Einige Malle Moto Fahrer auf der #Dakar 2017

Die #Dakar mit dem dem Mopped zu fahren ist eine große Herausforderung. Normalerweise fahren die Fahrer jeden Tag um 5 Uhr los. Vorher muss noch gefrühstückt, alles zusammengepackt, das Zelt abgebaut sowie noch das ein bisschen Vorbereitung (Trinkwasser auffüllen, Roadbook einfädeln etc.) getroffen werden. Das alles klingt nach aufstehen um 4 Uhr oder früher. Dann werden durchschnittlich 700 km gefahren bevor das nächste Biwak erreicht wird. Dort muss dann das Mopped gewartet werden (Ölwechsel, Kettenpflege, Luftfilter auswaschen, Reifen wechseln, Bremsflüssigkeit wechseln, Belege checken, Pipapo), das Roadbook für den nächsten Tag bearbeitet und das Zelt aufgebaut werden und zu essen gibt es dort auch noch und eine Fahrerbesprechung mit Änderungen fürs Roadbook. Fahrer mit einem Service-Team müssen das nicht alles selbst machen, meistens müssen sie sich nicht mal anstellen, um das Essen zu holen. In der Malle Moto Klasse müssen sie alles selber machen. Es gibt keine offizielle Aufstellung der Malle Moto Fahrer.
Einige, von den  ich weiß, dass sie Malle Moto fahren, möchte ich hier vorstellen.

 

Lyndon Poskitt (KTM Rally #100)

fährt mit einer KTM 690 Rally rund um die Welt und nimmt dabei an verschiedenen Rennen Teil, in Griechenland, der Mongolei, Japan, Mexiko und jetzt eben an der Dakar. Für die Dakar tauscht er die 690er gegen eine 450er KTM, denn mehr Kubik erlauben die Regeln nicht. Und weil einfach nur die Rally fahren nicht reicht, fährt Lyndon in der Malle Moto Klasse. Und er filmt das alles. Es soll ein tägliches Update Video geben und am Ende des Rennen einen maximal 52 Minuten langen Film über seine Teilnahme. Einen längeren oder mehrteiligen Film erlaubt die ASO als Veranstalter nicht.
Ach so, ich muss das obige ein bisschen korrigieren, Lyndon will nicht nur mitfahren, sondern die Malle Moto Klasse gewinnen, während er filmt. Lyndon und sein Filmprojekt können über Patreon unterstützt werden oder über den Kauf von Merchandizing-Produkten. Bei Facebook ist er auch und er beantwortet dort auch gerne Fragen. Ob er während des Rennens dafür Zeit hat
 möchte ich jedoch bezweifeln.
#GoLyndon

 

Manuel Lucchese (Yamaha #54)

ist berühmt dafür, dass er mit minimalem Budget (englisch: Shoestring Budget) an der Dakar teilnimmt, daher der Spitzname Shoestring. Er spart, wo er nur kann, um sich eine Teilnahme leisten zu können, seine vierte insgesamt. Statt teuer und direkt zu fliegen geht seine Anreise über mehrere Tage und Kontinente nach Buenos Aires und von da hofft er einen Bustransfair für die letzten 1.300 km zu bekommen. Sein Mopped ist Baujahr 2013 und wurde in Opas Küche zusammengebaut. Die Malle Moto ist billiger, weil hier natürlich kein Service-Team bezahlt werden muss.
Von und über Manny gibt es viele unglaubliche Geschichten. Wie er in den Dünen übernachten musste, wie er so lange auf der Felge fuhr, bis er ein gestrandetes Mopped gefunden hatte, bei dem er sich das Hinterrad “leihen” konnte und und und. Dieses Jahr hat er seine Vorbereitungen auf YouTube [englisch] eingestellt. Möglicherweise will Manny von unterwegs live bloggen, jedenfalls bewirbt er im Forum für seine Seite
www.gomanuel.com mit den Worten “My life blog :)”. Manuel ist auch auf Facebook und Twitter wo er italienisch und englisch fröhlisch mischt.
#GoManny

 

Franco Pirro (Yamaha, #61)

ist 61 Jahre alt und fährt seine 25. Dakar mit unterschiedlichen Fahrzeugen, dieses mal mit dem Mopped und wenn schon, denn schon, dann Malle Moto. Auf Twitter und Facebook ist er italienisch unterwegs. Nächstes Jahr startet er vermutlich mit der 62.
#GoFranco

 

Jurgen van den Goorbergh (KTM, #39)

ist ganz früher mal MotoGP gefahren, als das noch 500er hieß. Letztes Jahr hat er die Malle Moto gewonnen, er weiß also, was er tut. Interessant ist, dass er im letzten Jahr die KTM Rally fuhr und dieses Jahr mit einer umgebauten EXC, also einer Enduro antritt. Jurgen ist auf Twitter und Facebook vornehmlich auf flämisch unterwegs.
#GoJurgen

 

Hier eine Liste aller Fahrer, die vermutlich Malle Moto fahren. Falls dort etwas falsch ist, kann das Google Doc geändert werden.

P.S.
Autos fahren zwar auch bei der Dakar mit, ob es da so etwas wie eine Malle Moto gibt, weiß ich nicht, interessiert mich auch nicht, die Auto-Dakar ist mir egal.

 

Motorsport und die Fans – Griesi meint mal was

Zwischen dem Ende der einen Saison und bevor es wieder losgeht, ist die Dumme-Gurken-Zeit, angefüllt mit Rückblicken, als Ausblick getarnten Spekulationen und Kommentar-Bullshit.  Meistens amüsiere ich mich wenigstens ein bisschen darüber, besonders wenn Äpfel mit Bratwürsten verglichen und daraus dann unausgegorene Schlüsse gezogen werden.

Kommentrara

Zum Beispiel (natürlich ohne Link, ich will den Unfug nicht noch unterstützen): Die Zuschauerzahlen der Formel 1 sind rückläufig, bei der MotoGP wachsen sie, also muss die Formel 1 mehr wie die MotoGP werden (also vermutlich zwei Räder in der Box lassen) und alles ist wieder gut.
So ein Kommentar kommt natürlich aus der Formel 1 Ecke des Netzes, Unsinn auf allen Ebenen.

Zur Ausgangslage: Sind die F1-Zuschauerzahlen wirklich rückläufig? An der Strecke oder im TV? Nur in einem Land, in ganz Europa, weltweit, als Summe über das Jahr? Haben dieses Jahr wirklich mehr Menschen MotoGP geguckt als letztes? Weiß der Kommentierende wahrscheinlich selber nicht. Falls er es weiß, vergisst er es zu belegen. Und was genau, soll die F1 ändern? Da picken sich die Kommentatoren meistens genau den einen Punkt heraus, den sie selbst verstanden haben. Den Vorschlag mit den zwei Rädern habe ich noch nicht gelesen, das war Polemik meinerseits. Die Argumentationskette ist meistens, dass die gewünschte Änderung dazu führt, dass die Zuschauer mehr von dem zu sehen bekommen, was ihnen gefällt und so die Einschalt/-Besucherzahlen steigen.

Der Zuschau-auhaha

Andererseits, was weiß ich schon von dem was “die Zuschauer” sehen wollen. Ist der Zuschauer wirklich damit überfordert, wenn die Superbike-Startaufstellung am Sonntag anders ermittelt wird, als am die am Samstag, wie immer wieder zu lesen ist? Interessiert es den Zuschauer überhaupt? Oder ist es unsportlich, wenn eine Regel durch eine andere ersetzt wird? Will der Zuschauer überhaupt das Rennen sehen oder nur, wie sein Lieblingsfahrer gewinnt? Oder interessieren ihn nur die Unfälle?
Mich interessieren die Unfälle gar nicht, aber da scheine ich in der Minderheit zu sein, wenn ich mir die Rennzusammenfassungen im TV und auf Youtube so ansehe, ganz egal wer sie erstellt hat, Sender, Sponsor, Veranstalter oder sonstwer.

Damals an der Rennstrecke

Ich muss da immer an das Indy-Champ-Cart Rennen auf dem Lausitzring denken. Ich war damals vor Ort, an der Gegengeraden, ein mit Wiese bewachsener Erdwall ohne Sitzplätze. Es wurde das Tri-Oval befahren. Ich konnte ganz vorne am Zaun stehen, wenige Meter von der Strecke entfernt, der Luftzug der Autos war spürbar, das Methanol zu riechen. Das Beste war aber, dass die ganze Strecke zu sehen war. Überholmanöver wurden über Runden vorbereitet und während der ganzen Zeit, konnte man die Autos im Blick behalten.
Ovalrennen sind vor Ort sehr spannend, viel besser als alle Rundstrecken, an denen ich bisher war, finde ich. Im TV mag ich die anderen Kurse lieber.
Aber auch hier scheint es den meisten anders zu gehen, denn ich war so ziemlich der einzige, der am Zaun stand und Rennen guckte. Weiter oben saßen Leute auf Ihren mitgebrachten Klappstühlen und stapelten leergetrunkene Bierbecher ineinander. War mir nur recht, konnte ich das Rennen ungestört gucken.

13 Runden vor Schluss passiert dann, fast vor meiner Nase, der Unfall, der Alex Zanardi beide Beine kostete. Noch bevor sein Auto zum Stillstand kam stand ich nicht mehr in der ersten Reihe, der ganze Zaun hing voller Leute. Es wurde wild diskutiert, ob das alles Blut oder Öl oder beides war. Das Rennen wurde unter Gelb zu Ende gefahren. Ich bin zurück zum Parkplatz und habe Zanardi die Daumen gedrückt, die Zaungäste haben das Blut wohl noch beim Trocknen angefeuert.

Um es kurz zu machen, mir ist es egal, was diese Kreaturen, die am Zaun hingen sehen wollen oder nicht. Ich will auch keine Unfälle sehen, wenn alle unverletzt geblieben sind, mir ist egal was die anderen wollen. Ich fände es gut, wenn auf die ganzen Unfall-Zeitlupen und Wiederholungen aus allen Perspektiven verzichtet würde, in der Live-Übertragung und in später auch. Die Gaffer werden es sich später auf YouTube selber basteln.

Highlights im Fahrerfeld der #Dakar 2017

Nachdem ich die Hintergründe der #Dakar ein wenig beleuchtet habe, möchte ich mich jetzt, wie angekündigt, mit dem Fahrerfeld beschäftigen. Wie immer ist die Website zum Rennen nur dürftig mit Informationen bestückt, es muss also überall gesucht werden.

Laut offizieller Pressemeldung sind 146 Fahrer gemeldet, auf der Website sind 145 zu finden, so wurde Anastasiya Nifontova (#59) wegen Doping gesperrt (es gab dazu eine Pressemeldung), steht aber auf der Startliste und Ferran Jubany (#110) soll sich im Training verletzt haben und nicht starten, wird jedoch ebenfalls noch geführt.

Wahrscheinlich sehen wir erst am 2. Januar, wer wirklich startet.

Bei der Dakar kann immer viel passieren (mir fällt keine Rennen ein, bei dem der Satz: To finnish first, first you have to finish, mehr Gültigkeit besitzt) und wie stark die Auswirkungen der neuen Navigationsregeln sind, kann ich nicht einschätzen. 

Werksteams

Ganz vorne werden die Werksteams mit ihren Vollprofis fahren, ich erwarte einfach, dass die alle gleich gut vorbereitet sind. Alles andere als ein KTM (inklusive Husky)-Sieg wäre eine Überraschung. Falls es doch ein anderer wird, dann hat Honda die größten Chancen. Yamaha wird ebenfalls für Etappensiege gut sein, die anderen Werke (Sherco TVS, Hero Speedbrain, Zongshen) wohl nicht. Kawasaki und Beta sind zwar dabei aber nicht werksseitig vertreten, hier ist die Ankunft im Zielort Buenos Aires schon ein Erfolg (das klingt gönnerhaft, ich rechne jedoch mit über 50% Ausfallrate, ins Ziel kommen ist wirklich ein Erfolg). Eventuell werde ich in einem späteren Beitrag noch auf die einzelnen Moppeds eingehen.

Sieger

Dementsprechend sieht auch meine Auswahl der Favoriten aus. Toby Price (KTM, #1) hat 2016 gewonnen und ist somit auch für diese Dakar ein Top-Favorit. Toby hatte sich 2013 das Genick gebrochen ist 2015 auf seiner ersten Dakar gleich Dritter geworden. Unglaublich.
Pablo Quintanilla (Husky, #3) wurde letztes Jahr Dritter und Stefan Svitko (KTM, #2) als Privatfahrer Zweiter geworden und tritt auch dieses Jahr wieder als Privatier an. Ein Podium ist drin, wenn die ganz schnellen Jungs wieder ihre Moppeds schrotten auch der Sieg.

Auf dem Podium

Honda schickt mit Barreda Bort (#11) einen der Schnellsten ins Rennen, dem jedoch der Ruf vorauseilt, dass er schneller fährt als sein Mopped und/oder sein Hirn. 13 Etappen hat er in den letzten sechs Jahren bereits gewonnen, in der Gesamtwertung jedoch höchstens auf Platz sieben geschafft.
Ich drücke Speedy Gonk (#17) ganz feste die Daumen, der in den letzten Jahren regelmäßig von der Technik seines Moppeds in aussichtsreicher Position im Stich gelassen wurde. Ich befürchte jedoch, dass ihm das letzte Quäntchen Geschwindigkeit für den Gesamtsieg fehlt. Kevin Benevides (#4) ist bei seiner ersten Dakar 2016 Vierter (und damit beste Honda) geworden, da ist Luft nach oben.

Helder Rodriguez (Yamaha #5) ist ein weitere Anwärter auf das Podium. Es ist seine elfte Dakar, er hat alle beendet (unfassbare Leistung) und nur einmal nicht als einer der ersten Zehn, da wurde er Zwölfter. Acht Etappensiege deuten seine Geschwindigkeit an. Falls er den Gesamtsieg holt, werde ich das mit drei Flaschen Portwein feiern oder einem Portugal-Urlaub. (Ich habe da schon eine Idee, Herr Troelf). Sein Teamkollege Adrian van Beveren (#6) fährt seine zweite Dakar und ist ebenfalls ein Podiumskandidat, auch wenn er sich selbst nur in den Top 5 sieht. 

Hias Walkner (KTM #16) muss nach einer sehr langen Verletzungspause einen Trainingsrückstand kompensieren. Etappensiege und ein Platz auf dem Podium am Ende sind auf jeden Fall drin.

Weiter hinten ist immer noch vorne

Die Damenwertung (es sind maximal drei Mädels am Start, siehe oben) kann Laia Sanz (KTM #19) nur verlieren. Sie hat bereits 2015 Platz Neun erreicht und auch dieses Jahr Potential für die Top Ten. Je langsamer, oder besser technisch anspruchsvoller, die Strecke, desto weiter ist sie vorne zu finden. Falls sie ins Ziel kommt wird sie wieder schnellster Trial-Fahrer des Jahres. Vielleicht gibt es dieses Jahr wenigstens ein Foto, auf dem sie nicht lächelt, als sei die Dakar eine vergnügte Spazierfahrt.
Es ist ein hochklassiges Feld, das dieses Jahr an den Start geht. Ich habe hier schon neun Podiumskandidaten genannt (acht, wenn ich davon ausgehe, dass Barreda Bort wieder sein Mopped kaputt fährt) und das sind bei weitem nicht alle Fahrer, die zumindest bei einzelnen Etappen vorne auftauchen werden. Bei der Dakar ist es so, dass der Etappensieger am nächsten Tag als erster starten muss. Er hat also keine Spuren an denen er sich orientieren kann, die Navigation ist deutlich schwerer.

Und sonst so?

Ein Vorteil der Werksteams ist der Einsatz von schnellen Wasserträgern. Wenn der designierte Siegfahrer mit einem technischen Problem stehen bleibt, wird der Wasserträger Teile von seinem Mopped zur Verfügung stellen oder das andere Mopped abschleppen [Video]. Um schnell helfen zu können, muss der Wasserträger weit vorne sein, aber auf der Strecke natürlich hinter dem anderen. Und wenn man schon mal da vorne ist, dann kann man auch mal gewinnen, besonders wenn der Siegfahrer endgültig ausgefallen ist.

Das Gros des Feldes sind jedoch Amateure, die nur das Ziel haben, alle Etappen zu beenden und in Buenos Aires die Finisher-Medaille in Empfang zu nehmen. Einige von Ihnen werden es sehr schwer haben und jeden Tag viele Stunden länger unterwegs sein als die Sieger. Sie werden auf der Strecke von den schnellen Autos, die einige Stunden später starten und auch von den schnellsten LKW, die noch später starten, überholt werden, denn:

P.S.
Autos fahren auch mit.

Die Rally #Dakar 2017 – Ein bisschen Hintergrund

Wer mich kennt oder irgendwo (g+) im Sozialen Netz (Twitter) verfolgt, der weiß, dass ich ein großer Fan der Dakar bin. Das war nicht immer so.

Zu der Zeit, als ich die Dakar nur aus den Reportagen von Mopped-Zeitschriften (die meistens erst Monate nach Ende des Rennens erschienen) kannte oder später dann, als Eurosport nachts eine halbe Stunde Tageszusammenfassung (nachdem Snooker eine Stunde überzogen hatte) zeigte, war ich kein großer Fan. Ich musste mich erst eingehender mit dem Rennen beschäftigen um die Faszination zu verstehen.

Navigation

Die Dakar ist eine Rally ohne E. Das bedeutet, dass die Fahrer die Strecke nicht kennen und mit Hilfe des Roadbooks selbst finden müssen. Dieses Jahr sind die Navigationsregeln verschärft worden, es wird geheime, nicht markierte Checkpunkte geben.
Das GPS, das der Veranstalter stellt, zeigt die meiste Zeit nur die gefahrene Himmelsrichtung und Geschwindigkeit an, nur in der Nähe der Weg- und Checkpunkte [englisch] gibt es zusätzlich einen Richtungspfeil, der anzeigt, wohin genau gefahren werden muss, um den Punkt zu treffen.
Verpasste Wegpunkte geben Strafzeiten.
Zusätzliche GPS Geräte (also auch Smartphones mit GPS), sind verboten.
Ob und wie sich das auf die Spitze auswirkt, werden wir sehen.
Am Ende gewinnt der schnellste Navigator, denn wer schneller fährt als er navigiert, findet den Weg nicht.

Kondition

Die Dakar dauert 13 Tage (inklusive Ruhetag) und geht über mehr als 8.800 km [englisch], durchschnittlich sind das ca. 680 km pro Tag.
Um sich das ein bisschen besser vorzustellen sollte man nicht an 680 Autobahnkilometer, sondern an Land- und Kreisstraßen denken. Wenn Ihr z.B. in Frankfurt/ Main startet, liegt Euer Ziel fast immer außerhalb Deutschlands (Google Maps findet einen 706 km langen Weg ohne Autobahn nach Flensburg). Und wenn Euch jetzt schon der Hintern wehtut, wenn Ihr Euch dass ein paar Tage am Stück vorstellt, dann denkt Euch die Wege in nicht asphaltiert. Manchmal geht es auch einfach durch trockene Flussbetten oder querfeldein oder über Dünen. Und in der ersten Woche wird dabei in Höhen über 3.500 Metern gefahren, mit entsprechend verringertem Sauerstoffanteil. So eine Etappe dauert entsprechend viele Stunden und enden in einer kurzen lauten Nacht. Wer 18 Stunden fährt (das ist ein Schnitt von 38 km/h bei 680 km off-road inklusive essen, trinken, navigieren und tanken) hat nur noch 6 Stunden für: Essen, Roadbook vorbereiten, Mopped vorbereiten, Zelt einrichten, Zelt wieder leeren und schlafen. Wer schneller fährt kann länger schlafen.
Der schnelle Navigator muss eine Top-Kondition haben und sollte auch ziemlich gut fahren können, sonst kann er nicht gewinnen oder wenigstens in Ziel kommen.

Malle Moto

Und dann gibt es da noch die ganz Verrückten. Die machen das ganze ohne Service Crew, die machen jeden Abend im Biwak noch Ihre täglichen Wartungsarbeiten [englisch] und Reparaturen selbst. Das ist die Malle-Moto-Klasse, da bleibt noch weniger Zeit um zu schlafen.
Die Malle-Motos werden nicht um den Gesamtsieg fahren und finden daher meistens in den Medien auch nicht statt.

Medien

Eigentlich findet die ganze Dakar bei uns nicht in den Massenmedien statt. Letztes Jahr war es anderswo so: In Frankreich gab es täglich mehrere Sendungen auf verschiedenen TV-Sendern, RTL 7 aus den Niederlanden hatte Tom und Tim Coronel als rasenden Reporter (nie was es passender als hier) im Teilnehmerfeld, und als die Rally in Bolivien war, wurde dort den ganzen Tag über live berichtet. Die spanisch sprechende Welt wurde insgesamt sehr umfassend versorgt.
Wir bekommen Snooker und eine kurze Zusammenfassung, die der Veranstalter der Dakar den TV Sendern zur Verfügung stellt mit deutschem Voice over.

Deutschsprachiges

Da wundert es wenig, dass die Anzahl der deutschen Teilnehmer gegen Null tendiert, ohne Medien findet man schwer einen Sponsor, der die horrenden Kosten [Video, englisch] mit übernimmt. Es gibt jedoch deutsche Spezialisten im Biwak wie zum Beispiel Speedbrain, die das Mopped von Hero bauen und Team Kaiser die Service für Janos Desi (#141)  machen.
Hierzulande ist es, wie immer beim Moppedsport: er findet nur im Geheimen statt. Seltsam dabei ist, dass KTM die Dakar seit gefühlten Ewigkeiten gewinnt. Für diejenigen, die es nicht wissen, KTM kommt aus Österreich und dort spricht man deutsch. Und trotzdem ist deutschsprachiges zur Dakar Mangelware.

Im Netz

Für mich ist die Nationalität von Fahrer und Team unwichtig, ich werde während des Rennens möglichst viel Zeit vor dem Rechner verbringen und das inoffizielle Livetiming  verfolgen, mich im Live-Forum (der Live Threat ist noch nicht online, hört dann aber auf den Namen F5irehose, ich werde den Link später per Twitter und Co. teilen) auf dem Laufenden halten, die dort geteilten Links ansehen, mitfiebern und anfeuern.
Wen und warum? Das ist Stoff für einen weiteren Blogbeitrag, aber neben den Malle-Motos gehört mein Herz den Underdogs und Amateuren, jeden Tag viele Stunden nach dem Sieger in Etappenziel kommen.

P.S.
Autos fahren auch mit.

Die neuen Regeln der #WSBK

Bevor ich auf die aktuellen Regeländerungen eingehe muss ich erstmal fragen: Warum habe ich bisher dazu noch nichts auf deutsch gelesen? Ich hoffe es liegt daran, dass mein Feedreader langsam ist oder, dass dort noch der eine oder andere deutschsprachige Feed fehlt. Wenn Ihr was irgendwo gelesen habt, schreibt bitte einen Link in die Kommentare.

Technikregeln

Und jetzt ein Geständnis: Ich kennen die technischen Regularien nur sehr vage. Ich weiß aber, dass die Moppeds in der 300er Klasse, bei den Supersports und Superbikes auf Straßenmoppeds basieren und nur in bestimmten Maßen angepasst werden dürfen. Eine Änderung ist, dass die benötigten Stückzahlen der Serienmoppeds heruntersetzt wurden, so dass wir wieder Homologations-Specials kriegen. Auf den Messen gab es bei Kawa, Honda und Suzuki und bestimmt auch bei den anderen SP, RRRRRRRRR, Factory oder anderes genannte Varianten der Supersportler zu sehen, die sich nur in Details von der Basisversion unterschieben, etwa in Ventilwinkeln, Brennraumformen und so weiter.

Hier verlässt mich jetzt die Regelkenntnis, ich weiß nicht, was alles am Motor, Getriebe, Rahmen, Bremsen und Elektronik geändert werden darf. In diesem Bereich können die Regeln natürlich einen riesigen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der Moppeds aber nehmen. Prominentestes Beispiel für diese Regeln ist das Hubraumlimit dass für Zweizylinder bei 1.200ccm liegt und bei 1.000 Kubik für die Vierlinge.

Ziel technischer Regeln soll immer sein, dass alle Moppeds möglichst auf dem gleichen Leistungsniveau sind, damit die Rennen eng und spannend sind. Ob es gut ist, dass für alle Vierzylinder die gleichen Regeln gelten oder ob es sinniger wäre, für jedes Basismodell einen eigenen Regelsatz zu haben (wie bei den Autos), wird die Zukunft zeigen, denn der modellspezifische Ansatz wird in der 300er Klasse angewendet. Dort gibt es für jedes eingeschriebene Modell ein eigenes Mindestgewicht und ein eigenes Drehzahllimit. Da liegt Konfliktpotential, denn jeder der nicht gewinnt, wird sich von den Regeln benachteiligt fühlen und Nachbesserung fordern und Sieger werden auf weiter hinten plazierte Fahrer mit dem gleichen Mopped verweisen und sagen, es liege nicht am Basisfahrzeug. Im Regelwerk sind Anpassungen an Drehzahllimit und Mindestgewicht vorgesehen.

Abseits der Technik gibt es folgende Änderungen

Bei den Supersports wird es in Zukunft keine Rennunterbrechung bei Wetteränderungen geben, stattdessen dürfen dort jetzt während des Rennens die Trocken- gegen die Regenreifen getauscht werden. Ohne Unterbrechung kann das Superbike Rennen dann pünktlich anfangen und wird rechtzeitig vor dem Start des Formel 1 Rennens beendet, so dass die Zuschauer (oder Sender) umschalten können. Das nennt sich dann Flag-to-Flag, wie bei der MotoGP (aber mit nur einem Mopped).

Bei den Superbikes wird im zweiten Rennen die Startaufstellung nach einem neuen Verfahren bestimmt, das kompliziert zu erklären ist. Für das Samstagsrennen wird die Aufstellung wie bisher auch ermittelt.

Das Ergebnis des Samstags bestimmt dann über die drei vordersten Startreihen. Wer im Rennen Vierter wird, bekommt die Pole am Samstag, plötzlich bekommt der vierte Platz also nicht nur die Holz-Medaille.

Das Grid am Sonntag sieht dann folgendermaßen aus:

  • Erste Reihe: 4. – 5. – 6. des Samstagsrennens.
  • Zweite Reihe: 7. – 8. – 9.
  • Dritte Reihe: 3. – 2. – Sieger vom Samstag
  • ab der vierten Reihe werden dann wieder die Qualifying-Zeiten herangezogen.

Auf dem zehnten Startplatz steht der Fahrer mit der schnellsten Zeit, der im Rennen nicht in den Top-9 war. Ein Beispiel: Ist der Pole-Mann am Samstag nicht ins Ziel gekommen, steht er hier. Wurde er im Rennen 15. steht er auch hier.

Klingt komplizierter als es ist. Ich hoffe, ich habe es verständlich erklärt. Alternative Erklärungsversuche sind in den Kommentaren gerne gesehen.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie ich das finde. Im Autobereich wird und wurde schon öfter mit Reverse-Grids gespielt, damit auf der Strecke mehr Überholmanöver stattfinden. Aber das sind Autorennen, bei den Moppeds wird viel öfter überholt.

Andererseits kann ein Fahrer, der das Qualifying versaut hat, sich über ein gutes Rennen am Samstag einen guten Startplatz am Sonntag sichern.

Wenn 2017 ähnlich läuft wie 2016, dann werden am Sonntag Rea, Davies und Sykes einen Stammplatz in der dritten Reihe haben und die WM eventuell länger offen bleiben und unter mehr Fahrern ausgetragen. An der Punkteverteilung wird nichts geändert (siehe unten) aber die Samstags-Plätze Vier bis Neun werden aufgewertet.

Platz 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Punkte 25 20 16 13 11 10 9 8 7 6 5 4 3 2 1

Die Punkte Tabelle stammt aus der Wikipedia