Schotter in den Vogesen

Es war einmal eine Zeit, da bekam der Kollege @Schrm über dunkle Kanäle eine Vektorgrafik mit Touren in den Vogesen, die einen Schotteranteil von 40% haben sollen, zugespielt. Meine #Hippe und ich wollten da mit und auch der Profi-Testfahrer @Systemstig musste nach der Alpentour mit der 690er KTM noch ein SUV-Mopped abseits des Asphalts testen. Die Reisegruppe stand also und wie wir nun mal so sind waren wir zu allem bereit, nur nicht zu warten; also ging es sofort los.

Ja, es gibt in den Vogesen Pässe über 1.000 Meter Höhe und Ski-Gebiete gibt es da auch. Den wohl informierten Kradisten wird es also nicht überraschen, dass manche Straßen dort Anfang März noch wegen Schnee gesperrt sind. Ich habe mir da vorher keine Gedanken gemacht und meine Winterreifen noch schnell gegen flammneue TKC80 getauscht und zack sind wir los und haben uns in Orbey auf einem Campingplatz getroffen. Zelten war dort noch nicht möglich, also reservierten wir eine Blockhütte. Straßenkarten der Region haben wir vor Ort gekauft, denn zu Hause haben wir nichts passendes bekommen.

Ohne weitere Gedanken sind wir dann am ersten Tag die nördliche PDF-Runden gefahren, eine die nach viel Asphalt aussah; ein guter Auftakt. Und so kamen wir in einen Ort, in dem die Zeit nach dem Krieg stehengeblieben schien. Ich meine den Dreißigjährigen Krieg, nicht so ein modernes Zeug. Wundervoll! Dort suchte ich in meinem Garmin GPSMAP nach einer Tankstelle und ließ eine Route erstellen. Der Weg führte dann auf einen Schotterweg (jippie) der immer kleiner wurde und dann zu einem wanderwegartigen Singletrack mutierte (juchuuu).

Waldweg in den Vogesen

Genau das richtige um mit der Hippe Enduro zu wandern oder mit der XL 250er vom @Schrm. Nicht so sehr das Terrain für den Crosstourer, der die Gruppe der SUVs repräsentierte und 285 kg Gewicht und Straßenreifen mitbrachte. Ich kannte das Mopped von unserer Eis-Tour nach Genua.
Also wurde mit dem Tomtom Rider (ein super Navi, wenn ihr mich fragt)  neu geroutet und siehe da, man konnte die Tanke auch über Asphalt erreichen. Sachen gibt’s.

Frisch mit Benzin und köstlichem Apfelsaft versorgt hatten wir Blut geleckt und nahmen den nächsten Singletrail in Angriff. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich sehe, wie gut sich so ein Dickschiff auch abseits der Straße schlägt. Besonders die Crosstourer hat mich überrascht, ist sie doch eigentlich nicht viel mehr als eine Autobahn-VFR mit 25 mm mehr Federweg, diese sogar mit automatischer Doppelkupplung. Wie ein adipöses Reh hüpfte die dicke Honda über Wurzeln und Steine den Berg hinauf bis zu der Stelle an der ein kreuzendes Bächlein den Weg verschlammte. Hier beendeten die Straßenreifen schlagartig Vortrieb und Seitenführung, die Dicke legte sich auf die Seite in den Matsch.

Crosstourer im Matsch

Zu dritt haben wir die Dicke dann durch die schlammige Zone ein Stück bergauf geschoben. Es war sofort klar, das Limit der Reifen ist erreicht, also haben wir gedreht und sind zurück.

Am nächsten Tag sah der Plan sehr viele kleine Sträßchen vor. Tomtom routete uns über Wald- und Forstwege die teilweise mehr Geländefähigkeiten erforderten als die Reifen der Crosstourer bieten konnten. Ja, offizielle Straßen ohne Durchfahrtsverbot oder so. Aber es gab immer alternative Strecken die wir hätten fahren können, wenn denn da nicht der vereiste Schnee gewesen wäre.

Schnee in den Vogesen

So wurde der zweite Tag der des Re-Routings. Tolle Strecken, aber wieder fast ausschließlich Asphalt. Klarer Fall, hier müssen wir nochmal hin, dann aber mit anderen Reifen und ohne Schnee. Wahrscheinlich auch ohne Dickschiff sondern nur mit echten Reiseenduros wie der Hippe oder XL.

Abends haben wir dann unsere Abreise geplant und dabei festgestellt, dass die nördliche Runde, die wir am ersten Tag gefahren sind, auf unserem gemeinsamen Heimweg liegt, wir also die südliche Runde gar nicht sinnvoll fahren können. Egal, wir wollen ja sowieso nochmal hierher. Auf geht’s, nochmal die Nordroute!

Mittags, nach Kaffee (ich Kakao) und Blaubeerkuchen (ich Käsekuchen) bog @Systemstig als erster ab und trieb die Dicke in Richtung Heimat. @Schrm und ich fuhren noch ein Stück gemeinsam weiter, dabei sollte uns mein Garmin nochmal über Singeltracks leiten. Tat es aber nicht sondern immer nur über Straßen. Ich habe einige Profile und Routing-Methoden ausprobiert, immer nur Asphalt. Dann eben nicht.

Kaum war auch der @Schrm abgebogen werde mein Weg erst verdammt kurvig und zack war es ein Feldweg und dann ging es durch den Wald und plötzlich lag da ein Baum im Weg

Baum versperrt der Hippe den Weg

Also was nu, wieder zurück? Ich konnte zu Fuß unter dem Baum durch krabbeln, aufrecht passt die Hippe da aber nicht durch. Aber vielleicht kann ich sie schräg gegen den Berg lehnen und dann mit schieben, ziehen und zerren, vielleicht die Spiegel ab …

Hippe vor Baum

Klappt!

Der restliche Weg war dann weniger aufregend aber immer noch schön, zumindest bis nach Saarbrücken. Ab da war es dann Bundesstraße.

Ob morgen immer noch Schnee in den Vogesen liegt?

Moppeds in diesem Beitrag:

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18 Gedanken zu „Schotter in den Vogesen

  1. Danke für den schönen Bericht, aber war das nicht alles noch viel zu kalt?
    So eine Tour kann man doch auch herrlich z.B. im Mai machen? 😉
    Eine Frage: Mit dem Garmin habt Ihr die vorher ausgesuchte Tour gefahren und mit dem TomRom Rider geänderte Passagen gefunden? Habe ich das richtig verstanden?
    Grüße, Rossi

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  2. Tolle Sache und gar nicht mal weit weg von mir, wäre ich nicht darauf gekommen.
    Ich kann fast nicht glauben, dass man ohne Gesetzesübertretung in den Wald fahren darf : )

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    • Das Mopped kann das. Auf trockenem Schotter kommst Du auch gut mit Straßenreifen klar, unsere Strecken führten jedoch auch über Waldboden und durch Schlamm, da sind Straßenreifen schnell am Ende, egal auf welchem Mopped die stecken. Ich hatte TKC80, ein guter 50/50 Reifen, der auch auf der Straße funktioniert. Fürs Fahrkönnen empfehle ich einen kurzen Enduro-Kurs (mit dem eigenen Mopped), da lernsst Du die grundlegenden Fahrtechniken und bekommst auch Vertrauen in Dein Mopped.

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  3. Pingback: Wie finde ich denn coole Strecken? | Griesgram999

  4. …nach dem Dreißigjährigen Krieg… Sehr gut! 🙂 Vor ein paar Jahren, als ich noch ausschließlich auf vier Rädern unterwegs war, bin ich an der Lahn auch mal durch Dörfer gekommen, wo ich vermutlich das erste motorisierte Fahrzeug ever bewegt haben muss. So wie die Leute da geschaut haben.
    Mit den Schotterausflügen halte ich mich erst einmal noch zurück. Da fehlt mir noch Fahrpraxis und ein entsprechendes Training. Aber die Lust daran, das mal auszuprobieren steigt…

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  5. Pingback: Triumph Scrambler Ducati – #VogScramble Nachspiel | Griesgram999

    • Da die PDFs nicht meine sind und eben nur über besagte dunkle Kanäle kamen, kann ich die leider nicht online stellen.
      Es gibt aber bestimmt auch schöne Touren, die zum Download angeboten werden und einen hohen Schotteranteil haben.

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