Wie ein Witz auf Twitter daneben ging und eine Diskussion auslöste – oder: Für mehr Mopeten.tv

Wenn man einen Witz mit einer erklärenden Einleitung starten muss, ist er nicht witzig. Ich fang dann mal mit der Erklärung an.

Twitter ist für Kurznachrichten, die öffentlich geteilt weren sollen, an den Start gegangen. Meine ersten Tweets habe ich noch als SMS geschrieben und bekommen. Es gab damals aber auch schon eine Website auf der man jeden Tweet lesen konnte der geschrieben wurde oder nur die von den Menschen, die man abonniert hatte.

Inzwischen hat Twitter einige Feature mehr, @-Mentions, DM, Accounts hinter Schlössern, Re-Tweets #ashtags und die doppelte Länge von 280 Zeichen.

Einige Leute kommen auch mit den 280 Zeichen nicht aus und schreiben dann mehrere Tweets hintereinander, in der Regel sind die dann durchnummeriert in der Art von A/X bis X/X. Das sind Threads.

Jetzt, im bayrischen Corona-Hausarrest, lese ich mehr Twitter und wahrscheinlich schreiben auch mehr Leute mehr auf Twitter. Und so fiel es mir auf, dass inzwischen verhältnismässig viele Threads in meiner Timeline auftauchen. Also versuchte ich einen Witz in zwei Tweets:

Früher, im 140-Zeich-Zeichen Twitter, schrieb man einen Tweeit mit Link zum Blog. Heute, im 280-Zeichen Twitter, schreibt jeder und sein Hund einen 1/x

Die Rechtschreibfehler dürft Ihr behalten.

einen Thread mit ganz vielen Tweets. Warum? 2/2

Beide Tweets zusammen sind übrigens unter 280 Zeichen.

Los geht’s

Eine hat drüber gelacht und der Zweite hat direkt eine andere Meinung vertreten. Daraus entwickelte sich eine längere Diskussion mit weiteren Beteiligten, die ich hier zusammenfassse, denn Twitter zeigt sie leider nicht komplett und nachvollziehbar an.

@MaxED9 fing an:

jein. Also ich weiß schon was Du meinst, aber sehe das etwas differenzierter. Die meisten Threads die ich so sehe kommen von Leuten ohne Blog oder wo das Thema nicht 'passt'. Schlimmer: auf Tweets mit dem Link zum Blog bekommt man Antworten und die fehlen in den Kommentaren

Zuerst sein zweites Argument, Wenn man statt eines Tweets einen Link zu einem Blog-Artikel postet, antworten einige Leute nicht im Blog, sondern auf Twitter (oder wo auch sonst sie den Link gefunden haben). Das ist leider so und ich nenne es mangelhafte Medienkompetenz der Antworter.
Bei Twitter kann man, wie diese Diskussion selbst gezeigt hat, auch nicht alle Antworten unter dem ursprünglichen Tweet sehen.
Max hat also recht mit seinem Argument, und ich finde sehr schade, dass es so ist (das mit den Antworten, nicht, dass er recht hat), aber es ist bei Twitter selbst nicht besser.

Das andere Argument: „Wenn man keinen (passenden) Blog hat …“ kann ich kontern. Ein Blog ist schnell erstellt. Bei Tumblr (nur als ein Beispiel, nicht als Empfehlung) geht es ratzfatz und man kann dort auch schnell weitere Blogs erstellen, wenn man das Thema wechselt.
Weitere Pro-Thread-Argumente kamen von Max in weiteren Tweets (ich fasse zusammen):
Für einen Thread braucht man keinen Blog, der dann verwaist.
Verwaisen halte ich nicht für schlimm. Selbst wenn es ein Blog mit nur einem jahrealten Beitrag ist, ist er immer noch besser aufzufinden als eine Reihe Tweets. Weiter ist es mein Eindruck, dass die Thread-Schreiber immer wieder die 280-Zeichen-Grenze reißen und so durchaus mehrere Blogbeiträge zusammenbekämen.

@ErnieTroelf warf ein:

Ich finde es umgedreht viel nerviger. Im Reddit sind häufig Links zu "Blogposts", für die auch ein Tweet gereicht hätte. Wenn überhaupt. Führt dazu, dass bestimmte Quellen in unserem Reddit grundsätzlich nicht mehr anklicke.
Das ist Geschmacksache, denke ich. Ich finde kurze Blogbeiträge nicht schlimm, auch wenn es nur ein Bild oder ein Video ist.

Ein neues Thema

Ein weiteres Argument von mir war, dass der Thread-Schreiber sich selbst viel Platz für seine Argumente einräumt, dem Leser jedoch nur 280 Zeichen Platz für eine Antwort bleiben. Natürlich könne die Antwort auch als Thread erfolgen (wie Max sofort anmerkte) aber Twitter zeigt diese Antworten nicht zwingend zusammenhängend an.

Mit Antworten und Kommentare war dann ein neues Thema eröffnet. Allgemein wurde beanstandet, dass auf Blogs nicht mehr so viel kommentiert wird. Dem kann ich nur zustimmen und auch das ist schade.

Die Alternative, die Kommentarfunktion zu deaktivieren liegt nahe, vor allem wenn man bedenkt, dass SPAM-Antworten immer kommen und die Kommentare auch gelesen und evtl. freigeschaltet werden müssen. Arbeit für den Blogger, die sich nicht immer lohnt. Vom DSGVO und Netzwerkdurchsetzungsgesetz, Haftung und ähnlichem Quatsch mal abgesehen.

Ein toter Troll

Die Diskussion war nun ein Thread mit vielen Tweets von mehreren Autoren geworden, als @VJStephan sich ebenfalls meldete und mein Argument aufgriff, das Twitter für sowas nicht taugt:

Mir ist eure Diskussion hier zu lang und total unübersichtlich. Könnt ihr das nicht in einem Eurer Blogs ausdiskutieren?

Er wurde sofort und final ausgetrollt:

Bring Du erst mal wieder http://Mopeten.TV online, bevor du mitreden willst. Junge. ;-)Ja, darauf konnten wir uns alle einigen, wir wollen Mopeten.TV zurück!

Ende der Diskussion.

P.S.

Natürlich muss ich die Threads nicht lesen und das tue ich meistens auch nicht.

 

7 Gedanken zu „Wie ein Witz auf Twitter daneben ging und eine Diskussion auslöste – oder: Für mehr Mopeten.tv

  1. Ach, eigentlich fällt mir das jetzt erst auf. Die durchnummerierten Tweets sind aber noch zu ein Relikt aus der Pre-Thread-Zeit.
    Da man ja mittlerweile Tweets verketten kann, braucht es das ja nicht mehr und mit Klick auf den ersten Tweet des Threads werden alle dazugehörigen Tweets chronologisch angezeigt.
    Das betrifft dann auch entsprechende Antworten, die werden dann nicht zerissen. 😉

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