Packmaße von Exped und Therm-a-Rest

Ein kurzer Nachgang zu meinem letzten Beitrag: Eigentlich wollte ich nur schlafen.

Um zu verdeutlichen, wie groß der Unterschied zwischen meiner alten Therm-a-Rest und der neuen Exped ist, habe ich ein Foto gemacht.

Packmaß. Links Exped (ca 23 x 17) rechts Therm-a-Rest (ca 67 x 15) ohne Tasche oder Gurte.

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Beide sind in etwa gleich dick (15 gegen 17 cm) die alte Selbstaufblasende ist dabei jedoch fast dreimal länger (67 gegen 23 cm). Die Durchmesser lassen sich mit Gurten oder Packtaschen noch verringern. Die lange Matratze könnte ich falten (habe ich bisher nur versuchsweise gemacht, soll aber auch auf Dauer funktionieren, wie ich den Kommentaren unter dem originalen Artikel entnehmen konnte) und dann rollen, dann wird die Rolle aber dicker, das geringe Volumen der Luftmatratze erreiche ich mit der Großen nie. Mit diesem kleineren Volumen passt die Exped viel besser in einen Rucksack, die große hatte ich immer außen am Rucksack gefestigt und dafür habe ich sie auch gekauft.

Die Exped ist auch leichter, wie viel kann ich aber nicht sagen, denn ich habe keine Küchenwaage.

Edit:

Die Nachbarn haben keine Küchenwaage, daher habe ich mit ein bisschen Google-Fu die Gewichte recherchiert. Die die Exped Synmat 7m habe ich 860 Gramm gefunden und für die große Therm-a-Rest 4,2 lbs, was 1.920 Gramm sind.

Ende Edit.

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Eigentlich wollte ich nur schlafen …

Wenn alles gut läuft, dann läuft es so: Man hat eine Problemlage, die durch Kauf eines Gegenstandes gelöst werden kann. Im Fachhandel werden verschiedene Lösungen angeboten und nach kompetenter Beratung entscheidet man sich für Lösung A und alle anderen Lösungen werden nicht gekauft. Demnach hat man mit Lösung B bis Z auch keine Erfahrung. Ich habe mittlerweile hier Lösung A und B zum Thema: Schlafunterlage.

Lösung A: Selbstaufblasend

Früher bin ich immer mit einer großen Therm-A-Rest Matratze zum Camping gefahren. Die ist “selbstaufblasend”, 195 x 63 x 3 cm groß, hat einen R-Wert von 3 und ist deutlich bequemer als alle Iso-Matten, die ich jemals probiert habe.
“Selbstaufblasend” bedeutet, dass in der Matte ein schwammartiger Schaum ist. Beim einrollen der Matratze wird die Luft herausgedrückt und beim ausrollen nimmt der Schaum seine ursprüngliche Form wieder an. Ich puste immer noch etwas Luft hinein, bevor ich mich drauf lege.
Hauptnachteil, vor allem beim Wandern, ist das riesige Packmaß, aufgerollt sind dass immer 63 cm Breite. Das war damals, beim Kauf (ein Superschnapper im Fabrikverkauf für unter $30) noch egal, weil ich meine Nächte im Wanderurlaub immer in Hotels verbracht habe und die Matte nur mit dem Mopped transportiert wurde.

Lösung B: Fremdaufblasend

Jetzt wollte ich aber auch beim wandern draußen schlafen, und da musste etwas neues her, dass sich kleiner verpacken lässt und weniger wiegt. Mir wurde in einem Laden die Exped SynMat 7M (183 x 55 x 8 groß, R-Wert ca. 5) empfohlen, eine Luftmatratze mit synthetischer Füllung und eingebauter “Pumpe”. Bei einer besseren Beratung hätte ich mir das teurere und bessere Modell mit Daunenfüllung gekauft, das bietet die bessere Wärmeisolierung, auch wenn ich diese bisher nicht gebraucht habe. Die Exped ist leichter und lässt sich deutlich kleiner zusammenrollen.
Die “Pumpe” ist ein Schaum und kein hartes, unbequemes Ding mit Hebeln. Die Pumpe funktioniert gut, wenn die Matratze auf einem harten, geraden Untergrund liegt.

Kurzer Exkurs

Wer draußen schläft (ich rede hier von mit oder ohne Zelt, nicht von Wohnwagen oder anderen Camping-Fahrzeugen), wird wissen, dass der Boden, auf dem man liegt, viel Wärme aus dem Körper zieht. Je kälter der Boden, desto besser sollte die Isolierschicht sein. Mit einer guten Unterlage funktioniert der Schlafsack viel besser, denn die untere Seite des Schlafsacks wird durch das Körpergewicht zusammengedrückt und isoliert daher deutlsch schlechter als die Seiten oder oben. Ohne Zelt kann man die aus Tannenzweigen, Laub, Farn, Stroh, oder ähnlichem bauen. Mit Zelt, also wenn das Zelt einen Boden hat, wird das schwierig.

Der Test, den ich machen wollte

Größenvergleich

Ich habe hier zu Hause also zwei Systeme, die ich miteinander vergleichen könnte. Auf dem heimatlichen Balkon ist das deutlich leichter als unterwegs. Also habe ich die Exped aufgeblasen, den dicken Schlafsack genommen und bei 4 bis 7 Grad (je nach Thermometer) auf dem Balkon geschlafen. War muckelig warm.
In der Nacht darauf, bei gleicher Temperatur, habe ich das gleiche mit der der Therm-A-Rest wiederholt, war auch warm.
Hmpf, unentschieden. Ich hätte vielleicht meinen mittleren Schlafsack wählen müssen, um einen Unterschied zu merken. 

Falls ich später mal wieder Lust darauf habe, auf dem Balko zu schlafen, werde ich es wiederholen, dann vielleicht mit einer Decke statt einem Schlafsack.

 

P.S.

Beide Produkte sind auf den Herstellerseiten nicht mehr aufgeführt, also wohl aus dem Programm geflogen. Die R-Werte sind aus meinem Kopf, die Maße im aufgebauten Zustand habe ich gemessen.
Die Therm-A-Rest ist mittlerweile über 20 Jahre alt, da wundert mich das nicht, dass die nicht mehr angeboten wird.

P.P.S

R-Wert ist der Wärmedurchgangswiderstand, je höher, desto besser.

Balkon-camping gestaucht ohne Zelt.

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Moppedzeitschriften und ich

Erst fange ich diesen Blogartikel an, und dann kommt Clemens auf Google+ mit den IVW Zahlen um die Ecke

Hier also kurz mein Leben mit Moppedzeitschriften.

Oscar - Quelle PinterestGanz früher, als ich so gerade an die Pedale meines 24 Zoll Rennrads kam, da habe ich jede Mopped-Zeitschrift gekauft und gelesen, die ich an der Bude um die Ecke bekommen konnte. Das waren zwei: die Motorrad und die Easy Rider (nicht zu verwechseln mit der Harley Fan-Zeitschrift aus den USA, die es später auch hier und auf deutsch gab oder gibt). Heute gibt es an der Bude keine Moppedzeitschriften mehr. Und dann wurde ich älter und hatte mehr Taschengeld, da konnte ich dann noch andere Zeitschriften kaufen, die PS und die MO, die es inzwischen gab.

Die verrückten Briten

Und noch später dann, wurde der Zeitschriftenladen am Bahnhof mein Freund, denn der hatte englische Zeitschriften. Die waren zwar verdammt teuer, aber trafen meinen Geschmack viel deutlicher, denn da wurden Moppeds erlebt und und nicht seziert. Die Schreiber hatten eine große Klappe und gnadenlose Selbstüberschätzung, es gab immer mindestens einen Crash, ein Wheelie, ein Stoppie und eine Flucht vor der Polizei und oder dem örtlichen Verbrecher-Kartell und böse Sprüche.

Oscar Quelle Pinterest

Quelle Pinterest

Eine meiner Lieblingsgeschichten war ein Vergleichstest zwischen einer Hayabusa und einer ZX-12R. Damit die Testkriterien für den Leser auch nachvollziehbar waren, wurden sie einfach gewählt. Beide Moppeds fahren zusammen in England vom Redaktionsparkplatz los bis nach Nizza und wieder zurück, wer zuerst ankommt, hat den Test gewonnen. In England und Frankreich gab es auch damals ein Tempolimit, aber wer sich daran hielt hatte eben keine Chance auf den Testsieg. Am Ende hat die Kawa gewonnen, denn die hat die defekte Busa ins Ziel geschleppt, war also vorne. Ein solcher Test hätte und wird es wohl auch nie aus deutschen Redaktionen geben. Die Redaktionen werden das nicht wollen und die Leserbriefschreiber würden bei Erscheinen eines solchen Tests gar nicht mehr mit dem Kündigen nicht vorhandener Abos aufhören könne, wenn sie nicht vom tot geschüttelten Oberlehrer-Zeigefinger daran gehindert werden.
Bonus-Fact des Test: die ZX-R verbraucht fast 12 Liter auf 100 km wenn sie eine Busa mit 240 (schneller ging nicht, die Kawa hat halt nur 178 PS und die Busa ist schwer) abschleppt.

Außerdem habe ich noch Zeitschriften über Classic Racer, Grey Imports und die AWoL gelesen. Letztere war ein Custom-Magazin von einer Anarchistischen Redaktions-Kommune. Zu der Zeit verstand man in Deutschland unter einem Custom-Bike eine Harley mit angeschraubten oder getauschten Anbauteilen. In England wurden Starrrahmen mit Turbo-Vierzylinder, Trikes mit Automotoren, dieselgetriebene Gespanne und alles dazwischen und drumherum darunter verstanden.

Ich habe zwischendurch auch immer wieder deutsches probiert, Sonderausgaben, Moped, motorradfahrer, motorrad News, Oldtimer Motorrad, Custombike usw. Aber irgendwie war das alles zu steril abgepackt und nachgemessen.

Jetzt ist der Griesgram alt

Oscar - Quelle PinterestHeute bin ich älter, viele der englischen Zeitschriften gibt’s nicht mehr oder nicht mehr am Bahnhof. Ich muss auch nicht zum tausendundfünfundreißigsten mal lesen, wie ein Testfahrer einen Supersportler weggeworfen hat oder, dass das neue Baujahr besser als das alte ist oder wie jemand im Winter zum Elefantentreffen gefahren ist oder irgendein pensionierten Werkzeugmacher eine original Schwingsattelschraube in 35 Arbeitsstunden wieder in Originalzustand versetzt hat oder oder oder, egal ob auf deutsch oder englisch.

Ich war am Wochenende wieder mal an einem Bahnhof und dort in einem Buchhandel mit einer ordentlichen Auswahl an deutschen Titeln und ich hatte Zeit zum stöbern. Ich habe mir keine gekauft. Es gab keine Zeitschrift, die mehr als zwei Artikel hatte, die ich lesen wollte. Das mag in anderen Monaten ganz anders sein. Und die Artikel, in die ich hineingelesen hatte, fand ich langweilig geschrieben, irgendwo zwischen PR-Meldung und Textbausteine aus dem Ich-weiß-nicht-was-ich-schreiben-soll Baukasten. Hmpf.
Die Zeitschrift, mit den zwei Interessanten Artikeln habe ich auch nicht gekauft. Der eine Artikel “Rally für Einsteiger” über 4 Seiten kam ohne das Thema Roadbook aus (jedenfalls gab es kein Bild und keine Zwischenüberschrift) und war damit für mich nicht interessant und der Bericht über die Enfield Himalayan war 2 Seiten Fotos mit dem Mopped im eigenen Garten und geschätzte 300 Worte (dieser Text hat über 650) in 14 Punkt Schrift. Das war mir zu dürftig für einen Kauf.

Und jetzt stehe ich hier vor meinem Schreibtisch und frage mich, was müsste in einer Moppedzeitschrift stehen, damit ich sie kaufe?

Zum Glück bin ich Leser und muss diese Frage nicht beantworten. Wenn ich mir die IVW Zahlen (siehe Link oben) so ansehe, sollten die Redaktionen diese Frage ziemlich bald beantworten können, wenn sie weiterhin ihre Zeitschrift machen wollen.

Wieder mit der #Hippe in Pfungstadt

Mit den frisch aufgezogenen Michelin T63 ging es über die Ostertage auf die Endurostrecke. @ErnieTroelf ist als ehemaliger Transalp Fahrer vom dort örtlichen Stammtisch angesprochen worden, ob er denn nicht zum Vor-Treffen-Training nach Pfungstadt kommen wolle. Und er hat mich gefragt, ob ich mit will.
Die Transalp Fahrer treffen sich am kommenden Wochenende mit den Transen, aber da viele von Ihnen auch noch andere, meistens leichtere Enduros ihr eigen nennen, wollen sie sich mit diesen schon mal warmfahren. Vor Ort konnte man sein Zelt ausrollen, was ich auch tat.
Die Strecke in Pfungstadt kenne ich schon, die kann mit einem ganz dicken Tiger bewältigt werden, macht aber auch mit der #Hippe Spaß und wer mag kann auch eine Sportenduro über Tables hüpfen und Baumstämme klettern lassen. Eine Trial-Ecke gibt es auch.

Transalp trifft Freunde

Reifen

Eine gute Gelegenheit, die neuen Reifen zu testen und mit Contis TKC 80 zu vergleichen, die auf der Honda CRF250L von Herrn Trölf aufgezogen sind. Mit meinem Fahrkönnen konnte ich auf der großteils sandigen Piste keinen großen Unterschied erfahren. Die T63 waren ein kleines wenig besser, vor allem am Vorderrad im tiefen Sand, aber sie waren neu und die Trölfschen TKC nicht mehr ganz. In Pfungstadt hatten unsere Reifen 1,0 bar. Beide funktionieren für Straßenreifen sehr gut im Dreck.
Auf der asphaltierten An- und Abreise funktionierten die T63 ebenfalls gut (wie die TKC auch), auf trockenem wie auf nassem Asphalt, Rollsplitt und Schlaglöchern. Ich fahre die T63 mit 1,8 bar vorne und hinten. 2,0 bar hatte ich auf der Fahrt zurück ausprobiert, funktionieren aber schlechter, finde ich. Ich hatte beim ersten Tankstopp wieder auf 1,8 reduziert. Beide Reifen funktionieren für Stollenreifen sehr gut auf der Straße.

Ernie Trölf auf der CRF250L

Alte Husky / neue SWM

Ich hatte auch die Gelegenheit eine vor-BMW Husky mit 250 Kubik zu testen. Das ist vor allem deshalb interessant, weil diese Moppeds inzwischen als SWM wieder angeboten werden, allerdings nur mit 300 und 500 Kubik.

Die Husky war natürlich viel sportlicher als die #Hippe und braucht dementsprechend auch mehr Tempo, damit das Fahrwerk richtig funktioniert. Im gemütlichen Wandertempo macht sie dagegen nicht so viel Spaß und ist anstrengender. Das sportlichere Fahrwerk verträgt weitere Sprünge, wo die Hippen-Federwege komplett aufgebraucht sind. Wer schnell genug ist, die Hippe an Ihre Grenze zu bringen und noch schneller fahren möchte, ist mit der Husky sicherlich gut bedient. Die Husky (und damit vermutlich auch die SWM) ist sehr viel näher an der KTM als an der #Hippe, damit ist sie für wildere Geländeritte und höheres Tempo besser geeignet. Aber spätestens wenn eine längere An- und Abreise auf eigener Achse erfolgen soll, schlägt wieder die Stunde der #Hippe. Und einen Gepäckträger hatte die Husky auch nicht.

Husky fliegt (Ich knipse, also fahre ich nicht)

Auf dem Rückweg gab es noch Tee und Kuchen bei @R1addicted so soll Ostern sein.

Neue Schuhe für die #Hippe

Kommste inne Garage, ist der Reifen platt. Oder wie ich sage: Endlich kann ich mal üben, wie so ein Moppedreifen zu flicken ist.

Platt. #Hippe

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Rad ausbauen und in die Wohnung tragen war einfach. Mit den Montierhebeln den Mantel an einer Seite runterhebeln und Schlauch raus fummeln ging auch ganz gut. Glücklicherweise war es nur ein winziges Loch, dass schnell unter einem Flicken verschwand.
Und dann fingen die ersten Probleme an. Irgendwo beim zurückfriemeln des Schlauchs und dem wieder Aufziehen des Mantels habe ich ein neues Luftloch in den Schlauch hineinfabriziert. Seufz. Also das ganze noch mal und dann war der Reifen dicht, für eine Woche.

30 Jahre Mopped fahre, grob geschätzt fast eine Millionen Kilometer und ich hatte nie einen Plattfuß und jetzt gleich zwei in einer Woche. Also das ganze noch einmal. Dieses Mal steckte der Nagel noch drin, so dass ich den Übeltäter rituell auf dem Balkon einschmelzen konnte.

Aber so irgenwie traue ich dem Reifen mit dem Loch mitten auf der Lauffläche nicht mehr so richtig und bald sind sowieso neue Schlappen fällig, warum also nicht jetzt welche kaufen. Gesagt und ab zum Reifenhändler.

„Reifen sind lieferbar“, sagte er bei der Bestellung. Doch nicht lieferbar waren sie am nächsten Tag und nach einem weiteren Tag dann immerhin bestellbar, aber mit langer Lieferzeit.

Bestelle ich sie halt im Internet.

Die Wartezeit habe ich mit üben verbracht. Jeden Abend einmal Mantel ganz runter von der Felge, Schlauch raus, Schlauch rein und Mantel wieder drauf. Und jedes mal habe ich neue Löcher in den Schlauch gemacht, die ich repariert habe. Jedes Mal. Und nie nur eines sondern immer gleich mehrere.

Mehrfach geflickter Schlauch

Schlauch geflickt und wieder kaputt repariert.

Und als dann die neuen Reifen und Schläuche vom Postboten geliefert wurden war ich schon ein kleines bisschen skeptisch. War es wirklich eine gute Idee, dass ich das selber machen wollte?

Zack, zack, beide Räder haben einen neuen Schlauch in einem neuen Mantel.

Die Hippe steht jetzt auf Michelin T63 inklusive einer Reifenfreigabe, die ich für die TKC 80 nie hatte. Jetzt muss der Michelin nur noch so gut funktionieren wie der Conti.

P.S.

Luft ist immer noch drin, Nagel ist immer noch draußen, so soll das bleiben.

Quo Vadis Mopped-Markt?

In den letzten Tagen haben mich einige Meldungen auf Motofire ins Grübeln gebracht.

Harley-Davidson

Harley-Davidson wird 2017 weniger Moppeds bauen, damit die Händler Überbestände von 2016 abverkaufen können (gut für die Händler, kurzfristig schlecht für die Mutterfirma). Damit werden höchst wahrscheinlich die Umsätze der Company weiter zurückgehen. Harley hatte 2016 in den USA (-3,9%) und in Lateinamerika (-13,2%) weniger Moppeds verkauft als im Vorjahr. In den anderen Märkten konnten die Stückzahlen gesteigert werden, aber da in den USA 168k Stück von insgesamt 264k verkauft werden, gibt das ein Gesamtminus von 1,6%.
Außerdem erklärte die Firma aus Milwaukee, dass in den nächsten fünf Jahren 50 neuen Moppeds auf den Markt kommen sollen und dass man in den nächsten 10 Jahren eine ganz neue Generation an H-D Fahrern aufbauen werde.

Oscar Quelle Pinterest

Quelle: Pinterest

Wobei mir nicht so ganz klar ist, was bei H-D mit einem neuen Modell gemeint ist. Meinen die damit wirklich etwas neu konstruiertes, oder nur eine neue Kombination alter, vorhandener Teile mit neuem Namen, das hat dort bekanntlich eine lange Tradition? Die aktuelle Einsteigerreihe hat zwei verschiedene Rahmen und zwei verschiedene Motoren und kommt damit auf drei Modelle. Die Sportster (ein Rahmen, zwei Motoren) kommt durch verschiedenen Anbauteile schon auf sechs Modelle.
Allerdings hat H-D in den letzten Jahren bereits viel wirklich Neues gebracht: neue Motoren, neue Rahmen, ganz neue Modellreihen.
Wie sportlich die Ankündigung von 50 neuen Modellen wirklich ist, zeigt ein Blick auf die aktuelle Website von H-D USA, auf der für 2017 „nur“ 38 Modelle angeboten werden.

Indien

Oscar - Quelle Pinterest

Quelle: Pinterest

Eine andere Meldung betrifft die beiden indischen Hersteller Bajaj (Exporte -18%) und Hero % zurück (Exporte -16%). Insgesamt gingen die Exporte der indischen Motorradindustrie um 10,5% zurück.
Die Inder liefern ganz andere Moppeds als H-D aus und das großteils in ganz andere Märkte. Die leichten, und preiswerten Moppeds gehen in großer Zahl in afrikanische, arabische und südamerikanische Märkte. Die dortigen politischen Unsicherheiten wird als Hauptursache für den Rückgang gesehen und man erwartet, dass es in ein paar Monaten wieder bergauf geht. Warten wir es ab, ob dort nicht aufs Auto umgestiegen wird.

Häh?

Wieso packe ich diese Meldungen hier zusammen? Ich denke, der Motorradmarkt entwickelt sich weltweit weiter. In den USA, wo die Nicest People [Google Bildersuche] schon viele Jahre vor den Europäern aufs Freizeit-Mopped gestiegen sind, geben diese netten Menschen bereits vermehrt den Führerschein und Löffel ab, so dass neue nette Leute fürs Mopped begeistert werden wollen.
Die Easy Rider [Google Bildersuche] sterben aus, Harley braucht ein neues Role Model für die Zukunft. Und die wollen neue und andere Moppeds um Ihre Zweirad-Karriere zu starten. Welche das sein werden, ist H-D noch nicht ganz klar, daher sollen nicht zwei oder drei neue Modelle kommen, sondern 50. Ich gehe davon aus, dass dabei von den 110 Cubic Inch in Richtung weniger Hubraum gegangen wird.

In Indien wird man sich um stabilere Exportzahlen bemühen. Da bieten sich stabile Märkte wie die USA und Europa an. Dort werden jedoch größere Moppeds gefahren als das, was die Hersteller momentan als Big Bike im Angebot haben. Ich gehe davon aus, dass die Entwicklung von 300 ccm in Richtung mehr Hubraum gehen wird.

Und Japan?

Oscar - Quelle Pinterest

Quelle: Pinterest

Honda ist zumindest in den USA bereits dort, wo die Einsteiger sind. Inklusive der Grom, der bei uns MSX heißt (als 125er habe ich sie unten in der Übersicht nicht berücksichtigt), bieten sie 10 Moppeds bis 500 ccm an; neue Moppeds, keine Überbleibsel aus vorvergangenen Zeiten.
Wenn die ollen Kamellen auch zählen, dann haben auch die anderen Japaner in Amerika viel zu bieten. Bei uns ist das Angebot deutlich schmaler. Ob das daran liegt, dass in Europa der Generationswechsel später erwartet wird, oder daran, dass niemand so richtig geguckt hat, wird die Zukunft zeigen.

Aktuelles Angebot in USA und DE

Hier eine Auflistung der Anzahl einsteigerfreundlicher Moppeds zwischen 125 und 500 ccm.

Hätte ich die Grenze bei 48 PS gezogen, wären für Deutschland noch mehr Modelle hinzugekommen, weil es hier einige größere Moppeds in einer gedrosselten Ausführung gibt. Diese Modelle zähle ich jedoch nicht zu den Einsteiger-Bikes. Aus den USA hätten sich noch einige 650er Dualsports mit offen unter 48 PS hinzugesellt und die Kluft noch größer gemacht. Diese 650er sind jedoch ausnahmslos sehr alte Konstruktionen ohne Chance auf Euro 4.

  • Honda: USA 9 / DE 6
  • Suzuki USA 8 / DE 1
  • Yamaha USA 6 / DE 2
  • Kawasaki USA 2 / 2 (Z 300 nur in DE, die Ninja 300 nur in den USA)
  • Harley USA 1 / DE 0

Einige USA Modelle sind bei uns spätestens durch die Euro 4 verschwunden (z.B. SR 400), andere schon vor Jahrzehnten (DRZ 400). Diese Modelle werden mit Sicherheit kein ABS und keinen Diagnosestecker für die Euro 4 bekommen. Solche Moppeds sind in der Übersicht vor allem bei Yam und Suzi zu finden.

Harley als Vorreiter – wer hätte das gedacht?