Streckenvorstellung #Dakar2018

44 Tage vor dem Start wurde die Strecke der 2018er Rally Dakar vorgestellt. In Stichpunkten sind es:

  • 14 Etappen insgesamt
  • 7 Etappen zu 100% Dünen / Off-Piste
  • 2 Marathon Etappen -für Moppeds
  • Über 4.200 km Sonderprüfung
  • 5 Tage auf über 3.000 m Höhe

Filmchen zur Strecke auf Youtube [englisch]

Und die Dakar-Website zur Route [englisch] 

P.S.

Autos fahren auch mit.

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General Pablo und der Delfin #Dakar

Heute um 12:30 Uhr, Post #4914 auf Seite 246 des F5irehose Forums zur Dakar:

Balkan Boy said:

Après s’être égaré en début de spéciale, Sam Sunderland a perdu 16’45 sur son dauphin au général Pablo Quintanilla. Le pilote KTM n’a provisoirement plus que 4 minutes d’avance sur son rival Husqvarna au général.

ENGLISH

After losing to the start of the special stage, Sam Sunderland lost 16’45 on his dolphin to General Pablo Quintanilla. The KTM driver has temporarily only 4 minutes ahead of his rival Husqvarna to the general.

There you go, he lost his dolphin.

Nun glänzen meine französischen Sprachkenntnisse vor allem durch Abwesenheit, ich habe das nie gelernt. Trotzdem scheint mir diese Übersetzung nicht korrekt zu sein, aber wenigstens lustig. Zusammen mit der Vermutung, dass Barreda, der die heutige Etappe eröffnet, einige falsche Fährten auslegen könnte, die auf englisch Red Herring heißen, macht es vielleicht sogar Sinn, einen Delfin zu reiten.

Ich weiß nicht, woher diese Übersetzung kommt, Google ist es wohl nicht, da wird der Delfin zum Erben.

Nachdem in einem frühen Stadium verloren, Sam Sunderland verloren 16’45 seinem Erben General Pablo Quintanilla. Der KTM-Pilot war provisorisch über 4 Minuten vor seinem Rivalen Husqvarna insgesamt.

Wie auch immer die korrekte Übersetzung lauten mag, General Pablo hat heute und bis jetzt durch falsche Navigation und /oder einen technischen Defekt eine Stunde verloren (die Etappe läuft noch), und SunderSam gibt seinem Delfin kräftig die Sporen, wie das Forum auch.

Roadbook auf der #Dakar

Dieses Jahr ist die Dakar deutlich anders, als in den letzten Jahren. Nachdem die Sonderprüfungen immer wieder als WRC-Stil (mit Vollgas dem Weg folgen) bezeichnet wurden, gibt es in diesem Jahr die Rückkehr der Navigation zu feiern. Navigation im Sinne von, den richtigen Weg finden. Die GPS-Geräte an den Moppeds werden vom Veranstalter ASO gestellt und haben nicht mit den GPS-Navigationsgeräten für den normalen Gebrauch gemein. Dort sind die Koordinaten von Wegpunkten einprogrammiert und sobald der Fahrer in die Nähe des Punktes kommt, wird ein Pfeil angezeigt, der zum Punkt führt. Ansonsten wird die Kompassrichtung ( in 360° ) genannt CAP angezeigt und die gefahrene Geschwindigkeit.

Navigiert wird mit Roadbook und Tripmaster. Ein Tripmaster ist ein Kilometerzähler, der per Hand vor und zurückgestellt werden kann. Warum das wichtig ist, erkläre ich weiter unten.

Ich habe im Netz ein Foto aus einem Roadbook der Dakar 2013 (bearbeitet von Darryl Curtis) gefunden. Hinweise und Abkürzungen sollten die gleichen wie für dieses Jahr sein. Hier ist die Legende zum Dakar 2017 Roadbook PDF, das sich in einem neuen Tab öffnen sollte. Es ist Seite 97 des 2017er Dakar-Regelwerkes, dass es auf Dakar.com zum Download gibt. .

Bearbeitetes Roadbook.

Ein Roadbook wird zeilenweise gelesen und kommt meistens in schwarz/weiß (hier gibt es sogar roten Text), die farbigen Markierungen macht der Fahrer selbst und jeder hat dabei sein eigenes System.
Es gibt drei Spalten, links Entfernungsangaben, dann ein Bild (englisch oft “Tulip” bezeichnet) und ganz rechts zusätzliche Hinweise. 

Ich erkläre hier die oberste Zeile, wie ich sie verstehe. Verstehe ich sie falsch, fahre ich falsch. Fragen oder alternative Interpretationen können gerne als Kommentar im Blog hinterlassen werden. Ich verwende die englischen Bezeichnungen, wenn ich die Symbole bezeichne.

Linke Spalte

15,7X ist die Entfernung die seit dem Start der Sonderprüfung in Kilometern. Roadbooks. Der Tripmaster kann eine oder zwei Dezimalstellen anzeigen, Roadbooks werden in der Regel mit zwei Dezimalstellen (also auf 10m genau) erstellt, die meisten Fahrer navigieren jedoch nur mit einer Dezimalstelle, also auf 100m, Hier wurde die zweite Dezimalstelle geschwärzt.
Wenn der Tripmaster 15,7 anzeigt, sollte der Fahrer an Stelle sein, die das Roadbook anzeigt. Hat er sich vorher verfahren, zeigt sein Tripmaster hier eine andere Zahl an und der Fahrer kann den Tripmaster einstellen, so dass er 15,7 anzeigt.

DANGER Weist auf eine Gefahrenstelle hin. Es gibt drei Gefahrenstufen, die in der rechten Spalte spezifiziert werden.

272,28 Die Entfernung bis zum Ziel der Speziale oder dem Ende des Roadbooks, falls die Etappe länger als das Roadbook ist, in Kilometern.

1,51 Die Entfernung die seit dem letzten Bild (das in der Zeile darüber) zurückgelegt wurde in Kilometern.

Das Bild

Hier wird der zu fahrende Weg angezeigt. An dieser Stelle gibt es keine Abzweigungen, der Fahrer soll auf dem Track (durchgezogene Linie) bleiben. Der Weg könnte einen geschwungenen Linksbogen machen, muss er aber nicht, es kann auch viel kurviger oder gerader sein. 

Es geht über einen Huckel (Bump) der Gefahrenstufe ein Ausrufungszeichen.

Es folgt ein Stück bergab (Pfeil nach rechts unten) in einen ausgetrockneten Fluss (gewellte Linie).

Dann durch eine Senke (Dip) der Gefahrenstufe 2 (Ausrufungszeichen), in diesem Fall wohl durch den Hauptwasserlauf des Flusses (Rio).

Es geht aus dem Flussbett heraus (gewellte Linie) und berghoch (Pfeil nach rechts oben).

Rechte Spalte

Auch wenn der Dip zwei Gefahrenstufen bekommt, ist das Gesamtbild wohl nur ein Ausrufungszeichen wert.
Es wird auf der P wie Piste (Track) gefahren.

Es ist kurvig (das schräg stehende S)

Die Strecke ist schlecht (MVS kommt vom französischen mauvais).

Und es ist eng (E3 kommt vom französischen etroit). Dabei muss man beachten, ob PKW und LKW mit dem gleichen Roadbook fahren, denn wo es für die eng is, ist für ein Mopped locker Platz.

Alles klar soweit?

Stelle gefunden und Tripmaster angepasst? Dann schnell das Roadbook vorspulen, denn in 270 Metern ist schon das nächste Bild.

Ein Roadbook bietet immer Interpretationspielraum. Das Beispielbild, das ich gewählt habe ist relativ einfach, weil hier nur dem Streckenverlauf gefolgt werden muss, es ist ein sogenannter Gefahrenhinweis, Es ist durchaus möglich, dass das nicht die erste Flussdurchfahrt auf den 1,51 km seit dem vorherigen Bild war.

 

[Edit] Auf Instagram habe ich dieses Roadbook der Paris Dakar von 2001

gefunden, beachte die Abstände zwischen den Wegpunkten.  roadbook_pd2001_

[/Edit]

Moppeds bei der #Dakar

Was muss ein Mopped können, damit es für die Dakar taugt? Es muss robust sein, einfach zu fahren und wenn man gewinnen will auch schnell.

Das Reglement schreibt maximal 450 ccm Ein- oder Zweizylinder Zwei- oder Viertakter vor. Weniger Hubraum geht natürlich auch, letztes Jahr kam eine 125er Zweitakter ins Ziel.
Dazu wird eine Mindestreichweite vorgeschrieben, die alle mit entsprechend großen Tanks (meistens zwei vorne und einer hinten, insgesamt 30+ Liter) erreichen wollen.
Außerdem braucht jedes Mopped einen Navigationsturm und Sicherheitsausrüstung. Eine Straßenzulassung ist ebenfalls vorgeschrieben. Innerhalb dieser Regeln ist so ziemlich alles möglich.

KTM und Husky fahren mit Serienmoppeds, die auch von Privatfahrern gekauft werden können. Es sind spezielle Rally Moppeds und nicht nur aufgrund der geringen Stückzahl entsprechend teuer. Die Werke werden das Fahrwerk und den Motor noch frisieren. Die Werk-Rally soll ca. 70 PS (155 PS Literleistung) haben und an die 170 km/h bringen.
Alle anderen fahren irgendwas zwischen einer umgebauten Enduro /Crosser (Serienrahmen und Motor mit Anpassungen) und einem reinen Prototypen. 

Wie viel die Werksmotorräder von Yamaha und Honda mit den jeweiligen Enduros zu tun haben ist Gegenstand vieler Spekulationen. Ich denke, ich kann sie getrost zu den Prototypen zählen. Die Details und technischen Daten dieser Moppeds habe ich nicht gefunden. Yamaha möchte im Sommer jedoch eigene Rally Moppeds anbieten. Dann werden wir sehen, ob es nur ein paar Anbauteile für die Enduro sind oder ein komplettes Mopped.

Honda hat nichts in der Art verlauten lassen. Bereits vor zwei Jahren hieß es in der Gerüchteküche, Honda würde mit viel Elektronik arbeiten, unter anderem mit einer Traktionskontrolle. Die Honda soll auch das schnellste Mopped im Feld sein, für dieses Jahr werden 180 km/h erwartet. Die Zuverlässigkeit war bisher eher ein Schwachpunkt.

Bei der Speedbrain Hero ist zumindest klar, dass sie nicht auf einer Serien 450er Enduro von Hero basiert. Die einzige Enduro auf der Hero Website hat einen luftgekühlten 150 ccm Motor und sieht eher nach Dual-Sports aus. Speedbrain baut schon länger Rally-Moppeds, erst mit dem 450er BMW-Motor, der dann, als BMW doch keine Enduros mehr bauen wollte, Husqvarna hieß. Dann wollte BMW auch keine Husky mehr haben und verkaufte die Marke an KTM.  Jetzt ist die Husqvarna eben eine KTM in weiß, will sagen technisch ganz anders. Nach den Husky-Speedbrains gab es eine Kooperation mit Honda, da wurden Honda Motoren verwendet (auf der deutschen Website findet man das nicht, auf der englischen Version aber).
Welche Motoren jetzt in der Hero Speedbrain verbaut werden weiß ich nicht. Die ehemaligen BMW/Husqvarna-Motoren (eigentlich die ganzen Moppeds) werden jetzt bei SWM verwendet, und die gehören zumindest in Teilen einem Chinesischen Investor.

Aber nicht Zongshen, die ein eigenes Team zur Dakar schicken. Auch hier zeigt die Website des Herstellers kein passendes Serien-Material. Zongshen hatte jedoch mal einen 450er Quad-Motor auf dem Subaru stand. Ohne passendes Seriengerät stufe ich die Hero und Zongshen einfach als Prototypen ein. In Wirklichkeit habe ich aber keine Ahnung, ob da einfach alte Yamahas einen neuen Aufklebersatz erhielten (wie die Gerüchteküche sagt) oder Eigenbauten eingesetzt werden.
In der Langstreckenweltmeisterschaft hatte Zongshen früher mal Suzukis GSX-R eingesetzt, GSX-Rs schließe ich hier aus. 

TVS Der zweite indische Mopped-Hersteller, greift auf Sherco zurück und tritt als Sherco TVS an. Ich sortiere die Sherco bei den umgebauten Enduros ein.

Privatfahrer kaufen sich entweder eine KTM / Husky oder bauen sich selbst ein Mopped zusammen. Es gibt einige Umbau-Kits in den Weiten des Netzes zu entdecken, unter anderem für Suzuki von Stefan Hessler. Bei der Dakar fährt jedoch keine Suzi mit.

P.S.
Autos fahren auch mit.

[Edit] P.P.S.

Weil sich das Bild im Kommentar nicht einbetten lässt, hier die Zongshen auf der Startrampe.

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Startreihenfolge der #Dakar

Bei der Dakar werden die Moppeds einzeln auf die Strecke geschickt und fahren gegen die Uhr. Demnach ist der erste im Ziel nicht unbedingt der Etappensieger, sondern derjenige, der die kürzeste Zeit auf der Strecke verbracht hat. Es ist so, wie auf der großen TT auf der kleinen Insel, nur dass die Fahrer auf der Dakar zusätzlich noch den Weg finden müssen und die Strecke nicht asphaltiert ist. Wegen der Navigation und den Streckenbedingungen kann die Startreihenfolge wichtig sein.

  • Je später man startet, umso mehr Spuren kann man folgen. Selbstverständlich kann man nicht einfach Spuren folgen, die Vorderleute können sich durchaus alle verfahren haben, aber Spuren erleichtern die Navigation. Je leichter die Navigation, desto schneller kann man fahren.
  • Je später man startet, desto kaputter ist die Piste, das gilt besonders bei Sand und Schlamm. Je kaputter die Piste, desto langsamer kann man fahren.
  • Bei trockener Piste, so wie für die zweite Etappe vorhergesagt, ist die Sichtbehinderung durch Staub teilweise erheblich, außer man fährt weit vorne.

Die ersten Zehn starten mit drei Minuten Abstand, die Plätze elf bis 20 mit zwei Minuten und ab dem 21. Starter geht es zu zweit und mit 30 Sekunden Abstand ins Rennen.
Moppeds und Quads starten gemeinsam, jedoch starten Quads immer alleine und nicht zu zweit oder gemeinsam mit einem Mopped. Wenn man es wirklich eilig hat, sollte man vor den ersten Quad starten, die sind schwerer zu überholen und können selbst auch schlechter überholen.
Auf den meisten Etappen werden die Startpositionen sechs bis zehn als optimal angesehen.

Die Startreihenfolge wird meistens durch die gefahrene Zeit des Vortages bestimmt. Der Etappensieger von gestern geht heute als erster ins Rennen, drei Minuten später der Zweite (auch wenn er gestern nur eine Sekunde langsamer war), dann der Dritte etc.

Die Startreihenfolge kann von der Rennorganisation, der ASO, jedoch geändert werden. So können zum Beispiel schnelle Fahrer, die einen technischen Defekt hatten und am Vortag langsam waren, eine bessere Startposition bekommen. Das nennt man seeding, dadurch müssen sie nicht so viele Moppeds auf der Strecke überholen. Weil das im dichten Staub gefährlich ist und die Reihenfolge, in der die Fahrer ins Ziel kommen keine Rolle spielt, holt man sie nach vorne.

Fahrer können durch Strafzeiten in der Startposition auch nach hinten verschoben werden. Strafzeiten gibt es für verpasste Wegpunkte, zu schnelles fahren auf den Verbindungsetappen (die Geschwindigkeit wird im GPS aufgezeichnet und jeden Abend ausgewertet, da werden 51 km/h in der Stadt schnell teuer. Wer länger als 1.000 Meter zwischen 1 und 20 km/h zu schnell fährt, kann disqualifiziert werden) oder oder oder. Aber weil es die ASO ist, die das Rennen organisiert, kann die Startreihenfolge auch aus nicht ersichtlichen (oder zumindest nicht kommunizierten) Gründen geändert werden, möglicherweise weil das örtliche Fernsehen da ist und gerne alle Lokalmatadoren zusammen filmen möchte.

Die Startreihenfolge und die Startzeiten werden im Biwak kommuniziert und sind hoffentlich kurz darauf auch im Internet zu finden.

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Wie wichtig die Startreihenfolge ist, zeigt sich bereits auf der heutigen, ersten Etappe. Dr Zeitschnellste (Xavier de Soultrait, #023, Yamaha) fährt auf der Verbindungsetappe extra kurz zu schnell, um eine Strafzeit zu kassieren, damit er morgen nicht als erster losfahren muss. Wenn er Pech hat, bekommt er die Strafzeit erst einen Tag später aufgebrummt und muss die Etappe trotzdem eröffnen.
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Das Live-Timing auf der offiziellen Dakar-Website war in den vergangenen Jahren unterirdisch schlecht. Glücklicherweise gibt es TrackingDakar.nl, das nicht offiziell ist, jedoch auf die echten Zeiten zugreift. Dieses Jahr soll das Timing auf Dakar.com besser sein. Vor dem Start der ersten Etappe konnten man zwischendurch mal einen kurzen Blick drauf werfen, und es bot einiges, was aus den vergangenen Jahren von TrackingDakar bekannt war, hat jedoch bei der ersten Etappe nicht funktioniert. Das übliche ASO-Chaos. Jetzt gerade (nach der Etappe) ist es wieder online und funktioniert auch großteils unter diesem Link, der sich in den letzten Tagen jedoch häufiger geändert hat.

TrackingDakar.nl hat also wieder den Tag gerettet.

P.S.
Autos fahren auch mit und werden auf TrackingDakar auch gezeitet.

Highlights im Fahrerfeld der #Dakar 2017

Nachdem ich die Hintergründe der #Dakar ein wenig beleuchtet habe, möchte ich mich jetzt, wie angekündigt, mit dem Fahrerfeld beschäftigen. Wie immer ist die Website zum Rennen nur dürftig mit Informationen bestückt, es muss also überall gesucht werden.

Laut offizieller Pressemeldung sind 146 Fahrer gemeldet, auf der Website sind 145 zu finden, so wurde Anastasiya Nifontova (#59) wegen Doping gesperrt (es gab dazu eine Pressemeldung), steht aber auf der Startliste und Ferran Jubany (#110) soll sich im Training verletzt haben und nicht starten, wird jedoch ebenfalls noch geführt.

Wahrscheinlich sehen wir erst am 2. Januar, wer wirklich startet.

Bei der Dakar kann immer viel passieren (mir fällt keine Rennen ein, bei dem der Satz: To finnish first, first you have to finish, mehr Gültigkeit besitzt) und wie stark die Auswirkungen der neuen Navigationsregeln sind, kann ich nicht einschätzen. 

Werksteams

Ganz vorne werden die Werksteams mit ihren Vollprofis fahren, ich erwarte einfach, dass die alle gleich gut vorbereitet sind. Alles andere als ein KTM (inklusive Husky)-Sieg wäre eine Überraschung. Falls es doch ein anderer wird, dann hat Honda die größten Chancen. Yamaha wird ebenfalls für Etappensiege gut sein, die anderen Werke (Sherco TVS, Hero Speedbrain, Zongshen) wohl nicht. Kawasaki und Beta sind zwar dabei aber nicht werksseitig vertreten, hier ist die Ankunft im Zielort Buenos Aires schon ein Erfolg (das klingt gönnerhaft, ich rechne jedoch mit über 50% Ausfallrate, ins Ziel kommen ist wirklich ein Erfolg). Eventuell werde ich in einem späteren Beitrag noch auf die einzelnen Moppeds eingehen.

Sieger

Dementsprechend sieht auch meine Auswahl der Favoriten aus. Toby Price (KTM, #1) hat 2016 gewonnen und ist somit auch für diese Dakar ein Top-Favorit. Toby hatte sich 2013 das Genick gebrochen ist 2015 auf seiner ersten Dakar gleich Dritter geworden. Unglaublich.
Pablo Quintanilla (Husky, #3) wurde letztes Jahr Dritter und Stefan Svitko (KTM, #2) als Privatfahrer Zweiter geworden und tritt auch dieses Jahr wieder als Privatier an. Ein Podium ist drin, wenn die ganz schnellen Jungs wieder ihre Moppeds schrotten auch der Sieg.

Auf dem Podium

Honda schickt mit Barreda Bort (#11) einen der Schnellsten ins Rennen, dem jedoch der Ruf vorauseilt, dass er schneller fährt als sein Mopped und/oder sein Hirn. 13 Etappen hat er in den letzten sechs Jahren bereits gewonnen, in der Gesamtwertung jedoch höchstens auf Platz sieben geschafft.
Ich drücke Speedy Gonk (#17) ganz feste die Daumen, der in den letzten Jahren regelmäßig von der Technik seines Moppeds in aussichtsreicher Position im Stich gelassen wurde. Ich befürchte jedoch, dass ihm das letzte Quäntchen Geschwindigkeit für den Gesamtsieg fehlt. Kevin Benevides (#4) ist bei seiner ersten Dakar 2016 Vierter (und damit beste Honda) geworden, da ist Luft nach oben.

Helder Rodriguez (Yamaha #5) ist ein weitere Anwärter auf das Podium. Es ist seine elfte Dakar, er hat alle beendet (unfassbare Leistung) und nur einmal nicht als einer der ersten Zehn, da wurde er Zwölfter. Acht Etappensiege deuten seine Geschwindigkeit an. Falls er den Gesamtsieg holt, werde ich das mit drei Flaschen Portwein feiern oder einem Portugal-Urlaub. (Ich habe da schon eine Idee, Herr Troelf). Sein Teamkollege Adrian van Beveren (#6) fährt seine zweite Dakar und ist ebenfalls ein Podiumskandidat, auch wenn er sich selbst nur in den Top 5 sieht. 

Hias Walkner (KTM #16) muss nach einer sehr langen Verletzungspause einen Trainingsrückstand kompensieren. Etappensiege und ein Platz auf dem Podium am Ende sind auf jeden Fall drin.

Weiter hinten ist immer noch vorne

Die Damenwertung (es sind maximal drei Mädels am Start, siehe oben) kann Laia Sanz (KTM #19) nur verlieren. Sie hat bereits 2015 Platz Neun erreicht und auch dieses Jahr Potential für die Top Ten. Je langsamer, oder besser technisch anspruchsvoller, die Strecke, desto weiter ist sie vorne zu finden. Falls sie ins Ziel kommt wird sie wieder schnellster Trial-Fahrer des Jahres. Vielleicht gibt es dieses Jahr wenigstens ein Foto, auf dem sie nicht lächelt, als sei die Dakar eine vergnügte Spazierfahrt.
Es ist ein hochklassiges Feld, das dieses Jahr an den Start geht. Ich habe hier schon neun Podiumskandidaten genannt (acht, wenn ich davon ausgehe, dass Barreda Bort wieder sein Mopped kaputt fährt) und das sind bei weitem nicht alle Fahrer, die zumindest bei einzelnen Etappen vorne auftauchen werden. Bei der Dakar ist es so, dass der Etappensieger am nächsten Tag als erster starten muss. Er hat also keine Spuren an denen er sich orientieren kann, die Navigation ist deutlich schwerer.

Und sonst so?

Ein Vorteil der Werksteams ist der Einsatz von schnellen Wasserträgern. Wenn der designierte Siegfahrer mit einem technischen Problem stehen bleibt, wird der Wasserträger Teile von seinem Mopped zur Verfügung stellen oder das andere Mopped abschleppen [Video]. Um schnell helfen zu können, muss der Wasserträger weit vorne sein, aber auf der Strecke natürlich hinter dem anderen. Und wenn man schon mal da vorne ist, dann kann man auch mal gewinnen, besonders wenn der Siegfahrer endgültig ausgefallen ist.

Das Gros des Feldes sind jedoch Amateure, die nur das Ziel haben, alle Etappen zu beenden und in Buenos Aires die Finisher-Medaille in Empfang zu nehmen. Einige von Ihnen werden es sehr schwer haben und jeden Tag viele Stunden länger unterwegs sein als die Sieger. Sie werden auf der Strecke von den schnellen Autos, die einige Stunden später starten und auch von den schnellsten LKW, die noch später starten, überholt werden, denn:

P.S.
Autos fahren auch mit.

Die Rally #Dakar 2017 – Ein bisschen Hintergrund

Wer mich kennt oder irgendwo (g+) im Sozialen Netz (Twitter) verfolgt, der weiß, dass ich ein großer Fan der Dakar bin. Das war nicht immer so.

Zu der Zeit, als ich die Dakar nur aus den Reportagen von Mopped-Zeitschriften (die meistens erst Monate nach Ende des Rennens erschienen) kannte oder später dann, als Eurosport nachts eine halbe Stunde Tageszusammenfassung (nachdem Snooker eine Stunde überzogen hatte) zeigte, war ich kein großer Fan. Ich musste mich erst eingehender mit dem Rennen beschäftigen um die Faszination zu verstehen.

Navigation

Die Dakar ist eine Rally ohne E. Das bedeutet, dass die Fahrer die Strecke nicht kennen und mit Hilfe des Roadbooks selbst finden müssen. Dieses Jahr sind die Navigationsregeln verschärft worden, es wird geheime, nicht markierte Checkpunkte geben.
Das GPS, das der Veranstalter stellt, zeigt die meiste Zeit nur die gefahrene Himmelsrichtung und Geschwindigkeit an, nur in der Nähe der Weg- und Checkpunkte [englisch] gibt es zusätzlich einen Richtungspfeil, der anzeigt, wohin genau gefahren werden muss, um den Punkt zu treffen.
Verpasste Wegpunkte geben Strafzeiten.
Zusätzliche GPS Geräte (also auch Smartphones mit GPS), sind verboten.
Ob und wie sich das auf die Spitze auswirkt, werden wir sehen.
Am Ende gewinnt der schnellste Navigator, denn wer schneller fährt als er navigiert, findet den Weg nicht.

Kondition

Die Dakar dauert 13 Tage (inklusive Ruhetag) und geht über mehr als 8.800 km [englisch], durchschnittlich sind das ca. 680 km pro Tag.
Um sich das ein bisschen besser vorzustellen sollte man nicht an 680 Autobahnkilometer, sondern an Land- und Kreisstraßen denken. Wenn Ihr z.B. in Frankfurt/ Main startet, liegt Euer Ziel fast immer außerhalb Deutschlands (Google Maps findet einen 706 km langen Weg ohne Autobahn nach Flensburg). Und wenn Euch jetzt schon der Hintern wehtut, wenn Ihr Euch dass ein paar Tage am Stück vorstellt, dann denkt Euch die Wege in nicht asphaltiert. Manchmal geht es auch einfach durch trockene Flussbetten oder querfeldein oder über Dünen. Und in der ersten Woche wird dabei in Höhen über 3.500 Metern gefahren, mit entsprechend verringertem Sauerstoffanteil. So eine Etappe dauert entsprechend viele Stunden und enden in einer kurzen lauten Nacht. Wer 18 Stunden fährt (das ist ein Schnitt von 38 km/h bei 680 km off-road inklusive essen, trinken, navigieren und tanken) hat nur noch 6 Stunden für: Essen, Roadbook vorbereiten, Mopped vorbereiten, Zelt einrichten, Zelt wieder leeren und schlafen. Wer schneller fährt kann länger schlafen.
Der schnelle Navigator muss eine Top-Kondition haben und sollte auch ziemlich gut fahren können, sonst kann er nicht gewinnen oder wenigstens in Ziel kommen.

Malle Moto

Und dann gibt es da noch die ganz Verrückten. Die machen das ganze ohne Service Crew, die machen jeden Abend im Biwak noch Ihre täglichen Wartungsarbeiten [englisch] und Reparaturen selbst. Das ist die Malle-Moto-Klasse, da bleibt noch weniger Zeit um zu schlafen.
Die Malle-Motos werden nicht um den Gesamtsieg fahren und finden daher meistens in den Medien auch nicht statt.

Medien

Eigentlich findet die ganze Dakar bei uns nicht in den Massenmedien statt. Letztes Jahr war es anderswo so: In Frankreich gab es täglich mehrere Sendungen auf verschiedenen TV-Sendern, RTL 7 aus den Niederlanden hatte Tom und Tim Coronel als rasenden Reporter (nie was es passender als hier) im Teilnehmerfeld, und als die Rally in Bolivien war, wurde dort den ganzen Tag über live berichtet. Die spanisch sprechende Welt wurde insgesamt sehr umfassend versorgt.
Wir bekommen Snooker und eine kurze Zusammenfassung, die der Veranstalter der Dakar den TV Sendern zur Verfügung stellt mit deutschem Voice over.

Deutschsprachiges

Da wundert es wenig, dass die Anzahl der deutschen Teilnehmer gegen Null tendiert, ohne Medien findet man schwer einen Sponsor, der die horrenden Kosten [Video, englisch] mit übernimmt. Es gibt jedoch deutsche Spezialisten im Biwak wie zum Beispiel Speedbrain, die das Mopped von Hero bauen und Team Kaiser die Service für Janos Desi (#141)  machen.
Hierzulande ist es, wie immer beim Moppedsport: er findet nur im Geheimen statt. Seltsam dabei ist, dass KTM die Dakar seit gefühlten Ewigkeiten gewinnt. Für diejenigen, die es nicht wissen, KTM kommt aus Österreich und dort spricht man deutsch. Und trotzdem ist deutschsprachiges zur Dakar Mangelware.

Im Netz

Für mich ist die Nationalität von Fahrer und Team unwichtig, ich werde während des Rennens möglichst viel Zeit vor dem Rechner verbringen und das inoffizielle Livetiming  verfolgen, mich im Live-Forum (der Live Threat ist noch nicht online, hört dann aber auf den Namen F5irehose, ich werde den Link später per Twitter und Co. teilen) auf dem Laufenden halten, die dort geteilten Links ansehen, mitfiebern und anfeuern.
Wen und warum? Das ist Stoff für einen weiteren Blogbeitrag, aber neben den Malle-Motos gehört mein Herz den Underdogs und Amateuren, jeden Tag viele Stunden nach dem Sieger in Etappenziel kommen.

P.S.
Autos fahren auch mit.