Die EICMA Nicht-Sieger

Nachdem ich Honda zum Sieger der EICMA erklärt habe, will ich noch die Punktestände  der anderen üblichen Verdächtigen, und was an Neuigkeiten bei mir hängenblieb, nachreichen.

Aprilia 0,5 Punkte

Ein neuer, geflügelter Supersport V4 Aufguss, jetzt mit tuonohaften 1.100 Kubik.
Daneben stand eine Designstudie namens 660 mit angeblich halbiertem V4 (sollte der dann nicht 1.320 ccm haben oder die Kleine 550 heißen?) und was auch immer eine aktive Aerodynamik darstellen soll.
Dazu keine Ahnung ob und wie es mit der Superbike WM weitergehen soll. Hmpf. Gebt dem Eugen ein siegfähiges Mopped!

BMW 1,25 Punkte

Neuer Motor in alten Wasserboxern und die erschwerte (großer Tank und lange Sturzbügel) 850er GS.
Dazu die Ankündigung, es mal wieder mit echter Werksunterstützung in der Superbike WM zu versuchen. 2019 sogar als Hauptsponsor von SMR, damit die Kunden lernen, dass die HP Modelle jetzt M wie Auto heißen.
Daneben blieb die Premiere der neuen S1000RR blass, selbst die M-Version (207 PS bei 13.500 U/Min / 193,5 kg ohne Heizgriffe). Warum eigentlich, diese Werte alleine sind schon doppelt sensationell ohne dass man verstehen muss, was 100 Nm über einen Drehzahlbereich von 9.000 Umdrehungen (zwischen 5.500 und 14.500, das sind 1.000 über Nenndrehzahl!) bedeuten könnten. Ach ja, Ducati sagt, die haben noch mehr PS, für den doppelten Preis und der Beemer sieht langweilig aus.
Hätten sie S1000RR auf der Intermot vorgestellt, hätte sie bestimmt mehr Aufmerksamkeit bekommen.
Dreht die BMW-Kurbelwelle jetzt tatsächleich rückwärts, so wie sich alle Gerüchteköche vor der Messe sicher waren? Dazu hat sich keiner dieser Köche gemeldet, auch die nicht, die vor Ort waren.

Ducati 0,5 Punkte

Alles Modelle haben irgendwie was Neues bekommen, außer der Supersport. Gibt es die noch?
Die 1,000er V4 ist nur für Superbikes, aber nicht für Superstocks homologiert, liefert 221 PS ohne Rennkit, muss dafür aber astronomische 15.250 gedreht werden. Mal schauen, wie viel von den italienischen Pferden am Ende auf dem Prüfstand ankommen.
Ohne Melandri, dafür mit Bautista auf der Jagd nach der WM Krone in der SBK.

Harley 1 Punkt

Wann war es nochmal, als alle lachten, das ausgerechnet H-D einen Elektro-Mopped-Prototypen zeigte? Dass die Milwaukee-Jungs damals sagten, dass diese Lifewire ab 2019 zu kaufen sei, hat nur zu noch mehr Erheiterung beigetragen.
Auf der EICMA stand die ab 2019 käufliche Serienversion, und weil damals alle gelacht haben, haben sie es jetzt lieber verschwiegen. Damit Ihr nicht suchen müsst: Es war 2014.
Schade, dass es nicht wenigstens ein Mock-Up des angekündigten SUV (oder einer anderen Version der im Sommer angekündigten neuen Generation) gab.

Honda 2,25 Punkte

Zum Flügel gibt es einen ganzen Beitrag, den ich oben verlinkt habe. Darin habe ich jedoch nicht gesagt, dass Ten Kate nicht mehr das Honda Team in der WSBK ist. Ab nächstem Jahr machen es nun Honda, HRC, Moriwaki und Athena gemeinsam, weil: Viele Köche verbessern den Brei, oder so.

Kawasaki 0,5 Punkte

Die neue Nackte 400er heißt Z, die W800 kommt doppelt zurück und Johnny Rea bekommt einen neuen Beifahrer. War sonst noch was?
Ach ja, die neue 1.000er Versys könnte ein elektronisierter Volltreffer sein und kein KLR650 Nachfolger in Sicht.

KTM 1,25 Punkte

Die erwartete 790 Adventure mit und ohne R wurde gezeigt.
Die 690 Enduro kommt wieder wieder. Es ist eine orange Husky 701 mit gekürzten Federwegen, wenn ich alles richtig verstanden habe. Eine Supermoto-Version davon kommt ebenfalls wieder wieder.
Kein Wort von einer 390 Adventure, die bereits öfter als Erlkönig gesehen wurde. Ich denke, wenn da wirklich etwas kommen wird, dann zeigt KTM das zuerst in Asien.

Suzuki 0 Punkte

Die Katana ohne Silber, nur schwarz. Das wars.
Wo war die neue GSXR 750? Wo war die neue Hayabusa? Was ist mit Nachfolgern zu TL1000S, DRZ400, GS500E, Van Van oder Bandit? Nicht mal eine 750er Katana, die nun wirklich kein Hexenwerk wäre, war zu sehen.
Oder was ganz Neues, das nach einem Lebenszeichen aussieht und sich nicht wie das Piepsen einer Herz-Lungen-Maschine anhört? Nein, nix.

Triumph 0,25 Punkte

Anders angemaltes und zusammengestecktes aus dem Neo-Klassik-Baukasten war alles, das neu war. Aber Triumph ist entschuldigt, haben sie doch kurz vor der EICMA die zumindest auf dem Papier grandiose XE vorgestellt und das Heimspiel auf der Motorcycle Live in Birmingham kommt erst noch.
Ich bin gespannt, ob es dann Neues zu den Triples gibt. Mit gedrückten Daumen summe ich jeden Abend mein Daytona-Daytona-Daytona-Mantra, obwohl ich persönlich lieber einen Sprttourer auf Dasis der 765er hätte.

Yamaha 0,5 Punkte

Vor zwei Jahren gab es die T7 Designstudie, letztes Jahr, den 700er Ténéré Prototypen, dieses Jahr konnten wir die Serienversion sehen und nächstes Jahr dürfen wir sie kaufen.
Die auf 20 Exemplare limitierte Super-Bling-Bling-Version der R1 tauchte in meiner Timeline genau oft auf wie die tatsächlich nagelneue S1000RR und viel öfter als die V4-Priller und Duc. Entweder war das gute PR-Arbeit der Japaner oder ich muss meine Timeline anpassen.
2019 startet Yamaha mit zwei Werksteams bei den Superbikes. Ob das die Chancen verdoppelt oder das Chaos, wird sich zeigen. Bei den Langstrecklern funktionierte es viele Jahre lang mit GMT94 und YART.

Zum Schluss

Das ganze Jahr über habe ich darüber gelesen, wie alle möglichen Hersteller, Zulieferer und Ihr Hund an neuer Sicherheitselektronik, autonomen Moppeds, automatisierten Fahrzeug- zu-Fahrzeug-Kommunikations-Apps und ähnlichem Dingen forschen und entwicklen. Die schöne neue Welt, in der Big Brother, meine Versicherung und alle Autos in drei Stunden Umkreis wissen, dass ich letzte Woche bei Dunkelgelb über die Kreuzung bin, war anscheinend kein Thema auf der Messe. Wäre ja auch doof, wenn man von potentiellen Kunden zu hören bekäme, was die von dem Zeug halten. Besser ist es der Gesetzgeber schreibt es vor, dann muss es jeder kaufen.

Ganz zum Schluss

Alles, was ich verpasst habe, könnt ihr mir gerne als Kommentar schicken.

 

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Kawasaki H2 – na und?

Die neue Kawasaki H2, irgendwie sieht das Gerät wild aus und hat einen Kompressor, na und?
Die Tests, die ich bisher im Netz und in den Zeitschriften gelesen habe, haben bei mir nicht den Wunsch geweckt, damit mal zu fahren, 200 PS haben auch andere.  Mein altes Luxusweibchen hat fast 180 und das Gewicht ist auch ähnlich dem der H2. Dann doch lieber den neuen Yamaha Supersportler, der bei gleichem Hubraum ohne Kompressor auch 200 PS ins Prospekt drückt, dabei aber viel leichter und kompakter ist.
Als die H2 angekündigt war, sah das bei mir noch anders aus, da wollte ich mehr wissen und war auf jede Neuigkeit gespannt, aber irgendwie konnte das echte Mopped bei mir dann kein Interesse mehr wecken.

Doch dann tauchte dieses Bild in meiner Timeline auf:

Hinterreifen H2

Foto: Patrick Sauter

Das ist der Hinterreifen einer H2 nach 35 km Autobahn!

Ein Mopped, das so die Pelle vom Reifen rupft, das muss ich einfach fahren!

Ich habe den Fahrer (danke fürs Bild, Patrick) gefragt: Es ist der speziell und nur für diese Kawa hergestellte Hinterreifen, ein Bridgestone Battlax RS10. Der Luftdruck war kalt bei 2,9 bar.

Das war die pure Gewalt, geil!

 

Moppeds in diesem Beitrag:

Kawasaki ER-6F und Honda CBR 650F – Gefahren

An einem schönen Sonntag ging es auf Testfahrt mit zwei Moppeds aus dem Testfuhrpark der Bikerszene, der Honda CBR 650F und der Kawasaki ER-6f; 649 ccm und 211kg haben beide ebenso wie eine Vollverkleidung. Die 72 PS der grünen Kawa sind auch nicht weit weg von Hondas 87 Pferden, beide Maschinen sind damit ausreichend motorisiert um überall wo es ein Tempolimit gibt zu schnell für den Führerschein zu sein.
Die 87 PS der Honda überraschen ein wenig, denn der Vorgänger hatte noch 102 davon und das bei einem kleineren 600er Motor. Mir gefällt es, dass Honda mit den neuesten Modellen nicht auf die Lufthoheit über den Stammtisch-Zeitschriften abzielt sondern auf den Fahrer. Ja, der auf der Hornet basierende Vorgänger hatte eine höhere Endgeschwindigkeit und möglicherweise fährt Marc Marquez mit der 600er schneller über irgendeine Rennstrecke als mit der Nachfolgerin, die auf der nicht-mehr-Hornet basiert. Aber was soll’s? Draußen auf der Landstraße macht der Fahrspaß den Unterschied. Ich sage immer, ein Mopped das gefahren wird ist um Längen besser als eines, das auf dem Papier gut aussieht und in der Garage steht. So gesehen sind die 15 PS Leistungsunterschied zwischen den beiden Testkandidaten egal; auf der Landstraße sowieso.

Honda CBR650F und Kawasaki ER-6F gefahren

Für mich war es der Erstkontakt zu beiden Maschinen. Der Basispreis von 6.995 Eumel für die ER liegt mehr als 15% unter den 8.290 der Honda. Das hat mich überrascht, denn die Honda wirkt auf mich noch wertiger. Ich kann es nicht an bestimmten Details festmachen, es ist mehr ein Gefühl und damit absolut subjektiv und nicht belegbar. Die Kawa wirkt nicht etwa billig, bei Ihr entspricht der Preis der Qualitätsanmutung, sie ist Ihr Geld auf jeden Fall wert.
Genug geguckt, es ist Zeit aufzusitzen und zu fahren. Auf der Honda passt alles, Hintern, Füße und Hände signaliseren: „So muss das, hier wollen wir hin.“ Ich weiß beim ersten Platznehmen, auf dieser Maschine kann ich bei jedem Wetter auf allen Straßen stundenlang fahren. Für mich würde ich den Brems- und den Kupplungshebel noch einen Zentimeter nach unten drehen und das Spiel im Gaszug halbieren. Auch auf der Kawa würde ich den Gaszug anpassen, damit erschöpfen sich die Gemeisamkeiten beider Maschine aber auch. Auf der Grünen sitze ich zu weit hinten, die Fußrasten sind einen Tick zu hoch (oder der Sitz zu tief), der Lenker zu hoch und zu weit hinter dem Steuerkopf, ich sitze oben herum eher wie auf einer Reiseenduro der späten 80er. Das finde ich seltsam, denn mit der Versys hat Kawasaki eine Reiseenduro in der ER6-Familie und die 6f wird auf der Website bei den Sportlern einsortiert. Schnell wieder zurück auf den Vierzylinder, den Honda als Supersportler anbietet. Ich halte ihn eher für einen Sporttourer, dass ich Recht habe zeigt sich bereits auf den ersten Metern in der Stadt. Die 650er ist dafür gebaut immer gut zu funktionieren. Der Motor lässt sich niedrigtourig fahren und am Ortsausgangsschild dreht er hoch und gibt seine Leistung linear ab. Es gibt keine bösen Überraschungen, weil aus Homologationsgründen ein Leistungsloch eingebaut wurde, dessen Ende gerne als Leistungsexplosion wahrgenommen wird. Wer schneller beschleunigen will schaltet herunter, nötig ist es jedoch nicht, auch nicht für Überholvorgänge auf der Landstraße. Das Fahrwerk spielt auf der selben Klaviatur, Gabel und Federbein arbeiten synchron und melden dem Fahrer, dass der Asphalt mies ist und sagen im selben Atemzug, dass sie es im Griff haben. Linienkorrekturen sind jederzeit möglich, wenn der Fahrer sich verschätzt hat. Dem Fahrwerk kann man daran keine Schuld geben, denn die Honda fährt dahin, wohin sie dirigiert wird. Alles funktioniert perfekt und lässt genug Kapazitäten im Kopf um die Landschaft und die Strecke zu genießen.

Honda CBR 650f gefahren

Die Kawa ist da ganz anders. Der Twin wirkt lebhafter, er vibriert und ist auch akustisch präsenter. Durch den aufrechteren Oberkörper und den weiter hinten liegenden Sitz wirkt sie agiler, der Wendekreis ist kleiner. Das Fahrwerk ist ein wenig steifer, Schlaglöcher kommen stärker bis zum Fahrer durch, Gabel und Federbein arbeiten nicht ganz so synchron wie auf der Honda, der Geradeauslauf ist nicht ganz so stabil. Trotzdem fährt die Kawa auf der gewählten Linie durch die Kurve. Korrekturen werden mit ein wenig Unruhe quitiert, aber eher in der Art von „Ich habe es gemerkt“, nicht unwillig oder störend. Als Resultat wird der Fahrer auf der ER mehr gefordert muss aktiver und bewusster ins Geschehen eingreifen.

Kawasaki ER-6f gefahren

Obwohl die Honda das viel bessere Motorrad ist hatte ich auf der Kawa mehr Spaß, eben wegen der Unzulänglichkeiten. Wenn es meine wäre, würde ich jedoch mindestens den Lenker austauschen.

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Kawasaki Ninja H2 -Spekulationen und Wünsche

In den letzten Tagen versucht Kawasaki in Netz einen Buzz für Ihr neues Mopped zu erzeugen, dass auf der Intermot am 30. September Weltpremiere feiern wird.

Ich finde es gut, dass so langsam auch die Motorradhersteller bemerken, dass es das Internet gibt und dass es sich dabei um ein Kommunikationsmedium handelt. Die Kampagne scheint mir sehr US-lastig zu sein, selbst wenn das Mopped in Deutschland vorgestellt wird, eine lokalisierte Version gibt es nicht.

Kern der Kampagne sind kurze Videos die mit einigen Tagen Abstand nach und nach veröffentlicht werden, dazu gibt es noch einen Twitteraccount und eine Facebookseite.

Wirklich harte Fakten zur neuen H2 sind spärlich, Spekulationen dafür reichlich.

Kawasaki hat im letzten Jahr einen Vierzylinder Turbo auf der Tokyo Motorshow präsentiert; dass dieser neuen Motor etwas mit der neuen H2 zu tun hat wurde meines Wissens nach noch nicht in Worten bestätigt, der Sound im zweiten Video legt das jedoch nahe. Natürlich könnte die H2 auch ein E-Bike mit mp3-Soundemitter sein, dass hoffe ich jedoch nicht.

Während in Deutschland nur die Sportmotorräder bei Kawa den Namen Ninja tragen wird der Name in den USA deutlich breiter verteilt. Die aktuelle ZZR 1400, bei Kawa in DE als Sport Tourer geführt, heißt in den USA Ninja ZX-14R und ist dort ein Supersportler. Der Name Ninja deutet also nicht unbedingt auf einen Supersportler nach deutscher Definition a la ZX-10R.

Das vierte Video scheint die H2 in eine Tradition mit der GPz900R (die 750 Turbo sah sehr ähnlich aus, das könnte ein kleiner Zaunpfahl sein), ZZR 1100, ZX-12R (#Luxusweibchen ftw) und ZZR 1400 zustellen. In den USA hießen diese Modelle alle Ninja. Vom Namen Ninja sollte man sich also nicht täuschen lassen, ich denke wir sollten ihn amerikanisch interpretieren.

Den Namensteil H2 finde ich immer noch rätselhaft. Die H2 war ein Dreizylinder Zweitakter mit einem überforderten Rahmen. Einen Dreizylinder Zweitakter schließe ich als Motor aus, der würde anders klingen als im zweiten Video. Falls es jedoch wirklich ein E-Bike wird, vielleicht gibt es dann noch noch einen weitere mp3-Datensatz für den Soundemitter (Bittetbittebitte nicht).

Normalerweise finden alle wichtigen Weltpremieren eher in Mailand als in Köln statt, wenn mich meine Erinnerungen nicht trügen, daher könnte Deutschland als Standort in Richtung Autobahnrenner deuten.

Ich erhoffe mir einen würdigen Nachfolger für mein Luxusweibchen, einen tourigen Sportler mit deutlich über 200 PS aus einen Turbo Motor der mehr als einen Liter Hubraum hat und der über 300 km/h fahren darf, ohne dass ein Speedlimiter eingreift. Ein Mopped um dem Veyron den Finger zu zeigen.

Moppeds in diesem Beitrag

  • Einen Menge Kawasakis