Der Next Great Mopped Blog kommt nicht

Habt Ihr den Arikel „How To Make The Next Great Motorcycle Blog“ von Wes Siler gelesen? Er ist in englisch und wenn Ihr den Link klickt, dann könnt Ihr es gerne tun, es lohnt sich aber nicht.

Wes beschwert sich darüber, dass es momentan keinen guten Blog zum Thema Moppeds gibt. Ich denke er bezieht sich da auf die Blogs in Englisch. Stimmt natürlich nur halb. Dann folgt seine Anleitung, wie man selbst den Next Great Blog machen kann. Ist ganz falsch.

Wes redet hier von professionellen Blogs, also Blogs mit denen der Schreiber seinen Lebensunterhalt verdienen kann, und geht davon aus, dass dazu $10.000 pro Monat reichen. Das halte ich schon mal für falsch, denn für den Blog der Wes vorschwebt braucht man mehr als eine Person und muss viel Geld für Ausrüstung, Reisen usw. aufbringen die auch aus diesen $10.000 Brutto Einnahmen (minus Steuer, Versicherungen, Schuldenabbau, denn das Geld kommt nicht sofort etc.) kommen müssen.

Diese zehn Riesen sollen durch Affiliate Links eingenommen werden und dazu sollen 500.000 Besucher pro Monat reichen. Auch das halte ich für unrealistisch.

Ein Affiliate Link ist ein Link der vom Blog zu einem Online-Shop führt. Wenn ein Blogleser diesen Link klick und im Anschluss in diesem Shop kauft, bekommt der Blogbetreiber eine Provision. Jeder Blogbesucher würde also jeden Monat für 20 US Cent (zur Zeit ca. 19 Euro Cent) Provision in dem Shop kaufen (dabei zählt nicht nur das Produkt das im Blog verlinkt ist, man kann also auf einen Helm-Link klicken und ein T-Shirt kaufen, dann gibt es eine Provision auf den T-Shirt-Kauf) und dürfte in der Zwischenzeit von keiner anderen Website einen Affiliate Link zu diesem Shop angeklickt haben (und dann das T-Shirt kaufen).

Ich kenne keine Zahlen aus dem Affiliate Markt, aber das scheint mir unrealistisch hoch.

Aber selbst wenn das stimmen sollte, ist ja im Bereich des Möglichen, bleiben noch die monatlichen Besuchszahlen. Um die angepeilten 500.000 pro Monat mal in eine Relation zu setzen habe ich mir die erfolgreichsten Motorrad Seiten in Netz bei Similiarweb angesehen: Motorrad hat 1.000.000 Besucher, 1000PS.de nur noch 200.000 und Bikerszene.de 130.000. Noch Fragen?

Wie sollen diese Besucher laut Wes angelockt werden? Natürlich nicht mit den gleichen Berichten und Tests die es auch auf allen anderen Seiten zu sehen gibt, ist ja klar. Und die müssen auch noch super geschrieben sein, denn langweilige Schreibe zu spannenden Themen will ja auch niemand lesen. Wo diese Schreibe herkommen soll sagt Wes nicht, aber wo die Themen herkommen sollen wird verraten: als erstes aus anderen Quellen. Der Blogger soll alle wichtigen Quellen anzapfen und auf seiner Seite gesammelt anbieten. Also nicht das was die anderen schreiben aber was die anderen schreiben. Ja ne, ist klar.

Und es sollen Real World Storys sein. Logisch, wir wollen ja alle von der täglichen Fahrt zum Bäcker lesen. Schließlich verkauft sich der Top-Seller im Motorradmarkt, die GS, seit Jahrzehnten mit dem Image Bestes-Brötchen-holen-Mopped-der-Welt. Feiheit und Abenteuer? Nie gehört. Was soll einem Blogger-Team denn alles in der echten Welt passieren, das 500.000 Menschen jeden Monat lesen wollen?

Wes möchte ehrliche Meinungen und auch mal einen Verriss lesen. Aber, Hand aufs Herz, wann ist das letzte Mal ein wirklich schlechtes Mopped gebaut worden? Selbst die Zeiten in denen eine ABS-Bremse ein Anti-Brems-System war sind nun vorbei. Wenn man ein Mopped finden will, dass gar nicht funktioniert, dann muss man es wohl für etwas einsetzen, für dass es nicht gebaut wurde, z.B. eine Kawa H2R auf der Cross-Piste. Das wäre dann eine Geschichte, die bestimmt einige Leser anlockt und die Videos (zu Videos steht bei Wes keine Silbe) würden bestimmt noch mehr Klicks generieren. Wer das machen möchte muss entweder von Kawa dafür eine 50.000 Euro Maschine geliehen bekommen oder sich so ein Ding selber von seinen 10.000 Euro pro Monat Gesamteinnahmen kaufen. Vielleicht leiht Kawa Dir das Mopped sogar, wenn Du die 500.000 Besucher schon hast, aber da beißt sich die Katze dann in den Schwanz.
Liebe Kawasaki-Pressestelle, ich möchte nicht mit einer H2R auf die Crosstrecke. Falls Ihr jedoch lesen wollt, wie ich mit der H2 ohne R an einem Wochenenede 2.500 km Autobahn fahre und Gepäck transportiere, dann meldet Euch einfach. Gibt aber bestimmt keine 500.000 Besucher.
Und solche Klick-Bringer müssen dann regelmäßig kommen und Du musst in Deinem Erlebnisbericht noch einen Affiliate- Link einbauen. Falls Dein Partner-Shop keine H2R verkauft musst Du also noch schreiben, dass Du Dich ein paar Mal aufgebirnt hast aber Dein Helm (mit Link) hat gehalten. Hat der Helm nicht gehalten kannst Du Dir den Link sparen. Dann schreib halt, deine Schnürsenkel (mit Link) nicht gerissen sind. Damit Affilate Links gut funktionieren musst Du Reklame für das Produkt machen.

Ich möchte keinen ehrlichen Reklame Blog lesen. Die meisten Menschen die ich kenne auch nicht, daher lesen die alle viele verschiedenen Blogs und Websites.

Ein guter erster Anlaufpunkt für Blogs rund um Moppeds in deutscher Sprache ist der moppedplanet.de auf der die neusten Beiträge vieler Blogs aufgelistet und verlinkt werden.

Wer also, wie Wes, den einen guten Motorrad-Blog vermisst, wird auf absehbarer Zeit weiterhin enttäuscht werden. Wer aber gute, ehrliche und persönliche Real-World Erlebnisse und auch den einen oder anderen Fahreindruck eines nagelneuen Moppeds lesen möchte, der wird fündig, aber eben auf verschiedenen Seiten.

Wer seine eigenen Meinung lesen möchte kann einfach einen eigenen Blog starten, aber erwarte nicht, dass Du davon leben kannst. Ich werde es aber lesen, gegebenfalls unter Deinem Artikel kommentieren und vielleicht mit einem eigenen Beitrag auf Deinen antworten.

 

Moppeds in diesem Beitrag

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4 Gedanken zu „Der Next Great Mopped Blog kommt nicht

  1. Der Monsieur Grise Gram hat einen Lauf. Hab bei den drei letzten Artiggln nicken müssen. Ja, das Affiliate ist übertrieben, vor allem in Deutschland (im englischen Sprachraum funktioniert das bisi besser). Genauso nerven mich die Leute, die mir vorrechnen, wie einfach es doch sei, mit Videos Geld zu machen. Da wird mit 4 (in Worten: VIER!) Dollar pro 1000 Views gerechnet, was einfach nicht stimmt. Wenn du ein Top-Youtuber bist, der die Top-Werbungen von Audi und Nivea kricht, kannst mit VIELLEIIIICHT anderthalb Dollar rechnen. Wenn du anfängst, rechnest am besten gar nicht mit Geld. Genauso Affiliate oder Werbefinanzierung. Es läuft immer gleich: Wenn du so ein Finanzierungsmodell hast, dann stellst dich an die Kurbel und versuchst, das Teil auf Teufel komm raus auf Drehzahl zu bringen, denn ohne Drehzahl wird es nie laufen. Das funktioniert dann mit me-too-Artikeln. Aber eine schöne Redakteursarbeit ist anders, und aufwändige oder gar unabhängige Artikel werden die große Ausnahme bleiben. Wes Siler ist geschickt darin, sich zwischen persönlich geschriebenen Geschichten und der Abhängigkeit vom Goodwill seiner Kunden (Hersteller und Werbeschalter) durchzuwinden. Das ist aber eine Fähigkeit, die nicht jeder hat und nicht jeder Siehaber einsetzen möchte.

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  2. Wenn es so einfach ginge, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen, dann würden es vermutlich mehr machen als jetzt. Geld verdienen ist ja nun nicht per se unethisch, aber wenn man mit der Erwartung „Hey, ich reiß´ jetzt das dickste Ding ever an und verdien mich dumm und dämlich damit und zwar sofort!“ startet, dann kann man sich gleich schon mal ein Kissen vor den Bauch schnallen und bei Mutti einen Termin machen für Hühnersuppe. Wenn das mit den ganzen ambitionierten Leuten so geklappt hätte, wie die es sich ausgemalt hatten, dann wären wir alle schon lange berühmt. Mehrfach. Aber – ach und weh – wenn ich ins Bad gehe, habe ich da noch keine goldenen Wasserhähne.
    Diese Bloggerei soll eigentlich ja in erster Linie Spaß machen. Wenn dann tatsächlich der ein oder andere Leser das toll findet – dann ist das doch schon mal super. Je mehr das toll finden, umso superer. Aus diesem Spaß heraus entstehen aber dann diese tollen, schönen Blogs, die wir gerne lesen und die uns als Leser Freude bereiten. Mit Leistungsdruck und dem Rottweiler der Bank im Hintergrund wird es nie einen leichten, guten Blog geben. Da kann dann nur das ganze Zeug, was eh in den Zeitungen steht noch mal aufgewärmt werden. Oder die Fahrt zum Bäcker gefeatured werden. Würde wenigstens endlich die Koffersets an den Enduros in der Stadt erklären.

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  3. „Aber, Hand aufs Herz, wann ist das letzte Mal ein wirklich schlechtes Mopped gebaut worden?“ Ha, die Kawasaki KLX 125 … hmmmpffff … Obwohl ich sagen muss, dass sie seit dem letzten Werkstattbesuch anstandslos läuft. Oder liegt es daran, dass wir die Werkstatt gewechselt haben? Nun, man weiß es nicht genau 🙂

    Sehr schöner Artikel 🙂

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  4. Na ja, ein „gutes“ Blog mit Zugriffszahlen und Refinanzierung zu definieren, soll er doch. Die Nische, so wie diese, ist für mich interessanter.
    Angloamerikanischen Anprüche mit Zugriffszahlen deutschsprachiger Websites zu widerlegen klappt kaum. Don Dahlmann hatte letztens 2-mal was Erklärendes zum Thema geschrieben http://www.dondahlmann.de/?p=24742 (der vorherige ist in diesem verlinkt).

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