Korrektur und Meinungsänderung zur #MotoGP in Argentinien

Lest mehr Motomatters!

In meinem zweiten Beitrag zum MotoGP Rennen in Argentinien hatte ich geschrieben:

In Argentinien hat Marquez sein Mopped nach Aufforderung eines Stewards, wenn ich das richtig gesehen habe, angeschoben und als die Honda wieder lief ist er gegen die Fahrtrichtung zurück an seinen Startplatz gefahren.

Dabei musste ich mich darauf verlassen, was ich bei der Liveübertragung gesehen hatte, beziehungsweise wie ich mich daran erinnerte. Bei Mototomatters [englisch] (lest mehr Motomatters, weil das wirklich sehr gut ist!) beschreibt David Emmett [Twitter, englisch] sehr detailliert, was dort passiert ist. Das ist nur ein kleiner Teil des oben verlinkten Berichts auf den ich mich hier beziehe, der restliche Bericht lohnt sich immer noch zu lesen. Und sogar einige der Kommentare sind lesenswert.

Hier die Reihenfolge, was passiert ist, so wie Motormatters es schreibt

  1. Marquez Motor geht aus
  2. Marques bleibt sitzen und hebt den Arm
  3. Der für die Startreihe zuständige Marshal zieht das Schild mit der Startreihen Nummer ein, was bedeutet, alle Moppeds in seiner Reihe sind startbereit. Waren sie aber nicht, deshalb hatte #MM93 den Arm gehoben. Ein klarer Regelverstoß des Marshals.
    Das eingezogene Schild signalisiert dem Starter (Graham Webber) an der Ampel, dass er den Start nicht verzögern muss
  4. Ca. 1,26 Sekunden nachdem er den Arm gehoben hat spring Marquez vom Mopped und schiebt es an, ein Regelverstoß von Marquez
  5. Zwei Marshals rennen  auf die Strecke. Der Start kann jede Millisekunde freigegeben werden, die Marshals riskieren also Ihr Leben, weil Marquez sich nicht an die Regeln hält. Einer der Marshals (Tony Congram) versucht Marquez aus der Startaufstellung heraus zu lotsen.
    Der Zweite (Danny Aldridge) sieht, was sein Kollege mach und signalisiert dem Starter mit einem erhobenen Daumen, dass Marquez Motor wieder läuft
    Der Daumen war das falsche Signal, denn … und ab hier geht es chronologisch durcheinander.
  6. Die Marshals sind per Funk mit der Rennleitung verbunden. Marquez fragt den Marshal, der bei ihm ankommt: “Pit lane or grid?” sieht dann den erhobenen Daumen des zweiten Marshals und interpretiert es so, dass die Marshals jetzt wieder von der Strecke gehen und er auf den Startplatz zurück darf
  7. Marquez fährt auf seine Startposition
  8. Der Start erfolgt.

Meine neue Meinung

Ursprünglich hatte die ich Situation so interpretiert, dass Marquez aufgefordert wurde, sein Mopped zu starten und die Strafe, einmal durch die Boxengasse, für falsch gehalten.
Ich muss meine Meinung ändern, denn Marquez hat klar gegen die Regeln verstoßen, als er von sich aus den Arm herunter nahm und das Mopped anschob. Und dann hat er ein zweites Mal gegen die Regeln verstoßen, als er gegen die Fahrtrichtung in die Startaufstellung zurück fuhr. Für das Zurückfahren wurde er bereits bestraft, für das selbständige Anschieben nicht, da könnte also noch was kommen.

Die IRTA und die beteiligten Marshals sind an dem Chaos jedoch nicht unschuldig. Während Marc Marquez nach dem Rennen eine PRessekonferenz gab, um seine Sicht der Dinge zu teilen, wurden die Journalisten nicht zur Rennleitung und Marshals vorgelassen.

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Marc Marquez und die Regeln in Argentinien #MotoGP


Der schnellste Moppedfahrer des Wochenendes hat nach in Termas De Rio Hondo drei Penalties eingesammelt und ging mit Null Punkten nach Hause. Weil ich seit der Startphase vom Sonntag weiß, dass die Moderatoren und Experten nicht regelfest sind, habe ich mir das Regelwerk heruntergeladen. Jetzt suche ich nach dem, was #MM93 am Sonntag so alles verbrochen hat und warum er welche Strafe bekam. Ich beziehe mich hier auf das 2018 FIM Grand Prix World Championships Regulations (update 04/04/2018) von der FIM Webiste. 

SPOILER ALARM: Hier gibt es keine moralisches Gewimmer oder fan-farbiges Geschrei für oder gegen #MM93

Bonus: Start von hinten

Nachdem Marquez sein Regenmopped aus der Startaufstellung herausgeschoben hatte um auf das Trockenmopped zu wechseln hat er seinen Startplatz aus dem Qualifying verloren. Das ist keine Strafe sondern im Regelwerk als ganz normaler Vorgang vorgesehen.  (Seite 40 1.18 / 4, Seite 41 1.18 / 7 letzter Absatz, Seite 42 1.18 / 13).
Mehr dazu in meinem Beitrag Start-Chaos in Argentinien

Erster Fehler: Mopped abgewürgt, Einmal durch die Boxengasse

Während die Startaufstellung inklusive Warm-Up-Lap aus der Boxengasse im Regelwerk sehr detailliert beschrieben wird, sind dem Fall, dass ein Fahrer sein Mopped in der Startaufstellung nach der Aufwärmrunde abwürgt nur zwei Sätze gewidmet:

Any rider who stalls his engine on the grid or who has other difficulties must remain on the motorcycle and raise an arm. It is not permitted to attempt to delay the start by any other means.


Ich sage mal, da hat das Regelwerk eine große Lücke. Der Fahrer darf nur den Arm heben, aber was dann passiert steht dort nicht. Darf irgendein Offizieller (und wenn ja, wer?) den Fahrer auffordern, sein Mopped alleine wieder anzuschieben und/oder darf jemand helfen? Muss der Fahrer das Mopped aus der Startaufstellung herausschieben und am Wegesrand oder in der Boxengasse auf Grün warten? Muss er mit erhobenem Arm auf dem Mopped sitzen bleiben und warten, bis der Start erfolgt ist?
Das Regelwerk sagt nichts dazu. Obwohl, Juristen bitte vortreten, im Regelwerk steht, dass der Fahrer nur den Arm heben darf um den Start zu verzögern und Abschnitt 1.18 / 18 auf Seite 46 widmet sich ausschließlich der Startverzögerung. Demnach entscheidet der Starter im Turm, ob der Start aus Sicherheitsgründen verzögert werden muss. Wie das im Detail funktioniert, steht dann dort.

In Argentinien hat Marquez sein Mopped nach Aufforderung eines Stewards, wenn ich das richtig gesehen habe, angeschoben und als die Honda wieder lief ist er gegen die Fahrtrichtung zurück an seinen Startplatz gefahren. Alles in großer Hektik. Der Starter hat keine Startverzögerung ausgerufen.

Für den abgewürgten Motor gab es keinen Penalty für Marquez, aber für das Fahren (statt schieben) gegen die Fahrtrichtung (Seite 45, 1.21 / 11), gab es eine Durchfahrtstrafe.

Meine Meinung

Oscar Quelle PinterestWeil das Regelwerk für ein Abwürgen am Start so lückenhaft ist musste direkt vor Ort und schnell entschieden werden. Der Marshal hat Marquez erlaubt das Mopped anzuschieben, was man gut oder schlecht finden kann. 1.21 / 11 erlaubt das Fahren gegen die Fahrtrichtung “under the direction of an Official”. Meiner Meinung nach war die in dieser Situation gegeben. Da alle Moppeds standen sehe ich da auch keinerlei Gefährdung, daher halte ich die Durchfahrtstrafe für nicht gerechtfertigt. Hätte der Starter im Turm schnell reagiert und “Start Delayed” erklärt (und damit die Regellücke geschlossen), wäre Marquez ans Ende der Startaufstellung zurückversetzt worden, was deutlich weniger Strafe ist eine Boxendurchfahrt.

> Edit: Falls der Steward Marquez nicht dazu aufgefordert hat, das Mopped zu starten, sondern irgendwas anderes, dann war die Durchfahrtstrafe auch falsch, weil zu wenig. /Edit <<

Zweiter Fehler: Rempler beim Überholen, eine Position zurück

Zuerst die passende Regel:

1.21 Behaviour During Practice and Race
2. Riders must ride in a responsible manner which does not cause danger to other competitors or participants, either on the track or in the pitlane. Any infringement of this rule may be penalised by the FIM MotoGP Stewards.

Es ist immer schwer, eine klare Grenze zwischen “Erlaubter Härte” und “Verbotener Gefährdung” zu ziehen. Liegt schon eine Gefährdung vor, wenn der andere nicht gestürzt ist? Hätte der gestürzte den Sturz vermeiden können, wenn er den anderen, der sich in einer stabileren Fahrsituation befand, einfach vorbei gelassen und nicht gefährdet hätte?
Vielleicht hilft uns Kapitel 3 der Regeln: Disciplinary and arbitration code, weiter. Dort steht ziemlich am Anfang, dass ein Fahrer mehrfach bestraft werden kann. Es steht dort jedoch nicht, dass nach X Strafen automatisch eine Disqualifikation, Sperre oder sonst was erfolgt.
Dann folgen verdammt viele Abschnitte darüber wer eine Strafe aussprechen kann, wie das Prozedere zu erfolgen hat und wie der Einspruch etc, aber kein Auslistung von Strafen für bestimmte Verstöße. Weiter vorne im Regelwerk steht was passiert, wenn ein Fahrer sich nicht an das Tempolimit in der Boxengasse hält, aber das passt hier gar nicht.

Dritter Fehler: Rempler beim Überholen der zum Sturz führt, 30 Sekunden Strafe

Oscar - Quelle PinterestWie oben geschrieben, es gibt keinen Strafenkatalog, der sagt:

  • Rossi über den Haufen gefahren: Disqualifikation und drei Rennen Sperre
  • Pedrosa umgefahren: keine Strafe
  • oder ähnliches

Wenn nichts im Regelwerk steht, dann müssen die Offiziellen vor Ort entscheiden und ich kann mit Blick auf das Regelwerk nur sagen, dass alle ausgesprochenen Strafen aufgelistet sind und somit den Regeln entsprechen.

Meine Meinung

Marquez hat aus der ersten Strafe nichts gelernt, und schon alleine deshalb sollte meiner Meinung nach, die zweite Strafe deutlich höher ausfallen.

Abschlussbemerkung

Marquez fährt immer hart und ein Rempler kommt regelmäßig vor. Im Gegenzug, so scheint es mir jedenfalls, hat er auch kein Problem damit, wenn er mal angerempelt wird. Das zeigt, dass er nach seinen Maßstäben nicht unfair fährt.
In Argentinien sahen die Schiedsrichter das jedoch anders und haben ihn für zwei Rempler zweimal bestraft. 
Bei den Streckenbedingungen mit der schmalen trockenen Ideallinie und der feuchten Reststrecke finde ich es gut, wenn die Marshals Rempler als gefährlich einstufen und Strafen aussprechen. Hätten sie bei Zarco, der mit einem Rempler Dani Pedroso in einen Sturz geschickt hat, auch machen sollen. Mit zweierlei Maß messen ist niemals gut. >> Edit: Ich habe jetzt mehrfach gelesen, dass Zarco und Pedrosa sich nicht berührt haben, es somit keinen Rempler gab. Wenn dem so ist, dann haben die Rennkommissare nicht mit zweierlei Maß gemessen. /Edit <<

Das nächste Problem sehe ich darin, dass Marquez zum Wiederholungstäter wurde. Nach der Strafe für den ersten Rempler hat er seinen Fahrstil nicht geändert. “Gut” dass es mit Rossi den absoluten Publikumsliebling getroffen hat, denn so wird es nicht sofort vergessen. Ich finde, das Regelwerk sollte angepasst werden, so dass es richtige Eskalationsstufen gibt. Wer nach einem Penalty den gleichen Regelverstoß wiederholt, wird aus dem Rennen genommen.

MotoGP Start-Chaos in Argentinien 2018

Vor dem Start des MotoGP Laufes in Argentinien: Das Wetter war unbeständig und die Strecke stellenweise nass, die Rennleitung hat ein Wet-Race erklärt. Das bedeutet, die Fahrer dürfen im Rennen in die Box fahren und das Mopped gegen eine zweite Maschine tauschen. solange diese auf anderen Reifen steht. Startet der Fahrer auf Regenreifen, muss das Mopped in der Box auf Slicks stehen und umgekehrt. Das wird das Flag-to-Flag-Rennen genannt.

Jack Miller stand auf Slicks in der Startaufstellung, alle anderen hatten Regenreifen aufgezogen. Noch vor dem Start der Aufwärmrunde haben sich erst einzelne, dann auf einmal alle bis auf Jack Miller, entschlossen, das Mopped zu wechseln. Die Moppeds wurden in die Box geschoben und die Fahrer haben sich mit dem anderen Mopped vorne an der Ausfahrt der Boxengasse aufgestellt.

Die Regelsituation

Wenn die Moppeds in der Startaufstellung stehen und die Boxengasse geschlossen ist, dürfen die Moppeds in die Boxengasse zurückgeschoben werden. Die Moppeds dürfen aus der Boxengasse die Einführungsrunde starten und sich dann hinten in der Startaufstellung einreihen, der ursprüngliche Startplatz bleibt frei.

Bei anderen Rennen

Es ist schon öfter vorgekommen, dass einzelne oder auch fast alle Fahrer sich auf der Einführungsrunde umentschieden haben und dann am Ende nicht in die Startaufstellung fuhren sondern in die Box, dort das Mopped wechseln und dann dem Feld hinterher starteten. 

Start aus der Boxengasse

Die Boxengasse wird erst geöffnet, wenn das Feld sicher vorbei ist, meistens, wenn der Letze durch die erste Kurve durch ist. Wer aus der Boxengasse ins Rennen startet hat einen viel größeren Rückstand als diejenigen, die von den hinteren Plätzen starten.

Jetzt neu in Argentinien

Oscar Quelle Pinterest

In Argentinien standen nur ein Mopped bereit um vom Startplatz in die Aufwärmrunde zu fahren, viele andere standen an der Boxenausfahrt und noch ein paar waren noch in der Box. Die letztgenannten hätten die Aufwärmrunde nicht fahren und aus der Boxengasse ins Rennen starten müssen.

Statt jedoch die Aufwärmrunde zu starten, so wie es im Regelwerk steht hat die Rennleitung den Start “aus Sicherheitsgründen” verschoben. Somit wurde auch den Fahrern, die noch in ihrer Box waren ermöglicht, das Mopped zu tauschen und die Aufwärmrunde zu fahren. Theoretisch hätte in der Box auch noch am Mopped geschraubt werden können, Zeit genug gab es jetzt. An Jack Millers Bike konnte natürlich nicht geschraubt werden, der stand ja in der Startaufstellung. Hätte es während der Startverzögerung angefangen zu regnen, hätten alle in der Box wieder auf das Regenmopped wechseln können, aber Jack Miller nicht.

Mein Regel-Problem

Wenn nur ein Mopped die Einführungsrunde aus der Boxengasse startet, dann stellt sich der Fahrer auf Startplatz 25 (bei 24 Startern wie in Argentinien), direkt neben dem letzten regulären Startplatz. Ich weiß jedoch nicht definitiv, wie die Hinten-anstellen-Reihenfolge ist, wenn mehrere Fahrer aus der Boxengasse in die Startaufstellung fahren. Ich vermute, dass der am besten qualifizierte auf Platz 25 startet und dann der zweitbeste usw. Regelfüchse dürfen mich gerne verbessern oder die entsprechende Passage des Regelbuchs nennen.

Die praktischen Probleme

Da nur ein Fahrer auf der regulären Startposition stand ist es für die Boxengassler natürlich schwierig die Startplätze 24 bis 45 zu finden. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

ABER

Oscar - Quelle PinterestDas ist kein Grund, den Start “aus Sicherheitsgründen” zu verschieben. Die Rennnleitung hätte die Einführungsrunde ganz normal starten können. Alle Moppeds, die zu dem Zeitpunkt an der Boxengasse bereitstanden wären mitgefahren und hätten sich dann ab Platz 25 aufgestellt und gut wäre es gewesen. Diejenigen, die noch später dran waren hätten dann aus der Boxengasse starten müssen.

Wie hätten die Fahrer Ihren Startplatz gefunden?

Die Teams hätten den Fahrern von der Boxenmauer den Startplatz anzeigen können. Die Rennleitung hätte die einzelnen Startreihen anzeigen können, die Rennleitung hätte den Fahrern den neuen Startplatz auf Display schicken können.

Das alles hat man nicht gemacht, sondern man hat den Start “aus Sicherheitsgründen“ verschoben.

Nach der Verschiebung sind alle Moppeds in die neue Startaufstellung gefahren, so dass Jack Miller auf Pole stand und Dani Pedrosa in Reihe 7. Aus dieser Aufstellung wurde erst eine Einführungsrunde gefahren und dann gestartet. Bis auf die Startverschiebung also alles fast so, wie es in den Regeln steht.

Wo war das Problem?

Ich sehe vor allem zwei Probleme. Das erste ist ein Kommunikationsproblem: Die Rennleitung hat den Start “aus Sicherheitsgründen” verschoben, obwohl keine Sicherheitsgründe vorlagen. Damit wurden die Fans belogen und zwar so, dass sie es sofort durchschaut haben. Und zack: schlechte Stimmung. Vielleicht erlaubt das Regelwerk es nicht, den Start aus organisatorischen Gründen zu verschieben, aber die Rennleitung hätte den Zuschauern und Medien erklären müssen, was vorgeht. Ich habe das Rennen auf BT2 geguckt und dort kannte niemand die Regeln so genau. Die Reporter und Experten haben gedacht, dass die Moppeds alle aus der Box ins Rennen hätten starten müssen.

Das nächste Problem war, dass alle diejenigen, die zu langsam waren um aus der Box in die Einführungsrunde zu starten, das nun doch konnten und so einen nicht regelkonformen Vorteil bekamen.

Servus und Eurosport und andere Medien

Hatten die Experten bei Servus und Eurosport die Regeln drauf? Ich habe dort nicht geguckt und weiß es daher nicht. Bei Twitter hatte ich jedoch den Eindruck, dass auch dort Verwirrung herrschte.
Auch heute lese ich noch von „Erfundenen neuen Start-Regeln“, wenn es um das Rennen geht. Wie oben dargelegt, denke ich, dass, bis auf die Verschiebung, alles regelkonform war.