Eigentlich wollte ich nur schlafen …

Wenn alles gut läuft, dann läuft es so: Man hat eine Problemlage, die durch Kauf eines Gegenstandes gelöst werden kann. Im Fachhandel werden verschiedene Lösungen angeboten und nach kompetenter Beratung entscheidet man sich für Lösung A und alle anderen Lösungen werden nicht gekauft. Demnach hat man mit Lösung B bis Z auch keine Erfahrung. Ich habe mittlerweile hier Lösung A und B zum Thema: Schlafunterlage.

Lösung A: Selbstaufblasend

Früher bin ich immer mit einer großen Therm-A-Rest Matratze zum Camping gefahren. Die ist “selbstaufblasend”, 195 x 63 x 3 cm groß, hat einen R-Wert von 3 und ist deutlich bequemer als alle Iso-Matten, die ich jemals probiert habe.
“Selbstaufblasend” bedeutet, dass in der Matte ein schwammartiger Schaum ist. Beim einrollen der Matratze wird die Luft herausgedrückt und beim ausrollen nimmt der Schaum seine ursprüngliche Form wieder an. Ich puste immer noch etwas Luft hinein, bevor ich mich drauf lege.
Hauptnachteil, vor allem beim Wandern, ist das riesige Packmaß, aufgerollt sind dass immer 63 cm Breite. Das war damals, beim Kauf (ein Superschnapper im Fabrikverkauf für unter $30) noch egal, weil ich meine Nächte im Wanderurlaub immer in Hotels verbracht habe und die Matte nur mit dem Mopped transportiert wurde.

Lösung B: Fremdaufblasend

Jetzt wollte ich aber auch beim wandern draußen schlafen, und da musste etwas neues her, dass sich kleiner verpacken lässt und weniger wiegt. Mir wurde in einem Laden die Exped SynMat 7M (183 x 55 x 8 groß, R-Wert ca. 5) empfohlen, eine Luftmatratze mit synthetischer Füllung und eingebauter “Pumpe”. Bei einer besseren Beratung hätte ich mir das teurere und bessere Modell mit Daunenfüllung gekauft, das bietet die bessere Wärmeisolierung, auch wenn ich diese bisher nicht gebraucht habe. Die Exped ist leichter und lässt sich deutlich kleiner zusammenrollen.
Die “Pumpe” ist ein Schaum und kein hartes, unbequemes Ding mit Hebeln. Die Pumpe funktioniert gut, wenn die Matratze auf einem harten, geraden Untergrund liegt.

Kurzer Exkurs

Wer draußen schläft (ich rede hier von mit oder ohne Zelt, nicht von Wohnwagen oder anderen Camping-Fahrzeugen), wird wissen, dass der Boden, auf dem man liegt, viel Wärme aus dem Körper zieht. Je kälter der Boden, desto besser sollte die Isolierschicht sein. Mit einer guten Unterlage funktioniert der Schlafsack viel besser, denn die untere Seite des Schlafsacks wird durch das Körpergewicht zusammengedrückt und isoliert daher deutlsch schlechter als die Seiten oder oben. Ohne Zelt kann man die aus Tannenzweigen, Laub, Farn, Stroh, oder ähnlichem bauen. Mit Zelt, also wenn das Zelt einen Boden hat, wird das schwierig.

Der Test, den ich machen wollte

Größenvergleich

Ich habe hier zu Hause also zwei Systeme, die ich miteinander vergleichen könnte. Auf dem heimatlichen Balkon ist das deutlich leichter als unterwegs. Also habe ich die Exped aufgeblasen, den dicken Schlafsack genommen und bei 4 bis 7 Grad (je nach Thermometer) auf dem Balkon geschlafen. War muckelig warm.
In der Nacht darauf, bei gleicher Temperatur, habe ich das gleiche mit der der Therm-A-Rest wiederholt, war auch warm.
Hmpf, unentschieden. Ich hätte vielleicht meinen mittleren Schlafsack wählen müssen, um einen Unterschied zu merken. 

Falls ich später mal wieder Lust darauf habe, auf dem Balko zu schlafen, werde ich es wiederholen, dann vielleicht mit einer Decke statt einem Schlafsack.

 

P.S.

Beide Produkte sind auf den Herstellerseiten nicht mehr aufgeführt, also wohl aus dem Programm geflogen. Die R-Werte sind aus meinem Kopf, die Maße im aufgebauten Zustand habe ich gemessen.
Die Therm-A-Rest ist mittlerweile über 20 Jahre alt, da wundert mich das nicht, dass die nicht mehr angeboten wird.

P.P.S

R-Wert ist der Wärmedurchgangswiderstand, je höher, desto besser.

Balkon-camping gestaucht ohne Zelt.

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9 Gedanken zu „Eigentlich wollte ich nur schlafen …

  1. Hilft Dir nix – oder vielleicht doch…
    Hab über die Jahre auch vieles probiert. Von der 5 EUR „Luftmatratze“ – die für auf Wasser – bis hin zur Therm a Rest Trail Pro Large (ca. 100 EUR), auf der ich jetzt seit 10 Jahren penne.
    Die ist richtig groß und dick, lässt sich „entlüftet“ aber in der Mitte falten und hat ein sehr geringes Packmaß (passt bei mir zusammen mit Schlafsack & Schuhen in den „großen“ Koffer).
    Davor hatte ich auch noch so eine LuMa wie Deine Exped – mit „eingebautem“ Blasebalg und sogar „Daunen“ zur besseren Isolation. Die war halbwegs ok am Anfang, aber LuMa ist irgendwie auch immer schwammig / wackelig / wellig – oder aber knüppelhart. Dazu kam, dass sie sehr, sehr schnell dann doch irgendwo an einem Stein o.ä. sich ein Loch gefangen hat.
    Die Therm-a-Rest sind imho das Beste, was es auf dem Markt gibt (inkl. Lifetime Garantie!). Die Trail Pro ist 5cm dick (aufgeblasen) und hat einen R-Wert von 4,0. Mit dem Ding und einem genialen Winterschlafsack (Temp. Bereich -5 „Wohlfühl“ und -25 Grenze) habe ich muckelig warm bei -15° im Zelt gelegen. 🙂

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  2. Die Therm-A-Rest gibts immer noch. Damals vor mehr als 30 Jahren habe ich zwei gekauft, die bis heute (!) immer noch dicht sind. Allerdings auch gleich einen Baumwollbezug dazu geordert, weil man auf der Matte selbst sehr leicht rutscht. Meiner Frau – in den ersten Jahren, heute fährt sie nicht mehr mit auf Camping – und mir bis heute hat die Matte erstklassige Dienst geleistet. Zusammen mit einem Ayungilak Tyin Schlafsack habe ich auch bei -20° ohne Zelt draußen gepennt. Zwischenzeitliche Versuche mit nur Isomatte oder LuMa haben immer wieder zurückgeführt zur Thermarest.
    Heute reise ich mit dem Motorrad gern komfortabel: mein Renner (YZF 750R) hat einen Gepäckträger (igitt), kleine Krauser-Koffer, Tankrucksack. Unter (!) den Iglozeltboden packe ich zwei Alu-Isomatten, die auch verhindern, dass Steine o.ä. den Zeltboden beschädigen, und im Zelt ist auch barfuß angenehm zu gehen. Darauf die Thermarest und den Schlafsack, Ausführung je nach Jahreszeit. Die Thermarest wird mit zwei, drei tiefen Lungenzügen zusätzlich aufgepustet.
    Schlafen wie in Abrahams Schoss.

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    • Ich habe mein Modell der Therm-Rest (Maße stehen oben) nicht mehr auf deren Webseite gefunden, allerdings gibt es da eine Menge anderer Farben, Formen, Längen, Breiten und Dicken.
      Wäre ich weiterhin nur mit dem Mopped unterwegs, hätte ich mir keine Alternative gesucht.

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  3. Den Test mit der LuMa habe ich übersprungen glaube ich – nachdem sich meine Isomatte, hergestellt aus jenem Schaumstoff, welcher früher auf allen Bergen und allen Rucksäcken allgegenwärtig war, langsam aufzulösen begann, hab ich mir vor 5 Jahren eine Thermarest geleistet, Kostenpunkt etwas über 100 €. Ausschlaggebend für den Kauf (und teurer) war die Eigenschaft, daß sie sich in der Mitte falten läßt. Aus gegebenem Anlaß 😉 habe ich sie abgemessen: 26cm x 14cm Durchmesser. Es ist jenes Modell, welches ‚aufgeblasen‘ 3cm dick wird; das reichte mir bei allen Temperaturen bis jetzt, allerdings schlief ich noch nicht bei Minusgraden darauf. Ich verwende zusätzlich, auch im Sommer, eine NVA-Plane als Schutz gegen Beschädigung von unten: wer erst im Dunkeln einen Lagerplatz sucht, kann vllt Scharfkantiges übersehen. Meist verwende ich bis weit in den Herbst hinein einen (kleinen) Sommerschlafsack und schlafe bei tieferen Temperaturen ab 10° lieber mit Schuhen, als daß ich mir das dickere und schwerere Paket antäte – Matte und Schlafsack haben ähnliche Abmessungen und passen zusammen sowohl in die Enduristan-Taschen (Blizzard Large) als auch gemeinsam quer in den Rucksack, falls sie an einem Zwischenziel Bergluft schnuppern möchten – was relativ häufig der Fall ist. Bis jetzt macht mir dieses moderne Zeugs mit seinen leichten, widerstandsfähigen Materialien sehr viel Freude und weniger Rückenschmerz – nur meine neuen Bergschuhe sind ganz altmodisch und kpl. aus Leder 😉 … Nach einem kurvenreichen Tag hat man darüberhinaus beim Einschlafen Gelegenheit, die besten Passagen des Tages nochmals nachzuempfinden – das verursacht das ‚wasserbettartige‘ Feeling beim Liegen (zumindest bei mir ;)).
    Frau Olpo hat zu Weihnachten eine in der Form und den Abmessungen ähnliche, ebensolche faltbare Thermomatte bekommen. Versuchsweise aus Ebay um einen Preis um die 25 € – nachdem sie bislang mit einer Bambusmatte mit einseitiger Alubeschichtung ihr Auslangen fand, sicher eine Innovation für ihre Glieder – über die Liege-Qualität kann ich noch nichts aussagen, für Gelegenheitscamper wird diese, von der Lebensdauer her gesehen, annehmbar sein. Sie ist befüllt ebenfalls 3cm stark.

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      • Das ist eine wirklich gute Frage … 😉
        Ich meine, falten kann man prinzipiell jede, ob man auch jene falten kann (darf), welche nur zum Rollen gedacht sind, weiß ich nicht wirklich. Der Knackpunkt in Bezug auf Lebensdauer ist vllt das bei der Herstellung verwendete Material … das bei mir verwendete zeigt keine Spur einer Veränderung nach 5 Jahren, keine bleibende Falte, keine Aufhellung (wie bei ‚brechenden‘ Kunststoffen) an der Falzstelle, kein Nachlassen des Liegekomforts – ich kann mich auch nicht erinnern gelesen zu haben, daß sie nach Möglichkeit halb aufgeblasen aufbewahrt werden sollte – bei der billigen steht dies in der Beschreibung sehr wohl drin. Ich schätze daher, daß es eine Frage der Lebensdauer ist, wenn man eine Matte mit weniger gutem Innenleben faltet: ev füllt sich der Schaum nicht mehr so gut, wenn er gefaltet wird – das wäre immerhin eine logische Begründung für den gut doppelten Preis der ‚faltbaren‘.
        Den Praxistest-Test könntest Du doch mit der alten Thermo machen, auf die Gefahr hin, sie zu beschädigen ? – Das sind zwar immerhin auch 32cm in der Breite, aber die bringt man schon in einen Rucksack, ev der Länge nach…
        Meine besonders kleine Matte hat zudem keine Rechteckform, sondern ist am Kopfende schmäler – ich habe eben jene mit dem kleinsten Packmaß genommen. Im Hochsommer bzw im Süden verwende ich außerdem nur einen Seidenschlafsack als ‚Decke‘ (20x4cm gerollt oder + 1cm auf der Matte, das geht zusammen in den Übersack noch rein) – damit ist (Motorrad)Wandern und Übernachten im Freien noch unbeschwerter.

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          • Ich bin auch kein Freund von Kaputt-Testungen, auch nicht bei kostenlosen Testprodukten – ich dachte, Du wolltest sie in jedem Fall ersetzen, weil Du etwas Kleineres willst/brauchst. Das wär u. U. die billigste Methode, denn nach der ersten Faltung wird sie nicht gleich undicht sein und wenns funktioniert, hast Du schon eine brauchbare Matte … Die Exped hört sich außerordentlich verführerisch an; ich fürchte jedoch um ihre Sicherheit beim draußen Schlafen – ich bin gespannt…

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  4. Pingback: Packmaße von Exped und Therm-a-Rest | Griesgram999

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