Triumph Speed Triple RS in Oschersleben

Nach der Überraschung, dass Triumph die Trident für Rennstreckentest zur Verfügung stellt und der erwartet großartigen Street Triple RS geht es nun weiter. Dritte Runde: Triumph Speed Tripple 1200 RS, silbergrau, 1.160 ccm, 180 PS und englisches Kennzeichen (Wenn schon kein Cuppa Brew, dann wenigstens einen Rechtslenker). Die letzte Speed Triple, die ich gefahren bin, hat mir nicht so getaugt. Und falls Ihr Euch fragt, warum ich dann überhaupt auf die 1.200er aufsteige und nicht noch ein Runden mit der mega phantastischen Streety drehe, dann möchte ich Euch sagen: Ich bin hier um mir meine Vorurteile bestätigen zu lassen und dafür muss ich fahren. Ergebnissoffen my ass!

Gleich geht es los. Ich setze mich auf die Neue und bin sofort überrascht, sie fühlt sich nicht viel größer an, als die Streety. In meiner Erinnerung war die 1050er ein ganz anderer Trumm, die Zwölfer sollte demnach noch trummiger sein. Mal sehen, wie es gleich auf der Strecke ist.
Schnell noch ein Blick auf den LCD-Schirm. Huch, kein Track-Mode aktiviert. Während wir noch durch die Boxengasse rollen klicke ich mit dem linken Daumen auf dem Joystick herum. „Musik (habe ich nie an), Navigation (Rico kennt den Weg), Telefon (liegt in der Box) … hier bin ich falsch. Andere Taste: Aah, da ist er, der Track-Mode und gleich daneben steht eine Warnung, irgendwas mit ABS. Rico beschleunigt auf die Strecke, ich habe keine Zeit mehr zu gucken. Wenn das ABS wirklich aus ist, dann geht es eben ohne, so wie auf der #Hippe und allen anderen meiner Moppeds auch. Die Testbremsung am Ende des Stints funktioniert jedenfalls super.

Es gelingt mir von Anfang an viel besser die Linie zu halten, was mit Sicherheit aber nicht bedeutet, dass die Speed Tripple besser ist als die kleine Schwester (ich bleibe meinen Vorurteilen treu). Es liegt vermutlich daran, dass es der dritte Stint des Tages ist.
Rico zieht immer noch deutlich früher am Kabel als ich, wenn es aus der Kurve raus geht. Auf der Geraden bin ich aber deutlich früher wieder dran als mit der Streety. Logisch, denn jetzt habe ich 50% mehr Pferde als in der letzten Runde.
Die 1200er wiegt mehr als die 765er (ich schätze 15 kg fahrfertig), der größere Motor bringt mehr stabilisierende Kreiselkräfte mit. Damit ist sie nicht ganz so handlich wie die Streety oder gar die Trident zuvor, was ich besonders in der Wechselkurve merke. Aber genau das ist es, das macht mir überraschenderweise mehr Spaß. Wo die Streety alles von alleine macht, wie eine Ballerina zur Musik der Streckenführung von einer Kurve zur nächsten tanzt, braucht die Große Impulse, um in die Kurve zu biegen; Impulse, nicht Arbeit. Die Speed Triple ist deutlich handlicher, als die Vorgängerin, beinahe leichtfüßig.
Und jede Runde ziehe ich das Gas ein Stück früher auf, ohne Angst davor, dass die 180 PS Unsinn machen würden. Selbstverständlich gibt es hier 6-Achsen elektronische Helferlein, aber die brauche ich nicht. Zumindest bemerke ich sie nicht. Mit dem Gasgriff lässt sich die Leistung feinfühlig und exakt dosieren. Jede Runde geht‘s ein bisschen schneller rein und durch die Kurve. Nach jeder Kurve bin ich näher an Ricos Auspuff.
Ich habe mehr Spaß als auf den beiden anderen Moppeds. Liegt es daran, dass ich mich eingegroovt habe oder vielleicht doch an der Speed Triple? Ich weiß es nicht, meine gut gepflegten Vorurteile weichen auf. Und schon ist die Zeit um und die Zielflagge wird geschwenkt.
Mist, ich habe nichts gefunden, um die 1200er schlecht zu reden. Meine geliebten Vorurteile sind weg.

Auf jeden Fall bekommt die Speed Triple von mir ebenfalls fünf Sterne und ein extra Lob, fast wie die Streety, die aber immer noch mein Liebling ist, weil: alte Liebe und so.

Das Fazit von der Rennstrecke

Welche Triumph würde ich mir für die Rennstrecke kaufen? Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Den meisten Spaß hatte ich, wenn ich ehrlich zu mir bin, auf der Speed Triple. Aber: Für die 10.000 Eumel, die sie mehr kostet als die Trident könnte ich mit der 660er eine Menge Kilometer auf den Rennstrecken dieser Welt zurücklegen und wäre anschließend vielleicht schnell genug für die Streety RS.
Gut, dass ich mich nicht entscheiden muss, weil ich kein Mopped für die Renne suche. Und jetzt ist erst mal Mittagspause.

Am Nachmittag ging es dann auf die Landstraße, aber das ist eine andere Geschichte.

Warum ich kein Moto3 mehr gucke

Ich gucke gerne Moppedrennen: MotoGP, Suberbikes, Langstreckenrennen. Ich mag es, wenn es auf der Strecke richtig eng ist und der Sieg erst in der letzten Kurve entschieden wird. Enge Rennen und die Entscheidung in der letzte Kurve ist genau das, was so ziemlich jeden Moto3-Rennen bietet. Trotzdem hatte ich bei den Rennen immer ein mulmiges Gefühl, denn in meinen Augen waren die Rennen zu eng.

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Sicherer als viele glauben

Motorradsport ist gefährlich, gefährlicher als viele andere Motorsportarten. Das ist mir klar, aber das gibt mir nicht den Kick. Ich gucke die Rennen nicht, um Stürze zu sehen. Ich kotze regelmäßig, wenn ich Zusammenfassungen aus Servis TV oder auch die offiziellen Videos der MotoGP sehe, die nur aus Start, Stürzen und Zieldurchfahrt bestehen. Wenn es nach mir gehen würde, ich hätte jede Wiederholung eines Sturzen in den Medien verbieten. Ich weiß aber auch (und finde es scheiße), dass viele Menschen genau das sehen wollen.
Ich weiß auch, dass ein Sturz mit dem Mopped nicht so gefährlich ist, wie Joe Publlic und Otto Normal glauben. Ein Lowsider ist ein Sturz auf 50 cm Höhe. Der anschließende Rutscher in der mit Protectoren und Airbag ausgestatteten Lederkombi ist auch nicht sehr gefährlich, solange keine Hindernisse in Weg stehen.
Auf einer modernen und sicheren Rennstrecke gibt es Sturzräume, Airfences und andere Dinge. Auf der Landstraßen gibt es in der Regel nur gefährliche Leid-Planken. (Das ist ein Shout-Out und Danke in Richtung MERHSi.)

Was ist zu eng?

Gefährlich wird es für die Fahrer also vor allem dann, wenn sie nicht ungestört durch die Gegend rutschen können. Bei der Streckenplanung wird berücksichtitg, dass möglichst keine festen Hindernisse im Rutschweg stehen. Kiesbetten sollen den Rutscher bremsen, Reifenstapel und Airfences den Einschlag. Die fehlenden Sturzräume sind das, was alte Strecken, Stadtrennen und Road Racing so gefährlich machen.
Neben den festen Hindenissen gibt es da noch die beweglichen: Moppeds und Fahrer. Und je enger das Rennen und je größer die Gruppe, in der die Fahrer fahren, desto größer die Chance, das Fahrer, Gestürzter und rutschendes Mopped aufeinander treffen.
Ein Sturz in der Gruppe ist immer haaarstreubend. Das gilt gleich mehrfach, wenn ein Fahrer einen Highsider am Kuvenausgang hinlegt und nicht weg von der Rennstrecke rutscht, sondern entlang der Strecke. Die nachfolgenden Fahrer haben wenig Chancen, einem Gestürzten und seinem rutschenden Mopped auszuweichen. Und wenn dann gleich mehrere Mopped Seite an Seite fahren, ist es noch schwerer überhaupt ausweichen zu können. Wenn 15 Fahrer innerhalb von 1.5 Sekunden fahren, dann ist es sehr gefährlich, wenn einer von ihnen stürzt. Ich brauche hier sicherlich nicht im Detail erklären, was alles passieren kann.
Wer für mehr Sicherheit sorgen will, muss dafür sorgen, dass die Abstände im Rennen größer werden und die Pulks kleiner. Gerade gegen Ende des Rennes, wenn die Leistungsfähigkeit nachlässt, Die Zielflagge näher ist und sich ein höheres Risiko mehr lohnt. Das Moto3 Reglement ist jedoch darauf ausgelegt, dass es möglichst lange, möglichst eng bleibt.

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Wird es nicht langweilig, wenn die Abstände größer werden?

Kurze Antwort: Nein. Man muss nur einmal ein Rennen in der Moto2 oder der Moto GP gucken. Auch dort liegen die Rundenzeiten der Schnellsten sehr eng beisammen, aber im Rennen gibt es dann größere Abstände und kleinere Gruppen.
Es ist immer so gewesen, dass sich die schnellsten Fahrer durchsetzen, deshalb sind es immer wieder die gleichen Namen, die auf den Siegerlisten stehen, auch in der Moto3.
Im TV wird in der Regel immer nur die Spitze des Pulks gezeigt (außer jemand stürzt), mehr als drei Fahrer sind nur selten zu sehen, wenn sie nicht gerade durch eine Schikane fahren. Ein großer Pulk macht die Bilder nicht spannender, außer man möchte Stürze sehen.

Warum jetzt?

Erinnert Ihr euch noch an den Horror-Crash am Red Bull-Ring in der MotoGP leztes Jahr? Morbidellis Mopped räumt nach dem Sturz beinahe Vinales und Rossi ab, als es quer durch das Feld fliegt.
Damals wurden große Versprechungen gemacht diesen Streckenabschnitt für die Fahrer sicherer zu machen. Fragt mal die Fahrer, was getan wurde. Nix!
Trotzdem finden zwei Renn-Wochenende auf dem Ring statt.
Diese Ignoranz gegenüber der Sicherheit der Fahrer war der letzte Tropfen, den ich brauchte.

Warum nur die Moto3?

In der Moto3 gibt es neben den im technischen Reglement festgeschriebenen Risiken seit vielen Rennen zusätzlich den erkennbaren Willen der Rennleitungen und Reglementmachern, gefährliches Verhalten auf der Rennstrecke nicht zu bestrafen.
Viele Moto3-Piloten bummeln im Qualifying über die Strecke, stehen auf der Ideallinie herum und warten darauf, dass sie einen Windschatten von einem schnellen Fahrer bekommen können. Dieses Verhalten ist gefährlich und wurde immer wieder in allen Medien aufgegriffen und kritisiert (in den Medien, die davon leben, über möglichst spektakulären Sport zu berichten). Dennoch passiert nichts. Weder drakonische Strafen, noch eine Änderung des Qualifying-Formats oder anderes.
Die Show ist wichtiger als die Sicherheit. Also gucke ich die Show nicht mehr.

Was könnte getan werden?

Zum ersten, wie bereits oben erwähnt, könnte gefährliches Verhalten auf der Strecke härter bestraft werden.
Rennstrecken, die Sicherheitsmängel nicht ausräumen, könnten nicht mehr gefahren werden.
Das technische Reglement der Moto3 könnte geändert werden.
Das möchte ich ein bisschen ausführen.

Die Technik und die Regeln – macht die Moppeds schneller!

Diese Forderung läuft am Sicherheitsverständnis von Joe und Otto wohl vollkommen vorbei, kennen sie doch aus dem Straßenverkehr immer nur die Reaktion: Tempolimit veringert, wenn es sicherer werden soll (was fast immer totaler Unfug ist).
Ich versuche es mal so zu formulieren. Wenn der Fahrer schneller als das Mopped ist, dann kann er das Maximum aus dem Mopped herausholen. Das Maximum wird durch das technische Reglement vorgegeben.
Je mehr Fahrer schneller sind als ihr Mopped, desto mehr Fahrer können sehr ähnliche Rundenzeiten fahren, desto mehr Fahrer können sehr ähnliche Rennzeiten fahren.
Wenn der Fahrer schneller als das Mopped ist, ist es egal, ob er 0,1 Sekunden schneller ist als das Mopped oder 1 Sekunde.
Schnellere Moppeds würden dafür sorgen, dass weniger Fahrer ähnliche Rundenzeiten fahren können, die Pulks werden kleiner. In den schnelleren Klassen sind die Moppeds schneller als die Fahrer, dagilt es , sich möglichst nahe an das Mopped-Maximum heran zufahren ohne das das Talent ausgeht.
Unter Journalisten wurde in den vergangenen Wochen darüber diskutiert, 450er Motoren aus dem Motocross zu verwenden. Das hätte den Vorteil, dass nicht nur KTM und Honda Motoren liefern könnten. Ich denke nicht, dass genau das die Lösung ist, bin aber auch nicht Experte genug, um einen besseren Vorschlag zu machen.
Niemand hatte jedoch eine andere Idee, als schnellere Moppeds.
Neben schnelleren Moppeds könnte es auch helfen, wenn die Moppeds unterschiedlicher sind. Technisch weitgehend gleiche Moppeds sind auf jedem Streckenabschnitt gleich schnell, was auch dazu führt, dass der Pulk nicht aufgebrochen wird.

ERGÄNZUNG

Jurgen van den Goorbergh, früher 500er, dann Dakar und jetzt Vater eines Moto3 Fahrers in der CIV, hat sich Gedanken gemacht. Er sieht das Hauptproblem in der Getriebeabstufung der Moto3. Durch die weite Spreizung der oberen beiden Gänge sind die Fahrer auf Windschatten angewiesenm im Rennen und auch in Qualifying. Mit einer Regeländerung, die die Spreizung der Gänge limitiert, könnte das gelöst werden.

Den ganzen Text, allerdings auf englisch, findet ihr hier: https://www.motorsportmagazine.com/articles/motorcycles/motogp/how-to-fix-the-moto3-nightmare