Moppedzeitschriften und ich

Erst fange ich diesen Blogartikel an, und dann kommt Clemens auf Google+ mit den IVW Zahlen um die Ecke

Hier also kurz mein Leben mit Moppedzeitschriften.

Oscar - Quelle PinterestGanz früher, als ich so gerade an die Pedale meines 24 Zoll Rennrads kam, da habe ich jede Mopped-Zeitschrift gekauft und gelesen, die ich an der Bude um die Ecke bekommen konnte. Das waren zwei: die Motorrad und die Easy Rider (nicht zu verwechseln mit der Harley Fan-Zeitschrift aus den USA, die es später auch hier und auf deutsch gab oder gibt). Heute gibt es an der Bude keine Moppedzeitschriften mehr. Und dann wurde ich älter und hatte mehr Taschengeld, da konnte ich dann noch andere Zeitschriften kaufen, die PS und die MO, die es inzwischen gab.

Die verrückten Briten

Und noch später dann, wurde der Zeitschriftenladen am Bahnhof mein Freund, denn der hatte englische Zeitschriften. Die waren zwar verdammt teuer, aber trafen meinen Geschmack viel deutlicher, denn da wurden Moppeds erlebt und und nicht seziert. Die Schreiber hatten eine große Klappe und gnadenlose Selbstüberschätzung, es gab immer mindestens einen Crash, ein Wheelie, ein Stoppie und eine Flucht vor der Polizei und oder dem örtlichen Verbrecher-Kartell und böse Sprüche.

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Eine meiner Lieblingsgeschichten war ein Vergleichstest zwischen einer Hayabusa und einer ZX-12R. Damit die Testkriterien für den Leser auch nachvollziehbar waren, wurden sie einfach gewählt. Beide Moppeds fahren zusammen in England vom Redaktionsparkplatz los bis nach Nizza und wieder zurück, wer zuerst ankommt, hat den Test gewonnen. In England und Frankreich gab es auch damals ein Tempolimit, aber wer sich daran hielt hatte eben keine Chance auf den Testsieg. Am Ende hat die Kawa gewonnen, denn die hat die defekte Busa ins Ziel geschleppt, war also vorne. Ein solcher Test hätte und wird es wohl auch nie aus deutschen Redaktionen geben. Die Redaktionen werden das nicht wollen und die Leserbriefschreiber würden bei Erscheinen eines solchen Tests gar nicht mehr mit dem kündigen nicht vorhandener Abos aufhören könne, wenn sich nicht vom tot geschüttelten Oberlehrer-Zeigefinger daran gehindert werden.
Bonus-Fact des Test: die ZX-R verbraucht fast 12 Liter auf 100 km wenn sie eine Busa mit 240 (schneller ging nicht, die Kawa hat halt nur 178 PS und die Busa ich schwer) abschleppt.

Außerdem habe ich noch Zeitschriften über Classic Racer, Grey Imports und die AWoL gelesen. Letztere war ein Custom-Magazin von einer Anarchistischen Redaktions-Kommune. Zu der Zeit verstand man in Deutschland unter einem Custom-Bike eine Harley mit angeschraubten oder getauschten Anbauteilen. In England wurden Starrrahmen mit Turbo-Vierzylinder, Trikes mit Automotoren, dieselgetriebene Gespanne und alles dazwischen und drumherum darunter verstanden.

Ich habe zwischendurch auch immer wieder deutsches probiert, Sonderausgaben, Moped, motorradfahrer, motorrad News, Oldtimer Motorrad, Custombike usw. Aber irgendwie war das alles zu steril abgepackt und nachgemessen.

Jetzt ist der Griesgram alt

Oscar - Quelle PinterestHeute bin ich älter, viele der englischen Zeitschriften gibt’s nicht mehr oder nicht mehr am Bahnhof. Ich muss auch nicht zum tausendundfünfundreißigsten mal lesen, wie ein Testfahrer einen Supersportler weggeworfen hat, oder dass das neue Baujahr besser als das alte ist oder wie jemand im Winter zum Elefantentreffen gefahren ist oder irgendein pensionierten Werkzeugmacher eine original Schwingsattelschraube in 35 Arbeitsstunden wieder in Originalzustand versetzt hat oder oder oder, egal ob auf deutsch oder englisch.

Ich war am Wochenende wieder mal an einem Bahnhof und dort in einem Buchhandel mit einer ordentlichen Auswahl an deutschen Titeln und ich hatte Zeit zum stöbern. Ich habe mir keine gekauft. Es gab keine Zeitschrift, die mehr als zwei Artikel hatte, die ich lesen wollte. Das mag in anderen Monaten ganz anders sein. Und die Artikel, in die ich hineingelesen hatte, fand ich langweilig geschrieben, irgendwo zwischen PR-Meldung und Textbausteine aus dem Ich-weiß-nicht-was-ich-schreiben-soll Baukasten. Hmpf.
Die Zeitschrift, mit den zwei Interessanten Artikeln habe ich auch nicht gekauft. Der eine Artikel “Rally für Einsteiger” über 4 Seiten kam ohne das Thema Roadbook aus (jedenfalls gab es kein Bild und keine Zwischenüberschrift) und war damit für mich nicht interessant und der Bericht über die Enfield Himalayan war 2 Seiten Fotos mit dem Mopped im eigenen Garten und geschätzte 300 Worte (dieser Text hat über 650) in 14 Punkt Schrift. Das war mir zu dürftig für einen Kauf.

Und jetzt stehe ich hier vor meinem Schreibtisch und frage mich, was müsste in einer Moppedzeitschrift stehen, damit ich sie kaufe?

Zum Glück bin ich Leser und muss diese Frage nicht beantworten. Wenn ich mir die IVW Zahlen (siehe Link oben) so ansehe, sollten die Redaktionen diese Frage ziemlich bald beantworten können, wenn sie weiterhin ihre Zeitschrift machen wollen.

Eingespritzter Zweitakter

KTM hat in dieser Woche per Pressemitteilung erklärt, dass das nächste Baujahr der großen zweitaktenden Enduros eine Einspritzung erhält.
Aha
Viele große und kleine Portale haben das weiter gemeldet und dabei gerne die KTM-Wortwahl von „Weltsensation“ und „technischer Revolution“ übernommen.
Ist das so? Und wenn ja, warum?

Liebe Journalisten, Euer Job ist nicht, Pressemeldungen zu verteilen. Nehmt sie, Oscar - Quelle Pinterestbewertet sie, recherchiert dazu und macht dann eine Meldung oder einen Bericht.
Ich habe mit diesem Blogbeitrag extra ein paar Tage gewartet, nachdem KTM die Pressemeldung verschickt hatte, damit Ihr Zeit für Recherche habt.
Einem Blogger oder einer KTM-Händler-Website kann verzeihen, dass dort die Pressemeldung umkommentiert übernommen wird, einem Journalisten jedoch nicht. Und der Website einer Fachzeitschrift schon gar nicht.
Ich habe so viele Fragen zu dieser Meldung, und weil die Euch nicht eingefallen sind, schreibe ich sie hier hinein. Vielleicht bekomme ich bei Euch später mal Antworten.

Ingenieur

Ich bin nicht Ingenieur genug, um zu beurteilen, wie revolutionär diese Technik ist. Hat es gereicht, die Benzineinspritzung des Viertakters zu nehmen und an den Zweitakter zu bauen? Und wenn nicht, warum nicht? Wo liegen die Probleme einer Einspritzung für Zweitakter? Oder, falls die KTM-Lösung etwas ganz besonderes ist, was unterscheidet die von den anderen?

Historiker

Ich bin nicht Historiker genug um zu wissen, ob es wirklich die erste Benzineinspritzung für einen Zweitaktmotor ist. Möglicherweise haben andere das bereits vorher getan, vielleicht nicht an einem Enduro Motor und vielleicht nicht mal an einem Motorradmotor. Hat das wer recherchiert?
Wahrscheinlich nicht, sonst gäbe es irgendwo einen Hinweis auf Provenion (auf Seite 1 bei bei der Google-Suche nach „zweitakt einspritzer“) oder den 50er Roller Namens SR 50 Di-Tech, den Aprilia 1999 laut Wikipedia mit Zweitakt Motor und Einspritzung vorgestellt hat. Und es gab da mal von Bimota die zweitaktende Vdue, hatte die nicht auch eine Einspritzung? Was macht diese KTM-Einspritzung zur „Revolution“?

Prophet

Oscar - Quelle PinterestIch bin auch nicht Prophet genug um vor einer Probefahrt (die Modelle werden erst in zwei Monaten, im Mai, vorgestellt) beurteilen zu können, ob die versprochenen Vorteile der Einspritzung (weniger Verbrauch, bessere Fahrbarkeit) tatsächlich spürbar sind. Mich machen jedoch ein paar Details zumindest stutzig:
Die 250er und die 300 EXC Enduros werden mit dem neuen Einspritzmotor kommen. Von den kleineres Zweitakt Enduros mit 125 und 150 Kubik steht nichts In der Meldung. Von den zweitaktenden Motorcrossern und der 250er Freeride (die hat auch Straßenzulassung) steht dort auch nichts. Wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, dann hatte KTM in der Vergangenheit erst die Crosser modernisiert und die Enduros dann im nächsten Modelljahr nachgezogen. Habt Ihr bei KTM mal nachgefragt, warum die Crosser auf bessere Fahrbarkeit verzichten können?

Abgaswerte

Auf der Website der Motorrad (extra kein Link) wird gesagt, dass die Euro 4 Abgaswerte mit Vergaser bestückten Zweitaktern nicht erreicht werden können. Ich denke nicht, dass diese Aussage so pauschal richtig ist. Die Euro 4 gilt seit dem ersten Januar und die aktuellen EXC 250 und 300 werden trotzdem mit Vergaser verkauft. Das mag eine Ausnahmegenehmigung sein, aber davon steht nichts bei der Motorrad. Die anderen Hersteller von Zweitakt-Enduros verkaufen auch nur Vergaser-Modelle, manche mit elektrischer Getrenntschmierung, die auch mal „Öl-Einspritzung“ genannt wird. Was ist mit Husqvarna, die auch zu KTM gehören und für die es noch keine Einspritzungs-Zweitakter angekündigt sind, verkaufen die alle illegale Motoren? Dürfen die Einspritz-Zweitakter auch in Kalifornien verkauft werden? Dort wurden Zweitakter vor vielen Jahren aus Umweltschutzgründen verboten.

Meine Spekulation

Möglicherweise wird KTM im nächsten Jahr Vergaser und Einspritzer parallel anbieten, denn die angekündigten Modelle haben den Namenszusatz TPI erhalten. Darüberhinaus spricht KTM davon, dass in den USA und Kanada die Einspritzer nur in „limitierter Stückzahl“ angeboten werden. Das nur mal so zum Schluss als Bonus. Ich bin gespannt, ob ich damit Recht behalte.

 

Einer für alle – ohne mich

Immer wieder lese oder höre ich, wie jemand für alle anderen spricht, ohne dass es irgendeinen Grund dafür gibt, diese einzelne Stimme als mehr als eine Stimme wahrzunehmen.
Das funktioniert auf zwei Arten, einmal sind es die Medien, die einem Menschen die Rolle des Sprechers für viele zuschreiben, Sprecher für eine Generation oder Gruppe zu sein. Ein anderes Mal ist es der Einzelne selber, der sich diese Rolle nimmt, der sich berufen fühlt. Beides finde ich scheiße.

Wenn ich etwas sagen will, dann sage ich es selber, das muss niemand anderes für mich machen. Und wenn ich etwas sage, dann sage ich es für mich. Ich spreche dann als Individuum und nicht für alle Blogger oder alle Mopped Fahrer, Nasenbohrer, Männer, Europäer, Menschen oder sonst was.

Meiner Meinung nach kann niemand der klaren Verstandes ist, einfach so für eine größere Gruppe sprechen. Manchmal tun die Menschen das offen und nutzen so Formulierungen wie : „Wir als Generation XYZ“ oder „Alle die den Mauerfall mit erlebt haben“ und dann folgt meist irgendeine Behauptung. Das ist ein extra billiger Rhetorik-Trick oder maßlose Selbstüberschätzung, wenn danach nicht eine nachprüfbare Behauptung steht. Meistens ist schon die Gruppenzugehörigkeit nicht klar umrissen, wer ist denn z.B. die „Generation Praktikum“, gehören da auch die hinein, die in der Schule mal ein Betriebspraktikum gemacht haben und dann sofort eine Lehre begannen oder nur die, die nach dem Studium keinen Job gefunden haben und stattdessen mindestens 5 Jahre nur Praktika machten? Eine Generation sind ja eigentlich alle, auch die ohne Praktikums-Erfahrung.

Wenn ich sage:

Alle die den Mauerfall 1989 miterlebt haben sind 2015 bereits 26 Jahre älter,

dann ist das natürlich nachprüfbar und nach allgemeinem Verständnis wohl auch richtig. Selbst eine Formulierung wie

… haben heute Wahlrecht.

finde ich legitim, selbst wenn es natürlich nicht 100% korrekt ist und nur für Menschen mit einer Staatsbürgerschaft in einem Staat mit Wahlrecht gilt, aber solche Einschränkungen lassen sich meistens aus dem Kontext erschließen.
Was darüber hinausgeht wird schon schwierig.

Trotzdem kommt es immer wieder vor, und zwar viel zu oft, dass sich jemand zum Sprecher einer Gruppe erhebt. Manchmal auch nur ganz unterschwellig, indem er von sich auf alle anderen schließt. Gerne werden dann so Formulierungen verwendet wie:

Damals war das so.

Stimmt ja auch in kleinen Stücken, denn in der Rückschau auf das eigenen Leben glaubt der Behaupter heute, dass es damals für ihn selber so war. Das ist jedoch höchst subjektiv und alles andere als allgemeingültig.

Oder kurz: Wer sich selbst zum Sprecher einer Gruppe erklärt, ist ein Idiot.

Manchmal wird man auch von außen, meistens durch die Medien, zum Sprecher einer Gruppe gemacht. Ich sage bewusst Medien, denn wenn ein Medium mal einen Sprecher erfolgreich herausgesucht hat, dann wird der gerne auch in anderen Medien übernommen.

Eine Formulierung wie „Der Typ da formuliert in seinem Blog, was viele denken“ ist wohl nicht ganz falsch, denn tatsächlich sind wohl immer mehrere Menschen auf der Welt in diesem bestimmten Punkt der gleichen Meinung. Meistens wir jedoch nicht so zurückhaltend formuliert, da sind es dann nicht „viele“ die so denken, sondern „alle“.
Wenn jemand bereits seine Meinung formuliert und vorgetragen hat, ist er meistens auch als Gesprächspartner besser geeignet, als jemand, der sie nur gelesen hat. Hat jemand seine Gedanken zu Papier oder Netz gebracht, gibt es die Möglichkeit diese zu lesen und sich damit auseinanderzusetzen. Mit Glück hat das Medium dann jemanden ausgewählt, dessen Meinung auf fundierten Gedanken beruht. Ist natürlich nicht immer so, manchmal wird ein 25-jähriger Schlagerstar zum Sprecher seiner Generation ernannt, weil er mal ein Lied zu einem Thema vorgetragen hat.
Eines sollte aber klar sein, wen auch immer sich die Medien aussuchen und in eine Talk Show einladen, wer hingeht macht mit.

Die Medien machen jemanden zum Sprecher für eine Gruppe, weil sie natürlich nicht die ganze Gruppe mit allen auch nur in Nuancen abweichenden Meinungen wiedergeben können. Die Medien leben von Vereinfachung und Stellvertretern, das muss uns als Leser, Hörer, Zuschauer klar sein. Das ist keine böse Absicht sondern die einzige Möglichkeit, mir zumindest fällt keine andere ein. Wir müssen also verstehen, wenn der Mensch am Mikro nicht der installierte Sprecher einer Gruppe ist (z.B. Pressesprecher), dann gibt er er nur seine persönliche Meinung wieder. Wir müssen diese dann einordnen, wir müssen abschätzen, wie viele andere haben eine ähnliche Meinung, wer sind diese anderen (die Meinung von 30 DAX-Vorständen hat in unserem Staat wohl deutlich mehr Einfluss als die Meinung von 300.000 Arbeitslosen). Und nicht zu Letzt müssen wir uns auch inhaltlich, rational mit dem auseinander setzen, was der da sagt: Stimmt das, sind wir der gleichen Meinung? Wo und warum sehen wir etwas anders, hat er vielleicht recht und wir liegen falsch, oder haben wir beide recht, liegen wir beide falsch?

Machen wir natürlich meistens nicht so gründlich, nicht nur weil der Mensch, wenn das Neuro-Marketing und die zu Grunde liegenden Wissenschaften recht haben, eine emotionale Entscheidung doppelt so schnell trifft wie die rationale. Wir finden etwas emotional gut, bevor wir wissen, ob es rational richtig ist. Deshalb funktionieren emotionale Bilder so gut, deshalb sagen die mehr als 1.000 Worte. Wir als Betrachter haben aber die Chance uns die 1.000 Worte selbst auszusuchen und uns möglichst wenig manipulieren zu lassen. Andererseits sollen wir in den Bildern nicht nur danach suchen, was unsere Meinung noch weiter bestärkt. Manupulieren wir uns also lieber selber.

Deshalb hat die Inszenierung eines Gesprächs, die Auswahl der am Gespräch Beteiligten, eine so große Wirkung. Finden wir einen Menschen sympathisch, glauben wir ihm eher. Finden die Menschen um uns herum einen Menschen sympathisch, finden wir ihn ebenfalls eher sympathisch. Stehen unsere Emotionen dem Verstand im Weg oder ist der Verstand nicht in der Lage alles zu erkennen oder beides?
Deshalb müssen wir uns auch formell und emotional mit allem auseinandersetzen.

Umgang mit Medien ist schwierig; Texte, Bilder, Filme, alles subjektiv und wir auch. Wie sollen wir da die absolute und reine Wahrheit finden, wenn es die denn überhaupt gibt?

Das ist mühsam, aber als kleinen Indianer-Trick verrate ich Euch: wenn Ihr das nächste mal lest:

Alle Motorradfahrer sind dieser Meinung.
Alle Blogger machen das.
Alle Männer wollen jenes.

Dann denkt Euch einfach:

Der Griesi nicht!
Oder vielleicht doch, dann aber anders.

Bernd Posselt macht mich ratlos

Gestern habe ich in diesem Internetz den Beitrag Bernd Posselt: Warum er trotz Abwahl weiter ins Parlament geht gelesen.

Kurz zusammengefasst: Posselt war für die CSU Europa-Parlamentarier. Bei der letzten Wahl bekam die CSU zu wenig Stimmen und Posselt hat sein Mandat verloren. Das stört ihn jedoch nicht, er geht einfach weiter ins EU Parlament, nimmt dort an Sitzungen teil und meldet sich dort zu Wort, geht in Gremien, nimmt an der Besprechung der Außenpolitiker seiner Fraktion teil, dort bekommt er die Unterlagen, hält eine Rede, sitzt in Reihe eins. Aber er ist nicht nur im EU Parlamament aktiv sondern auch in seinem Bürgerbüro in München.
Das alles bezahlt er aus eigener Tasche.

Irgendwie lässt es mich ratlos zurück. Einerseits mag ich kauzige Menschen und Leute, die das was sie tun, aus Überzeugung tun.

Aber was genau tut er?

Wenn Oppa Paschulke jeden Tag seiner Rente damit verbringt zur Schicht zu gehen, wird er nur bis zum Pförtner kommen. Dort darf er vielleicht die Schranke hochhalten und den Chef begrüßen und verabschieden, aber das wars.

Posselt aber geht rein in die Fabrik und steht am Band.

Ich finde es bedenklich, dass Posselt da überall reingelassen wird. Das liegt vielleicht daran, dass ich mir das Parlament als einen abgeschlossenen Raum vorstelle. Vielleicht ist es jedoch offen für alle Bürger und das was Posselt da macht, das könnte jeder EU-Bürger tun.
Ich denke, ich würde schon scheitern wenn ich das bewachte Café, „members only“, das nur für Abgeordnete und Gäste offen ist, betreten wollte. Ich rechne mir auch wenig Chancen aus, an einer Gremiumssitzung teilzunehmen oder dort das Wort erteilt zu bekommen.

Posselt ist dort überall und ich frage mich warum. Ist er der possierliche Posselt, über den sich alle heimlich amüsieren oder ist es der kompetente Posselt, der so viel weiß und kann, dass er fehlen würde, bliebe er zu Hause? Vielleicht wissen die EU Parlamentarier aber auch, dass es total egal ist, was sie da machen und daher stört es auch nicht, wenn Posselt da mitmacht. Darüber lässt uns der Artikel leider im Dunkeln.

Warum macht er das überhaupt?

Wenn er ins Parlament geht, weil er eine Mission hat (für krummere Bananen o. ä.), dann wir sie im Artikel verschwiegen. Er geht dort hin, weil er nichts anderes kennt. Vielleicht ist seine Mission, „Ich will Europa-Abgeordneter sein“, aber das zählt in diesem Fall für mich nicht.
Posselt will die Welt nicht davon überzeugen, dass im EU-Parlament wichtige Arbeit gemacht wird, dann würde er jetzt, wo er kein Abgeordneter mehr ist, durch die Institutionen oder Gemeinden ziehen und darüber berichten, was dort passiert und für das institutionelle Europa werben.
Es ist auch nicht so, dass er davon überzeugt ist, dass die CSU möglichst viele Abgeordnete ins EU Parlament schicken muss, dann würde er durch Bayern ziehen und schon jetzt Wahlkampf machen.

Posselt ist auch nicht überzeugt davon, dass er ein besserer Abgeordneter ist als die anderen, sonst würde er daran arbeiten, einen legitimen Platz zu erhalten. Er würde seine Erfahrung, Intelligenz und Kreativität dazu einsetzen.
Tut er alles nicht, er geht einfach nur hin, weil er nichts anderes kennt.

Um wieder auf Oppa Paschulke zurückzukommen, wenn er wirklich wieder am Band stehen möchte, dann wird ihn schon was einfallen um dorthin zu kommen.
Posselt steht am Band – aber an einer Stelle, an der nicht gearbeitet wird.

Was soll ich davon halten?

Wahrscheinlich ist es gar nicht so kompliziert zu einem rationalen Urteil über Posselt zu gelangen, ich muss mich nur fragen: Möchte ich von einem solchen Apparatschik politisch vertreten werden? Die Antwort ist nein, daher hoffe ich, dass die CSU auch bei der nächsten EU-Wahl zu wenig Stimmen bekommt als das Posselt ins Parlament einzieht.

Trotzdem finde ich es schön und für alle bereichernd, dass es so skurrile Geschichten wie die von Posselt gibt. Falls der mal in eine Talk-Show eingeladen wird, sagt mir bitte Bescheid, dann werde ich mir mal eine Talk-Show ansehen.

Das Jahr ist 2015, jedenfalls fast überall

Ich habe gerade auf den Kalender geguckt, da steht 2015. Natürlich guckte ich nicht auf einen Papierausdruck an der Wand sondern auf einen Online-Kalender, weil, 2015 eben. Warum ich da nachgeguckt habe?

Naja, ich wollte für diesen Blog auf einen Presseverteiler, geht aber nicht weil:

(…) leider können wir Ihnen keinen Zugang zu unserer Presse-Homepage gewähren, da diese – wie der Name schon sagt – ausschließlich für Vertreter der Presse vorgesehen ist. (…)

Falls Sie uns ein Print-Medium nennen und am besten mit Hinweis auf eine Website online präsentieren können, für das Sie tätig sind, können wir Ihnen die Zugangsdaten zukommen lassen.

Als Blogger kann ich darüber ja lachen, als Fernsehmacher (also nicht Webvideo, sondern das mit dem linearen Ablauf) fände ich eine solche Antwort jedoch befremdlich.

Jonas Folger nackt – also fast

Motorsport ist eine ungeliebte Nische, die normalerweise nur bei mehrfachen Weltmeistern im Auto auf Asphalt und bei tödlichen Unfällen in den Medien stattfindet. Dass der Unfall am Nürburgring am Samstag so wenig dort beachtet wird ist wohl nur der Tatsachen zu verdanken, dass die German Wing-Sau noch nicht ganz zu Tode durchs Dorf gehetzt wurde. Wie schön wäre es, wenn Journalismus der Grund wäre, nicht darüber zu berichten.

Motorradsport ist eine Nische innerhalb der Motorsport-Nische und findet demnach gar nicht in den TV- oder Print-Nachrichten statt, nicht mal, wenn Jonas Folger einen Lauf zur Motorradweltmeisterschaft gewinnt.

Wundert es da, dass sein Mopped und seine Rennkombi so wenig Sponsoren-Aufkleber haben, dass er also fast nackt auf dem Siegertreppchen steht? Nein, denn Sponsoren sind meistens keine Mäzene und möchten etwas für Ihr Geld haben, z.B. Sichtbarkeit. Wenn nun auf jeder Zeitung oder gar in den Ferseh-Nachrichten ein Bild des Siegers oder seines Moppeds zu sehen wäre, wären auch die Logos der Sponsoren sichtbar.

Jetzt könnten wir hier sitzen und über die bösen Medien schimpfen oder warum die Wirtschaft nicht trotzdem einfach Sponsor-Millionen raus haut, oder aber wir sorgen selbst für die Verbreitung der Bilder und verlinken zum Beispiel auf die Website von Jonas oder direkt auf seine Sponsoren.

Klickt auch auf die Sponsoren, es schadet nichts und falls die Sponsoren mindestens ein semi-professionelles Analysetool für Ihren Web-Traffic nutzen, werden sie sehen, dass Ihr von Jonas‘ Website kommt.

Findet die Rennfahrer auf Facebook und teilt dort Ihre Bilder und Inhalte. Werdet Ihre Freunde, so werden die Fahrer wertvoller für potentielle und aktuelle Sponsoren.

Und Ihr, liebe Rennfahrer, gebt uns Material zum teilen. Ich wollte hier gerne eine Bild von Jonas Folger in diesen Artikel einbauen, aber ich konnten kein aktuelles Bild finden, dass unter Creative Commons Lizenz steht. Daher gibt es hier den Link zu Jonas‘ Instagramm Account.

Ich im Motorrad Abenteuer – Gelesen

Es ist für mich so eine Art Medien-Herbst. Unsere Alpen-Schotter-Tour war, neben meinem Blog, auch ein Thema bei Heise Auto und bei Ernie Troelf und was auf Papier soll auch noch folgen. Und Videos bestimmt auch und sehr wahrscheinlich später mal der große abendfüllende Kinofilm und die 12-staffelige HBO-Megaproduktion mit Bibo als Griesgram.

Für dbate hatte ich ein Skype-Interview zu meinen zwei Reisen nach Laos. Da das Portal jetzt online ist, könnte da in der nächsten Zeit tatsächlich auch was kommen. Bis dahin könnt Ihr ja auf meinen Spickzettel gucken oder alles unter dem Laos-Schlagwort lesen.

Und heute habe ich , nach einem Hinweis von @schrm, gesehen, dass in der aktuellen Nov/Dez-Ausgabe der Motorrad Abenteuer ein Bericht über unsere Mek-Pom Tour steht mit einem ganzseitigen Foto von mir im Wasser. Auf der Website ist das Foto auch zu sehen. Die Tour hatte ich in meinem Blog und auch auf der Bikerszene bereits beschrieben. Der Zeitschriftenartikel ist eine gute Ergänzung zu meinen Berichten, falls jemand noch tiefer in den touristischen Teil einsteigen möchte.

Glücklicherweise kamen bisher noch keine Fotos gegen Bezahlung aus tempolimitierten Zonen von der Staatsmacht, auf solche Publicity kann ich verzichten.