SR Brutal verbläst G00F

Damals planten ein paar Bekannte eine Winter-Camping-Wochenede-Fete auf einer privaten Streuobst-Wiese im Siegerland. Irgendjemand musste als erster vor Ort sein und das Tor aufschließen. Um den Kollegen nicht alleine fahren zu lassen, fuhr ich mit. Ein dritter Teilnehmer, den wir beide nicht persönlich kannten, wollte nicht alleine fahren und wurde über vierundachtzig Ecken an uns beide weitervermittelt. So trafen wir uns an der Autobahnauffahrt. Ja, Autobahn war angesagt, damit wir auch wirklich Erste werden.

Die Guzze und die G00f

moto guzzi v50 monza

Das ist nicht die echte Guzzi, das ist ein Bild aus dem Netz.

Mein Kollege fuhr eine Moto Guzzi Monza mit 650er Motor und Lafranconis: mehr Hubraum, mehr PS, mehr Zylinder und auch mehr km/h als die SR Brutal, das hatten wir bereits ausgetestet. Der unbekannte Dritte kam mit einer Honda CBR 600 F die aussah, als käme sie gerade aus dem Laden.
„Du fährst vorne, die SR ist die langsamste.“
Das war die Ansage und auch meine Einschätzung der Situation.

Auf der Bahn

Nachdem das Ölthermometer der SR hoch genug geklettert war, legte ich mich auf den Tank, griff mit der linken Hand an die Gabel, so wie ich es bei Flattrack Racern gesehen hatte und stellte den Vergaser auf Durchzug. Linke Spur war angesagt, die Sonne schien und wenn ich den Kopf ein bisschen schräg hielt, konnte ich die Guzzi hinter mir hören. Darf man klassische Guzzis eigentlich auch mit anderen Schallverschönerern fahren?
Irgendwann wurde die Guzzi lauter und überholte mich, um gleich darauf nach rechts auf den Randstreifen zu ziehen. Was war los?

Die G00f ist weg

Wo war die Honda? Von uns beiden unbemerkt, war sie irgendwann aus den Rückspiegeln verschwunden. Nach einer ersten kurzen Wartezeit auf dem Randstreifen war immer noch nichts zu sehen. Hatte ausgerechnet die Honda statt unsere beiden selbst verbastelten Moppeds eine Panne?
Gerade als wir uns aufteilen wollten, um auf die Suche zu gehen, kam die Honda an.

„Wie schnell seid Ihr denn gefahren?“ wollte die 600er wissen.
„180“ sagte die Guzzi und meinte damit die Anzeige des besonders eiligen Guzzi-Tachos.
„Oh! So schnell kann ich gar nicht, meine ist auf 27 PS gedrosselt, ich habe noch Stufenführerschein!“
Das hat es natürlich erklärt.

Den Rest des Weges fuhr die Honda vorne.

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SR Brutal verbläst Harley

Ende der 80er, Anfang der 90er bin ich mit meiner SR500 auf einige der größeren Mopped-Treffs gefahren, wie z.B. Bulldog Bash, Kent Custom Bike Show, Faro und auch einmal auf die German Bike Week nach Mannheim.

Auf der Fahrt nach Mannheim traf ich an einer Tanke drei Jungs, die auch dorthin unterwegs waren. Einer von ihnen fuhr einen Starrrahmen mit Mini-Tank und Eisenkopf Sporty-Motor.

Abbildung ähnlich

Ich habe damals noch weniger fotografiert als heute, daher zeigt das Bild auch nicht die Sporty, die ich traf, sondern nur einen ähnlichen Umbau. Aus den beiden 1,5 Zoll dicken Auspuffröhren kam ordentlicher Sound, viel sportlicher als dieses Potato-Potato, dass die Milwaukee Big-Twins von sich geben.
Es war die Jungfernfahrt der Sporty, die erste Testrunde, weil sie erst in der Nacht fertig wurde. Zumindest so eine Art von fertig, denn der Schüttelhuber war gut darin, Schrauben zu lösen und wegzuwerfen. Eine der ersten Schrauben, die sich verabschiedete, war die vom Kickstarter. Damit die nicht alleine auf der Autobahn liegen muss, hat sich der Hebel daneben gelegt. So standen die drei Jungs also an der Tanke um die Sporty herum und überlegten, was zu tun sei, als ich sie traf.

Anschieben

Damals hatte keiner von uns ein Handy und das Netz war jung und alles, aber nicht mobil. Unsere Möglichkeiten waren: Zurückfahren und den Hebel suchen (wenig erfolgversprechend) oder mit den anderen Moppeds in die umliegenden Städte ausschwärmen und dort nach einem Mopped-Händler suchen, der ein passendes Ersatzteil hat (wenig erfolgversprechend). Mit dem ADAC das Mopped zurückbringen war keine Alternative, denn der Fahrer hatte keinen zweiten Kicker zu Hause. Und außerdem: ADAC gildet nicht.

Mangels echter Alternativen war von nun an Sporty anschieben angesagt. Mit etwas Glück hat einer der Händler auf der Bike Week einen passenden Hebel, so dass auf der Rückfahrt wieder gekickt werden kann. Um es vorwegzunehmen: Ja, hatte einer.

Gemeinsam weiter

Wir beschlossen von hier an gemeinsam weiterzufahren.
„Die Harley fährt hinten, die ist so laut. Du fährst mit Deinem Einzylinder vorne, Du bist der Langsamste,“ beschlossen die anderen Beiden. Das schien mir vernünftig und so fuhren wir los bis zur nächsten Tanke.

„Alter, ich kann meine Harley gar nicht mehr hören, wenn die SR vorne fährt,“ war das erste, das der Sporty-Fahrer beim nächsten Halt sagte. Und ich muss sagen, er hatte recht. Als wir von da an nebeneinander hinten fuhren, habe ich die H-D auch nicht gehört. #Hach

SR500 brutal

Eines meiner ersten Moppeds war eine Yamaha SR500 [Wikipedia], genauer gesagt: ein 2J4 Gußrad-Prügel. Ich hatte sie billig geschossen, weil der Vorbesitzer meinte, sie würde nicht ordentlich laufen.

Ist nicht meine, sondern von Flickr.

Mit neuer Zündkerze und neuem Kerzenstecker war das Problem behoben und ich schrubbte ein paar Kilometer auf dem Single.
Das ging solange gut, bis ich auf eine Kiste mit Tuning-Teilen stieß, die auf dem örtlichen Teilemarkt angeboten wurde. Neben einem 40er Dell’Orto Vergaser [DuckDuckGo Bildersuche] lag dort auch eine scharfe Nockenwelle und ein dickerer Kolben mit Verdichtungserhöhung drin, die noch nie eingebaut waren. Die exakten technischen Details habe ich vergessen, ich glaube es war ein 90er Wiseco Kolben.

Das Rahmendreieck wollte ich sowieso vom Luftfilter befreien und die Batterie war schon längst durch einen Kondensator ersetzt worden, also wurde der Zylinder ausgebaut und zum bohren und honen verschickt. In der Wartezeit wurden dann Spiegel, Blinker, Drehzahlmesser, Tacho und anderer überflüssiger Kram abgebaut und wo nötig durch billige kleinere Teile ersetzt. Für den Vergaser wurde noch ein schicker Trichter gefunden, weil Luftfilter nur langsam und leise machen. Dazu kam ein dickerer Leistungskrümmer und ein klassischer, kurzer Megaphon-Auspuff mit Gegenkonus aber ohne Innenleben.
Zusammengebaut wurde dann noch die Vergaserbedüsung von einem Experten mit eigener Werkstatt angepasst – die SR lief rund und startete zuverlässig, also hatte er das wohl richtig gemacht – und ab ging’s.

Fotos gibt es keine von der Brüll-Yammi, Lautstärkemessung oder Ton-Probe auch nicht. Aber wenigstens hatte ich einen „Laut ist out“-Aufkleber auf dem Helm. (Das Bild kennt Ihr schon aus dem Laut ist wieder out Artikel.)

Ahnungslos wie ich damals war, stand die SR auch nie auf einem Prüfstand, aber ich war davon überzeugt, dass es mindestens 50 PS waren. Leute mit Ahnung dürfen jetzt lachen. Der Spritverbauch war auf jeden Fall deutlich höher als im Serienzustand, also muss das Tuning was gebracht haben.

Objektiv gesehen war sie jedoch laut, so ganz ohne Dämpfer vor der Einlassseite und nach dem Auslassventil. Davon konnte ich auch den Kollegen mit der Starrahmen-Sporty überzeugen, den ich auf dem Weg zur German Bikeweek traf. Aber das ist eine andere Geschichte. (Link folgt, wenn sie geschrieben ist)