Indien und China – Griesi meint mal was

Oscar - Quelle PinterestIndien und China sind voll mit Menschen und daher auch lukrative Märkte für Mopped Hersteller. Aus China kommen viele kleine Billig Moppeds. Das sind meistens lizensierte oder oder nicht lizensierte Nachbauten von alten japanischen Moppeds oder Motoren, die dann unter vielen verschiedenen Handelsnamen auf verschiedenen Märkten auftauchen. Die weitaus meisten davon werden in Asien verkauft und haben um die 100 Kubik, nach Europa kommen nur die großen Maschinen, also 125er, wie z.B von Kreidler. Aber nicht nur, es gibt auch die 450er Borossi und bestimmt auch andere.
Etwas anders liegt es bei den Marken SWM (alte vor-KTM Huskys) und Benelli die zwar zu chinesischen Konzernen gehören, aber die Fahrzeuge zumindest größtenteils wohl in Italien zusammenbauen.
Da werden also häufig alte, bekannte Markennamen genutzt um den Markteintritt zu erleichtern, auch wenn die Modelle technisch nichts mit den alten Marken zu tun haben. Diese Strategie ist nichts neues und wird auch in Europa/USA gerne genutzt. Horex, Norton, Brough Superior fallen mir da ein, die aber wohl keinen ernsthaften Versuch darstellen, in den Massenmarkt zu kommen sondern eher so eine Art reiche Leute Image-Prothese darstellen.

Folgende Erklärung ist natürlich fiktiv, und viel zu ehrlich, als das sie echt sein könnte: Ich habe zwar keine Ahnung was das sein soll, aber mein Image Berater hat mir erklärt: Das ist ein Motorrad und es steht echt für die Markenwerte, die ich brauche um eine Persönlichkeit zu simulieren. Ich kaufe so ein Fahrzeug und parke es in meinem Wohnzimmer. Nein, so eine Allerweltsmarke wie sie jeder Lump kaufen könnte kommt für mich nicht in Frage.

Triumph, die 1990 in Hinckley auch nur mit einem Markennamen neu gestartet sind, ist da einen Ausnahme. Hier werden der Massenmarkt und Stückzahlen angepeilt, was wohl auch für Indian gilt, die natürlich nicht aus Indien kommen, auch wenn es schön in diesen Artikel passen würde.

Oscar - Quelle PinterestAber das ist eine schöne Überleitung, um zurück nach Asien zu kommen und zwar jetzt nach Indien. Die dortige Motorradindustrie scheint immer stärker den internationalen Mark ins Visier zu nehmen, aber anders als die Chinesen. Enfield (die zwischendurch mal Enfield India hießen, aber seit längerem wieder Royal Enfield) hat angefangen das Programm immer weiter auszubauen. Die Bullets wurden modernisiert mit Unitmotor, E-Starter usw, und das Programm um Cafe Racer (Continental GT) und Adventurebike (Himalayan) erweitert. Ein Zweizylinder ist ebenfalls in der Mache. Enfield ist zwar ursprünglich auch eine europäische Marke, hat aber eine durchgehende Geschichte und ist keine neue Firma mit altem Namen.
Und dann gibt es da noch Mahindra, die unter eigenem Namen in der Moto3 antreten und immer erfolgreicher werden. Auch dort werden jedoch alte europäische Markennamen eingesetzt und gekauft. Die Peugeot-Rennmaschine die John McPhee (gute Besserung von hier aus) fährt, ist eigentlich eine Mahindra. Und die Markenrechte an BSA und an Jawa sind vor kurzem von Mahindra gekauft worden.

Bajaj (erinnert sich noch wer an die Bajaj-Gespanne, also Vespa mit Beiwagen?) baut die kleinen KTMs und TVS baut die 310er BMW. In Indien scheint das Model als TVS-BMW vermarktet zu werden. TVS wird diesen Motor auch für das Sportmotorrad Apache RTR300 nutzen. Ich bezweifel, dass es die RTR auch in Europa geben wird, müsste sie doch gegen die RC390, R3 und Co. antreten, die alle mehr Leistung haben. Auch für die kommende 300er Klasse der Supersports wird es wohl nichts werden. Honda traut der vergleichbar motorisierten CBR300R da auch nichts zu und setzt auf die größere CBR500R.
Klingt komisch, aber die SSP300 nutzt ein Regelwerk, das im Autobereich Balance of Performance (BoP) heißt und durch technische Eingriffe und Zusatzgewichte Chancengleichheit von verschiedenen technischen Konzepten erreichen möchte.
Ohne eine solche Weltbühne (vorerst Europabühne) rechne ich nicht damit, dass die RTR zu uns kommen wird, auch nicht als TVS-BMW S300RR. Aber wer weiß, vielleicht hat der Motor genug Fleisch auf den Rippen um ihn auf auf ein Leistungsniveau zu bringen, dass ihn in der SSP300 konkurrenzfähig macht, wenn er z.B. auf 350 ccm aufgebohrt wird.
Unter den Marken Mahindra, Bajaj und TVS gibt es aktuell keine Moppeds bei uns zu kaufen, falls ich mich nicht irre

Oscar Quelle PinterestKurz zusammengefasst, die Moppeds, die in China und vor allem Indien gebaut werden, wie auch die für diese Märkte gebauten, werden immer größer. Honda verkauft in China unter anderem eine CBR190R, die auch in Argentinien angeboten wird.

Apropos: Ich habe noch kein Wort über die südamerikanischen Märkte verloren. Die Rally Dakar findet seit Jahren in Argentinien statt und Brasilien ist eines der Länder, dass sich auf dem Sprung nach vorne befindet und damit auch ein Markt größere kleine Moppeds. Und bei Brasilien fällt mir gleich die Gas Gas Camí 250 ein, die für den brasilianischen Markt entwickelt wurde, aber leider nicht im 2017er Programm steht. Möge Gas Gas wachsen und gedeihen. Es würde mich nicht überraschen, wenn Südamerika schon fest im Visier der indischen und chinesischen Hersteller liegt. Bestimmt auch ein toller Markt für eine 390er Enduro R, liebe KTMs, für die auch in meiner Garage Platz ist.

Und damit bin ich am Ende angelangt und bei dem, was ich mir für die Zukunft erhoffe. Wie erwähnt, die kleinen Moppeds werde im Rest der Welt immer größer und erreichen Motorleistungen, die es ermöglichen, damit auch im europäischen Straßenverkehr mit zu schwimmen. Es sind kleine, alltagstaugliche Spaßfahrzeuge. Honda wird zwar die CRF250L (#Hippe) in Deutschland vom Markt nehmen, weil es sich vermutlich nicht lohnt, ein Off-Road ABS an das Mopped zu bauen. Davon abgesehen erhöht sich jedoch die Anzahl an Moppeds in der Unter-500-Kubik-Klasse, die bei uns angeboten werden. Ich nenne nur die bisher unerwähnten Suzuki GSXR 250 und Kawasaki Ninja 300. Während sich die etablierten Markteilnehmer von oben nähern, könnten die Chinesen und Inder direkt in dieses Segment einsteigen und für ein umfangreiches Angebot sorgen.
Vielleicht spricht sich dann auch langsam bei den aktuellen Moppedfahrern herum, dass innerorts und auf Kreis- und Landstraßen leichtfüßige Moppeds den 250 Tonnen schweren Schweineeimern in der Spaßwertung keine Chance lassen. Ist doch egal, ob die Moppeds dann vor allem in China oder Indien gebaut werden oder in Thailand (Honda) oder Indonesien (Yamaha). Für mich ist es okay, wenn man in Europa denkt, dass der legitime Nachfolger einer Horex Regina von 1953 (1 Zylinder, 399 ccm, 22 PS, 150 kg, 2.185 Mark) die heutige VR6 HL (6 Zylinder, 1.218 ccm, 163 PS, 224 kg, bestimmt mehr als die 38.500 Euro der Classic, eine ähnliche Lackierung wie damals) ist und nicht ein Mopped mit einem ist luftgekühlten 400 ccm Ex-Japan Motor aus China wie ihn Mash verbaut. Vielleicht bekommen die schicken Hipster-125er von Brixton bald 400er Geschwister für die Landstraße.

Oscar - Quelle PinterestDamit es klappt, dass wir mehr kleine Moppeds auf den Straßen sehen, müssten sich wohl als erstes die Händler bewegen und eine Zielgruppe jenseits der 50-jährigen Hängebauch-Bärte anpeilen. Dort sollte man jüngere und vielleicht bisher mopped-ferne Menschen als mögliche Kunden akzeptieren. Vielleicht könnte man dort sogar mal was mit diesem neuen Internet machen?
Ich hoffe mal, dass die meisten Händler keine Nur-Eine-Marke-Knebelverträge haben.
Hauptsache am Ende kommt auf jeden gefahrenen Autokilometer auch ein gefahrener Mopped-Kilometer, die Anzahl der PS oder Kubik ist egal, die Anzahl der Räder ist wichtig.

Alle Bilder habe ich von Pinterest.

 

Edith 2017:

Honda baut die CRF250L mit ABS weiter und stellt sogar noch eine Rally-Version daneben. Ihr seid dran, kauft, Leute kauft. Nein besser: fahrt, Leute fahrt!

Edith Ende

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8 Gedanken zu „Indien und China – Griesi meint mal was

  1. Interessant.
    Ich hatte letztens mit einem Kollegen darüber gesprochen, dass ‚kleine‘ Moppeds leider nur wenig vertreten sind und das sicherlich für viele auch eine große Hürde darstellt, überhaupt den Schein zu machen.
    Die derzeit bei uns erhältlichen 300er Moppeds sind ja verhältnismäßig preisgünstig, aber eben nur sehr wenige., Der Preissprung zu der üblichen 600/650er Klasse ist schon enorm. In dem Zusammenhang meinte ich ja auch, dass es schade ist, dass Suzuki das hier in Deutschland verpennt hat.

    Ich höre ja hier und da mal etwas wie: „Mopped statt Auto zur Arbeit wäre schon toll, aber das ist ja so teuer.“ In der Regel steht bei denen keine große Urlaubstour im Vordergrund, auch wenn das mit 200cm³ und weniger ebenfalls ginge, aber genau für die Leute fehlen die günstigen Fahrzeuge als Anreiz.

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  2. So viel ich weiß läuft die 300er von Kawasaki dieses Jahr aus. Zum Modelljahr 2017 soll noch eine andere 300er Kawa kommen (Vorstellung in Mailand). Mit ins Boot der kleinen Enduros werfen möchte ich noch diese Firma aus Spanien http://www.rieju.de/de/rieju/modell_moto_detail.php?ID=106 Der Motor stammt von Morini (verbaut auch in diversen Yamahamodellen). Interessant dabei, die ist auch als 200er erhältlich. Die 125er davon hab ich schon probiert, geht gut; fährt gut; ist schön leicht und schmal und ganz gut verarbeitet.

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  3. „Klein und leicht“ sind sicherliche gute Argumente, auch die bislang „Moppedfernen“ zum Moppedschein zu überreden. „Bezahlbar“ bzw. „geldwert“ wäre ein weiteres.
    Wer sich als Anfänger auf einer „Kleinen“ sicher fühlt und damit Spaß hat, ist bestimmt gut gewappnet für eine „Große“. Möglicherweise macht der kleine Teufel aber sogar soviel Spaß, dass man anschließend gar nicht mehr umsteigen möchte?

    Was nützt aber die „Kleine“, wenn mit/auf dieser kein „sicherer Stand“ gewährleistet ist?

    Leider steht sich die Mopped-Industrie irgendwie selbst im Weg: Solange sie davon ausgeht, dass ihre Kundschaft aus mindestens 180-Zentimeter-großen Hünen mit endlosen Beinen besteht und die Sitzhöhe gefälligst bei 800mm (aufwärts) anzufangen hat, nützt ihr „klein, handlich, formschön und niedlich“ auch nix mehr und verprellt damit zahlreiche Interessenten.

    Schade drum!

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