Markentreue

Auf Motorcycle.com [englisch] wird gerade die Moppped-Markentreue der Leser abgefragt.

Oscar Quelle Pinterest

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Ich bin bei solchen Selbstauskunft-Umfragen immer skeptisch, weil jeder normalerweise das antwortet, was er gerne tun würde, aber nicht dass, was er macht. Selbstbetrug ist ein ständiger Ratgeber des Menschen.

Mein Kreuzchen steht bei “mir doch egal, Hauptsache Mopped“, so wie 24% der Anderen. Nur 9% sagen, dass für sie nur eine Marke in Frage kommt. Die große Zweidrittel-Mehrheit (67%) bekennt, dass sie mehr als eine Lieblingsmarke hat. Das sind dann wohl diejenigen, die Ihre Triumph-Jacke über das Harley-Tattoo ziehen und dann mit der Ducati zum Honda-Händler zu fahren um dort eine neue Yamaha zu kaufen.

Vorher habe ich kurz gezögert und mich gefragt: Würde ich ein Mopped eines Herstellers aus Brasilien, Korea oder China fahren?
Klar, ich würde zur Zeit deutlich lieber eine Dual Sport aus China fahren als einen Chopper von irgendwo.
Obwohl: Eine Rocket III ist ein Chopper. Nein Chopper ist falsch, denn Chopper sind Moppeds, denen der serienmäßige Lenkkopf abgeschnitten (chopped off) und in einem anderen Winkel wieder angeschweißt wurde. Ich meine Cruiser.

Langer Rede kurzer Sinn: Hersteller und Marken sind mir in allen Lebenslagen fast egal, mich interessieren die konkreten Produkte. Ich schreibe fast, weil es manchmal vorkommt, dass mir eine Marke unsympathisch wird. Das kann z.B. durch besonders nervige Radio-Reklame passieren oder durch großmäulerisches Marketing geschehen. Eine schlechte Produkt- oder Händler-Erfahrung haben mir bis jetzt noch keine Marke vergällt.
Aktuell trifft das bei mir auf keine Moppedmarke zu, also war meine Antwort richtig.

P.S.
Die Umfrage läuft noch, also:

  • Könnt Ihr auch abstimmen
  • können sich die oben genannten Zahlen ändern
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Einfach mal die Nacht durchfahren

Gestern war ich bei Freunden zu Besuch. So gegen 01:30 Uhr machte ich mich auf den ca. 75 km kurzen Heimweg über die Autobahn. An der heimatlichen Ausfahrt entschied ich mich, eine kleine Runde über nahe liegende Landstraßen ranzuhängen, die Luft war so schön.

Nachts sind alle Griesis grau

Also noch ein paar wenige Ausfahrten weiter und dann immer den Kurven nach. Links rum, rechts rum, war ich hier schon mal?
Im Dunkeln sieht alles anders aus.
Der Tank der #Hippe ist noch halb voll, es sind also noch ca. 3,5 Liter drin, das reicht für 100 Kilometer oder eine Stunde und zwanzig Minuten, bis dahin sollte ich entweder zu Hause sein oder eine 24 Stunden-Tanke gefunden haben.

Ich fand eine Tankstelle, konnte also fröhlich singend weiter durch die Dunkelheit und Kurven feilen, ohne den Hauch einer Ahnung, wo genau ich gerade bin.

Es fühlt sich an, als sei ich alleine auf der Welt, bis ich in die Nähe einer Dorfdisko komme, wo Fußgänger in abenteuerlichen Schräglagen auf beiden Seiten der Straße zick-zacken und voll besetzte Kleinwagen mit Bass-Antrieb meinen Weg kreuzen.
Wenige Kreisstraßenkilometer später bin ich wieder alleine und lenke die #Hippe in Richtung Ortsnamen, die mir wage bekannt vorkommen, könnte die richtige Richtung nach Hause sein.

Am Horizont zeigt sich erstes Licht, als ich die Stadtgrenze passiere, die Garage ruft.

ED der Arsch

Oscar - Quelle PinterestED heißt vermutlich ganz anders, ich habe ihn nicht nach seinem Namen gefragt, ich will ihn auch nicht berühmt machen, aber es gibt ihn wirklich. Ich habe ED auf einer Wochenendveranstaltung getroffen, genauer gesagt ist er mir dort bei zwei Gelegenheiten so nah gekommen, dass ich ihn hören konnte. Diese beiden Situation beschreibe ich hier und wenn Ihr danach der Meinung seid, ED ist gar kein Arsch, dann macht Ihr was falsch.

Die Veranstaltung

Es ging ins Gelände, die Veranstaltung richtete sich an Dual-Sports und Anfänger waren explizit willkommen. Das Gelände bot lange und steile Auf- und Abfahren und war wegen vorhergehender Regenschauer, schön matschig. Alleine der Matsch ist schon eine Herausforderung für straßenzugelassenen und auch anreisetaugliche Bereifung. Wer sein Mopped auf dem Hänger ankarrt kann natürlich auch grobe Stolle und Reifenhalter oder Mousse fahren und hat so einen großen Vorteil auf seiner Seite. ED kommt auf dem Hänger mit gröbster Stolle und Reifenhaltern.

Exkurs: Reifenhalter

Wenn das Gelände schwierig wird, ist viel Traktion immer hilfreich. Um die Traktion des Reifens zu erhöhen kann man den Luftdruck reduzieren. Weniger Luftdruck bedeutet, dass mehr Oberfläche des Reifens aufliegt und am Untergrund haften kann. Wenn zuwenig Luft im Reifen ist kann es passieren, dass sich der Mantel auf der Felge verdreht.
Ein Reifenhalter verhindert dieses Verdrehen, indem der Mantel festgeklemmt wird. Der Nachteil ist eine erhebliche Unwucht im Reifen, denn so ein Halter wiegt ca. 100 Gramm. Im Gelände ist das egal auf der Straße jedoch nicht so. Die Google Bildersuche hat mitŕ nicht ein einzelnes Bild geliefert, in dem die Funktionsweise gut erkennbar ist, aber die Gesamtheit der Egebnisse zeigt es ganz gut.

Auswuchtgewichte, die beim Straßenreifen verwendet werden, wiegen 5 oder 10 Gramm, um mal schnell die Dimension der Unwucht zu zeigen.

Fahrer A trifft ED

Fahrer A ist Anfänger und traut sich Mitte des zweiten Tages an einen der großen, steilen und matschigen Anstiege, schaffte es bis zum letzten Absatz vor dem Gipfel und kommt dann zu Sturz. Ich sehe den Sturz und auch dass Fahrer A von unten nicht zu sehen ist, vor mir ist ein weitere Anfänger, der unten wartet, dass die Strecke frei wird, er fährt also nicht hoch um zu helfen. Das mache ich. Ich fahre hoch, stelle mein Mopped von unten sichtbar an die Kante und gehe zum Fahrer, der noch neben/unter dem Mopped liegt.
„Geht es Dir gut? Alles klar, dann kümmern wir uns jetzt um Dein Mopped.“ (Mist, keine Kamera dabei).
Zu diesem Zeitpunkt kommt ED den Berg hoch geflogen. Er hält ebenfalls an, reißt das am Boden liegende Mopped an sich und versucht es durch den Matsch den Berg hoch zu schieben. Ich helfe dem Fahrer auf und rufe ED zu: „Nach unten, da ist eine Ausfahrt.“ Ed wendet das Mopped, führt es herunter.

Bis hierher könnte man ED noch für einen leicht übermotivierten netten Kerl halten, der einfach alle, die unten vor dem Hindernis warteten überholt und dann doch angehalten hat um zu helfen. Das ändert sich jedoch sofort, als ED mit dem Mopped auf Höhe des jetzt auch bergab gehenden Fahrer A ankommt.
“Dass Deine Bremse total scheiße ist, weißt Du ja wohl selber. Da müssen sofort neue Belege drauf, am besten die organischen vom Louis. Und die Handschützer die Du angebaut hast, sind der letzte Schrott und voll gefährlich, die musst Du sofort wegschmeißen und Dir richtige kaufen.”
“Die Bremsbeläge sind noch fast neu …” versucht Fahrer A in das Gespräch einzusteigen.
“Dann sind die verglast und kaputt, Du brauchst neue!”
“Danke, für Deine Hilfe, aber ich muss mich jetzt erstmal sammeln und brauche keine Tipps,” sind die nächsten Worte von Fahrer A.
Auf dem Ohr ist ED jedoch taub und doziert weiter, was an dem Mopped alles falsch ist und was Fahrer A alles falsch gemacht hat und so weiter.
Ich räume derweil die Hippe weg und kann den unten wartenden die Strecke noch nicht frei geben, weil EDs Mopped noch im Weg steht.
Nach zwei oder drei weiteren Hinweisen von Fahrer A, dass er nicht an Tipps interessiert ist, geht ED zu seinem Mopped zurück und fährt weiter.

ED hat keine Ahnung

Fahrer A hat mit Sicherheit einen Fehler gemacht, denn sonst wäre er nicht umgefallen, sondern den Berg hochgekommen. Welchen Fehler er gemacht hat, habe ich nicht gesehen, ich habe nur das Ende, den Umfaller sehen können. ED war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht in Sichtweite, konnte also gar nicht wissen, welchen Fehler A gemacht hat, alle seine Ratschläge waren demnach bestenfalls geraten.

Ich bin sehr dafür, jemandem nach einem Sturz zu helfen, dabei sollte jedoch immer die Reihenfolge beachtet werden:

  1. Ist der Fahrer gesund, hat er Schmerzen?
  2. Hat schon jemand Fotos oder Videos gemacht?
  3. Will der Fahrer sein Mopped selber bergen (Gelegenheit macht Übung) oder möchte er Hilfe.
  4. Klappe halten oder motivierende Worte finden.

Die Bremse: Der Berg war steil und matschig. Das Mopped ist mit blockiertem Vorderrad im Matsch bergab gerutscht, weil ED nur die Vorderradbremsen gezogen hatte und das Mopped im Leerlauf war.

Falls Ihr in einer ähnlichen Situation seid und ein Mopped bergab schieben müsst, legt einen Gang ein und zieht die Kupplung. Ihr könnt dann, wenn die vordere Bremse nicht ausreicht den Kupplungshebel benutzen um auch das Hinterrad abzubremsen. Fahrer A wusste das, aber ED war am Mopped.
Und als zusätzlicher Hinweis: Wenn ein Mopped mit blockiertem Vorderrad einen Hang hinab rutscht, sind die Bremsbeläge nicht defekt oder „total scheiße“, aber das habe Ihr Euch auch schon selber gedacht.

Und weiter: Wenn vor einem Hindernis schon drei Moppeds stehen und warten, fahrt nicht einfach vorbei, es hat mit Sicherheit einen Grund, warum die dort stehen. Fragt nach und wenn es heißt, dass einer im Hindernis gestürzt ist und schon ein Helfer vor Ort ist, stellt Euch hinten an und wartet bis die Strecke frei ist oder signalisiert wird, dass mehr Helfer gebraucht werden.

Und zu Letzt: Die verbauten Handschützer sind die gleichen, mit unter anderem Pablo Quintanilla fährt, der vor kurzem die Atacama Rally 2017 gewonnen hat.

Fahrer B trifft ED

Vielleicht zwei Stunden später war ich zusammen mit Fahrer B (ähnliches Erfahrungsniveau wie ich, also fortgeschrittener Anfänger ohne Vollgas-Allüren) auf einem anderen Teil des Geländes unterwegs. Hier gab es Singletrails (so breit, dass nur ein Mopped durch passt), viele und vor allem trickreichere Hindernisse und für jedes eine Umfahrung.
Wir wählten den schwierigsten Teil des gesamten Geländes, der nur von wenigen Fahrern genutzt wurde. Steil bergauf über nasse Steine und Wurzeln mit glitschigen Matschstellen und ohne Anlauf.
Fahrer B fuhr vor mir und schaffe die Steigung zu ca. 93% als er Schwung und oder Traktion verlor und fest hing. Kein Sturz und somit eine hervorragende Stelle um zu üben, sich aus dieser Lage zu befreien. Ich stelle meine #Hippe ab um eventuell nachfolgenden Fahrern die Umfahrung ans Herz zu legen, weil: hier steht ja einer und blockiert den Singletrail, was jedoch aufgrund der Streckenführung mit Kurve nicht sofort sichtbar ist.
Klappte auch zweimal, doch dann kommt ED. Meine Zeichen hat er ignoriert, also stelle ich mich in den Weg und rufe:
“Da hängt einer fest.”
“Ich sehe keinen.” So erfuhr ich, dass ED zwar alles kann und besser weiß, aber nicht um Kurven herum gucken kann.
“Da ist aber trotzdem jemand,” lautet meine Antwort. ED stellt sein Mopped ab (er hat mich also nicht über den Haufen gefahren, immerhin), stapft um die Kurve und den Berg hoch. Ich hinterher, EDs Mopped steht
 sichtbar, Intelligente Fahrer werden erkennen, dass dieser Weg momentan blockiert ist. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit für ein Foto, denn Fahrer B hat seine Kamera dabei. ED ist als erster da und brüllt sofort:
“Zweiter Gang, Vollgas. Gas! Gas! Gaaaaas!” während er mit aller Kraft das Mopped samt Fahrer den Berg hoch schiebt. Keine Chance für mich an den Fotoapparat zu kommen. Kaum oben ist ED schon wieder auf dem Weg nach unten.
“Da ist mindestens ein Bar zu viel Luft drauf,” erklärt mir ED auf dem Weg nach unten. “Er hat 0,8 Bar im Reifen, demnach braucht man hier Minus 0,2?” fragte ich nach. “Dann eben ein halbes Bar zu viel, “ korrigierte ED seine Behauptung.
“Ohne Reifenhalter?” wollte ich wissen. “Ohne kann man hier gar nicht fahren,” klärte ED mich auf, „dann muss er halt wo anders lang fahren.” steigt auf sein Mopped und fährt den Berg hoch.

Ich bin den Berg mit 1,0 Bar und ohne Reifenhalter auch hoch zu Fahrer B.
“Ich wollte eigentlich erstmal versuchen, alleine wieder in Fahrt zu kommen.”
“Kann ich verstehen, aber das geht nicht, wenn ED hier lang will.”

Exkurs: Luftdruck

Wie oben bereits geschrieben, kann man mit weniger Druck im Reifen die Traktion erhöhen. Daraus zu schließen, dass immer und überall der wenigste Luftdruck der beste ist, stimmt natürlich nicht, sonst würden Profis immer und überall komplett ohne Luft im Reifen fahren. Luft im Reifen schützt z.B. die Felge vor Beschädigungen, deshalb wird auf steinigem Gelände mit mehr Luftdruck gefahren und in weichem Sand mit weniger. Einfach alle Luft aus dem Reifen lassen ist auch mit Reifenhaltern keine Lösung. Je nach Leistung des Moppeds wird ein Reifenhalter schon bei Luftdruck von 1,0 Bar und weniger empfohlen. Je mehr PS am Hinterrad zerren, desto leichter kann sich der Mantel verdrehen.

Zum Schluss

Sei kein ED. Und wenn Du ein ED bist: Hau ab und lass mich und alle anderen in Ruhe.

P.S.

Dass ED der Arsch so ähnlich klingt wie Ed March ist mir ganz am Ende des Artikels beim dritten Durchlesen aufgefallen. Das ist nicht beabsichtigt, gibt mir aber die Gelegenheit auf die Youtube Filme [englisch] von Ed March hinzuweisen, die sehr unterhaltsam sind. Ed March ist nicht ED der Arsch.

Die World Superbikes in der Krise #WSBK – Teil 2

Wolrd Superbike LogoDass die #WSBK in einer Krise steckt, habe ich in Teil 1 schon gezeigt. Hier schreibe ich aus meinem Lehnsessel heraus, welche Gründe ich sehe. Andere Meinungen gerne und laut als Kommentar schreiben. Andreas ausführlicher Kommentar zum ersten Teil hat in meinem Kopf Purzelbäume geschlagen. Wie immer, sollte man die Entwicklung nicht isoliert betrachten. Trotzdem konzentriere ich mich hier erstmal auf die WSBK und lasse die Probleme der klassischen Medien, was auch immer die Motorsportverbände machen und so weiter erstmal außen vor. Ich gucke hier auf das Produkt WSBK und lasse den Markt ein wenig außen vor. 

Zweite Liga

Die Superbike ist die zweite Liga der MotoGP. Bei Honda z.B. sieht es so aus: Wenn es in der MotoGP mal nicht so richtig läuft, dann werden Ingenieure vom Superbike-Projekt abgezogen und in die MotoGP gesteckt. Sagt jedenfalls Roland Berger im Interview mit Zonko [Video 25 min]. Ganz davon abgesehen, dass Honda gar kein richtiges Superbike-Werksteam hat.
Somit bekommt sie nicht die Aufmerksamkeit die Fahrer, Teams, Hersteller und Sponsoren gerne hätten. 

Sieger

Ein Problem, dass die WSBK gerade hat, zeigt sich in den Siegerlisten der letzten Jahre [Link führt zum Jahr 2015]. Dort findet man fast nur die Namen von Johnny Rea, Tom Sykes und Chaz Davies. Seit 2015 wurden nur fünf von 68 Rennen (Stand: 17.08.2017) von anderen Fahrern gewonnen. Das alle Drei unter dem Union-Jack auf dem Siegertreppchen stehen, macht es nicht leichter, die Serie weltweit zu vermarkten. Als im Gegenzug dazu letztes Jahr neun verschiedene Fahrer in der MotoGP gewonnen hatten, wurde darüber weit und breit berichtet.

Regeln

In der WSBK versucht man etwas zu ändern. Seit diesem Jahr soll eine geänderte Startaufstellung im Sonntagsrennen für mehr Spannung und Spektakel sorgen, bei der die ersten Drei des Samstagsrennens aus der dritten Startreihe starten. Das erhöht die Spannung praktisch gar nicht, denn diese drei Fahrer sind oft schon in der ersten Kurve wieder vorne und es gibt wieder die bekannten Gesichter auf Platz eins.

Technik

Der Grund, warum immer wieder die gleichen Fahrer gewinnen, sind zu großen Teilen die Moppeds, die sie fahren. Nur Kawasaki und Ducati sind mit echten Werksteams und jeweils zwei Fahrern vertreten. Kawasaki fährt nicht in der MotoGP und kann sich so auf die WSBK konzentrieren.
Bei einer Rennserie, die auf Serienmoppeds basiert, sollten Werksteams eigentlich kein so großer Vorteil sein. Die Moppeds der WSBK sind jedoch nicht ganz so seriennah. Ein Zitat von Davide Giugliano, nach seinem Test für Honda: “und probierten verschiedene Set-ups, neue Verkleidungen sowie unterschiedliche Elektronikeinstellungen.” (Motorport Total): 
Neue Verkleidungen? Das klingt mehr nach MotoGP als nach einer Rennklasse, die mit getunten Serienmoppeds unterwegs ist. Je mehr technische Freiheiten an den Moppeds erlaubt sind, desto größer die Vorteile von Werksteams mit großen Entwicklungsabteilungen. Andererseits erlauben es diese technische Freiheiten auch Moppeds, die auf der Straße besser funktionieren (Vergleichstests gewinnen) als auf der Rennstrecke (Siege einfahren) entsprechend umzubauen.

Erschwerend für alle Beteiligten kommt hinzu, dass die WSBK und die größeren nationalen Serien jeweils andere technische Regeln haben. Es ist also nicht so ohne weiteres möglich, mit dem IDM Mopped einen Lauf in der britischen BSB, der MotoAmerica oder All-Japan Road Race zu starten [englisch].

Kurz zusammengefasst: Es ist kompliziert

Die WSBK hat eine ganze Reihe von Baustellen. Da sie sich ein Dach mit der MotoGP teilt, hat sie immer direkte Konkurrenz, die von fast allen Beteiligten bevorzugt wird. Ich schließe daraus: Je ähnlicher beide Serien sind, desto schwieriger wird es für die WSBK zu überleben.
Früher, als die Superbikes groß wurden, wurden im Grand Prix Sport noch Zweitakter gefahren, die MotoGP hieß noch 500er wegen dem Hubraum. Auf der Straße und besonders am Stammtisch, waren damals die sportlichsten Zweitakter schon länger nicht mehr die schnellsten Moppeds, die hatten vier Takte und mehr Hubraum.
Jetzt fahren die einen wie die anderen mit 1.000 ccm Vierzylinder Viertaktern (Ducati demnächst auch), bei annähernd gleichen Rundenzeiten auf teilweise gleichen Rennstrecken. Dass die Superbikes in Assen z.B. nur 21 Runden fahren und die MotoGP 26 merkt keiner.
Da die MotoGPs erfolgreicher sind, müssen sich die Superbikes ändern.

Ideen

Ich bin kein Fachmann für Technik oder Regelkunde, aber warum nicht:

  • Mit ganz anderen Moppeds fahren, z.B. Naked Bikes, die sehen schon anders aus als MotoGPs
  • Mit einer Balance of Performance die für die Serie homologiserten Moppeds (im Prinzip egal ob Reiseenduro oder Supersportler) jedes Jahr auf gleiche Rundenzeiten bringen und die Entwicklung einfrieren.
  • Längere Rennen mit Boxenstopp und ohne Fahrerwechsel fahren.
  • Werksteams verbieten und nur Tuner erlauben.
  • Mit komplett serienmäßigen Moppeds auf Straßenreifen fahren.
  • Experimentelle technische Lösungen fördern, egal ob Elektromotor oder Achsschenkellenkung.
  • Die Serie auf vier Rennen verkürzen, an denen die jeweils 5 besten aus BSB, IDM. MotoAmerica und A-Japan Road Race den Weltmeister ausfahren.
  • Stadtrennen wie die Formel E, beim Zuschauer vor der Haustür fahren.

Reicht das?

Ob es reicht, um die Mediacenter wieder voller Journalisten zu bekommen, die in die mediale Breite berichten, ist da noch eine ganz andere Frage. Vielleicht ist diese Zeit auch einfach vorbei. Ich glaube, heutzutage braucht es noch viele klassische Medien-Outlets um große Teile der Nicht-Fans zu erreichen. Braucht es diese Breite überhaupt?

Vielleicht reicht es aus, das Produkt WSBK so zu lassen, wie es ist, aber die komplette Vermarkung und mediale Verbreitung aumzukrempeln.

Zuerst sollte man damit anfangen für sich zu definieren, wann eine Rennserie erfolgreich ist: volle Tribünen von Ort, möglichst viele Live-Minuten in Free-TV, unendlich viele verkaufte Video-Pässe, unzählige Hollywood-Schauspieler in der Hospitality oder die Anzahl der am Montag verkauften Moppeds? 

Es mag in der Zukunft ausreichen, die erfolgreichste Rennserie auf Facebook oder Youtube zu sein, bis dahin wird es aber noch dauern. Youtube ist voller Game of Thrones Fan-Videos, in denen die letzte Folge analysiert und spekuliert wird. Wenn ich in Zukunft ähnlich viele WSBK-Fan-Kanäle finde, dann weiß ich, dass die Krise überstanden ist.

 

 

Die World Superbikes in der Krise #WSBK

Wolrd Superbike LogoDie Superbike Weltmeisterschaft (#WSBK) ist in einer Krise. Mir ist das nicht aufgefallen. Ich denke, wenn eine Rennserie gleichzeitig auf zwei Free-TV-Kanälen (Eurosport und Servus) übertragen wird, kann es gar nicht so schlecht sein. 

 

Auf GPone.com werden die fast leeren Media-Center als Problem identifiziert. Und das leuchtet mir ein. Je mehr fachfremde Medien berichten, umso weiter ist die Krise weg. Leere Mediacenter sind also eine verdammt schwere Krise.
Die Lösung ist demnach: die Mediacenter und Medien voller Journalisten zu kriegen. Der Weg dorthin muss nur noch gefunden werden.

Mehr Spektakel

Die Lösung, die in zahllosen Artikeln von Profis lautet: “Mehr Spektakel”, womit meistens mehr Feindschaften unter den Fahrern auf persönlicher Ebene gemeint wurde.
Ich nehme a,n die Autoren dachten dabei an die großen Medienfeindschaften wie: Beatles gegen Stones. Fans der einen Band hassen die anderen. (ich schätze, die meisten Autoren kommen aus der Zeit). Oder moderner und aus dem Motorradsport: Marquez gegen Rossi. Als das richtig hochgekocht war, rechneten die Veranstalter der MotoGP Rennen mit Schlägereien zwischen den Fans der jeweiligen Fahrer.

Die Vermutung, die Massen und die Medien seien nicht an den Rennen interessiert sondern am Spektakel iteressiert, liegt sehr nahe. Wenn ich in die Berichte gucke, sehe ich Promis in der Startaufstellung, Grid Girls und eine Sammlung an möglichst spektakulären Stürzen aus vielen verschiedenen Kameraperspektiven. Alles davon interessiert mich nicht.
Da fällt mir ein, dass die Bild, als eines der wenigen Nicht-Motorrad-Medien, jedes Jahr über die Isle of Man TT berichtet, mit Schlagzeilen wie:
Wieder Tote – verbietet diesen Wahnsinn! 

Was mir gefällt

Mir gefallen Szenen besser, in denen sich alle Fahrer nach dem Rennen miteinander über ein tolles Rennen freuen.

Oder um wieder zur #WSBK zurückzukommen: Wenn Johnny Rea seine Auslaufrunde unterbricht um sich zu erkundigen, wie es Chaz Davies geht.
In der in der letzten Runde des ersten Laufs in Misano 2017 kämpften Johnny und Chaz um den Sieg, zwischen beiden lagen nur wenige kurze Meter, 0,1 Sekunden. Chaz liegt vorne und stürzt, JR kann nicht ausweichen und kommt ebenfalls zu Fall. Der Sieg ist Futsch. JR kann wieder aufsteigen und ins Ziel fahren. Chaz nicht, er wird an der Strecke von den Sanis behandelt. Als JR an die Stelle des Sturzes kommt sieht er, dass Chaz’ Mopped noch da ist und direkt daneben steht der Krankenwagen. Er fährt direkt dorthin um sich bei Chaz zu erkundigen, wie es ihm geht. Beide Fahrer sind keine Freunde abseits der Strecke, sondern eher das Gegenteil, sagt man.

Ich verstehe natürlich, dass sowas nicht gegen ein Promi-Minirock-Sturz-Potpourri ankommen kann, die mir nicht gefallen.

Formel 1

Ich werfe mal einen Seitenblick zu den Autos. Die Formel 1 fand mal unter Ausschluss der Medien in Deutschland statt. Dann hat RTL die Rennen ins TV geholt, und nichts hat sich geändert.
Erst als Michael Schumacher am laufenden Meter Rennen und Weltmeisterschaften gewann, wurde auch auf anderen Sendern und in Zeitungen und Zeitschriften über Schumacher berichtet. Die Formel 1 wurde nur im Nebensatz thematisiert, kroch über die Zeit aber so weit ins Medienbewusstsein, dass die Rennergebnisse heute sogar in den Radionachrichten kommen.
Auf einmal hatten auch andere deutsche Fahrer die Möglichkeit in der Formel 1 mitzufahren. In den Jahrzehnten vor Schumacher saßen deutsche Fahrer nur sehr sehr selten in einem erfolgversprechenden Cockpit. Der Grund für die Änderung war, dass deutsche Fahrer jetzt Sponsorengelder mitbringen konnten. Und das konnten sie, weil auch jenseits der Auto- Motorsportpresse über die F1 berichtet wurde, sie war ein medienübergreifendes Thema.

Fazit

Mehr Spektakel das für Überschriften der Bild sorgt, will ich nicht. Was mir gefällt, wollen die anderen nicht. Und selbst wenn ein deutscher Serienweltmeister in der #WSBK in Deutschland wahrgenommen würde (was ich sehr bezweifel), wäre das nur ein lokales Phänomen, das die weltweite Krise nicht lösen würde.

Die Suche nach einer Lösung muss also weiter gehen. Vielleicht fällt mir zu diesem Thema noch ein zweiter Teil ein. Eure Ideen könnt Ihr gerne als Kommentar hinterlassen.

Speedway – wilder Motorsport

Auf Youtube werden dieses Jahr die Rennen der Speedway Weltmeisterschaft (#SpeedwayGP) übertragen. Der Livestream hat einen englischen Kommentar.
Letzten Samstag gab es zwischendurch (als ich mal kein Vollbild an hatte) habe ich geguckt: 5.808 Zuschauer. Das ist natürlich wenig, andererseits hat der Kanal FIM Speedway Grand Prix auch nur 10.000 Abonnenten. Das ist für die gebotene Show eindeutig zu wenig, also möchte ich hier jeden auffordern, den Kanal zu abonnieren und sich einmal 23 Rennen anzusehen.

Warum 23 Rennen?

Ein GP besteht aus 23 Rennen, die alle an einem Abend gefahren werden. In den ersten 20 Rennen fährt jeder der 16 Fahrer gegen jeden. Rennen 21 und 22 sind die halben und das 23. Rennen ist das ganze Finale. Der Sieger des Finales ist der Sieger des GP, muss jedoch nicht der Fahrer sein, der die meisten WM Punkte bekommt.

Die Punkte Wertung

Für jeden Lauf gibt es Punkte, drei für den Sieger, zwei für den Zweiten, der Dritte bekommt einen Punkt und der Vierte und Letzte: Null. Die acht Fahrer, die in den 20 Vorläufen die meisten Punkte erzielt haben sind für das Halbfinale qualifiziert. Die zwei Schnellsten von diesen Läufen fahren im Finale gegeneinander. In den Halbfinale und im Finale gibt es ebenfalls 3,2,1 und 0 Punkte.
Wer am Ende der Saison die meisten Punkte gesammelt hat ist Weltmeister.

Die einzelnen Läufe

Es fahren jeweils vier Fahrer vier Runden (in der #SGP zwischen 272 m und 387,7 m lang) gegen den Uhrzeigersinn, nach ca. 60 Sekunden ist der Lauf entschieden. Die Rennen sind, bei der Kürze wenig verwunderlich, meistens sehr eng, besonders in der ersten Kurve geht es immer zur Sache. Die Moppeds werden in wilden Driftwinkeln durch die Kurven geprügelt, wobei gute Strecken den Fahrern sehr unterschiedliche Linien ermöglichen.
Nehmt Euch zwei Minuten Zeit und guckt Euch das Video vom 2017er Finale in Malilla, Schweden an:

Die Moppeds

Luftgekühlte 500ccm Einzylinder im Starrahmen verbrennen Methanol und werden von Rizinusöl geschmiert. Die Moppeds haben aus Sicherheitsgründen keine Bremsen (ein Satz, der viel zu gut ist, um ihn nicht zu schreiben) und nur einen Gang. Einen Schönheitspreis werden diese Maschinen bei mir nicht gewinnen, aber dafür gibt es ja Falttrack.

In Deutschland

Am 9. September 2017 findet der Deutsche GP in 17166 Teterow statt. Freunde des Vor-Ort-Guckens können ab 15 Euro dabei sein. Kai Huckenbeck wird als Wildcard-Fahrer gegen die Weltelite antreten, die beiden Reserve-Fahrer sind Tobias Kroner und Mathias Bartz. Möglicherweise wird auch Martin Smolinski am Kabel ziehen, wenn er einen der verletzten Dauerstarter vertritt, so wie letzten Samstag. Dass wären dann vier deutsche Fahrer, dass sind drei mehr als in der MotoGP.
Ich werde mir das Rennen im Stream ansehen.

Viel mehr

Es gibt natürlich nicht nur die Speedway GPs sondern noch viel mehr verwandte Veranstaltungen, Wettbewerbe und Disziplinen: Langbahn, Nationale Ligen, Best of Pairs, Eisspeedway, Flattrack, Grasbahn und und und.

Die Offizielle Website bietet unter anderem eine gute Regelübersicht (die Sprungmarke führt Euch ins untere Drittel, also vergesst nicht, auch nach oben zu scrollen). 

 

Marc Marquez – keine überragende Taktik in Brno #MotoGP

Ich gucke gerade MotoGP und sehe im Vorbericht eine Zusammenfassung des Laufs in Brno. Das Rennen wurde von allen Fahrern mit Regenreifen gestartet. Die Strecke trocknete ab und daher wechselten alle auf Slicks, Marquez (#MM93) als erster, mindestens eine Runde vor den anderen und am Ende gewann er das Rennen mit deutlichem Vorsprung. Weil Marquez gewonnen hat, sprechen jetzt alle Journalisten (auch diejenigen, die das ganze Rennen gesehen haben) von einer taktischen Glanzleistung. Ich nicht.

Mehr Glück als Plan

Marquez startete das Rennen mit den weichen Regenreifen, die anderen Top-Piloten wählten die harte Version. Marquez Reifenwahl war falsch, denn sein Reifen baute schnell ab und er verlor Positionen, er wurde nach hinten durchgereicht. Wäre er eine weitere Runde auf den falschen Reifen gefahren, hätte er viel Zeit auf die Spitze verloren, also musste er an die Box und auf Slicks wechseln. Er hatte keine Wahl.
Ich behaupte: hätte er sich am Start für den richtigen Reifen entschieden, hätte er später gewechselt.

Eine taktische Meisterleistung

Jonas Folger (#JF94) ist in der gleichen Runde wie #MM93 zum Wechsel gefahren. Im Gegensatz zum Weltmeister hatte der Rookie jedoch den richtigen Regenreifen aufgezogen, seine Rundenzeiten bauten nicht ab, er musste nicht wechseln – er wollte. So gesehen ist es doppelt schade, dass sein Team noch nicht fertig war, und Jonas unverrichteter Dinge durch die Boxengasse fahren musste.

Hätte, hätte Tech3 Sieg

Oscar - Quelle PinterestStellt Euch vor, Jonas’ Tech3 Team hätte das Mopped fertig gehabt, dann wären Jonas und Marc direkt hintereinander mit Slicks auf die Strecke gekommen.
Und stellt Euch jetzt noch vor, Marc hätte am Start die richtigen Reifen aufgezogen, dann wäre er frühestens eine Runde nach Jonas an die Box gekommen, als Jonas schon ganz weit weg gewesen wäre.