte in Reichweite stattfinden. Zum Glück war direkt da eins direkt am nächsten Tag in Hannover. Klar bin ich da hin, obwohl ich übermüdet war vom Festival-Wochenende. Um 23:45 begann Guitar Wolf und als ich nach der Zugabe um 01:45 den Helm aufsetzte und gerade losfahren wollte, kamen Sie noch mal zurück auf die Bühne, dabei bin ich erst los, als das Licht im Saal anging und die Toningenieure angefangen haben die Technik abzubauen. 

Guitar Wolf ist das lebende Beispiel für die Behauptung: Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile. Der dreiviertel-Bass (untere Hälfte abgesägt, Kopf gekürzt und nur mit drei Seiten belegt) von U.G., ein wild geprügeltes Schlagzeug von Toru und das Geschrei (Lock-n-Loll!!) und Geschrömmel von Seiji, aneinander vorbei und gegeneinander ergeben einen Krachteppich vom allerfeinsten. Musik, gefressen und ausgekotzt, im Rausch zertrampelt und doch ein Hochgenuss. 

Ich konnte mich nur dadurch am Besuch des Konzerts in Hamburg hindern, dass ich meinen Mopped- und Büroschlüssel auf der Arbeit eingeschlossen hatte.

Ich ärgere mich, dass ich Guitar Wolf seit 1996 jetzt erst zum ersten Mal erlebt habe.

Zum Schluss noch anderthalb Lieder aus Belgien:

P.S.

Hier eine Anleitung für den Konzertbesuch.

Ein Freiwilliger wird auf die Bühne geholt und bekommt die Gitarre umgehängt, nicht spielen können ist keine Ausrede, man muss Krach machen, Auf Anweisung den Mittelfinger heben und zum Finale des Songs springen und Gitarre anschlagen. Scheint schwierig zu sein, das Konzert geht aber nicht weiter, bis der Delinquent getan hat, wie ihn geheißen. Hat in Hannover gefühlte 10 Minuten gedauert.