Moppeds im Herbst – 9 Regeln für Autos

Edit: Auch dieses Jahr gibt es wieder einen Herbst.
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Die Zeit der Saison-Kennzeichen für 2017 neigt sich dem Ende zu. Es gibt jedoch auch Leute, die weiter Mopped fahren. Mit anderen Worten, egal wie das Wetter ist: Es gibt Menschen, die mit Mopped, Roller oder Fahrrad unterwegs sind.

Ihr Blechdosen seid nicht alleine unterwegs!

Die Motorradmieze hat in Ihrem Blog darüber geschrieben, was Herbst für den Moppedfahrer (und wenn ich das so sagen, dann schließe ich Roller- und Radfahrer mit ein) bedeutet.

Motorroller im Regen

Stockfoto von Pixabay

Ich möchte hier denjenigen neun Hinweise geben, die in wohltemperierten Kisten sitzen, sich von HansHans den Weg erklären lassen, während aus der Surroundsound-Anlage die neuesten Schlager klingen und irgendwelche elektronischen Hilfsgeister Scheinwerfer, Scheibenwischer und dutzende weiterer Helferlein ein- und ausschalten.

  1. Guck zweimal!
    Alle einspurigen Verkehrsteilnehmer haben eine schmale Silhouette sind aber trotzdem da. Auch wenn Du Dir ganz sicher bist, dass da keiner ist, guck ein zweites Mal, vielleicht war der beim ersten Mal nur in einem der vielen toten Winkel oder hatte die tief stehende Sonne im Rücken.
  2. Guck nochmal!
    Besonders bei eingeschränkter Sicht! Ein Mopped hat nur einen Scheinwerfer, nur ein Rücklicht. Im Regen oder bei nasser Fahrbahn kann dieses eine Licht kurzzeitig von aufgewirbelter Gischt verdeckt sein.
  3. Fahr nicht so dicht auf!
    Die Motorbremse eines Moppeds ist viel effektiver als die eines Autos. Wenn ein Moppedfahrer vom Gas geht, wird er deutlich langsamer, ohne dass das Bremslicht angeht. Fahrräder habe gar kein Bremslicht, nichtmal bei einer Vollbremsung!
  4. Halt noch ein bisschen mehr Abstand!
    Moppedfahrer haben mehr Gründe ihr Tempo zu reduzieren, als sich das ein Autofahrer vorstellen kann, besonders bei Regen. Die Sicht ist eingeschränkt, denn ein Helm hat keinen Scheibenwischer. Das Ding im Unterholz könnte sich für den Helmträger erst auf den zweiten Blick als Baumstumpf herausstellen, beim ersten sah es noch wie ein Tier aus. Nasse Bitumenflecken sind rutschig wie Glatteis, wenn da ein Autoreifen drauf kommt, stabilisieren die anderen drei das Fahrzeug. Bei Moppeds führt ein rutschendes Rad in einer Kurve oft zum Sturz, auf jeden Fall aber zu einer gefährlichen Fahrsituation. Ähnlich sieht es bei Laub, Lehm, Split oder auch einer Pfütze aus. Dein Abstand sollte so groß sein, dass Du ein stürzendes Mopped nicht sofort überrollst.
  5. Überhol nicht in Kurven!
    Moppeds fahren in Schräglage durch Kurven, dadurch werden sie breiter. Vergleichsweise wenig Seitenwind genügt um die Kurvenlinie eines Moppeds zu ändern. Bitumen, Laub, Lehm, Split oder eine Pfütze können bei Moppeds zu Ausweichmanövern führern und dazu brauchen sie Platz.
  6. Halte viel seitlichen Abstand!
    Wenn Du ein Mopped überholst, dann wechsel die Fahrspur komplett. Wie oben gesagt, hat Seitenwind mehr Einfluss auf ein Mopped als auf ein Auto. Wenn das Auto nun auf gleicher Höhe mit dem Mopped ist, kann es einen Windschatten geben, der dazu führt, dass das Mopped einen Schlenker macht und seitlich Platz braucht. Die Luft, die Dein Auto verdrängt wirkt sich auch auf das Mopped auf. Im Regen spritzen Autoreifen gerne Wasser durch die Gegend, ein Moppedfahrer ist froh, wenn er das nicht abbekommt.
  7. Halte Abstand nach hinten!
    Wenn Du ein Mopped überholt hast, dann fahre nicht sofort zurück auf die Fahrspur, sondern bleib ein bisschen länger links, denn hinter Dir ziehst Du eine Wirbelschleppe her. Wenn es regnet, dann ist diese Schleppe voller Wasser. Moppedhelme haben keine Scheibenwischer, wenn Du zu früh rüber ziehst, nimmst Du dem Moppedfahrer die Sicht. Wer schon mal mit dem Auto durch die Waschstraße gefahren ist, kann sich die Sicht in etwa vorstellen.
  8. Lass das Mopped durch!
    Wenn es draußen kalt ist, muss der Moppedfahrer sich warm anziehen. Nicht nur so warm wie ein Fußgänger sondern noch viel wärmer, denn der Fahrtwind kühlt den Fahrer zusätzlich aus (laut einem der Windchill-Rechner im Netz fühlen sich 5° plus bei 100 km/h an wie -11,8° Celsius, das würde ich aber nicht für 100% bare Münze nehmen). Dementsprechend warm ist ein Moppedfahrer angezogen. Das bedeutet jedoch auch, dass es bei Stillstand, z.B. im Stau, schnell zu Schweißbildung kommt, was nicht nur unangenehm ist. Es führt auch dazu, dass der Fahrer später, nach dem Stau, schneller friert.
    Also liebe Autofahrer: Ihr müsst sowieso eine Rettungsgasse bilden, also lasst das Mopped da einfach durch. Es ist nicht Euer Job, Blockwart zu spielen und die Gasse zu schließen, wenn Ihr Mopped im Rückspiegel seht. Das Schlimmste, das passieren kann, wenn ein Mopped durchfährt ist, dass der Stau eine Moppedlänge kürzer ist.
  9. Hab kein Mitleid!
    Der Moppedfahrer hat es sich nicht nur selbst ausgesucht, er weiß auch was er tut. Mit dem Mopped zu fahren macht immer Spaß! Also sei kein Spielverderber und lass es ihn genießen ohne ihn zu gefährden.
    Stell Dir einfach vor, dass auf dem Mopped ist Dein eigenes Kind, Mann, Frau, Vater, Mutter, Geliebter, jemand den Du besonders gut leiden kannst, den Du schützen willst und von dem Du hoffst, das er das macht, woran er Freude hat. Und falls Du ihn gerade nicht siehst, dann guck noch ein- zweimal, vielleicht ist er augenblicklich von Deiner A-Säule verdeckt.

11 Gedanken zu „Moppeds im Herbst – 9 Regeln für Autos

  1. Sehr schön& richtig geschrieben!
    Irgendwie hat sich bei Autofahrern da ein blinder Fleck entwickelt, was vielleicht auch an der einseitigen Presse des roten Blut-& Hetzblattes liegen mag.
    Was irgendwie fehlt, sind die Gespannfahrer. die werden jetzt noch schlechter wahrgenommen, als sonst schon. gibt immer wieder grosse Augen, wenn die Autofahrer merken, dass seitlich noch was an meinem Mopped dranhängt. Sie registrieren bis dahin maximal „ach, eine arme Sau auf einem Motorrad, da passe ich schon noch vorbei“
    Eben nicht.

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