Ich war bei Social Distortion

Es ist schon was länger her, dass ich die Band live gesehen habe. Die Ankündigung, auf dieser Tour Ihre erste Platte komplett zu spielen, war dann Grund genug eine Karte zu kaufen und eine Unterkunft in Hallennähe zu schnorren.

Wenn ich schon über 200 km Anreise habe, dachte ich mir, dann kann ich sie auch schön gestalten. Das Wetter half dabei nach Kräften und lies es die ganze Zeit hindurch regnen, so konnte ich die Anreise auf über 300 Landstraßenkilometer und vier Stunden ausdehen. Ich fahre ja gerne im Regen, hätte aber vorher vielleicht die Moppedkombi imprägnieren können. Andererseits ist das bei Klamotten mit Funktionsmembran auch egal, denn selbst wenn man trocken ankommt fährt man am nächsten Morgen meist feucht weiter. Das liegt an der Art und Weise wie diese Membranen funktionieren. Solange es innen wärmer als außen ist, bleibt das Wasser draußen. Zieht man die Sachen aus, ist die Temperatur auf beiden Seiten gleich hoch und die Feuchtigkeit kann zur Innenseite durch. Alter Indianertrick: Wer das Wasser außen von Jacke und Hose wegmacht, bevor er sie zum Trocknen hängt, gewinnt. Man kann natürlich auch einfach seine Jacke einer Heizung anziehen und diese aufdrehen, dann funktioniert der Membran-Trick wieder. Hat man eine Hosenförmige Heizung in der Nähe, klappt das auch mit dem Beinkleid.

Zurück zum Konzert.

Ich hatte mich rechtzeitig zu Kaffee (oder in meinem Fall Tee) und Kuchen bei @MissWayne (hier kein Link, weil Ihre Tweets geschützt sind) angemeldet. Die hat sich nicht lumpen lassen und lecker selbst gebacken. Wunderbar.

Pünktlich zur Toröffnung waren wir an der Halle und konnten uns so einen gemütlichen Sitzplatz suchen um die Vorbands abzuwarten. Kaum hatten wir gesessen und unser Gespräch vom Kuchen wieder aufgenommen wurde ich von rechts von einer jungen Frau, bis unter die Fingernägel tätowiert und modisch subkulturell angezogen, mit folgenden Worten angesprochen:

„Entschuldigen Sie bitte, sind die zwei Plätze neben Ihnen noch frei?“

Gude!

Äh, ja. Soviel zum Thema ich bin noch jung und das ist ein Punk-Rock-Konzert. Wobei ich die Einschätzung von Mike Ness, dass seine Kapelle eine Punk-Rock-Band sei sowieso nicht teile, für mich ist es eher Rockmusik mit Rock ’n‘ Roll Attitude, aber das jetzt auszuführen fehlt mir die Muße. Jedenfalls hat sie mich gesiezt. In Offenbach, der Stadt, die das größte Asi-Image im ganzen Rhein-Main-Gebiet hat. Dabei hatte ich ganz normal Tarnhemd und Zimmermanshose an. Komische Leute.

Das Abendprogramm fing pünktlich an mit Johnny Two Bags (Youtube, komlpettes Album), der Gitarist der Headliner mit akustischer Gitarre und Begleitung an Orgel plus einem wechselnden dritten Instrument , Strom-Gitarre, Steeleguitar oder Mandoline. Eher so mau, fand ich.

Dann kamen, immer noch pünktlich, Jessica Hernandez & the Deltas (offizielle Videos auf Youtube). Schon besser und definitiv mit Potential zu mehr. Eine Posaune machte die Musik ein bisschen New Orleansig, und die Sängerin verstand ihr Mundwerk, auch wenn sie sich manchmal zu sehr nach Musical anhörte. Ein bisschen mehr Voodoo hätte dem Sound auch gut getan. Ich werde auf jeden Fall nochmal im Netz Musik von denen nachhören.

Immer noch im Zeitplan (ey, Punk-Rock, ne?) begann dann Social Distortion und uns hielt nicht mehr auf den Sitzen, es ging ab nach vorne. Leider war da der Sound scheiße gemischt. Oder auch, endlich ein bisschen Punk-Rock. In meinen Laien-Ohren hörte es sich so an, als sei das Mikrofon falsch herum eingebaut worden. Da die Roadies zwischendurch zwar zwölf mal die Gitarren der Band wechselten aber nichts am Mikro machten, muss das wohl Absicht gewesen sein.

Social Distortion in Offenbach

Social Distortion (Youtube Kanal) lieferten dann ein solides Set ab, wie angekündigt mit den ganzen Klassikern von ganz früher. Mike Ness bot zwischendurch an, am nächsten Morgen alle Anwesenden bei ihren Bossen oder Lehrern (süß) zu entschuldigen, wenn sie es nicht pünktilich zur Arbeit oder in die Schule schafften. Trotzdem hörten sie schon nach der ersten Zugabe und noch vor Elf Uhr auf. Keine Gefahr für das Brutto Sozial Produkt.

Miss Wayne und ich haben im Anschluss an das Konzert noch in der Bier Akademie den Abend ausklingen lassen. Schön war’s.

 

P.S.
Wenn die verkackte GEMA Euch die Youtube Videos nicht zeigen will, weil Ihr eine deutsche IP habt, dann installiert Euch ein Addon in Euren Browser das Euch das ermöglicht, z.B. ProxTube. Oder besser noch, Ihr nutzt ZenMate, da könnt ihr dann ein Land auswählen, aus dem Eure IP kommen soll und der Browserverkehr wird auch verschlüsselt.

Wieder im Lande mit Lesetipps

Jetzt bin ich zurück von meinem kurzen Ausflug nach Palm Springs und der Testrunde auf der Ducati Scrambler.

Natürlich musste ich auf dem Rückweg noch einen kleinen Umweg einlegen und einige Schmuddelmädchen besuchen

Bei Dirtgirls Zuhause: "Wir haben die unseren Gute – Nacht – Teddy hingelegt."

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und ein Konzert von Tanwogerk.

Jetzt muss ich erstmal einen Bericht für die BikerSzene schreiben und dann schreibe ich auch noch etwas für hier.

In der Zwischenzeit könnt Ihr Euch die Zusammenfassung der Live-Eindrücke auf Storify ansehen oder aber das Thema wechseln und mal nachlesen wie Ernie Troelf denn unser #Alpenschotter14 gefallen hat.

#Sjock 38 Das Festival für den geneigten Fahrstuhlfahrer

Ich mag keine Musik-Festivals, außer eines. Auf einem kleinen Bolzplatz in der belgischen Pampa findet das Sjock (gesprochen Schock) statt. Auf einer großen Bühne wird dort Garage und punkartiges gespielt und auf einer kleinen Bühne in einem Zelt treten Bands aus der Roots- bis Rockabilly-Ecke auf, immer abwechselnd so dass man nichts verpassen muss.

Viele der Band die dort auftreten habe ich noch nie live gesehen und so kommt es, dass ich dort mittlerweile zum sechsten Mal war. Es sind immer die Bands, die ich nur dem Namen nach kenne, auf die ich mich am meisten freue und die, von denen ich noch nie etwas gehört habe.

Und dann gibt es noch die Bands, die alleine schon Grund genug sind 300km mit dem Mopped anzureisen. Dieses Jahr waren es die Jim Jones Revue und Wildfire Willy, den ich vor 25 Jahren das erste Mal gesehen habe.  Leider hat der Toningenieur den Auftritt total versaut.

Blöderweise sind damit auch schon fast alle Höhepunkte des Festivals erzählt. Der Auftritt von den New Bomb Turks ist ein weiterer Hochpunkt gewesen. Es ist immer wieder erstaunlich, mit was für einem dünnen Sound es den vieren gelingt so eine wilde Stimmung vor der Bühne zu erzeugen. Das John Lewis Trio war ein weiterer Act, der meine Erwartungen voll erfüllen konnte. Auch wieder ein altbewährter Klassiker, den ich in den vergangenen gefühlt 20 Jahren schon mehrfach gesehen habe. Die einzige erwähnenswert gute Band, die ich zum ersten Mal gesehen habe waren die Rumblejetts.

Besonders enttäuscht war ich von den Los Straitjackets. Da kommen vier Männer in schwarzen Anzügen mit mexikanischen Ringermasken die Bühne betreten haben die ja schon mal alles richtig gemacht. Denkste. Zwischen den Songs habe ich mit Durchsagen wie: „Dritter Stock, Teppiche und Kurzwaren“ gerechnet. Langweilige Fahrstuhlmusik, so wie fast alle anderen Bands auch.

Schade.

 

Bands in diesem Beitrag:

Jim Jones Revue 

Wildfire Willy and the Ramblers 

New Bomb Turks

John Lewis Trio 

Rumblejetts 

Los Straitjackets (kein Link, weil langweilig)

 

Komplettes Line-Up des Sjock 38 

Lock’n’Loll ist der wilde Bruder von …

Warum Soundcheck, wenn man alle Regler nach rechts drehen kann?

Warum musizieren, wenn man Krach machen kann?

Warum singen, wenn man brüllen kann?

Warum miteinander spielen, wenn es auch gegeneinander geht?

Warum selber auf die Gitarre eindreschen, wenn man sie auch irgendjemandem aus dem Publikum geben kann?

Warum Rock’n’Roll, wenn es auch Lock’n’Loll sein kann?

<p>Guitar Wolf – Missile Me / Fujiyama Attack from Marcus Wilén on Vimeo.</p>

Gerade in Deutschland unterwegs: Guitar Wolf

Siehe auch: Ich habe das Ende gesehen und den Anfang – Guitar Wolf

San Diego

Nach der ganzen ruhigen Natur habe ich mir in San Diego erst mal wieder eine ordentliche Portion Krach auf die Ohren gegeben. Direkt am ersten Abend ging es ins Griffth, wo die Palominos Honky Tonk spielten und anschließend die wilde Kim Lenz feinsten Rockabilly zum Besten gab.
Der Anschließende Sonntag hatte dann eine gute Portion Regen (hier steht jetzt keine Bemerkung zu „it never rains“), so dass ich eine gute Ausrede hatte, das Finale der NASCAR im TV zu sehen. Ein Finale, so wie es sein sollte, Toni Steward gewinnt mit unter einer Sekunde Vorsprung und wird punktgleich Meister vor dem auch im Rennen zweitplatzierten Brick by Brick, dort spielten die Frighteners, Gore Horsemen, Hard Fall Hearts und als Krönung die Koffin Kats.

Ich habe das Ende gesehen und den Anfang – Guitar Wolf

Eigentlich hatte ich den Plan, über meinen Besuch auf dem Sjock-Festival im belgischen Gierle zu schreiben. Ich habe mir auch brav Notizen gemacht, die ich für den Blog verwenden kann. Insgesamt, so viel kann ich schon mal vorwegnehmen, War das Line-Up nicht so stark wie im letzten Jahr. Sjock 36 hatte aber einen einsamen Höhepunkt, der alle anderen Bands überragte, nicht nur die aus diesem Jahr sondern auch aus den Jahren davor: Guitar Wolf.

Jetzt wo ich hier anfange zu schreiben, merke ich, wie schwer es ist über Musik zu schreiben. Mir jedenfalls fällt es schwer. 

Damit hier aber schon mal was steht, was ich vor der Veröffentlichung nicht lösche schreibe ich hier den absoluten und allumfassenden, für jeden geltenden HINGEHBEFEHL! Egal was für Musik Ihr normalerweise hört, das muss man live erleben. 

Mich hat es in Belgien so sehr beeindruckt, dass ich mir im Anschluss erst mal die aktuelle CD gekauft habe. CD! Wo ich schon vor Jahren angefangen habe meine CDs zu rippen und entsorgen. Und ich hätte mir sogar noch das T-Shirt gekauft, wenn es auch nur ansatzweise in meiner Größe dagewesen wäre. Und: Ich habe sofort ins Netz geguckt, ob noch weitere Konzerte in Reichweite stattfinden. Zum Glück war direkt da eins direkt am nächsten Tag in Hannover. Klar bin ich da hin, obwohl ich übermüdet war vom Festival-Wochenende. Um 23:45 begann Guitar Wolf und als ich nach der Zugabe um 01:45 den Helm aufsetzte und gerade losfahren wollte, kamen Sie noch mal zurück auf die Bühne, dabei bin ich erst los, als das Licht im Saal anging und die Toningenieure angefangen haben die Technik abzubauen. 

Guitar Wolf ist das lebende Beispiel für die Behauptung: Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile. Der dreiviertel-Bass (untere Hälfte abgesägt, Kopf gekürzt und nur mit drei Seiten belegt) von U.G., ein wild geprügeltes Schlagzeug von Toru und das Geschrei (Lock-n-Loll!!) und Geschrömmel von Seiji, aneinander vorbei und gegeneinander ergeben einen Krachteppich vom allerfeinsten. Musik, gefressen und ausgekotzt, im Rausch zertrampelt und doch ein Hochgenuss. 

Ich konnte mich nur dadurch am Besuch des Konzerts in Hamburg hindern, dass ich meinen Mopped- und Büroschlüssel auf der Arbeit eingeschlossen hatte.

Ich ärgere mich, dass ich Guitar Wolf seit 1996 jetzt erst zum ersten Mal erlebt habe.

Zum Schluss noch anderthalb Lieder aus Belgien:

P.S.

Hier eine Anleitung für den Konzertbesuch.

Ein Freiwilliger wird auf die Bühne geholt und bekommt die Gitarre umgehängt, nicht spielen können ist keine Ausrede, man muss Krach machen, Auf Anweisung den Mittelfinger heben und zum Finale des Songs springen und Gitarre anschlagen. Scheint schwierig zu sein, das Konzert geht aber nicht weiter, bis der Delinquent getan hat, wie ihn geheißen. Hat in Hannover gefühlte 10 Minuten gedauert.