Nürburgring 24h Rennen #N24h

Dieses Wochenende läuft das 24h Rennen am Nürburgring. Vor ein paar Jahren musste man vor Ort sein um das Rennen zu sehen.
Dieses Jahr wird das Rennen wieder im TV übertragen. RTL Nitro zeigt alle 24 Stunden des Rennens live plus ein bisschen Vor- und Nachberichte, lediglich unterbrochen von Werbung. Finde ich gut.

Ich habe ein paar Stunden immer wieder reingeguckt. Für meinen Geschmack gibt es zu viel vom Drumherum und zu wenig Rundenzeiten und Renngeschehen. All dieses Emotionale, Menschliche und Skurrile interessiert mich nicht. Deshalb, und das ist das noch viel besser als eine TV-Übertragung, schalte ich um. Es gibt das Rennen nicht nur im TV, sondern auch noch mehrfach (wirklich mehrfach!!!!) live bei YouTube. Wie geil ist das denn? Das beste Autorennen in Deutschland wird auf verschiedenen Kanälen live übertragen. Im TV von RTL Nitro, im Netz hat Vodafone Deutschland ein eigenes Moderatoren-Team und macht eine eigene Sendung auf deutsch. Und damit meine ich nicht, einen Kommentator in der Box. Es gibt zusätzliche Kamera-Teams und Moderatoren in der Boxengassse und sonst wo, alles, was bei einer TV-Sendung erwartet wird. Direkte Konkurrenz zu RTL Nitro.

Aber da gucke ich nur manchmal hinein. Nein, das gucke ich die restliche Zeit, aber ohne Ton, denn ich gucke den Stream von Radio Le Mans. Die verwenden den Videofeed von Vodafone Deutschland (inklusive der Studio- und Interview-Bilder) und moderieren darüber. Radio Le Mans überträgt so ziemlich jedes Langstreckenrennen. Meiner Meinung nach ist man dort am dichtesten am Renngeschehen. Vielleicht gefällt es mir aber auch nur, wie die englisch sprechenden Moderatoren die deutschen Namen aussprechen.

Anscheinend gibt es genug Geld um ein 24 Stunden Autorennen unterhaltsam und umfassend zu übertragen.
Schade, dass nicht genug Geld für die Übertragung von Motorradsport vorhanden ist, egal ob IDM oder Isle of Man, Speedway oder sonstwas.

IDM 2017 startet bald

Am 12. Mai startet die 2017er Saison der IDM am Nürburgring.
Oscar - Quelle PinterestIDM steht für Internationale deutsche Meisterschaft und wird mit Superbikes gefahren. Damit ist das die direkte Konkurrenzserie zur britischen BSB, denn auch dort wird mit Superbikes gefahren.
Allerdings wurde dort viele Jahre lang vieles richtig gemacht, die Rennen werden im TV übertragen (somit ist mehr Geld im Topf) und das sportliche Niveau (wie vermutlich auch das Gehalts-Niveau) gilt als höchstes unterhalb der Weltmeisterschaft. Nicht umsonst kommen so viele schnelle Jungs der WSBK aus Britannien.
Bei der IDM wurde dagegen in der Vergangenheit vieles falsch gemacht, vor allem hinter den Kulissen. 

Dieses Jahr gibt es einen Neuanfang, um mal kurz Moto-Maniac zu zitieren: “mit dem IVM bzw. dessen Arbeitsgruppe Motorsport als Promoter und [.] dem Motorrad action-Team als verantwortlichem Ausrichter / Veranstalter vor Ort”.
Dieser Neustart erfolgt recht kurzfristig, ob es dieses Jahr überhaupt eine IDM geben würde, war lange fraglich.

Die neuen Medien

Der Erfolg einer jeden Rennserie ist abhängig von der medialen Verbreitung. Klingt wohl vor allem in den Ohren der Aktiven doof, weil schließlich schrauben die sich den Arsch ab bevor sie auf der Strecke alles geben, ist aber so.

Oscar Quelle Pinterest

Quelle Pinterest

Medienpräsenz ist vor allem für die Sponsoren wichtig, die das Geld geben müssen, damit Teams und Fahrer aus dem Hobby Moppedrennen einen Beruf machen können.
Ich rechne nicht damit, dass es in den nächsten Jahren Live-Übertragungen der IDM-Rennen im TV geben wird, egal wie viele tausende Zuschauer an der Rennstrecke sind und wie gut die Organisation und Promoter arbeiten. Die Öffentlich Rechtlichen bringen nur Fußball und Skifahren und auf Eurosport läuft Snooker. 

Die Speedway Weltmeisterschaft wird auf YouTube live gestreamt, weil dort kein TV-Sender die Rennen zeigen will. Das könnte auch etwas für die IDM sein.
Auf YouTube muss auf jeden Fall etwas geschehen. Der IDMchannel kommt nur auf 2.000 Abos, das Highlight Video der Saison 2016 hat ein bisschen über 4.000 Views, der erfolgreichste Film des Kanals 25.000, da ist viel Luft nach oben.
Die alte IDM Website wurde augenscheinlich nicht von den neuen Betreibern übernommen, vermutlich durften die nicht. Der alte YouTube-Kanal ist jedoch mit der aktuellen Website verlinkt und dort gibt es seit heute ein Vorschau-Video zur 2017er Saison.
1000 PS scheint ja irgendwie auch zur Firmenfamilie der Motorrad und des Action Teams zu gehören und hat mit aktuell über 160.000 Abonnenten (populärstes Video 1,3 Mio Views) wenigstens eine Nutzerbasis. Ich hoffe, dass da demnächst eine Zusammenarbeit stattfindet. 

Alte Menschen wie ich sollten nicht vergessen, dass die jungen Rennfahrer, die vielleicht in die WM aufsteigen wollen und können, zu Zeit maximal in ihren frühen Zwanzigern sind und Medien anders nutzen. Da sollten zeitgemäße Auftritte bei YouTube, Facebook, Twitter und Instagram selbstverständlich sein.

Immer gut informiert

Bis es soweit ist können wir uns im traditionellen Netz informieren, unter anderem bei den Moto Maniacs und bei All-About-Racing.

Übrigens: An den Rennwochenenden fahren auch Superstocks, 600er und 300er Supersports, Seitenwagen und Markenpokale. Damit wird auf der Strecke von morgens bis abends Betrieb sein. Dazu sind die Eintrittspreise (zumindest am Nürburgring) für Menschen ab 18 vergleichsweise gering, Jüngere zahlen gar nichts. Es spricht also nichts dagegen, einmal wieder ein Wochenende an der Rennstrecke zu verbringen.

 

Von Peking nach Paris – Das Rennen 1907

Im kommenden Jahr wird die Silk Way Rally das erste Mal auch für Moppeds ausgeschrieben. Die Silk Way ist eine Marathon Rally, vergleichbar mit der Dakar. Manche nennen sie gar, die kleine Dakar oder auch die zweite Dakar. Bisher konnten nur PKW und LKW diese Rally fahren.

Mich hat diese Ansage an einen Tag in meiner Kindheit erinnert, als die ganze Familie eine Auto-Show besucht hat, es muss 1980 gewesen sein. Damals wurden Autos aus der Harrah‘s Sammlung auf Tournee geschickt. Einige dieser Autos haben mich nachhaltig beeindruckt, eines davon war ein Itala.

Fürst Scipione Borghese hat mit diesem Auto das Rennen von Peking nach Paris gewonnen, das im Jahre 1907 ausgetragen wurde.
Das Rennen sollte eigentlich in umgekehrter Richtung gefahren werden. Wenn ich mich recht erinnere, wurde die Strecke umgedreht, um der Regenzeit zu entgehen.

Als das bekannt gegeben wurde, haben einige der Teilnehmer ihre Anmeldung zurückgezogen. Am Start in Peking standen nur noch fünf Fahrzeuge (es war mindestens ein Dreirad darunter). Das war den Veranstaltern zu wenig, also sagten sie das Rennen ab. Die Fahrer sind trotzdem losgefahren.
Es war 1907, da gab es nur wenig Wege und Verkehrsregeln. Die Fahrer waren alle stinkereich und Europäer, Kolonialherren, die es gewohnt waren, dass die Gesetze nur für den Pöbel gelten und der fremdländische Einheimische nur dafür da ist, dem edlen Herren zu dienen. Oder so ähnlich. Also ab dafür und trotzdem starten!
Halt zurück: Fürst Borghese war nicht unbedingt der Fahrer des Itala, er wurde von seinem Chauffeur und Mechaniker Ettore Guizzardi begleitet. Ob der Chauffeur gefahren ist oder der Fürst konnte ich nirgendwo lesen.
Mir gefällt die Idee, dass der Fürst auf dem Beifahrersitz sitzt und so etwas sagt wie: „Schneller Ettore, es ist ein Rennen, man wolle doch wohl gewinnen.“ Oder wie der Herr Fürst auf dem Siegertreppchen steht und den Preis, im Falle des Rennen von Peking nach Paris sollte der Sieger eine Magnum Flasche Champagner bekommen, in Empfang nimmt. Währenddessen poliert der Chauffeur, mit einem Lappen über den Kotflügel.

Ist natürlich Quatsch, wie man schon am Bild des Autos sehen kann, brauchen diese „Kotflügel“ keine Politur. Und wir reden hier vom Jahr 1907. Die Strecke von Peking nach Paris ist heute noch abenteuerlich. Im Rahmen eines Rennens, (also mit Organisation vom Start bis zum Ziel), schon ein bisschen weniger, aber immer noch lange nicht alltäglich.
1907 sahen die Wege ganz anders aus, es gab kein Straßennetz, schon gar nicht für Autos. Möglicherweise gab es nicht mal ordentliches Kartenwerk für die ganze Strecke. Auf jeden Fall war die Strecke, die die Teilnehmer wählten absolut frei gestellt, nur Start- und Zielort standen fest.
Google Maps liefert heute noch keinen Vorschlag für die Strecke (wegen China).

Ich stelle mir schon alleine die Fahrt mit einem Auto Baujahr 1907 auf heutigen Wegen (auch ohne Verkehr) abenteuerlich vor. 10.000 Kilometer mit diesem Itala, ob als Fürst oder Chauffeur: Hut ab.
Bei Wikipedia wird die Rennstrecke sogar mit 16.000 km angegeben. Grund dafür war wohl, dass der Fürst im Vorfeld dafür gesorgt hatte, dass sein Itala die Strecke der Transsibirischen Eisenbahn als Sonderzug nutzen durfte. Die Spurweite des Itala wurde schon beim Bau auf die 1.520 mm Breitspur der TransSib angepasst. Die TransSib fuhr aber nicht den kürzesten Weg nach Paris und so kam der Itala auch durch Moskau und St. Petersburg. 6.000 Kilometer Umweg müssen halt gefüllt werden.
Ein weiterer Vorteil bei dieser Streckenwahl waren die vorhandenen Telegrafenstationen. Von denen konnte der ebenfalls mitfahrende Reporter Luigi Barzini unterwegs Berichte verschicken. Heute wird diese Rolle in der Regel von einer Action-Cam übernommen, zusätzlich mitfahrende Reporter im Rennen sind eher selten.
Auf den Bildern oben ist der dritte Sitzplatz nicht zu sehen, er war hinten, zwischen den Benzinfässern.

Gestartet wurde am 10. Juni morgens in Peking und der Sieger kam am 10. August in Paris an, sagt Wikipedia.
Richtig knapp war das Rennen nicht, der Zweitplatzierte Charles Goddard kam mit seinem Spyker erst 20 Tage später an, alle anderen sind ausgeschieden.

Im nächsten Jahr gab es ein ähnliches Rennen. Es ging von New York nach Paris, den langen Weg Richtung Westen. Den Film dazu kennt Ihr hoffentlich.

P.S.
Das Buch zum Rennen von Luigi Barzini heißt: „Peking – Paris im Automobil: Eine Wettfahrt durch Asien und Europa in sechzig Tagen, mit einer Einleitung von Fürst Scipione Borghese“. Ich habe es nicht gelesen, sollte das vielleicht mal nachholen.

Superbikes – Servus vs. Eurosport

Endlich ist die Rundstrecken-Saison gestartet. Dieses Wochenende gingen die 600er Supersports und die 1.000er Superbikes in Australien ins Rennen. Glücklicherweise wurden die Rennen live übertragen, die Superbikes sogar zeitgleich auf zwei Sendern. Da beide Sender die Rennen zu einem späteren Zeitpunkt wiederholten, konnte ich beide Übertragungen ohne technische Tricksereien vergleichen.

Zu allererst, bevor auch nur ein negatives Wort fällt: Danke, dass Ihr die Rennen live übertragen habt und dann zusätzlich noch einmal morgens wiederholt habt. Ich hoffe, das wird bei allen weiteren Rennen so bleiben.

Damit zur Kritik.

Eurosport

Ich schicke voraus, dass ich das Moderatoren-Team bei Eurosport, bestehend aus Dirk Raudies und Lenz Leberkern sehr gut finde. Dort mischen sich Emotionalität, Berichterstattung und Sachlichkeit. Beide sind über die Hintergründe besser informiert als ich und können das Rennen besser lesen als ich. Ihnen fallen Dinge in der Zeitentabelle auf, die nicht auf dem Bildschirm zu sehen sind.

Deshalb habe ich Eurosport live gesehen.

Der einzige grobe Fehler, der mir auffiel war: Eurosport (und auch Servus) ist der komplett misslungene Start von Randy Krummenacher entgangen, obwohl er im Bild klar zu sehen war. Randy ist nur einer von drei deutschsprachigen Fahrern, die heute alle aus der gleichen Startreihe gestartet sind (darauf hat Servus vor dem Start sogar mehrfach hingewiesen). Da hätte auffallen können.
Ich habe es am 70 cm TV gesehen und das obwohl ich kein Extra-Auge auf der deutschsprachigen Reihe hatte. Ich fand es sehr auffällig, das zwanzig Moppeds vorwärts stürmen und eines nicht.

Die Spitze war das ganze Rennen über dicht zusammen und es gab reichlich Überholmanöver und noch mehr -versuche. Dass dabei regelmäßig die Namen der Beteiligten durch ein „er“ ersetzt wurden, finde ich okay. Die Saison hat gerade erst begonnen und die Fahrer sind teilweise neu, neu im Team und oder die Teams haben das Design der Moppeds geändert. Ich finde es verständlich, wenn man als Moderator dann nicht im Bruchteil einer Sekunde erkennt, wer da gerade von Position vier auf fünf zurückfällt. Den Kollegen bei Servus ging es ähnlich und es wird in Zukunft besser, das kenne ich auch der Vergangenheit.

Servus

Der größte Fehler, den Servus gemacht hat war: das Supersport Rennen wurde nicht übertragen. Ich hoffe, das wird geändert. Heute lag nur eine tausendstel Sekunde zwischen Platz eins und zwei, wenn überhaupt (haben die bestimmt bei der Zeitnahme eingeschmuggelt, damit überhaupt ein Zeitabstand in der Tabelle steht).

Nächster Kritikpunkt ist das Moderatoren-Duo Philipp Krummholz und Alex Hofmann. Mir fehlte die Emotion und die Übersicht. Während des ganzen Rennens wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass die Honda von Stefan Bradl noch unfertig ist und er daher nicht vorne mitfahren kann. Dass er über weite Strecken des Rennens jedoch in einem dichten Pulk mit dem zweiten Deutschen Markus Reiterberger und Alex de Angelis, Josh Brookes sowie Roman Ramos fuhr wurde nicht erwähnt. Bei Eurosport wurde es dagegen oft angesprochen und auch die Zeitabstände genannt, damit man auch im Bild ist, was außerhalb des TV-Bildes passiert.

Alex Hofmann hat eine unglückliche Figur abgegeben. Als er gleich zu Anfang die neue Startaufstellung erklären sollte, war es nur eine wenig geordnete Aneinanderreihung von Sätzen rund um die Information, dass der Sieger des ersten Laufs auf Platz 9 startet. Auch die weiteren Kommentare waren nicht sehr erhellend. Alex hat mehrfach darauf hingewiesen, dass Freunde der Statistik jetzt Probleme mit der Pole Position haben werden (warum?), aber wenig zum Renngeschehen. Ich hoffe, das wird besser.

Fazit

Ich bin froh, dass ich Eurosport live gesehen habe, die doch deutlich bessere Übertragung. Ob ich in Zukunft, wenn Eurosport die Rennen wieder nur noch auf dem Bezahlkanal überträgt, auf Servus oder doch lieber einen englischen Stream gucke, wird sich zeigen. Schön, dass ich die Wahl habe.

 

P.S.

Liebe Sender, Ihr braucht keine fünf Moderatoren direkt an die Rennstrecke schicken, es funktioniert auch, wenn wenn von zu Hause aus das Geschehen von Monitor und Live Timing moderiert wird. Spart das Geld und bringt mehr Rennen live.

 

Links:

Die Saison startet

In Köln wird mit Kamelle und Bützchen auf Betrunkene geworfen und in Australien geht endlich das Straßenjahr 2017 los. Samstag ist das erste Rennen, die Superbikes.

Der Wechsel von Stefan Bradl in diese Klasse sorgt vielleicht dafür, dass … ach ne, doch nicht. Motorradsport ist und bleibt eine Randsportart in der Nische. Selbst wenn der Stefan 100 WM-Titel einfahren würde, keiner außerhalb würde es merken. Eine minimale Chance bestände bei WM-Titeln in der MotoGP, aber die Superbikes gelten in der internen Hackordnung als Zweite Liga, vermutlich noch viel zweiter als die Moto2.

Ob das sportlich so ist, also ob die Fahrer in der MotoGP besser sind als die Fahrer in der SBK, wird sich nie beweisen oder widerlegen lassen, dafür sind die Serien und die Fahrzeuge zu unterschiedlich. Ein Blick in die Budgets der Teams und die Medienpräsenz der Serien legt die zweite Liga jedoch nahe. Oder anders ausgedrückt, Wer sich über die Superbikes unterhalten will, findet schwer einen interessierten Gesprächspartner. Also schreibe ich es halt hier. Ich freue mich nämlich darauf, dass es endlich losgeht, selbst wenn ich der einzige bin.

Die Werke

Nach den Tests sieht es so aus, als würde das Titelrennen wieder zwischen Kawasaki und Ducati entschieden. Das ist auch kein Wunder, sind es doch einzigen Werksteams, die schon länger dabei sind. Halt, da ist ja noch MV Agusta. Die sind auch schon länger mit einem Werksteam dabei, haben jedoch nicht mal genug Budget für zwei Fahrer. Ich gehe davon aus, dass einige der privaten Teams ein höheres Budget haben. Die haben auch alle ein moderneres Basis-Mopped als die F4, die 2010 auf den Markt kam. Trotzdem war die MV beim letzten Test der erste Verfolger der beiden großen Werke. Hut ab! Dieses Jahr werde ich Leon und die MV mit Sicherheit noch lauter anfeuern als im letzten.
Als Werksteam neu, oder wieder dabei, ist dieses Jahr Aprillia. Letztes Jahr wurden die V4 Moppeds nur privat (mit Werksunterstützung) eingesetzt. Ich sehe in Aprilia über die ganze Saison betrachtet, die dritte Kraft.

Nicht die Werke

Bis zum letzten Jahr war die Honda Fireblade aus dem Jahre 2008 noch die alte Dame im Feld. Die aktuelle SP2 Blade, eingesetzt vom Ten Kate Team mit Red Bull Sponsor und „ohne HRC Aufkleber“ (habe ich irgendwo gelesen), kam ein bisschen spät und ist daher noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Ich rechne mit einem dicken Update nachdem die 8 Stunden von Suzuka am 30. Juli gefahren sind. Das Rennen in Suzuka ist für die Japanischen Werke sehr wichtig, um dort zu gewinnen wird Geld in die Hand genommen und entwickelt.
Yamaha kann mit der R1 auf die Erfahrung der letzten Saison zurückgreifen. Die Moppeds werden von PATA (italienische Chips) mit Unterstützung des Werkes eingesetzt. Dieses Jahr sogar mit noch mehr Unterstützung als im letzten Jahr. Warum sie trotzdem nicht als Werksteam gelten, kann ich nicht sagen. Ich gebe hier die Meinung der Journalisten wieder, die aus dem Fahrerlager berichten und mir kompetent erscheinen (und von denen auch viele andere abschreiben oder sie übersetzen). Mit dem einen Jahr mehr Erfahrung mit dem aktuellen Einsatzmopped schätze ich sie zu Beginn der Saison stärker ein als Honda.
Beide Japaner werden wohl ein bisschen schneller als die BMW sein. BMW Motorrad setzt in keiner Serie irgendwo ein Werksteam ein. KTM-Pierer findet das doof, will aber im Gegenzug kein neues Superbike mit Straßenzulassung bauen. Ist so ein bischen wie, wenn Du nicht auf meinem Spielplatz spielen willst, dann bist du doof. Bei mir gibt es immer Sympathiepunkte, wenn einer etwas anders macht als alle anderen. Also in diesem Fall BMW: hat kein Werksteam, baut und verkauft aber trotzdem die S1000RR.  Ein bisschen Werksunterstützung soll es jedoch auch geben oder nicht oder doch, man munkelt da so was. Egal, denn für ganz vorne wird es nicht reichen.

Die Fahrer und der Titel

Neben den Teams und den Moppeds, die sie einsetzen, sind natürlich auch die Fahrer nicht zu vernachlässigen, denn Fahrer und Mopped müssen zusammenpassen. Wenn Du den härtesten Bremser und Beschleuniger unter der Sonne hast, Dein Mopped aber nur in der Kurve schnell ist, dann wird das nicht zum Titel reichen. Johnny Rea und die Kawasaki passen besser zusammen als Tom Sykes und die grüne Tausender. Eine der kleinen Regeländerungen in diesem Jahr ist, dass Die Moppeds mit Generator fahren müssen, und nicht mehr, wie noch im letzten Jahr, Ihren Strom nur aus der Batterie holen können. Damit erhöht sich die Schwungmasse des Motors und das passt nicht so gut zum Fahrstil von Tom, sagt er. Der zweite Titelfavorit ist Chaz Davies. Wie gut er mit der Ducati zusammenpasst hat er in der letzten Saison, vor allem am Ende, eindrücklich bewiesen. Von den letzten acht Rennen hat er sieben gewonnen. In den Tests war auch sehr schnell. Sein Teamkollege ist Marco Melandri, der aus seiner Karriere-Pause zurückkommt und hat wohl einen ähnlichen Fahrstil wie Chaz. Ich traue ihm den Titel in dieser Saison nicht zu, er wird aber mit Tom Sykes und den beiden Aprilia-Jungs, Eugene Laverty und Lorenzo Savadori, um Platz drei kämpfen können.

Weiter hinten ist immer noch vorne

Stefan Bradl und Nicky Hayden (beide Honda) sowie Michael van der Mark und eventuell auch Alex Lowes, sind mit Sicherheit für das eine oder andere Treppchen und eventuell auch für einen Sieg gut, besonders später in der Saison, wenn ihre Moppeds besser aussortiert sind. Auch Jordi Torres (BMW) und Leon Camier (MV Agusta) könnten mal auf dem Podium auftauchen. Ich wäre sehr dafür.
Damit habe ich schon zwölf Fahrer aufgezählt, das sind sechs mehr als von der neuen Startaufstellung für das Sonntagsrennen profitieren.

Endlich geht’s los.

Roadbook auf der #Dakar

Dieses Jahr ist die Dakar deutlich anders, als in den letzten Jahren. Nachdem die Sonderprüfungen immer wieder als WRC-Stil (mit Vollgas dem Weg folgen) bezeichnet wurden, gibt es in diesem Jahr die Rückkehr der Navigation zu feiern. Navigation im Sinne von, den richtigen Weg finden. Die GPS-Geräte an den Moppeds werden vom Veranstalter ASO gestellt und haben nicht mit den GPS-Navigationsgeräten für den normalen Gebrauch gemein. Dort sind die Koordinaten von Wegpunkten einprogrammiert und sobald der Fahrer in die Nähe des Punktes kommt, wird ein Pfeil angezeigt, der zum Punkt führt. Ansonsten wird die Kompassrichtung ( in 360° ) genannt CAP angezeigt und die gefahrene Geschwindigkeit.

Navigiert wird mit Roadbook und Tripmaster. Ein Tripmaster ist ein Kilometerzähler, der per Hand vor und zurückgestellt werden kann. Warum das wichtig ist, erkläre ich weiter unten.

Ich habe im Netz ein Foto aus einem Roadbook der Dakar 2013 (bearbeitet von Darryl Curtis) gefunden. Hinweise und Abkürzungen sollten die gleichen wie für dieses Jahr sein. Hier ist die Legende zum Dakar 2017 Roadbook PDF, das sich in einem neuen Tab öffnen sollte. Es ist Seite 97 des 2017er Dakar-Regelwerkes, dass es auf Dakar.com zum Download gibt. .

Bearbeitetes Roadbook.

Ein Roadbook wird zeilenweise gelesen und kommt meistens in schwarz/weiß (hier gibt es sogar roten Text), die farbigen Markierungen macht der Fahrer selbst und jeder hat dabei sein eigenes System.
Es gibt drei Spalten, links Entfernungsangaben, dann ein Bild (englisch oft “Tulip” bezeichnet) und ganz rechts zusätzliche Hinweise. 

Ich erkläre hier die oberste Zeile, wie ich sie verstehe. Verstehe ich sie falsch, fahre ich falsch. Fragen oder alternative Interpretationen können gerne als Kommentar im Blog hinterlassen werden. Ich verwende die englischen Bezeichnungen, wenn ich die Symbole bezeichne.

Linke Spalte

15,7X ist die Entfernung die seit dem Start der Sonderprüfung in Kilometern. Roadbooks. Der Tripmaster kann eine oder zwei Dezimalstellen anzeigen, Roadbooks werden in der Regel mit zwei Dezimalstellen (also auf 10m genau) erstellt, die meisten Fahrer navigieren jedoch nur mit einer Dezimalstelle, also auf 100m, Hier wurde die zweite Dezimalstelle geschwärzt.
Wenn der Tripmaster 15,7 anzeigt, sollte der Fahrer an Stelle sein, die das Roadbook anzeigt. Hat er sich vorher verfahren, zeigt sein Tripmaster hier eine andere Zahl an und der Fahrer kann den Tripmaster einstellen, so dass er 15,7 anzeigt.

DANGER Weist auf eine Gefahrenstelle hin. Es gibt drei Gefahrenstufen, die in der rechten Spalte spezifiziert werden.

272,28 Die Entfernung bis zum Ziel der Speziale oder dem Ende des Roadbooks, falls die Etappe länger als das Roadbook ist, in Kilometern.

1,51 Die Entfernung die seit dem letzten Bild (das in der Zeile darüber) zurückgelegt wurde in Kilometern.

Das Bild

Hier wird der zu fahrende Weg angezeigt. An dieser Stelle gibt es keine Abzweigungen, der Fahrer soll auf dem Track (durchgezogene Linie) bleiben. Der Weg könnte einen geschwungenen Linksbogen machen, muss er aber nicht, es kann auch viel kurviger oder gerader sein. 

Es geht über einen Huckel (Bump) der Gefahrenstufe ein Ausrufungszeichen.

Es folgt ein Stück bergab (Pfeil nach rechts unten) in einen ausgetrockneten Fluss (gewellte Linie).

Dann durch eine Senke (Dip) der Gefahrenstufe 2 (Ausrufungszeichen), in diesem Fall wohl durch den Hauptwasserlauf des Flusses (Rio).

Es geht aus dem Flussbett heraus (gewellte Linie) und berghoch (Pfeil nach rechts oben).

Rechte Spalte

Auch wenn der Dip zwei Gefahrenstufen bekommt, ist das Gesamtbild wohl nur ein Ausrufungszeichen wert.
Es wird auf der P wie Piste (Track) gefahren.

Es ist kurvig (das schräg stehende S)

Die Strecke ist schlecht (MVS kommt vom französischen mauvais).

Und es ist eng (E3 kommt vom französischen etroit). Dabei muss man beachten, ob PKW und LKW mit dem gleichen Roadbook fahren, denn wo es für die eng is, ist für ein Mopped locker Platz.

Alles klar soweit?

Stelle gefunden und Tripmaster angepasst? Dann schnell das Roadbook vorspulen, denn in 270 Metern ist schon das nächste Bild.

Ein Roadbook bietet immer Interpretationspielraum. Das Beispielbild, das ich gewählt habe ist relativ einfach, weil hier nur dem Streckenverlauf gefolgt werden muss, es ist ein sogenannter Gefahrenhinweis, Es ist durchaus möglich, dass das nicht die erste Flussdurchfahrt auf den 1,51 km seit dem vorherigen Bild war.

 

[Edit] Auf Instagram habe ich dieses Roadbook der Paris Dakar von 2001

gefunden, beachte die Abstände zwischen den Wegpunkten.  roadbook_pd2001_

[/Edit]

Motorsport und die Fans – Griesi meint mal was

Zwischen dem Ende der einen Saison und bevor es wieder losgeht, ist die Dumme-Gurken-Zeit, angefüllt mit Rückblicken, als Ausblick getarnten Spekulationen und Kommentar-Bullshit.  Meistens amüsiere ich mich wenigstens ein bisschen darüber, besonders wenn Äpfel mit Bratwürsten verglichen und daraus dann unausgegorene Schlüsse gezogen werden.

Kommentrara

Zum Beispiel (natürlich ohne Link, ich will den Unfug nicht noch unterstützen): Die Zuschauerzahlen der Formel 1 sind rückläufig, bei der MotoGP wachsen sie, also muss die Formel 1 mehr wie die MotoGP werden (also vermutlich zwei Räder in der Box lassen) und alles ist wieder gut.
So ein Kommentar kommt natürlich aus der Formel 1 Ecke des Netzes, Unsinn auf allen Ebenen.

Zur Ausgangslage: Sind die F1-Zuschauerzahlen wirklich rückläufig? An der Strecke oder im TV? Nur in einem Land, in ganz Europa, weltweit, als Summe über das Jahr? Haben dieses Jahr wirklich mehr Menschen MotoGP geguckt als letztes? Weiß der Kommentierende wahrscheinlich selber nicht. Falls er es weiß, vergisst er es zu belegen. Und was genau, soll die F1 ändern? Da picken sich die Kommentatoren meistens genau den einen Punkt heraus, den sie selbst verstanden haben. Den Vorschlag mit den zwei Rädern habe ich noch nicht gelesen, das war Polemik meinerseits. Die Argumentationskette ist meistens, dass die gewünschte Änderung dazu führt, dass die Zuschauer mehr von dem zu sehen bekommen, was ihnen gefällt und so die Einschalt/-Besucherzahlen steigen.

Der Zuschau-auhaha

Andererseits, was weiß ich schon von dem was “die Zuschauer” sehen wollen. Ist der Zuschauer wirklich damit überfordert, wenn die Superbike-Startaufstellung am Sonntag anders ermittelt wird, als am die am Samstag, wie immer wieder zu lesen ist? Interessiert es den Zuschauer überhaupt? Oder ist es unsportlich, wenn eine Regel durch eine andere ersetzt wird? Will der Zuschauer überhaupt das Rennen sehen oder nur, wie sein Lieblingsfahrer gewinnt? Oder interessieren ihn nur die Unfälle?
Mich interessieren die Unfälle gar nicht, aber da scheine ich in der Minderheit zu sein, wenn ich mir die Rennzusammenfassungen im TV und auf Youtube so ansehe, ganz egal wer sie erstellt hat, Sender, Sponsor, Veranstalter oder sonstwer.

Damals an der Rennstrecke

Ich muss da immer an das Indy-Champ-Cart Rennen auf dem Lausitzring denken. Ich war damals vor Ort, an der Gegengeraden, ein mit Wiese bewachsener Erdwall ohne Sitzplätze. Es wurde das Tri-Oval befahren. Ich konnte ganz vorne am Zaun stehen, wenige Meter von der Strecke entfernt, der Luftzug der Autos war spürbar, das Methanol zu riechen. Das Beste war aber, dass die ganze Strecke zu sehen war. Überholmanöver wurden über Runden vorbereitet und während der ganzen Zeit, konnte man die Autos im Blick behalten.
Ovalrennen sind vor Ort sehr spannend, viel besser als alle Rundstrecken, an denen ich bisher war, finde ich. Im TV mag ich die anderen Kurse lieber.
Aber auch hier scheint es den meisten anders zu gehen, denn ich war so ziemlich der einzige, der am Zaun stand und Rennen guckte. Weiter oben saßen Leute auf Ihren mitgebrachten Klappstühlen und stapelten leergetrunkene Bierbecher ineinander. War mir nur recht, konnte ich das Rennen ungestört gucken.

13 Runden vor Schluss passiert dann, fast vor meiner Nase, der Unfall, der Alex Zanardi beide Beine kostete. Noch bevor sein Auto zum Stillstand kam stand ich nicht mehr in der ersten Reihe, der ganze Zaun hing voller Leute. Es wurde wild diskutiert, ob das alles Blut oder Öl oder beides war. Das Rennen wurde unter Gelb zu Ende gefahren. Ich bin zurück zum Parkplatz und habe Zanardi die Daumen gedrückt, die Zaungäste haben das Blut wohl noch beim Trocknen angefeuert.

Um es kurz zu machen, mir ist es egal, was diese Kreaturen, die am Zaun hingen sehen wollen oder nicht. Ich will auch keine Unfälle sehen, wenn alle unverletzt geblieben sind, mir ist egal was die anderen wollen. Ich fände es gut, wenn auf die ganzen Unfall-Zeitlupen und Wiederholungen aus allen Perspektiven verzichtet würde, in der Live-Übertragung und in später auch. Die Gaffer werden es sich später auf YouTube selber basteln.