Datenschutz und Zensurmaschinen

Die DSGVO ist jetzt wirksam, oder besser gesagt in Kraft, denn ob sie wirklich wirksam ist und Datenmissbrauch verhindert, muss sich erst noch zeigen. Was sich jedoch schon gezeigt hat ist, dass sie schlecht gemacht wurde.

Falsche Zeit zum diskutieren

Das Gesetz wurde vor zwei Jahren beschlossen. Kurz vor dem Ende der Umsetzungs-Übergangszeit begann die breite Diskussion darüber, die eigentlich vor dem Beschluss vor über zwei Jahren hätte geführt werden müssen. Warum das nicht geschah kreide ich den Politikern, die es ausgearbeitet und beschlossen haben, genauso an, wie den Medien, die das Thema erst aufnahmen, als es zu spät war.

Richtige Zeit zum diskutieren

Die europäischen Politiker sind noch nicht fertig mit dem Internet. Als nächstes kommen das Leistungsschutzrecht und Zensurmaschinen. Julia Reda ist Abgeordnete der Piraten im EU Parlament und hat den Stand der Dinge zusammengefasst . Alleine der Ausdruck “Zensurmaschinen” sollte für automatischen Widerstand sorgen, hoffe ich zumindest. Wenn schon nicht bei den Politikern in europäischen Regierungen, dann beim Rest der Leser. Ich will ein möglichst freies Internet, in dem ich selbst etwas hineinschreiben kann und das lesen und sehen kann, was ich will, egal aus welchen Land es kommt.

Die Abstimmung wird am 20./21. Juni durchgeführt, also sollte vorher auf breiter Front diskutiert werden, so wie jetzt (zu spät) über das #DSGVO

Am besten direkt und kostenlos mit EU Parlamentariern. Einfach per Klick anrufen!

 

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Datenschutz ist Dein Job

In den letzten Tagen haben sich zwei Mopped-Blogger wegen der DSVGO verabschiedet. Es gibt zu dem Thema eine Menge in Netz, wer sich für die Details interessiert, kann dort mit einer Suche anfangen. Ich mache keinem Blogger einen Vorwurf, wenn er im Land des Abmahnungs-Geschäftsmodells seinen Blog zumacht.

Es ist nicht mein Job, auf Deine Daten aufzupassen

Datenschutz ist wichtig. Und es ist Deine verdammte Aufgabe, Deine Daten zu schützen.

  • Teile und Schreibe nichts, dass Du nicht auch einem Fremden auf der Straße sagen oder zeigen würdest
  • Nutze Pseudonyme
  • Nutze verschiedene Pseudonyme
  • Logge Dich nicht automatisch überall ein
  • Nutze die Privatsphäre Einstellungen bei Facebook, Google und Co.
  • Nutze verschiedene Browser
  • Lösche regelmäßig Cookies, Cache und Chronik Deiner Browser
  • Nutze verschiedene Suchmaschinen wie DuckDuckGo, Startpage, MetaGer
  • Nutze einen Passwort-Manager
  • Nutze Tools, die Deine Daten schützen

Das setze ich ein

Ich nutze Firefox als Browser mit ein paar Erweiterungen wie:

  • Multi Account Containers
  • Facebook Container
  • uBlock Origin als Werbeblocker

Weitere nützliche Tools sind:

  • AnonymoX
  • Disconnect
  • Ghostery
  • Policy Control
  • Privacy Badger
  • Script Safe

Diese Tools schränken manchmal die Funktion von Websites ein. Dann kann, bzw.muss man bewusst aussuchen, welche Scripte und Tracker man zulassen möchte, damit die Seite wieder funktioniert. Dazu müssen in den Add-Ons Einstellungen vorgenommen werden. Nicht jedes Script und jeder Tracker ist notwendig, damit Der Inhalt der Seite angezeigt wird, manche sind nur für die Werbung oder Datenerhebung. Das ist ein wenig mühsam und mit Sicherheit nicht für jeden interessant. Wer keine Lust auf manuelle Einstellungen hat kann die Add-Ons einfach auf der jeweiligen Seite deaktivieren und nach anderen, selbstlernenden suchen. Tipps könnt Ihr gerne in die Kommentare packen.
Wer diese Erweiterungen mal aktiviert hatte wird sich in Zukunft vielleicht daran erinnern, dass er nicht immer alles sofort jedem Datensammler auf die Nase binden muss.

Ich habe nicht alle oben genannten Erweiterungen gleichzeitig aktiv, die Funktionalitäten mancher Tools überschneiden sich, aber ich habe alle mal getestet und probiere gerne auch immer wieder was Neues aus.

Die obige Liste ist nur eine Auswahl an Tools für Firefox.
Für Chrome und seine Brüder wie Brave, gibt es ebenfalls viele Add-Ons, die die eigene Privatsphäre schützen.
Opera
kommt mit eingebautem VPN und auch dort gibt es weitere Add-Ons um die Privatsphäre zu schützen.
Einige der genannten FF-Tools gibt es auch für die anderen Browser, aber nicht alle. Mit ein wenig suchen findet Ihr aber mit Sicherheit für jeden Browser gute Datenschutz-Add-Ons und Erweiterungen.

Mal gucken, was Google so weiß

Wer sich für die Daten interessiert, die er bei Google eingetragen hat oder die Google getrackt hat, kann sie hier herunterladen: https://takeout.google.com/settings/takeout

Oder einfach mal gucken, wie die Timeline auf Google Maps aussieht, weil das Handy seinen Standort automatisch teilt? Geht hier: https://www.google.com/maps/timeline

Wenn Dich erschreckt, was Du dort siehst, dann ist das nicht die Schuld von Google, sondern Deine, denn Du teilst diese Daten. Lösche gespeicherte Daten, ändere Deine Einstellungen, löse Verknüpfungen zwischen verschiedenen Apps und Accounts.
Kümmer Dich gefälligst selbst um Deinen Datenschutz.

 

Zahlenmirakel – Oder wie Twitter Analytics mir auch nicht helfen konnte

Normalerweise monitore ich nicht, was ich so privat im Netz mache. Google Analytics läuft nicht bei meinem Blog und auch Twitter Analytics habe ich mir nie angesehen. Je nachdem welches Gerät ich gerade in der Hand habe, nutze ich entweder Hootsuite, Plume oder Tweetdeck um zu twittern. Falls jemand auf einen meiner Tweets antwortet ist das toll. Wenn mich jemand retweetet, kriege ich das meistens gar nicht mit und Favs schon gar nicht. Klar wird das irgendwo angezeigt, aber diese Spalten oder Infos bemerke ich gar nicht.

Bei einem professionell genutzten Twitter Account sähe das deutlich anders aus.

Gestern bin ich dann zufällig auf meiner Twitter -Website gewesen und habe da mal herumgeklickt, erst auf die drei kleinen Balken (Tweet-Aktivität anzeigen) weil ich mir darunter nichts vorstellen konnte und dann unter Interaktionen auf den Link „Details anzeigen“, weil ich mir darunter immer noch nichts vorstellen konnte.

Und schon war ich auf der Analytics Seite zu meinem Twitter Account und konnte eine ganze Zahlensammlung betrachten. Das ist ja ganz nett, aber was bedeuten die Zahlen? Da gibt es beispielsweise die Spalte „Impressionen“ und darunter Zahlen. Diese Zahlen sind bei mir meistens deutlich kleiner als die Anzahl meiner Follower, bei einem Tweet jedoch dreimal so hoch. Und genau hier wurde meine Neugierde geweckt. Was genau versteht man bei Twitter Analytics unter Impressionen? Mit der Maus über den Begriff gefahren und schon steht eine erste Erklärung auf dem Bildschirm: „Wie oft Nutzer den Tweet auf Twitter gesehen haben“. Klingt einleuchtend, lässt aber viele Fragen offen.

Bedeutet auf „Twitter gesehen“, dass nur die Twitter Website gemeint ist? Was ist dann mit den Apps von Twitter, zählen die nicht? Und bedeutet „gesehen“, dass der Tweet zu dem Zeitpunkt als der Nutzer auf seiner Twitter-Seite war auf dem Bildschirm angezeigt wurde? Wie viele das sind ist von der Bildschirmgröße abhängig und von der Anzahl der Tweets mit Bild. Oder dass er durch scrollen durch die Timeline tatsächlich für eine Millisekunde sichtbar wurde? Tja, die Antworten stehen da nicht. Und ein direkter Link zur Hilfe oder zum Glossar steht da auch nicht. Mit Suchen findet man ein Glossar, das jedoch bei den obigen Fragen nicht wirklich weiterführend ist.

Aber egal, ich brauche die Zahlen ja nicht beruflich sondern war nur mal kurz neugierig. Warum der eine Tweet so viele Impressions hat, weiß ich immer noch nicht.

So wie es aussieht, kann man anhand der Zahlen sicherlich den eigenen Account optimieren, wenn man es denn möchte. Dafür lassen sich die Zahlen sogar als CSV Datei exportieren.
Fazit: Twitter Analytics ist ja recht interessant, leider ist das Glossar wenig hilfreich.

Aber damit bin ich mit dem Thema noch gar nicht durch, denn: Wie gut, dass es es Twitter gibt. Mit den richtigen Followern kommt man schnell zu mehr Antworten und mehr Informationen als man eigentlich gesucht hat.

Ich habe mein Fazit also getwittert und fast umgehend kam eine Antwort von @Hirnrinde und es gab ein Gespräch mit insgesamt 12 Tweets in das sich auch @Hootsuite_Help auf deutsch einmischte, als der Begriff Hootsuite gefallen war (ohne @ oder #, sondern nur als Wort innerhalb einer öffentlichen @Reply).

Folgt dem Link, wenn Euch die Details interessieren.

Von @hirnrinde kamen zwei Links zu Blogbeiträgen rund um Twitter Analytics, den Deutschsprachigen gebe ich hier weiter, den anderen findet Ihr in seinem Tweet in unserem Gespräch.

Twitter erfasst demnach nur Daten der Webseite Twitter.com und der eigenen iOS- sowie der Android App. Nicht mal die Windows App (wenn es denn eine gibt) wird erfasst. Apps von Drittanbietern auch nicht.

Jetzt wäre es spannend zu wissen, wie viel Prozent der Twitter Nutzer überhaupt auf den Analytics-Seiten abgebildet werden und ob diese zu Gruppen zusammengefasst werden können.
Ich behaupte mal: Profis (z.B. die mit mehreren Twitter-Accounts) und alte Twitter-Hasen werden häufiger Apps und Services von Drittanbietern verwenden als private Neueinsteiger. Aber das ist ein Thema, da müssen sich die Profis Gedanken zu machen, die mit Ihren Tweets oder Analysen Geld verdienen wollen.

@Hootsuite_Help verwies auf die Hootsuite eigenen Statistiken. Um diese wirklich nutzen zu können, ist jedoch eine Upgrade auf den kostenpflichtigen Pro-Account nötig, Twitter Analytics ist kostenlos.

Warum jetzt der eine Tweet so oft angesehen wurde weiß ich immer noch nicht. Eventuell hat er einen Haufen Fans, die ihn sich immer wieder angucken, denn es werden ja die „Impressions“ gezählt und nicht die „User“.

Vielleicht hat es ja auch mit den „Interaktionen“ zu tun? Interaktionen sind Klicks auf den Tweet, Retweets, Antworten, Favs und Follows und stehen auch auf der Analytics-Seite.

Ja, der Tweet hat verhältnismäßig viele „Interaktionen“ in der Statistik ausgewiesen, aber bei weitem nicht die meisten. Die Interaktionen werden einzeln aufgeschlüsselt. Es gab zwei Re-Tweets. Möglicherweise wurde also genau dieser Tweet von jemandem mit verdammt vielen Follwern retweetet. Allerdings zeigt mir die Analytics Seite nicht an, wer hier retweetet hat, dazu muss ich raus aus Analytics und mir den Tweet direkt angucken. Nein, daran liegt es auch nicht, denn die beiden Accounts haben zusammen weniger als die Hälfte meiner Follower, so komme ich nicht auf dreimal zu viele Impressions wie ich Follower habe.

Bleiben als denkbare Erklärungen also:

  • Eine Fehler in der Messung
  • Viele Follower die sich den Tweet sehr oft angesehen haben
  • Ein Retweet den Twitter (und auch Hootsuite) nicht erfasst hat und der an Millionen Nutzer ging.

Also auf jeden Fall etwas, das nicht reproduzierbar ist und damit ist die Ursache auch für den Profi egal.

P.S.
Um welchen Tweet ging es dabei eigentlich? Um den in dem ich um Likes auf der neuen Facebook-Fanseite bat.