Motorsport vor der Haustür

Ich weiß nicht woran es liegt, aber Motorsport findet bei uns in Deutschland zu weiten Teilen unter Ausschluss der Medien und auch der breiten Bevölkerung statt. Ich habe beinahe den Eindruck, man schämt sich dafür, dass man sich für Motorsport interessiert. Da ist es dann auch nicht verwunderlich, wenn es diesem Bereich fast keine Sponsoren gibt.

Am Sonntag war die MotoGP zu Gast in Italien und nach dem letzten Rennen stürmten die Zuschauer die Strecke und feierten. Kurze Anmerkung am Rande, dass wir das nicht im Free-TV sehen konnten spricht für sich.

Ich war am Wochenende in Sankt Wendel im Saarland, wo ein Lauf zur Supermoto IDM stattfand. Also ein Motorradrennen, mitten in der Stadt. Geil!

Supermoto in St. Wendel

Was ist Supermoto?

Ein Motorradrennen das auf einem kurzen und kurvigen Kurs zum Teil aus Asphalt und zum Teil auf Schotter ausgetragen wir. In diesem Fall 1.143 Meter Streckenlänge inklusive 268 m Schotter mit Sprüngen. Aufgrund des kurvigen Layouts halten sich die Geschwindigkeiten im Rahmen, so dass keine riesigen Auslaufzonen nötig sind, als Zuschauer ist man ganz nah dran. Die Rennen sind kurz (in der Profiklasse längstens 15 Minuten plus zwei Runden) und die Starterfelder voll, so dass immer Action zu sehen ist.

Was für Moppeds werden gefahren?

Supermoto Kawasaki

Im Großen und Ganzen sind es Enduro oder Moto Cross Moppeds, die auf Asphaltreifen gestellt werden. Die meisten fahren Viertakter zwischen 250 und ganz viel Kubik. Aber es gibt auch Zweitakter, ich durfte bei Phil Gee (Startnummer 511) zu Gast sein, er fährt eine Zweitakt TM mit 344 Kubik und als einer wer wenigen steht sein Schätzchen auf Gußrädern, die meisten Fahrer vertrauen auf Speichenräder. Natürlich sind die Moppeds der Spitzenfahrer brutal umgebaut, andere Federelemente, Bremsen, und intensives Motortuning und Gewichtsersparnisse machen schnell und das Hobby teuer. Ich habe im Fahrerlager auch ein paar Maschinen gesehen, die zum Verkauf standen, eine sogar mit Preisschild: 3.900 Euro. Für einen Einsteiger ist das sicherlich ausreichend und erschwinglich ist es auch.

Was gab es zu sehen?

Am Samstag standen alle Türen für jeden offen, bis auf die Tür zur Boxengasse. Eintritt? Nö. Wer sich die Trainings und Qualifikationen der verschiedenen Klassen ansehen wollte konnte sich einen Platz suchen und dem Streckensprecher lauschen oder dem Gebrüll der Motoren. Zwischendurch konnte jeder durch jedes Fahrerlager schlendern, auch ohne Eintritt, und sich unter Fahrer und Teams mischen. Ungefragt mit den Fingern das Mopped gucken? Möglich und natürlich nicht gerne gesehen, aber so was machen ja höchstens kleine Kinder. Was ich damit sagen will, die Moppeds standen nicht in abgeschlossenen Garagen oder hinter heruntergelassener Zeltplane sondern offen und sichtbar. Wenn daran geschraubt wurde, dann war auch das öffentlich.
Das hat sich auch am Renntag nicht geändert, allerdings musste jetzt einmal Eintritt für alles gezahlt werden.

Supermoto Sankt Wendel

Also alles gut?

Spektakulärer und einsteigerfreundlicher Motorsport zum Anfassen in familienfreundlicher Atmosphäre direkt nebenan, was kann man sich noch besseres wünschen um Menschen fürs Motorrad und für Motorsport zu begeistern? Nichts, außer dass diejenigen, die davon profitieren könnten auch vor Ort sind und Flagge zeigen, also Hersteller und Importeure von Moppeds und Zubehör. Ich habe vor Ort Nolan Helme und Ortema Protektoren gesehen, dazu kamen noch der ADAC als Veranstalter und das Wochenspiegel, ein Saarländer Anzeigenblatt als Veranstaltungssponsor. Das wars. KTM, Husqvarna, Suzuki, Yamaha, Honda, Kawasaki oder TM? Die waren alle zu Hause geblieben.
Aber auch kein örtlicher Motorradhändler oder Bekleidungsladen war mit einem Stand vor Ort vertreten um die Begeisterung und das Interesse der Zuschauer zur Kundengewinnung zu nutzen. Kinder die mit der Hand Vollgas gaben und „Braaaaap“ brüllend herumliefen gab es reichlich. Väter deren Töchter altersmäßig aus dem Gröbsten raus waren, so dass Vati wieder mit dem Mopped fahren anfangen könnte oder Tocher an der Teilnahme in Nachwuchsklasse interessiert wärewaren auch reichlich vertreten. Man mag mir hier Sexismus vorwerfen, aber Muttis und Söhne in dieser Altersgruppe habe ich nicht gesehen. Junge A1-Führerscheinneulinge standen in Grüppchen zusammen, den coolen Desintressierten mimend oder die eklatanten Schräglagen bewundernd.
Der Anteil der Zuschauern die mit dem Mopped gekommen war geringer als ich dachte. Es hätten sowieso noch viel mehr Zuschauer vor Ort sein können. Vielleicht wären noch ein paar gekommen, wenn es Werbung für den Event gegeben hätte oder eine gute Website.
Eigentlich wollte ich fragen, ob es an den fehleden großen Sponsoren liegt, dass keine Medien kommen oder an den fehlenden Medien, dass die Sponsoren kneifen. Nachdem was ich vor Ort erlebt habe muss ich mich viel mehr darüber wundern, dass es überhaupt noch Motorsport gibt. Danke an alle Fahrer und deren Teams!

Haben die die Sponsoren vor Ort einen guten Job gemacht?

Der Eventsponsor hat großzügig beflaggt und hatte ein paar Promotoren herum laufen. auf der Webseite staht am heutigen Montag nach den Rennen jedoch nichts.
Der ADAC hatte auch beflaggt und war am Renntag redlich bemüht die Zäune rund um das Areal mit Sichtschutz zu verhängen, damit niemand schwarz gucken konnte. Werbung für die weiteren Läufe der Rennserie? Nö. Werbung für Fahrsicherheit- oder Kurvenlehrgänge? Auch nicht. Sonst etwas um die eigenen Leistungsfähigkeit zu präsentieren? Es gab einen Stand an dem man Mitglied werden konnte an dem aber nicht mal Werbung für das Motorsport-Programm des ADAC zu sehen war.
Lieblos ist noch das netteste, was mir dazu einfällt.

Supermoto St Wendel

Und sonst so?

Es gab natürlich eine Zeiterfassung der Trainings und der Rennen. In der Boxengasse gab es auch zwei Monitore auf denen die Zeiten angezeigt wurden. Für normale Zuschauer war die natürlich gesperrt, ich konnte, dank meiner Gastgeber, dort hinein. Ich bin ein großer Freund des Live Timings und frage mich jedesmal, wenn das Signal schon vorliegt, warum ist dann nicht für jeden verfügbar? Vielleicht in einer ADAC Sport App oder in einer Supermoto App? Dort könnten auch zusätzliche Infos wie eine Wegbeschreibung zu freien Parkplätzen, wo welche Klasse Ihr Fahrerlager hat (im Plan auf der Website steht z.B. Fahrerlager 4 statt Fahrerlager Ü40), welche Klasse als nächstes fährt usw.

Es wäre auch schön,

  • wenn die Ergebnisse der Rennen nicht erst am Montag nach der Veranstaltung und nur als PDF vorlägen, sondern sofort.
  • wenn die aktuellste News nicht schon sechs Wochen alt wäre obwohl sogar das Rennen schon gestern war.
  • Wenn erklärt würde, was die Klasse S1 von N2, P3, S3, T4 Süd, T4 Nord und Ü40 unterscheidet. (S1 ist die Top-Klasse, und Ü40 ist die Klasse für Fahrer ab 40, was der Rest ist ,weiß ich nicht.)
  • wenn ich auf der Website den Eindruck hätte, da hätte jemand Spaß am Sport und würde ihn nicht nur verwalten.

Hatte ich denn Spaß?

Und wie! Ich werde mit Sicherheit auch wieder zu einem Supermoto Rennen gehen. Ich werde, wenn alles klappt, im kommenden Herbst auch mal an einem Supermoto-Lehrgang teilnehmen, aber der Plan stand schon, bevor ich mir ein Rennen live angesehen habe.

In diesem Jahr finden noch fünf weitere Rennen statt, Ihr solltet hingehen, wenn eines davon in Eurer Nähe ist.

Schaut Euch an, wie nach einer langen Geraden im Drift in die Kurve geschossen wird, wie weit Slick-Reifen springen können, hört zu wie große Einzylinder brüllen und achtet drauf, in welchen Kurven welcher Fahrer im Hanging-off fährt und wo im Cross-Stil, wann im Stehen und wo im sitzend durch die Anlieger gepfeilt wird.

Supermoto Termine 2015
20.06. – 21.06. Großenhain
04.07. – 05.07. Harzring
25.07. – 26.07. Schaafheim
12.09. – 13.09. Cheb
26.09. – 27.09. Finale Stendal

Viele Bilder der Veranstaltung gibt es auf Rally3.de

Danke an Geemoto und Gerd’s Race Kitchen für die Gastfreundschaft

Gerd's Race Kitchen

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Mopped Panne mit ADAC Fail und AmEx Win

Sonntag Nacht war ich auf dem Rückweg vom BarCamp Ruhr 3 nach Hause in die Provinz. Irgendwo bei Paderborn, ich schalte gerade vom fünften in den sechsten Gang tut es einen Knall, der Motor geht aus und ich rolle mit gezogener Kupplung und hässlich klappernden Rasselgeräuschen auf dem Seitenstreifen aus. Also gleich die die Klappe an der Notrufsäule auf und den ADAC rufen, schließlich habe ich da so eine goldenen Mitgliedskarte. Keine 90 Minuten später hält der Transporter an meiner Stelle, wir laden die Suzuki auf und steuern den nächsten Rastplatz an. Dort will der Pannenhelfer, der übrigens sehr nett und hilfsbereit war, sich die Freigabe für den Rücktransport meines Moppeds zu mir nach Hause holen, schließlich bin ich ADAC Plus-Mitglied. Als Plus-Mitglied werde ich mit meinem Motorrad nach Hause gebracht (entweder auf dem Schandwagen oder das Mopped wird später geliefert und ich kriege einen Leihwagen) ohne Plus kommt man nur bis zur nächstgelegenen Vertragswerkstatt. Nicht das ich mich bisher damit ausgekannt hätte, aber der Pannenhelfer erklärt mir die Unterschiede. Da auf meiner Mitgliedskarte ein Plus steht, mache ich mir keine Sorgen, bis der Pannenhelfer sagt: „Die Kollegin in der Zentrale sagt, Sie haben keine Plus-Mitgliedschaft mehr, die ist gekündigt. Ich kann Sie nur zur nächsten Werkstatt bringen“ Ich habe nichts gekündigt, also ruft der Pannenhelfer noch mal an und gibt mir das Telefon, damit ich mir der Call-Center-Kollegin reden kann. Ergebnis des Gesprächs: Meine Plusmitgliedschaft ist gekündigt, mehr kann sie in Ihrem System nicht erkennen, ich solle morgen während der normalen Geschäftszeiten noch mal anrufen, bis dahin könne ich zusehen wie ich nach Hause komme. Das ist genau der Service-Gedanken und die Hilfsbereitschaft, die ich vom Call-Center einer Pannenhilfe nicht erwarte. Sieh zu, dass Du Dir selber hilfst, ruf morgen noch mal an. Und jetzt lass mich in Ruhe.

ADAC – Fail!

Dass es auch besser geht, habe ich kurz darauf erfahren. Glücklicherweise fiel mir ein, dass bei meiner American Express Karte auch ein Versicherungspaket inklusive ist. Damit habe ich mich nie beschäftigt, keine Ahnung, was da alles drin ist, aber ich kann ja mal anrufen und fragen. Also erkläre ich, mittlerweile an irgendeiner Suzuki-Werkstatt mitten in der sonntäglichen Nacht (23:45 Uhr) mitten in Paderborn (also gefühlt mitten im Nirgendwo) meine Situation und frage, ob man bei AmEx etwas machen könnte. Die freundliche Dame im AmEx-Callcenter hört mich an, und sagt etwas in der Art wie: Oh, das tut mir aber leid, was Ihnen da passiert ist (irgendwas in der Art konnte der ADAC nicht sagen) ich werde Sie mit der Abteilung für Versicherungsleistungen verbinden.“ Ja, ich weiß, das liest sich jetzt als sei das der Auftakt zu einer Zuständigkeit-Odyssee in einer Behörde, aber so war es nicht. Dieser Kollegin musste ich nichts mehr erklären, sie wusste bereits, worum es ging und sagte zu mir: „Ich werde prüfen, auf welche Leistungen Sie Anspruch haben. Kann ich Sie zurückrufen?“ Natürlich war zu diesem Zeitpunkt mein Akku am Handy fast leer, wenn schon Probleme, dann schon alles auf einmal. Also Antworte ich mit: „Ich schätze, mein Akku hat noch für 15 Minuten Strom, wenn Sie es bis dahin schaffen, wäre es toll“, und gebe meine Nummer durch. Wenige Minuten später klingelt mein Handy, AmEx ist dran (es tut mir wirklich Leid, dass ich den Namen der Dame nicht behalten habe) und sagt mir. Wir haben für Sie einen Mietwagen reserviert, am Flughafen Paderborn. Nehmen Sie sich ein Taxi und fahren Sie dort hin, die Taxi-Kosten übernehmen wir auch.“ Kurz darauf, ich sitze bereits im Taxi, meldet sich die Mitwagenfirma bei mir und die Mitarbeiterin sagt: „Ich komme ein wenig nach Ihnen am Flughafen an, machen Sie sich keine Sorgen, es ist alles geregelt.“

Vielen Dank AmEx!

P.S. Natürlich wollte ich am heutigen Montag während der normalen Geschäftszeiten meinen Mitgliederstatus mit dem ADAC klären, erreiche aber niemanden sondern alle Leitungen sind entweder belegt oder ich höre die Durchsage „Bitte drücken Sie die 1“ (was auch immer das soll). Drücke ich auf die 1, wird die Verbindung beendet.

ADAC – Fail 2