Die World Superbikes in der Krise #WSBK

Wolrd Superbike LogoDie Superbike Weltmeisterschaft (#WSBK) ist in einer Krise. Mir ist das nicht aufgefallen. Ich denke, wenn eine Rennserie gleichzeitig auf zwei Free-TV-Kanälen (Eurosport und Servus) übertragen wird, kann es gar nicht so schlecht sein. 

 

Auf GPone.com werden die fast leeren Media-Center als Problem identifiziert. Und das leuchtet mir ein. Je mehr fachfremde Medien berichten, umso weiter ist die Krise weg. Leere Mediacenter sind also eine verdammt schwere Krise.
Die Lösung ist demnach: die Mediacenter und Medien voller Journalisten zu kriegen. Der Weg dorthin muss nur noch gefunden werden.

Mehr Spektakel

Die Lösung, die in zahllosen Artikeln von Profis lautet: “Mehr Spektakel”, womit meistens mehr Feindschaften unter den Fahrern auf persönlicher Ebene gemeint wurde.
Ich nehme a,n die Autoren dachten dabei an die großen Medienfeindschaften wie: Beatles gegen Stones. Fans der einen Band hassen die anderen. (ich schätze, die meisten Autoren kommen aus der Zeit). Oder moderner und aus dem Motorradsport: Marquez gegen Rossi. Als das richtig hochgekocht war, rechneten die Veranstalter der MotoGP Rennen mit Schlägereien zwischen den Fans der jeweiligen Fahrer.

Die Vermutung, die Massen und die Medien seien nicht an den Rennen interessiert sondern am Spektakel iteressiert, liegt sehr nahe. Wenn ich in die Berichte gucke, sehe ich Promis in der Startaufstellung, Grid Girls und eine Sammlung an möglichst spektakulären Stürzen aus vielen verschiedenen Kameraperspektiven. Alles davon interessiert mich nicht.
Da fällt mir ein, dass die Bild, als eines der wenigen Nicht-Motorrad-Medien, jedes Jahr über die Isle of Man TT berichtet, mit Schlagzeilen wie:
Wieder Tote – verbietet diesen Wahnsinn! 

Was mir gefällt

Mir gefallen Szenen besser, in denen sich alle Fahrer nach dem Rennen miteinander über ein tolles Rennen freuen.

Oder um wieder zur #WSBK zurückzukommen: Wenn Johnny Rea seine Auslaufrunde unterbricht um sich zu erkundigen, wie es Chaz Davies geht.
In der in der letzten Runde des ersten Laufs in Misano 2017 kämpften Johnny und Chaz um den Sieg, zwischen beiden lagen nur wenige kurze Meter, 0,1 Sekunden. Chaz liegt vorne und stürzt, JR kann nicht ausweichen und kommt ebenfalls zu Fall. Der Sieg ist Futsch. JR kann wieder aufsteigen und ins Ziel fahren. Chaz nicht, er wird an der Strecke von den Sanis behandelt. Als JR an die Stelle des Sturzes kommt sieht er, dass Chaz’ Mopped noch da ist und direkt daneben steht der Krankenwagen. Er fährt direkt dorthin um sich bei Chaz zu erkundigen, wie es ihm geht. Beide Fahrer sind keine Freunde abseits der Strecke, sondern eher das Gegenteil, sagt man.

Ich verstehe natürlich, dass sowas nicht gegen ein Promi-Minirock-Sturz-Potpourri ankommen kann, die mir nicht gefallen.

Formel 1

Ich werfe mal einen Seitenblick zu den Autos. Die Formel 1 fand mal unter Ausschluss der Medien in Deutschland statt. Dann hat RTL die Rennen ins TV geholt, und nichts hat sich geändert.
Erst als Michael Schumacher am laufenden Meter Rennen und Weltmeisterschaften gewann, wurde auch auf anderen Sendern und in Zeitungen und Zeitschriften über Schumacher berichtet. Die Formel 1 wurde nur im Nebensatz thematisiert, kroch über die Zeit aber so weit ins Medienbewusstsein, dass die Rennergebnisse heute sogar in den Radionachrichten kommen.
Auf einmal hatten auch andere deutsche Fahrer die Möglichkeit in der Formel 1 mitzufahren. In den Jahrzehnten vor Schumacher saßen deutsche Fahrer nur sehr sehr selten in einem erfolgversprechenden Cockpit. Der Grund für die Änderung war, dass deutsche Fahrer jetzt Sponsorengelder mitbringen konnten. Und das konnten sie, weil auch jenseits der Auto- Motorsportpresse über die F1 berichtet wurde, sie war ein medienübergreifendes Thema.

Fazit

Mehr Spektakel das für Überschriften der Bild sorgt, will ich nicht. Was mir gefällt, wollen die anderen nicht. Und selbst wenn ein deutscher Serienweltmeister in der #WSBK in Deutschland wahrgenommen würde (was ich sehr bezweifel), wäre das nur ein lokales Phänomen, das die weltweite Krise nicht lösen würde.

Die Suche nach einer Lösung muss also weiter gehen. Vielleicht fällt mir zu diesem Thema noch ein zweiter Teil ein. Eure Ideen könnt Ihr gerne als Kommentar hinterlassen.

Speedway – wilder Motorsport

Auf Youtube werden dieses Jahr die Rennen der Speedway Weltmeisterschaft (#SpeedwayGP) übertragen. Der Livestream hat einen englischen Kommentar.
Letzten Samstag gab es zwischendurch (als ich mal kein Vollbild an hatte) habe ich geguckt: 5.808 Zuschauer. Das ist natürlich wenig, andererseits hat der Kanal FIM Speedway Grand Prix auch nur 10.000 Abonnenten. Das ist für die gebotene Show eindeutig zu wenig, also möchte ich hier jeden auffordern, den Kanal zu abonnieren und sich einmal 23 Rennen anzusehen.

Warum 23 Rennen?

Ein GP besteht aus 23 Rennen, die alle an einem Abend gefahren werden. In den ersten 20 Rennen fährt jeder der 16 Fahrer gegen jeden. Rennen 21 und 22 sind die halben und das 23. Rennen ist das ganze Finale. Der Sieger des Finales ist der Sieger des GP, muss jedoch nicht der Fahrer sein, der die meisten WM Punkte bekommt.

Die Punkte Wertung

Für jeden Lauf gibt es Punkte, drei für den Sieger, zwei für den Zweiten, der Dritte bekommt einen Punkt und der Vierte und Letzte: Null. Die acht Fahrer, die in den 20 Vorläufen die meisten Punkte erzielt haben sind für das Halbfinale qualifiziert. Die zwei Schnellsten von diesen Läufen fahren im Finale gegeneinander. In den Halbfinale und im Finale gibt es ebenfalls 3,2,1 und 0 Punkte.
Wer am Ende der Saison die meisten Punkte gesammelt hat ist Weltmeister.

Die einzelnen Läufe

Es fahren jeweils vier Fahrer vier Runden (in der #SGP zwischen 272 m und 387,7 m lang) gegen den Uhrzeigersinn, nach ca. 60 Sekunden ist der Lauf entschieden. Die Rennen sind, bei der Kürze wenig verwunderlich, meistens sehr eng, besonders in der ersten Kurve geht es immer zur Sache. Die Moppeds werden in wilden Driftwinkeln durch die Kurven geprügelt, wobei gute Strecken den Fahrern sehr unterschiedliche Linien ermöglichen.
Nehmt Euch zwei Minuten Zeit und guckt Euch das Video vom 2017er Finale in Malilla, Schweden an:

Die Moppeds

Luftgekühlte 500ccm Einzylinder im Starrahmen verbrennen Methanol und werden von Rizinusöl geschmiert. Die Moppeds haben aus Sicherheitsgründen keine Bremsen (ein Satz, der viel zu gut ist, um ihn nicht zu schreiben) und nur einen Gang. Einen Schönheitspreis werden diese Maschinen bei mir nicht gewinnen, aber dafür gibt es ja Falttrack.

In Deutschland

Am 9. September 2017 findet der Deutsche GP in 17166 Teterow statt. Freunde des Vor-Ort-Guckens können ab 15 Euro dabei sein. Kai Huckenbeck wird als Wildcard-Fahrer gegen die Weltelite antreten, die beiden Reserve-Fahrer sind Tobias Kroner und Mathias Bartz. Möglicherweise wird auch Martin Smolinski am Kabel ziehen, wenn er einen der verletzten Dauerstarter vertritt, so wie letzten Samstag. Dass wären dann vier deutsche Fahrer, dass sind drei mehr als in der MotoGP.
Ich werde mir das Rennen im Stream ansehen.

Viel mehr

Es gibt natürlich nicht nur die Speedway GPs sondern noch viel mehr verwandte Veranstaltungen, Wettbewerbe und Disziplinen: Langbahn, Nationale Ligen, Best of Pairs, Eisspeedway, Flattrack, Grasbahn und und und.

Die Offizielle Website bietet unter anderem eine gute Regelübersicht (die Sprungmarke führt Euch ins untere Drittel, also vergesst nicht, auch nach oben zu scrollen). 

 

Marc Marquez – keine überragende Taktik in Brno #MotoGP

Ich gucke gerade MotoGP und sehe im Vorbericht eine Zusammenfassung des Laufs in Brno. Das Rennen wurde von allen Fahrern mit Regenreifen gestartet. Die Strecke trocknete ab und daher wechselten alle auf Slicks, Marquez (#MM93) als erster, mindestens eine Runde vor den anderen und am Ende gewann er das Rennen mit deutlichem Vorsprung. Weil Marquez gewonnen hat, sprechen jetzt alle Journalisten (auch diejenigen, die das ganze Rennen gesehen haben) von einer taktischen Glanzleistung. Ich nicht.

Mehr Glück als Plan

Marquez startete das Rennen mit den weichen Regenreifen, die anderen Top-Piloten wählten die harte Version. Marquez Reifenwahl war falsch, denn sein Reifen baute schnell ab und er verlor Positionen, er wurde nach hinten durchgereicht. Wäre er eine weitere Runde auf den falschen Reifen gefahren, hätte er viel Zeit auf die Spitze verloren, also musste er an die Box und auf Slicks wechseln. Er hatte keine Wahl.
Ich behaupte: hätte er sich am Start für den richtigen Reifen entschieden, hätte er später gewechselt.

Eine taktische Meisterleistung

Jonas Folger (#JF94) ist in der gleichen Runde wie #MM93 zum Wechsel gefahren. Im Gegensatz zum Weltmeister hatte der Rookie jedoch den richtigen Regenreifen aufgezogen, seine Rundenzeiten bauten nicht ab, er musste nicht wechseln – er wollte. So gesehen ist es doppelt schade, dass sein Team noch nicht fertig war, und Jonas unverrichteter Dinge durch die Boxengasse fahren musste.

Hätte, hätte Tech3 Sieg

Oscar - Quelle PinterestStellt Euch vor, Jonas’ Tech3 Team hätte das Mopped fertig gehabt, dann wären Jonas und Marc direkt hintereinander mit Slicks auf die Strecke gekommen.
Und stellt Euch jetzt noch vor, Marc hätte am Start die richtigen Reifen aufgezogen, dann wäre er frühestens eine Runde nach Jonas an die Box gekommen, als Jonas schon ganz weit weg gewesen wäre.

Nürburgring 24h Rennen #N24h

Dieses Wochenende läuft das 24h Rennen am Nürburgring. Vor ein paar Jahren musste man vor Ort sein um das Rennen zu sehen.
Dieses Jahr wird das Rennen wieder im TV übertragen. RTL Nitro zeigt alle 24 Stunden des Rennens live plus ein bisschen Vor- und Nachberichte, lediglich unterbrochen von Werbung. Finde ich gut.

Ich habe ein paar Stunden immer wieder reingeguckt. Für meinen Geschmack gibt es zu viel vom Drumherum und zu wenig Rundenzeiten und Renngeschehen. All dieses Emotionale, Menschliche und Skurrile interessiert mich nicht. Deshalb, und das ist das noch viel besser als eine TV-Übertragung, schalte ich um. Es gibt das Rennen nicht nur im TV, sondern auch noch mehrfach (wirklich mehrfach!!!!) live bei YouTube. Wie geil ist das denn? Das beste Autorennen in Deutschland wird auf verschiedenen Kanälen live übertragen. Im TV von RTL Nitro, im Netz hat Vodafone Deutschland ein eigenes Moderatoren-Team und macht eine eigene Sendung auf deutsch. Und damit meine ich nicht, einen Kommentator in der Box. Es gibt zusätzliche Kamera-Teams und Moderatoren in der Boxengassse und sonst wo, alles, was bei einer TV-Sendung erwartet wird. Direkte Konkurrenz zu RTL Nitro.

Aber da gucke ich nur manchmal hinein. Nein, das gucke ich die restliche Zeit, aber ohne Ton, denn ich gucke den Stream von Radio Le Mans. Die verwenden den Videofeed von Vodafone Deutschland (inklusive der Studio- und Interview-Bilder) und moderieren darüber. Radio Le Mans überträgt so ziemlich jedes Langstreckenrennen. Meiner Meinung nach ist man dort am dichtesten am Renngeschehen. Vielleicht gefällt es mir aber auch nur, wie die englisch sprechenden Moderatoren die deutschen Namen aussprechen.

Anscheinend gibt es genug Geld um ein 24 Stunden Autorennen unterhaltsam und umfassend zu übertragen.
Schade, dass nicht genug Geld für die Übertragung von Motorradsport vorhanden ist, egal ob IDM oder Isle of Man, Speedway oder sonstwas.

IDM 2017 startet bald

Am 12. Mai startet die 2017er Saison der IDM am Nürburgring.
Oscar - Quelle PinterestIDM steht für Internationale deutsche Meisterschaft und wird mit Superbikes gefahren. Damit ist das die direkte Konkurrenzserie zur britischen BSB, denn auch dort wird mit Superbikes gefahren.
Allerdings wurde dort viele Jahre lang vieles richtig gemacht, die Rennen werden im TV übertragen (somit ist mehr Geld im Topf) und das sportliche Niveau (wie vermutlich auch das Gehalts-Niveau) gilt als höchstes unterhalb der Weltmeisterschaft. Nicht umsonst kommen so viele schnelle Jungs der WSBK aus Britannien.
Bei der IDM wurde dagegen in der Vergangenheit vieles falsch gemacht, vor allem hinter den Kulissen. 

Dieses Jahr gibt es einen Neuanfang, um mal kurz Moto-Maniac zu zitieren: “mit dem IVM bzw. dessen Arbeitsgruppe Motorsport als Promoter und [.] dem Motorrad action-Team als verantwortlichem Ausrichter / Veranstalter vor Ort”.
Dieser Neustart erfolgt recht kurzfristig, ob es dieses Jahr überhaupt eine IDM geben würde, war lange fraglich.

Die neuen Medien

Der Erfolg einer jeden Rennserie ist abhängig von der medialen Verbreitung. Klingt wohl vor allem in den Ohren der Aktiven doof, weil schließlich schrauben die sich den Arsch ab bevor sie auf der Strecke alles geben, ist aber so.

Oscar Quelle Pinterest

Quelle Pinterest

Medienpräsenz ist vor allem für die Sponsoren wichtig, die das Geld geben müssen, damit Teams und Fahrer aus dem Hobby Moppedrennen einen Beruf machen können.
Ich rechne nicht damit, dass es in den nächsten Jahren Live-Übertragungen der IDM-Rennen im TV geben wird, egal wie viele tausende Zuschauer an der Rennstrecke sind und wie gut die Organisation und Promoter arbeiten. Die Öffentlich Rechtlichen bringen nur Fußball und Skifahren und auf Eurosport läuft Snooker. 

Die Speedway Weltmeisterschaft wird auf YouTube live gestreamt, weil dort kein TV-Sender die Rennen zeigen will. Das könnte auch etwas für die IDM sein.
Auf YouTube muss auf jeden Fall etwas geschehen. Der IDMchannel kommt nur auf 2.000 Abos, das Highlight Video der Saison 2016 hat ein bisschen über 4.000 Views, der erfolgreichste Film des Kanals 25.000, da ist viel Luft nach oben.
Die alte IDM Website wurde augenscheinlich nicht von den neuen Betreibern übernommen, vermutlich durften die nicht. Der alte YouTube-Kanal ist jedoch mit der aktuellen Website verlinkt und dort gibt es seit heute ein Vorschau-Video zur 2017er Saison.
1000 PS scheint ja irgendwie auch zur Firmenfamilie der Motorrad und des Action Teams zu gehören und hat mit aktuell über 160.000 Abonnenten (populärstes Video 1,3 Mio Views) wenigstens eine Nutzerbasis. Ich hoffe, dass da demnächst eine Zusammenarbeit stattfindet. 

Alte Menschen wie ich sollten nicht vergessen, dass die jungen Rennfahrer, die vielleicht in die WM aufsteigen wollen und können, zu Zeit maximal in ihren frühen Zwanzigern sind und Medien anders nutzen. Da sollten zeitgemäße Auftritte bei YouTube, Facebook, Twitter und Instagram selbstverständlich sein.

Immer gut informiert

Bis es soweit ist können wir uns im traditionellen Netz informieren, unter anderem bei den Moto Maniacs und bei All-About-Racing.

Übrigens: An den Rennwochenenden fahren auch Superstocks, 600er und 300er Supersports, Seitenwagen und Markenpokale. Damit wird auf der Strecke von morgens bis abends Betrieb sein. Dazu sind die Eintrittspreise (zumindest am Nürburgring) für Menschen ab 18 vergleichsweise gering, Jüngere zahlen gar nichts. Es spricht also nichts dagegen, einmal wieder ein Wochenende an der Rennstrecke zu verbringen.

 

Von Peking nach Paris – Das Rennen 1907

Im kommenden Jahr wird die Silk Way Rally das erste Mal auch für Moppeds ausgeschrieben. Die Silk Way ist eine Marathon Rally, vergleichbar mit der Dakar. Manche nennen sie gar, die kleine Dakar oder auch die zweite Dakar. Bisher konnten nur PKW und LKW diese Rally fahren.

Mich hat diese Ansage an einen Tag in meiner Kindheit erinnert, als die ganze Familie eine Auto-Show besucht hat, es muss 1980 gewesen sein. Damals wurden Autos aus der Harrah‘s Sammlung auf Tournee geschickt. Einige dieser Autos haben mich nachhaltig beeindruckt, eines davon war ein Itala.

Fürst Scipione Borghese hat mit diesem Auto das Rennen von Peking nach Paris gewonnen, das im Jahre 1907 ausgetragen wurde.
Das Rennen sollte eigentlich in umgekehrter Richtung gefahren werden. Wenn ich mich recht erinnere, wurde die Strecke umgedreht, um der Regenzeit zu entgehen.

Als das bekannt gegeben wurde, haben einige der Teilnehmer ihre Anmeldung zurückgezogen. Am Start in Peking standen nur noch fünf Fahrzeuge (es war mindestens ein Dreirad darunter). Das war den Veranstaltern zu wenig, also sagten sie das Rennen ab. Die Fahrer sind trotzdem losgefahren.
Es war 1907, da gab es nur wenig Wege und Verkehrsregeln. Die Fahrer waren alle stinkereich und Europäer, Kolonialherren, die es gewohnt waren, dass die Gesetze nur für den Pöbel gelten und der fremdländische Einheimische nur dafür da ist, dem edlen Herren zu dienen. Oder so ähnlich. Also ab dafür und trotzdem starten!
Halt zurück: Fürst Borghese war nicht unbedingt der Fahrer des Itala, er wurde von seinem Chauffeur und Mechaniker Ettore Guizzardi begleitet. Ob der Chauffeur gefahren ist oder der Fürst konnte ich nirgendwo lesen.
Mir gefällt die Idee, dass der Fürst auf dem Beifahrersitz sitzt und so etwas sagt wie: „Schneller Ettore, es ist ein Rennen, man wolle doch wohl gewinnen.“ Oder wie der Herr Fürst auf dem Siegertreppchen steht und den Preis, im Falle des Rennen von Peking nach Paris sollte der Sieger eine Magnum Flasche Champagner bekommen, in Empfang nimmt. Währenddessen poliert der Chauffeur, mit einem Lappen über den Kotflügel.

Ist natürlich Quatsch, wie man schon am Bild des Autos sehen kann, brauchen diese „Kotflügel“ keine Politur. Und wir reden hier vom Jahr 1907. Die Strecke von Peking nach Paris ist heute noch abenteuerlich. Im Rahmen eines Rennens, (also mit Organisation vom Start bis zum Ziel), schon ein bisschen weniger, aber immer noch lange nicht alltäglich.
1907 sahen die Wege ganz anders aus, es gab kein Straßennetz, schon gar nicht für Autos. Möglicherweise gab es nicht mal ordentliches Kartenwerk für die ganze Strecke. Auf jeden Fall war die Strecke, die die Teilnehmer wählten absolut frei gestellt, nur Start- und Zielort standen fest.
Google Maps liefert heute noch keinen Vorschlag für die Strecke (wegen China).

Ich stelle mir schon alleine die Fahrt mit einem Auto Baujahr 1907 auf heutigen Wegen (auch ohne Verkehr) abenteuerlich vor. 10.000 Kilometer mit diesem Itala, ob als Fürst oder Chauffeur: Hut ab.
Bei Wikipedia wird die Rennstrecke sogar mit 16.000 km angegeben. Grund dafür war wohl, dass der Fürst im Vorfeld dafür gesorgt hatte, dass sein Itala die Strecke der Transsibirischen Eisenbahn als Sonderzug nutzen durfte. Die Spurweite des Itala wurde schon beim Bau auf die 1.520 mm Breitspur der TransSib angepasst. Die TransSib fuhr aber nicht den kürzesten Weg nach Paris und so kam der Itala auch durch Moskau und St. Petersburg. 6.000 Kilometer Umweg müssen halt gefüllt werden.
Ein weiterer Vorteil bei dieser Streckenwahl waren die vorhandenen Telegrafenstationen. Von denen konnte der ebenfalls mitfahrende Reporter Luigi Barzini unterwegs Berichte verschicken. Heute wird diese Rolle in der Regel von einer Action-Cam übernommen, zusätzlich mitfahrende Reporter im Rennen sind eher selten.
Auf den Bildern oben ist der dritte Sitzplatz nicht zu sehen, er war hinten, zwischen den Benzinfässern.

Gestartet wurde am 10. Juni morgens in Peking und der Sieger kam am 10. August in Paris an, sagt Wikipedia.
Richtig knapp war das Rennen nicht, der Zweitplatzierte Charles Goddard kam mit seinem Spyker erst 20 Tage später an, alle anderen sind ausgeschieden.

Im nächsten Jahr gab es ein ähnliches Rennen. Es ging von New York nach Paris, den langen Weg Richtung Westen. Den Film dazu kennt Ihr hoffentlich.

P.S.
Das Buch zum Rennen von Luigi Barzini heißt: „Peking – Paris im Automobil: Eine Wettfahrt durch Asien und Europa in sechzig Tagen, mit einer Einleitung von Fürst Scipione Borghese“. Ich habe es nicht gelesen, sollte das vielleicht mal nachholen.

Superbikes – Servus vs. Eurosport

Endlich ist die Rundstrecken-Saison gestartet. Dieses Wochenende gingen die 600er Supersports und die 1.000er Superbikes in Australien ins Rennen. Glücklicherweise wurden die Rennen live übertragen, die Superbikes sogar zeitgleich auf zwei Sendern. Da beide Sender die Rennen zu einem späteren Zeitpunkt wiederholten, konnte ich beide Übertragungen ohne technische Tricksereien vergleichen.

Zu allererst, bevor auch nur ein negatives Wort fällt: Danke, dass Ihr die Rennen live übertragen habt und dann zusätzlich noch einmal morgens wiederholt habt. Ich hoffe, das wird bei allen weiteren Rennen so bleiben.

Damit zur Kritik.

Eurosport

Ich schicke voraus, dass ich das Moderatoren-Team bei Eurosport, bestehend aus Dirk Raudies und Lenz Leberkern sehr gut finde. Dort mischen sich Emotionalität, Berichterstattung und Sachlichkeit. Beide sind über die Hintergründe besser informiert als ich und können das Rennen besser lesen als ich. Ihnen fallen Dinge in der Zeitentabelle auf, die nicht auf dem Bildschirm zu sehen sind.

Deshalb habe ich Eurosport live gesehen.

Der einzige grobe Fehler, der mir auffiel war: Eurosport (und auch Servus) ist der komplett misslungene Start von Randy Krummenacher entgangen, obwohl er im Bild klar zu sehen war. Randy ist nur einer von drei deutschsprachigen Fahrern, die heute alle aus der gleichen Startreihe gestartet sind (darauf hat Servus vor dem Start sogar mehrfach hingewiesen). Da hätte auffallen können.
Ich habe es am 70 cm TV gesehen und das obwohl ich kein Extra-Auge auf der deutschsprachigen Reihe hatte. Ich fand es sehr auffällig, das zwanzig Moppeds vorwärts stürmen und eines nicht.

Die Spitze war das ganze Rennen über dicht zusammen und es gab reichlich Überholmanöver und noch mehr -versuche. Dass dabei regelmäßig die Namen der Beteiligten durch ein „er“ ersetzt wurden, finde ich okay. Die Saison hat gerade erst begonnen und die Fahrer sind teilweise neu, neu im Team und oder die Teams haben das Design der Moppeds geändert. Ich finde es verständlich, wenn man als Moderator dann nicht im Bruchteil einer Sekunde erkennt, wer da gerade von Position vier auf fünf zurückfällt. Den Kollegen bei Servus ging es ähnlich und es wird in Zukunft besser, das kenne ich auch der Vergangenheit.

Servus

Der größte Fehler, den Servus gemacht hat war: das Supersport Rennen wurde nicht übertragen. Ich hoffe, das wird geändert. Heute lag nur eine tausendstel Sekunde zwischen Platz eins und zwei, wenn überhaupt (haben die bestimmt bei der Zeitnahme eingeschmuggelt, damit überhaupt ein Zeitabstand in der Tabelle steht).

Nächster Kritikpunkt ist das Moderatoren-Duo Philipp Krummholz und Alex Hofmann. Mir fehlte die Emotion und die Übersicht. Während des ganzen Rennens wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass die Honda von Stefan Bradl noch unfertig ist und er daher nicht vorne mitfahren kann. Dass er über weite Strecken des Rennens jedoch in einem dichten Pulk mit dem zweiten Deutschen Markus Reiterberger und Alex de Angelis, Josh Brookes sowie Roman Ramos fuhr wurde nicht erwähnt. Bei Eurosport wurde es dagegen oft angesprochen und auch die Zeitabstände genannt, damit man auch im Bild ist, was außerhalb des TV-Bildes passiert.

Alex Hofmann hat eine unglückliche Figur abgegeben. Als er gleich zu Anfang die neue Startaufstellung erklären sollte, war es nur eine wenig geordnete Aneinanderreihung von Sätzen rund um die Information, dass der Sieger des ersten Laufs auf Platz 9 startet. Auch die weiteren Kommentare waren nicht sehr erhellend. Alex hat mehrfach darauf hingewiesen, dass Freunde der Statistik jetzt Probleme mit der Pole Position haben werden (warum?), aber wenig zum Renngeschehen. Ich hoffe, das wird besser.

Fazit

Ich bin froh, dass ich Eurosport live gesehen habe, die doch deutlich bessere Übertragung. Ob ich in Zukunft, wenn Eurosport die Rennen wieder nur noch auf dem Bezahlkanal überträgt, auf Servus oder doch lieber einen englischen Stream gucke, wird sich zeigen. Schön, dass ich die Wahl habe.

 

P.S.

Liebe Sender, Ihr braucht keine fünf Moderatoren direkt an die Rennstrecke schicken, es funktioniert auch, wenn wenn von zu Hause aus das Geschehen von Monitor und Live Timing moderiert wird. Spart das Geld und bringt mehr Rennen live.

 

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