Warum EICMA doof war

Es war EICMA in Mailand und meine Filterblase wurde mit Wiederholungen verstopft. Jede Website, jeder YouTuber, Twitterati, Instagrammer, Blogger oder Facebooker der vor Ort war meinte, dass er zu jedem neuen Modell mindestens einen eigenen Beitrag machen musste. 10 RSS-Abos von Moppedmagazinen mal 10 neue Moppeds, zack sind 100 Beiträge in meinem Feedreader in denen nichts Neues steht, denn die Pressemeldungen der Hersteller hatte ich vorher schon vorher. Die vor der Messe geleakten Informationen haben die gleichen Magazine schon in den Wochen davor selbst gebracht. 

Warum?

Nicht falsch verstehen, wer als Privatperson seine Bilder und Eindrücke ins Netz stellt, egal ob live oder erst am Abend, wenn er wieder WLAN hat, soll, kann, muss, darf das machen.
Ich beschwere mich mich über diejenigen, die das professionell, im Sinne von, dass dafür Geld oder Test-Produkte erhofft oder bekommen werden, machen. Die Influencer sein wollen, AdImpressions oder Affiliate Links verkaufen möchten oder für ihre Worte, Bilder und Videos bezahlt werden.

Die Profis

Symbolbild der Berichterstattung

Liebe Profis und wer sich dafür hält: Die großen Hersteller streamen Ihre Produktvorstellungen live und teilen Ihre Bilder über alle Kanäle direkt mit den Lesern. Das müsst Ihr nicht nachplappern. Wie wäre es wenn Ihr filtert, sortiert, bewertet, recherchiert und kommentiert? Heutzutage bezieht niemand mehr alle seine Informationen aus nur einer Quelle. 

Die ganzen Moppeds auf der Messe sind für den Laien (vulgo: der Kunde, der die Produkte kauft) da. Und warum seid Ihr dort? Um auf dem Pressetag leckere Häppchen zu essen? Um am Fachbesuchertag näher an die Messehostessen zu kommen? Um mit einer kleinen Videokamera eine wackelige 90 Sekunden-Runde um ein Mopped zu drehen und später dann mit kostenloser, schrecklicher Musik unterlegt auf Eurem Kanal zu teilen, bevor am nächsten Tag die Kunden selbst gucken und filmen können?

Die Zeiten, in denen die einzige Moppedzeitschrift, die der Dorf-Kiosk im Angebot hatte, die einzige Informationsquelle war sind schon lange vorbei. Wäre schön, wenn ihr das auch bemerken würdet.Orientiert Euch nicht an den Laien, die alles melden, was sie sehen, beweist, dass Ihr Profis seit.

Die Menschen

Warum seid Ihr Profis nicht auf der Messe um den Menschen, den Ingenieuren oder Projektverantwortlichen oder Managern Fragen zu stellen? Die Menschen mit Ahnung sind für Euch da. Die sind wieder weg, wenn die Kunden kommen. Fragt dort nach den Infos, die nicht in der Pressemappe stehen. Fragt nach, warum die F850 GS schwerer als die F800 GS ist.

Die Fakten

Wenn KTM seine neue 790er Duke (105 PS, 9.300 Euro) “Skalpell” nennt, warum macht Ihr das dann auch in Eurem redaktionellenText und erweckt den Eindruck, als hättet Ihr das Mopped schon gefahren?
Warum sagt keiner, dass die 169 kg der KTM Trockengewicht sind, während Yamaha bei der MT-09 (115 PS, 8.000 Euro) 193 kg fahrbereit angibt. Die KTM wird auf der Straße
 genauso viel wiegen, wenn sie nicht mehr trocken ist. Die Street Triple S (113 PS 9.000 Euro) wiegt trocken nur 167 kg.
Oder anders ausgedrückt: Die technischen Daten die KTM meldet liegen auf dem Niveau der anderen Moppeds, die es schon seit Jahren auf dem Markt gibt. Eine Sensation sieht anders aus.
Das bedeutet jetzt nicht, dass die KTM schlecht ist sondern nur, dass die technischen Angaben von KTM eben nichts sensationelles sind, für alles andere braucht es eine Probefahrt. Warum muss ich das selber recherchieren? 

Die Anderen

Oder, ganz verwegen, zeigt uns das, wozu die Hersteller keine Pressemeldung schicken. Warum war Hero auf der EICMA, wollen Sie ihre Moppeds demnächst auch in Europa verkaufen? Wer war denn noch da, den wir nicht so auf dem Schirm haben? Und wer war nicht da, was wurde nicht gezeigt und hat das eine Bedeutung?

Habe ich die falschen Feeds abonniert, waren andere besser? Dann her mit den Links!

P.S.
Kann es sein, dass einige von Euch die Klickstrecke: Ische an Mopped vergessen haben?

Advertisements

Moppedzeitschriften und ich

Erst fange ich diesen Blogartikel an, und dann kommt Clemens auf Google+ mit den IVW Zahlen um die Ecke

Hier also kurz mein Leben mit Moppedzeitschriften.

Oscar - Quelle PinterestGanz früher, als ich so gerade an die Pedale meines 24 Zoll Rennrads kam, da habe ich jede Mopped-Zeitschrift gekauft und gelesen, die ich an der Bude um die Ecke bekommen konnte. Das waren zwei: die Motorrad und die Easy Rider (nicht zu verwechseln mit der Harley Fan-Zeitschrift aus den USA, die es später auch hier und auf deutsch gab oder gibt). Heute gibt es an der Bude keine Moppedzeitschriften mehr. Und dann wurde ich älter und hatte mehr Taschengeld, da konnte ich dann noch andere Zeitschriften kaufen, die PS und die MO, die es inzwischen gab.

Die verrückten Briten

Und noch später dann, wurde der Zeitschriftenladen am Bahnhof mein Freund, denn der hatte englische Zeitschriften. Die waren zwar verdammt teuer, aber trafen meinen Geschmack viel deutlicher, denn da wurden Moppeds erlebt und und nicht seziert. Die Schreiber hatten eine große Klappe und gnadenlose Selbstüberschätzung, es gab immer mindestens einen Crash, ein Wheelie, ein Stoppie und eine Flucht vor der Polizei und oder dem örtlichen Verbrecher-Kartell und böse Sprüche.

Oscar Quelle Pinterest

Quelle Pinterest

Eine meiner Lieblingsgeschichten war ein Vergleichstest zwischen einer Hayabusa und einer ZX-12R. Damit die Testkriterien für den Leser auch nachvollziehbar waren, wurden sie einfach gewählt. Beide Moppeds fahren zusammen in England vom Redaktionsparkplatz los bis nach Nizza und wieder zurück, wer zuerst ankommt, hat den Test gewonnen. In England und Frankreich gab es auch damals ein Tempolimit, aber wer sich daran hielt hatte eben keine Chance auf den Testsieg. Am Ende hat die Kawa gewonnen, denn die hat die defekte Busa ins Ziel geschleppt, war also vorne. Ein solcher Test hätte und wird es wohl auch nie aus deutschen Redaktionen geben. Die Redaktionen werden das nicht wollen und die Leserbriefschreiber würden bei Erscheinen eines solchen Tests gar nicht mehr mit dem Kündigen nicht vorhandener Abos aufhören könne, wenn sie nicht vom tot geschüttelten Oberlehrer-Zeigefinger daran gehindert werden.
Bonus-Fact des Test: die ZX-R verbraucht fast 12 Liter auf 100 km wenn sie eine Busa mit 240 (schneller ging nicht, die Kawa hat halt nur 178 PS und die Busa ist schwer) abschleppt.

Außerdem habe ich noch Zeitschriften über Classic Racer, Grey Imports und die AWoL gelesen. Letztere war ein Custom-Magazin von einer Anarchistischen Redaktions-Kommune. Zu der Zeit verstand man in Deutschland unter einem Custom-Bike eine Harley mit angeschraubten oder getauschten Anbauteilen. In England wurden Starrrahmen mit Turbo-Vierzylinder, Trikes mit Automotoren, dieselgetriebene Gespanne und alles dazwischen und drumherum darunter verstanden.

Ich habe zwischendurch auch immer wieder deutsches probiert, Sonderausgaben, Moped, motorradfahrer, motorrad News, Oldtimer Motorrad, Custombike usw. Aber irgendwie war das alles zu steril abgepackt und nachgemessen.

Jetzt ist der Griesgram alt

Oscar - Quelle PinterestHeute bin ich älter, viele der englischen Zeitschriften gibt’s nicht mehr oder nicht mehr am Bahnhof. Ich muss auch nicht zum tausendundfünfundreißigsten mal lesen, wie ein Testfahrer einen Supersportler weggeworfen hat oder, dass das neue Baujahr besser als das alte ist oder wie jemand im Winter zum Elefantentreffen gefahren ist oder irgendein pensionierten Werkzeugmacher eine original Schwingsattelschraube in 35 Arbeitsstunden wieder in Originalzustand versetzt hat oder oder oder, egal ob auf deutsch oder englisch.

Ich war am Wochenende wieder mal an einem Bahnhof und dort in einem Buchhandel mit einer ordentlichen Auswahl an deutschen Titeln und ich hatte Zeit zum stöbern. Ich habe mir keine gekauft. Es gab keine Zeitschrift, die mehr als zwei Artikel hatte, die ich lesen wollte. Das mag in anderen Monaten ganz anders sein. Und die Artikel, in die ich hineingelesen hatte, fand ich langweilig geschrieben, irgendwo zwischen PR-Meldung und Textbausteine aus dem Ich-weiß-nicht-was-ich-schreiben-soll Baukasten. Hmpf.
Die Zeitschrift, mit den zwei Interessanten Artikeln habe ich auch nicht gekauft. Der eine Artikel “Rally für Einsteiger” über 4 Seiten kam ohne das Thema Roadbook aus (jedenfalls gab es kein Bild und keine Zwischenüberschrift) und war damit für mich nicht interessant und der Bericht über die Enfield Himalayan war 2 Seiten Fotos mit dem Mopped im eigenen Garten und geschätzte 300 Worte (dieser Text hat über 650) in 14 Punkt Schrift. Das war mir zu dürftig für einen Kauf.

Und jetzt stehe ich hier vor meinem Schreibtisch und frage mich, was müsste in einer Moppedzeitschrift stehen, damit ich sie kaufe?

Zum Glück bin ich Leser und muss diese Frage nicht beantworten. Wenn ich mir die IVW Zahlen (siehe Link oben) so ansehe, sollten die Redaktionen diese Frage ziemlich bald beantworten können, wenn sie weiterhin ihre Zeitschrift machen wollen.

Was kann die Ducati Supersport?

In allen Medien wird gerade die neue Ducati abgefeiert und ich verstehe nicht warum. Ich verstehe nicht, was für ein Mopped die Ducati ist, obwohl ich da so viel drüber gelesen habe. Aber was ist das besondere an dem Mopped, die Essenz, der Kern, das Einzigartige? Und damit meine ich nicht, welche Lücke füllt sie im Ducati-Programm aus.

Konzept

Ducati und Honda haben ein Mopped für den Landstraßensportler konzipiert, weg von der Rennstrecke. Ein Motor mit mehr Drehmoment und Leistung bei niedrigen Drehzahlen in einem Allrounder-Fahrwerk und mit einer Vollverkleidung. Welche Honda ich meine? Die CBR650F.

Die Honda steht auf der Website unter Supersport, ist aber eigentlich eine (nackte) CB 650 F mit Verkleidung.

Die Supersport von Ducati ist eine 821 Monster mit Verkleidung und dem Motor der 939 Hypermotard (ich habe zumindest öfter gelesen, dass der Monster Rahmen verwendet wird).
Die Honda wiegt 213 kg fahrfertig und die Duc 210, die Honda kostet 8.705 Eumel und die Duc deutlich mehr, nämlich 12.990. Dafür hat die Ducati aber auch 110 PS und nicht nur 90 wie die Honda.
Kleine Randbemerkung: Im Werbetext hat der Ducati Motor auch mal 113 PS. Möglicherweise finden sich diese 3 PS mehr auch in einigen Testberichten.

Der Motor

Auf Papier betrachtet ist der Hypermotard Motor langweiliger als der der 821er Monster. Beide haben eine ähnliche Spitzenleistung (109, bzw. 110 PS) aber der 110 PS 939-Motor braucht dafür deutlich mehr Hubrau, bei niedrigeren Drehzahlen liegt mehr Drehmoment und damit auch mehr Leistung an. Außerdem das der größere Motor die viel geradere Leistungskurve. Gerade Leistungskurven fühlen sich langweiliger an als solche mit Tälern und Delle. Hat eine Kurve diese Dellen, dann lesen wir in Test häufig etwas von „Leistungsexplosion“ oder so.
Der Honda Motor ist auch in Richtung Langeweile (vulgo: vernünftig) entwickelt worden und nicht in Richtung 600er-Moto2-WSS-Drehzahlmonster mit unverschämt hoher Literleistung.
Einen Vergleich vom 939er Motor und 821er Motor habe ich nirgendwo gesehen. Das gab es eventuell bei der Vorstellung der 939er Hypermotard, hier aber nicht.

Und jetzt ein Doppel-Lob an Ducati: Super, dass Ihr die Drehmoment und Leistungskurven auf Eurer Website habt!

Andere Nackte mit Verkleidung

Die CBR650F und Ducati Supersport sind nicht die einzigen Nackten mit Verkleidung auf dem Markt, da gibt es noch die Suzuki GSX-S1000F mit 150 PS, 1.000 Kubik, 215 kg für 12.995 Euro oder aus gleichem Haus die GSX1250F ABS mit 98 PS, 1255 Kubik, 257 kg für 9.490 Eus. Kawasaki hat die ER-6f (72 PS, 649 ccm, keine Gewichtsangabe, 6.895€) oder die Z1000SX (142 PS, 1.043 ccm, 235 kg, 12.995€). Das ist jetzt nur mal schnell aus dem Kopf (die technischen Daten habe ich den jeweiligen Hersteller Websites entnommen, die habe ich nicht im Kopf, ich bin doch keine zwölf mehr). Möglicherweise würden mir mit ein bisschen Recherche noch ein paar weitere Moppeds einfallen. Ich denke jedoch, dass auch so deutlich wird, dass der Markt eine gehörige Bandbreite an verkleideten Nackten hat, die alle mehr oder weniger supersportliche Landstraßenmoppeds darstellen sollen. In einem ersten Fahrbericht für ein neues Modell erwarte ich eine Einordnung im Markt. Ist die Duc mit einem der genannten Modelle vergleichbar, falls nicht, warum?

Kein Sporttourer

Ich habe in einer einzigen Quelle gelesen, das die Ducati nicht mit der VFR800F zu vergleichen sei. Immerhin diese Info konnte ich finden, ich weiß jedoch nicht mehr wo, ich glaube, es war ein englischsprachiges Video.
Die Ducati soll nicht so reisefreundlich, dafür aber viel sportlicher sein. Das ist mir zu wenig Einschätzung, was genau ist die Ducati jetzt, eine zu sportliche VFR oder was anderes? Wie schön wäre es, andere Meinungen zu VFR vs. Supersport zu kennen.

Warum sollte Ducati sich dafür interessieren?

Die Pressevorstellungen von einem Mopped kostet Geld und soll sich natürlich auch auszahlen, am besten in Verkäufen. Die Hard-Core Fans der Marke haben Ihr Mopped schon gekauft, bevor die Presse Ihre Tests veröffentlicht. Diese Fans wollen lesen, dass Ihr Kauf richtig war. Dazu reicht es aus, wenn überall steht, es ist ein tolles Mopped. Besser wäre natürlich, wenn da stände: ist viel besser als die XYZ und die ZYX und so weiter.
Hier wird ein neues Modell eingeführt, eines, dass neue Kundengruppen ansprechen soll. Die Rennstrecken-Freunde habe Ihre Panigale, die SUV-Freunde Ihre Multistrada und wer soll die Supersport kaufen? Ich vielleicht?
Nach allem was ich gelesen habe, bin ich nicht neugierig auf die neue Duc. Aus dem Hause Ducati würde ich lieber die 959 (16.590 Euro) testen / fahren /haben wollen. Die Supersport S mit besserem Fahrwerk kostet mit 14.590 Euro nur 2k weniger und sieht in meinen Augen nicht so gut aus die die Panigale. Falls die Supersport mehr Sozius-Komfort bietet, dann ist das A: für mich nicht relevant und B: habe ich dazu nichts gelesen.
Überraschenderweise gibt es da draußen aber nicht nur Ducatis.
Wenn ich ein Mopped für 13.000 Euro testen / fahren / kaufen wollte, dass sportlicher ist als die VFR800 ist, dann als erstes die Suzuki GSX-R750.
Die Supersport soll ganz andere Interessenten ansprechen? Vielleicht, aber das konnte ich aus den Berichten nicht erkennen.
Ducati hat mit Sicherheit ein gutes Mopped gebaut, vielleicht sogar ein supergutes genau für mich, aber nach allem was ich gelesen und gesehen habe, kann ich mir das nicht vorstellen. Ich bin nicht neugierig auf die Supersport oder die Supersport S geworden. Der ganze Aufwand der Pressevorstellung war umsonst.

 

Und jetzt?

Will einer von Euch die neue Duc jetzt unbedingt testen /fahren / kaufen, nachdem er die Berichte gelesen und die Videos gesehen hat? Erst durch diese Berichte oder wolltest Du das sowieso? Wie ordnet ihr die Ducati Supersport ein, als eine Monster für die Autobahn, eine Panigale für die Landstraße, eine CBR650 mit Aufpreis oder etwas ganz anderes?

Moppeds in diesem Beitrag

P.S.

Vielleicht machen die Journalisten das auch absichtlich, damit sie die Supersport im Laufe der kommenden Monate in ganz vielen verschiedenen Vergleichstest fahren können. Und die wollen sie ganz oft fahren, weil die so toll ist.

P.P.S

Natürlich möchte ich auch eine Supersport fahren, wie ich alle Moppeds fahren möchte, aber manche eben lieber.

Edit

Neu und sehenswert auf YouTube bei 44Teeth [englisch].

/Edit

Ein bisschen flach – Erzberg 2015 Berichterstattung

Mit dem Mopped durch den Steinbruch fahren, das hat wohl fast jeder schon mal gemacht, der im Laufe seiner Zweirad-Karriere eine Enduro oder ähnliches in der Garage hatte.

So was in der Art ist das Erzberg Rodeo, das dieses Jahr zum 21. Mal stattfand. Allerdings treffen sich dort nicht nur einfach ein paar Mopped-Jungs sondern die Weltelite der Hard-Enduro Fahrer, eine paar Breitensportler und alles dazwischen. Das sind so viele, dass über einen Prolog die 500 Startplätze für das Hauptrennen, den Hare Scramble, ausgefahren werden. Diese 500 müssen dann im Tagebaugebiet Erzberg ein bisschen hoch und runter fahren und dann durchs Ziel. Zwischendurch sind einige Checkpunkte, die die Fahrer ansteuern müssen, wer einen davon auslässt, wird nur bis zum letzten regulären Punkt gewertet, strafzeiten gibt es nicht. Die Strecke von ca. 30 km Länge ist dabei so gewählt, dass nur ein Bruchteil der Starter es in den gegebenen vier Stunden Renndauer bis ins Ziel schaffen kann. Letztes Jahr war der schnellste schon nach 1:37h im Ziel, die Strecke war also zu leicht. Dieses Jahr wurde der Streckenverlauf geändert und verlängert. Der neu hinzugekommene Abschnitt namens Downton war so hart, dass die ersten fünf die bis zum Ziel kamen es nur schafften, weil sie sich und Ihre Moppeds gegenseitig nach oben zogen.

Für ein Wettrennen ist es schon mehr als nur ein bisschen außergewöhnlich, wenn die Topstars, die um den Sieg kämpfen, sich gegenseitig durch die Sektion helfen. In etwa so, als wenn Vettel und Hamilton erst Rossbergs Auto schieben und dann alle drei zusammen die anderen. Zugegeben, beim Erzberg gibt es nur einen Stein zu gewinnen und kein Preisgeld, aber trotzdem.

Das keiner der Top-Stars alleine durch diesen Abschnitt kam sagt einiges über die Schwierigkeit aus. Fünf Fahrer bildeten die Seilschaft an der Spitze und obwohl der Kurs so gebaut ist, dass nur ein Mopped gleichzeitig durch das Ziel passt und sie nacheinander ankamen, wurden vier von Ihnen zum Sieger erklärt und einer zurückgestzt, weil er vorher einen Checkpunkt ausgelassen hatte.

Ich weiß nicht, ob die Fahrer schon vor der Zieldurchfahrt wussten, dass sie alle gleichermaßen zum Sieger erklärt werden oder ob sie einfach untereinander abgesprochen hatten in welcher Reihenfolge sie gemeinsam in Ziel fahren (und somit einem Konkurrenten einen möglichen Sieg schenken) und habe dazu leider auch keine Informationen gefunden. Das wäre einer der Fragen gewesen, die ich gerne in einem Interview gestellt hätte, leider hat das niemand gefragt oder die Antwort dazu nicht auffindbar ins Netz gestellt. Schade.

Aber da gibt es noch etwas, dass ich viel dringender wissen möchte. Fünf der weltbesten Enduro Fahrer schaffen es nur gemeinsam und mit gegenseitiger Hilfe ins Ziel und 23 Sekunden hinter ihnen kommt noch ein sechster Fahrer an, Mario Roman.

Hat er es ganz alleine durch den Wald geschafft, in dem die anderen scheiterten? Ja, hat er, schreibt Redbull.com in einem Nebensatz, und damit ist er mein heimlicher Sieger!

Warum zum Teufel schreibt da keiner was zu? Warum sind die ganzen Sportreporter vor Ort, wenn sie nur die Ergebnislisten abschreiben, wo sind die ganzen anderen Stories für die man vor Ort sein muss?

Alle freuen sich, zu recht, darüber dass vier Spitzensportler gemeinsam gewinnen, aber keiner schreibt darüber, dass einer es alleine geschafft hat.

Die Platzierungen:

1.Andreas Lettenbichler
1.Alfredo Gomez
1.Jonny Walker
1.Graham Jarvis

5. Mario Roman

Wade Young, der vor dem Ziel wegen einem verpassten Wegpunkt herausgenommen wurde, ist am Ende als 13. gewertet worden.

Von den 500 Startern haben es 79 nicht mal bis zum ersten Checkpunkt geschafft.

Gesamtergebnis Erzber Rodeo Hare Scramble (PDF)

Ich ärger mich über mich selbst, ein bisschen

Zuerst muss hier eine Leseempfehlung stehen. Lest den Blog von Clemens Gleich, Mojomag, und dort besonders den Beitrag ABS ist gefährlich.
Clemens bezieht sich dort auf den Dezember/Januar „Linienrichter“, dem Editorial des österreichischen Print-Magazins Reitwagen. Berzerk, der Herausgeber, warnt dort vor den Gefahren einer ABS-Pflicht. Den Linienrichter gibt es nicht online, also müsst Ihr ihn entweder auf Papier lesen oder Ihr lest Clemens Beitrag, der ihn zusammenfasst.
Und warum ärgere ich mich?
Der Reitwagen liegt schon ein paar Wochen bei mir und es ist auch schon genauso lange her, dass ich mich über Berzerks Beitrag gefreut habe, aber ich habe keine Silbe darüber geschrieben.
Danke Clemens, dafür gibt es ein Bier von mir.

Wozu noch Zeitungen

Bei Sueddeutsche.de läuft gerade eine Serie unter der obigen Überschrift „Wozu noch Journalismus„, eine Serie mit dem Titel „Wozu noch Zeitungen“ gab es vorher.
Bisher habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht, die meisten Zeitungen die ich bisher gelesen haben es nicht nur nicht geschafft, mich von einem Abo zu überzeugen, sondern vor allem in Wut aufgrund von Inkompetenz, Fehlinformation (die meistens intendiert war) und Oberflächlichkeit.
Ich besorge mir meine Informationen im Web, dort habe ich eine Reihe von Newsfeeds abonniert und über Twitter erfahre ich viele Neuigkeiten rund um Themen, die in Zeitungen nicht aufgegriffen werden. Wie ich jetzt am Pfingswochenende erfahren konnte, erfordert das jedoch ein Maß an Medienkompetenz, dass vielen Menschen fehlt, diese sind dann einfach uninformiert.
Mitten im Ruhrgebiet, mitten im Kulturhauptstadt-Jahr, startet die Aktion Schachtzeichen. Die großen gelben Ballons am Himmel sind nicht gerade unauffällig.
Am Ballon-Start-Samstag treffe ich mich mit Ruhrpott-Freunden in einem Bochumer Park zum grillen und erzähle, dass ich gerade eine erste Schachtzeichen-Tour hinter mir habe. Die Fragezeichen in den Gesichtern der anderen hätte ich ausmalen können. Einige hatten zwar so gelbe Ballons gesehen, aber von Schachtzeichen hatten Sie noch nie gehört. Als ich die Aktion erklärte, waren alle begeistert und wollten sich das auch ansehen. Zeitung liest von den Kollegen niemand, aus denselben Gründen wie ich informiert man sich im Netz.
Es ist mir unverständlich, wie man in Pott leben kann, sich durch das Netz umfassend informiert fühlt und nichts von den Schachtzeichen mitbekommen kann. Und ich rede hier von sechs Akademikern, die sich alle selber eine hohe Internet-Kompetenz attestieren. Alle nutzen ähnliche Tools wie ich (außer Twitter), jedoch nur für die Themen, die sie interessieren.
Das hat mir gezeigt, was die einzige und wirkliche Stärke von Zeitungen ist: Die Meldung neben der Meldung, die mich interessiert. So erhalte ich Informationen, von denen ich bisher nicht wusste, dass sie mich interessieren. Ich erhalte diese Informationen regelmäßig und tagesaktuell aus meinem Netzwerk, anderen rate ich zu einem Abo einer Zeitung mit starkem Lokalteil.
Ich hoffe, davon gibt es noch überall wenigstens eine.