Suzuki GSX-S1000 – gefahren

Weil mein Kettenrad und meine Felge sich nicht trennen wollten, jedenfalls nicht mit den paar Bordmitteln die meine Werkzeugkiste hergibt, habe ich die #Hippe in die Werkstatt gebracht. Andere Geschichte, später hier im Blog.

Haste Zeit?

Fragt mich der Chef und was soll ich sagen, ja, hatte ich. Also drückt er mir den Schlüssel der Suzuki GSX-S1000 in die Hand und sagt:

Ist noch für 120 km Sprit drin.

Also gut, dann werde ich wohl zwischendrin tanken müssen.

Suzuki GSX-S1000_2

Um es gleich vorne weg zu sagen, so nackte 1000er sind so gar nicht meins und wegen dem 100 km/h Tempolimit außerorts (außer es ist eine Autobahn) ziemlicher Quatsch. Eigentlich ist alles über 50 PS (oder 48, wie der Führerscheinneuling sagt) unnützer Ballast. Die GSX-S hat 145.
Um das mal anhand der Suzi zu verdeutlichen. Im zweiten Gang liegen bei 100 km/h ca. 7.000 Umdrehungen an, im sechsten dreht der Vierzylinder bei der Geschwindigkeit ca. 4.100 mal. Das Drehmomentmaximum liegt bei 9.500 U/min an und der rote Bereich bei 11.500. Ja, 100 gehen auch im ersten, aber da habe ich mir die Drehzahl nicht gemerkt. Also wenn das Mopped im legalen Geschwindigkeitsbereich bewegt wird ist der Motor noch in der Tiefschlafphase.

Aber die meisten Moppeds werden ja nicht gekauft, weil sie Sinn machen, sondern wegen dem Spaß. Und hier kommen wir zum nächsten Problempunkt, den sich die GSX-S1000 mit der S1000R, Speed Triple, CB1000R oder der Z1000 teilt, denn: Es macht mehr Spaß ein langsames Mopped schnell zu bewegen als ein schnelles langsam zu fahren. Und die aufgezählten Moppeds sind alle schnell. 100 km/h auf der Bundesstraße, und sei sie noch so kurvig, machen diese Fahrzeuge im Schlaf. Leistung gibt es im Überfluss und die Fahrwerke vertragen viel mehr Geschwindigkeit als legal ist.

Da wo ich mit der #Hippe in der bergauf Kurve die Linie ganz exakt treffen muss um nicht zu viel Schwung zu verlieren, merke ich mit dem Suzi-Motor nicht mal, dass es bergauf geht. Mit der #Hippe muss ich nicht nur die Linie richtig treffen, ich muss auch im richtigen Gang sein, ansonsten ist der Schwung auch weg. Die Suzi hat einen 1.000er Vierzylinder mit Superbike-Wurzeln und, wie alle modernen Vertreter dieser Gattung, Leistung von ganz wenig Drehzahlen bis oben hoch hinaus. Dass 100 im ersten gehen hatte ich oben schon erwähnt, aber es gehen auch 40 im sechsten ohne das es ruckelt.

Suzuki GSX-S1000_Cockpit

Euch ist sicherlich aufgefallen, dass ich die #Hippe zum Vergleich heranziehe und nicht das #Luxusweibchen. Der 1200er Vierzylinder mit 178 PS wäre in den Augen der meisten wohl ein besserer Vergleich, aber: damit fahre ich Langstrecke über die Autobahn und das in Geschwindigkeitsbereichen in denen eine Verkleidung sinnvoll ist. Die Suzi ist nackt, damit sind auch relativ locker 180 km/h und mehr auf der Bahn drin, aber dafür ist sie nicht gebaut. Ich bin nur ein kurzes Stückchen auf der Bahn gefahren um mal festzustellen, ob da wirklich kein Windschutz ist. Ne, die Lampe und der Tacho sind zwar da, aber das war es dann auch schon. Apropos Tacho und alles; die Suzi ist so gebaut, dass ich, wenn ich drauf sitze und fahre, nichts von dem Mopped sehe, die Honda CB1000R kann das auch. So etwas gefällt mir ausgesprochen gut, fühlt sich an, wie fliegen.

Weiter geht’s mit der Suzi, weg von der Bundesstraße und hinein ins #Hippe-Revier der Land- und Kreisstraßen. Eng geht es hier manchmal zu, die GSX-S hat jedoch mit keinem Radius ein Problem. Bei langsamen Tempo fällt sie einen Ticken zu schnell und zu weit in die Schräglage, wenn man bummelt. Es ist ein leiser Weckruf an den Fahrer, das Mopped will gefahren werden, will nicht die Aussichtsplattform für schöne Landschaft sein. Also fahren wir Kurven.
Abbremsen, Schräglage einleiten durch Druck auf die Raste oder Zug am Lenker – kann man machen, es reicht jedoch die richtige Blickführung – und sanft beschleunigend durch die Kurve. Geht wie von selbst. Das Mopped reagiert gut auf Gewichtsverlagerungen und bleibt auch auf der gewählten Linie, als ich Gas zu, Gas auf spiele um eine Reaktion zu provozieren, das überrascht mich nicht bei diesem Fahrwerk. Als nächstes versuche ich eine andere Kurvenfahrtechnik und bremse bis in den Scheitelpunkt. Auf der Bremse fällt die Suzi nicht mehr superleicht in Schräglage sondern nur noch leicht. Beim Gas geben kann es dann zu einem Rucken im Antriebsstrang kommen, wenn die Drosselklappen ganz geschlossen waren. Wer die Drosselklappen auch nur einen Millimeter offen lässt wird von dem Ruck verschont. Egal wie sanft das Gasgriff gedreht wird, ein Ruck ist immer spürbar. Schlimm ist es nicht, ich finde es nicht einmal störend.

Ach ja, Gas geben. Egal welcher Gang anliegt, wenn der Ort zu ende ist, zack (im sechsten eher za-a-ack) stehen 100 auf der Uhr. Manchmal muss ein LKW oder ein Trecker überholt werden, dann überlege ich kurz, welche Tonhöhe ich gerne hätte, legen den passenden Gang ein und fahre vorbei. Nötig ist ein Gangwechsel nicht. Meistens ist es der vierten oder fünften Gang, da hört sich die Suzi bei Landstraßentempo am besten an.

Suzuki GSX-S1000_4

Zum Schluss noch ein paar Worte zum Fahrwerk. Funktioniert gut, ist für meinen Geschmack jedoch zu hart abgestimmt, denn viele der kleinen Straßen hier hören auf den Namen Flickenteppich. Gabel und Federbein sind einstellbar, das kann also geändert werden.

Am Ende der Probefahrt stehen 180 km mehr auf der Uhr und die haben viel Spaß gemacht, vor allem wegen dem tollen Sound.

Bewertung der Moppeds nach bekanntem Muster.
Griesi-Dauertester-wäre-okay-Rating
4 Sterne
wegen dem tollen Sound (ohne nur 3)

Moppeds in diesem Beitrag

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4 Gedanken zu „Suzuki GSX-S1000 – gefahren

  1. Interessant.
    Ich finde schnell fahren auf der Dosenbahn eher unspannend, daher reichen mir auch die nur 73PS der SevenFifty. Klar, technisch sind die Größeren nicht uninteressant, vor allem bezüglich Drehmoment. Daher wäre eigentlich für mich ne ältere luftgekühlte CB1300 auch was Feines, aber eigentlich brauch ichs nicht, da ich bisher auch so um die Welt komme und daneben mit dem Eintopf auch noch anderweitig viel Spaß habe.
    Gefühlt drückt der mit weniger Leistung doller nach vorn. 😃

    Gefällt 1 Person

  2. Die Mehrheit der Motorradfahrer sieht das anders, davon gehe ich zumindest aus. Mir reichen die 22PS der KLX auch um Spaß zu haben zumindest auf kleinen Nebenstraßen da könnte ich den ganzen Tag rumfahren (wenn ich so viel Zeit hätte blöd immer mit der Arbeit). Geht es auf die besser ausgebauten Straßen ziehe ich die 650Versys vor. Dort fühlen sich die 64PS sehr wohl und dürfen auch mal laufen, mehr braucht es nicht. Autobahn versuche ich zu meiden.
    Was ich suche wäre ein Langstreckentaugliche Enduro die auch Offroad nicht zurücksteckt mit 2Zylinder bis rund 70PS bei 180KG.
    Absehen davon hat man auf den ‚kleineren‘ Motorrädern viel mehr Gelegenheit alles darum herum aufzunehmen zum rumgugen und die Natur wahrzunehmen.
    Grüße Andreas

    Gefällt 1 Person

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