Kein offener Brief an die Polizei im Präsidium Aalen

Habt Ihr den Brief vom Polizei Präsidium von Aalen gelesen?

Wenn nicht, hier die kurze Zusammenfassung, falls Ihr obigen Link nicht klicken wollt:

Er richtet sich an die „Liebe(n) Motorradfahrer“, fängt mit Anbiederung an um dann anzukündigen, dass die Polizei (und ich denke er redet nur vom eigenen Zuständigkeitsbereich) weiterhin „an vielen Orten Kontrollen durchführen“ wird.

Nein, keine Streckenkontrollen um zufällig oder absichtlich gelegte Öl- und Dieselspuren zu finden, beschädigte Leitplanken, gefährliche Straßenaufbrüche, Bitumenschmiereien oder andere Dinge die den angesprochenen Motorradfahrern gefährlich werden können. Er will Geschwindigkeits-Kontrollen durchführen und das „Motorrad technisch überprüfen“.

Denn „Manchmal stellen wir (die Polizei) fest, dass wir Sie (die Motorradfahrer) mehr schützen wollen, als Sie selbst beschützt werden möchten.“

Es geht dabei nicht um Aufklärung, damit wir, die in suizidaler Absicht durch die Gegend rasen und dabei so wenig technischen Sachverstand haben, dass wir nicht mal merken, dass unser Brüllrohr nicht TÜV-konform ist, bessere Verkehrsteilnehmer werden. Das Präsidium kündigt an: „Wir werden Sie anzeigen, wenn Sie gegen die Regeln verstoßen (…)“ und es schert sie nicht, dass sie dabei aus unserer „Sicht zu kleinlich vorgehen“ werden.

Sagt mal, geht’s noch?

Ich wollte erst einen offenen Brief als Antwort zurückschreiben, bin aber schon an der Anrede gescheitert.
Was wäre das passende erste Wort gewesen? »Liebes« kann ich nicht zu jemanden sagen, der mir mit Anzeige und Kleilichkeit droht. »Sehr geehrtes« kann ich nicht zu jemandem sagen, der mich für doof und inkompetent hält.
Und ich würde gerne einen Menschen ansprechen, aber wen? Der Polizeipräsident ist ja nicht mal selbst Manns genug den Brief selbst zu unterschreiben sondern lässt das die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit machen. Nicht mal den Pressesprecher oder einen anderen Menschen, sondern eine annonyme Abteilung.
Soll ich den Polizisten anschreiben der dann ein schönes Wochenende draußen an der Landstraße stehen muss um für seinen Präsidenten Anzeigen zu schreiben? Der findet es möglicherweise, und in vielen Fällen bin ich mir da sicher, genauso kacke wie ich, was seine Abteilung Öffentlichkeitsarbeit da ankündigt und würde lieber was sinnvolles tun, darf er aber nicht.
Also kein offener Brief.

Stattdessen ein Blogbeitrag mit ein paar Anmerkungen.

Die Art, wie der Brief geschrieben ist, fände ich eigentlich belustigend, käme er nicht von der Exekutive. Es wirkt auf mich so, als habe der Präsi von Aalen ein Polizeibild wie in alten deutschen Fernseh-Krimis. Der Polizist ist der strenge Übervater der alles darf um den Verbrecher dingfest zu machen und trifft dabei immer den Richtigen. Bürgerrechte, Unschuldsvermutung, was ist das denn? Wenn der Kommissar klingelt ist er automatisch beim Schuldigen, er muss nur noch gestehen. Der Bürger, das ist dieses unmündige Etwas auf, in diesem Fall zwei Rädern. Nein, sogar eher dieser unmündige Rechtsbrecher auf Abruf mit mentalen Defiziten. Der Herr Wachtmeister muss uns vor uns selber schützen und wenn wir seine strenge Überprüfung bestanden haben, dann lässt er den Hippie raushängen, denn dann werden, und das steht da wirklich, werden sie sich mit uns „freuen, wenn alles in Ordnung ist.“

Weist Du, Polizeipräsident, es gibt da was gar nicht so Neues, das nennt sich Statistik. Guck da mal rein und dann wirst Du feststellen:

Motorradfahren ist dar nicht so gefährlich. (Link: Risk and Ride) und wir tun das freiwillig und wissen, auf was wir uns einlassen.

Meistens sind wir gar nicht selbst schuld, wenn dann doch mal was passiert. Du solltest uns also nicht vor uns selbst sondern vor den anderen schützen, die uns totfahren, weil sie uns trotz Brüllrohr nicht bemerkt haben (von sehen will ich gar nicht erst reden) oder dachten wir fahren in vielen Kilometern Abstand nur 30.

Die meisten Unfälle passieren zu Hause. Wie würdest Du Dich fühlen wenn am Samstag Nachmittag jemand kommt und kontrolliert, ob Du im Garten Deinen Spaten mit Sicherheitsschuhen bedienst? Oder überprüft ob Du beim Gardinen aufhängen mit rutschfeste Schuhen eine richtige Trittleiter mit TÜV- und GS-Siegel nutzt und nicht einfach in Socken auf den Stuhl steigst, dann den Stuhl stilllegt und eine Vorführung der geTÜVten Trittleiter und Schuhe innerhalb einer Woche verlangt?

Warum kontrolliert Ihr nicht am Wanderparkplatz und zieht alle Spaziergänger heraus, die nur mit Sandalen und Schläppchen in den Wald gehen statt mit festem Schuhwerk? Was würden wohl die örtlichen Gastwirte, Hoteliers und Bürgermeister davon halten, wenn Du Ihre Kunden so gängelst?

Wenn ich auch nur den Hauch einer Chance erkennen könnte, dass Du verstehst was ich meine, würde ich das Problem mit Anrede und Adressaten überwinden und doch einen offenen Brief schreiben.

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10 Gedanken zu „Kein offener Brief an die Polizei im Präsidium Aalen

  1. Hm… Zunächst fand ich es schon mal belustigend, in der Adresszeile oben im Browser „Polizeipresse“ zu lesen. Was als humoristische Spitzenleistung dem Faß den Boden ausschlägt, das ist folgernder Satz „deshalb werden wir uns um Sie kümmern, bevor es der Unfalltod tut.“
    Du hast Recht, der Eindruck bleibt, die möchten gerne untersuchen bis sie etwas finden und sich dann freuen. Natürlich gibt es die Helldriver, letzt kam mir auch in tiefer Schräglage da so etwas entgegen in einer Kurve, weit in meine Spur ragend und es ist sich nur mit viel Glück ausgegangen, aber es fahren beileibe nicht alle so. Im Gegenteil. Und ich stelle immer mehr fest, daß viele Autos heute lauter sind als ein Motorrad.
    Irgendwie wird da am falschen Ende angepackt.
    Der Adressat für Deinen offenen Brief ist das PP Aalen. Dann können die sich schon mal vorfreuen.

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    • Ach ja, die Feierabend-Rennfahrer die nicht mal ihre Linie halten können, immer wieder widerlich. Denen würde ich gerne einen entgegenkommenden Mähdrescher wünschen, aber das möchte ich dem Mähdrescherfahrer nicht zumuten.

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      • Griesgram999, du hast den Sinn nicht verstanden, du bist nicht allein auf der Straße und genau so einer wie du schreibst“ Feierabend-Rennfahrer“ kann die schneller dein Lebenslicht aus pusten, wie du schauen kannst. Schalt einfach ein Stück zurück und lächle, deine Familie wird es dir danken wenn du wieder heil nach Hause kommst, oder willst du, auch wenn du dich vielleicht als super Fahrer einschätzt wie viele andere von uns im Rollstuhl, im Krankenbett oder in der Kiste enden, das ist nicht der Sinn unserer Freiheit !! Du musst nicht Schuld sein, aber es sind nun mal zwei Räder. Genauso wie die vielen wilden Schrauber, die uns alle in den Verruf bringen und wir letztlich alle drunter leiden müssen. Denke einfach mal nach !!

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        • @Geniesser Ich habe leider den Sinn Deines Kommentars nicht verstanden. Beziehst Du Dich auf meine Antwort an Minya? Wir sind beide feie Feierabendrennfahrer und und bewusst, dass deren Fahrstil andere, auch uns, gefährdet.

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  2. Warum sollte es euch Zweiradfahrern anders gehen als uns Radfahrern? Wir werden auch halbjährlich spezial-kontrolliert und dauernd darauf hingewiesen, dass wir alle Kampfradler und Verkehrsrüpel sind…

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  3. Wenn ich so an die zahlreichen Berichte über von Dosenfahrern in diesem Jahr hier in der Gegend getöteten Moppedfahrer denke, ist der Brief des Polizeipräsidenten eine Verhöhnung der Opfer. Von den Gesetzeshütern erwarte ich Objektivität. Wenn man aber die Veröffentlichungen der Dienststellen auf polizeipresse.de so liest, weiß man, dass die nicht vorhanden ist. Nicht nur gegenüber Motorradfahrern.

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  4. Nachtrag 2: Das es auch objektiv geht, zeigt die Polizeiinspektion nebenan:
    http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/68438/2993568/pol-del-achtung-motorradsaison-2015-startet-gegenseitige-ruecksicht-und-besondere-vorsicht/rss
    Da ist von, Zitat „Unfällen, bei denen eine Motorradfahrerin und ein Motorradfahrer ums Leben kamen.. […] ist den Motorradfahrern kein Fehlverhalten anzulasten“ und „ ein Motorradfahrer (der sich an die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung hält) wesentlich schneller beschleunigen kann“ die Rede. Das sollte sich die Polizei in Aalen mal durchlesen und verstehen.

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