Einmal Mopped zum selber schrauben bitte.

Revzilla ist in den USA ein Versandhandel, bei dem ich noch nie was bestellt habe. Den Revzilla-Blog habe ich dagegen schon lange geordert und lasse ihn mir in den RSS-Reader liefern. Dieses Mal schreibt Spurgeon, einer der Blog-Autoren, über die SG250 Café Racer der Marke CSC .

Die Marke CSC

Wer die Marke CSC hierzulande nicht kennt, muss sich nicht grämen. CSC steht für Califonia Scooter Company und hat ein Vertriebskonzept, dass ich hier vorstellen möchte.

CSC RX3

CSC importiert Moppeds aus China, z.B. die Zongshen Cyclone RX3 und verkauft sie dortzulande als CSC RX3 Adventure.
Ob die anderen CSC Modelle auch Zongshen-Badge-Engineering sind oder von anderen Herstellern kommen, habe ich nicht überprüft, denn es ist nicht Thema dieses Beitrags. Wer Zongshen nicht kennt: Die Chinesen bauen laut Wikipedia [englisch] ca. 1.000.000 Moppeds pro Jahr und sind Partner von Piaggio und Harley-Davidson.

Das Vertriebsmodell

CSC Verkauft die Moppeds über das Netz (wie es die etablierten Premium-Hersteller mit Ihren Limitied Edition Modelle auch antesten) und verzichten auf Händler und Werkstätten vor Ort (was die Etablierten nicht tun). Stattdessen werden fertig zusammengeschraubte Moppeds direkt zum Kunden geschickt.

Yamaha XT250

Und statt dem Händler vorzugeben, wie viel Zeiteinheiten er pro Inspektion oder Reparatur abrechnen darf, kriegt der Kunde ein Werkstatthandbuch und darf selber schrauben. Zusätzlich gibt es auf der Website von CSC Schrauber Tutorials.
So ganz ohne Händler und Niederlassungen und Vertragswerkstätten spart CSC viel Geld und kann die Moppeds vergleichsweise billig verkaufen. 12 Monate Garantie gibt es trotzdem.
Ein kleiner Preisvergleich: Die CSC TT250 kostet inklusive Auslieferung $2.595. Eine vergleichbare Yamaha XT250 steht mit $5.199 auf der Website, das ist so ca. das Doppelte. Die Preise können sich natürlich jederzeit ändern.

Meine Meinung

Die Idee, den Kunden zum selber schrauben zu motivieren, gefällt mir. In der Stadt ist es bei uns schwierig eine Garage zu finden, die nicht an einer 150 Quadratmeter-Wohnung für 1.500 Eumel Kaltmiete hängt, aber so ein billiges kleines Motorrad kann gut unter der Laterne parken. Wenn dann geschraubt werden soll, kann man sich in eine Mietwerkstatt einbuchen und findet dort in der Regel auch noch kompetente Beratung. Das könnte auch die Maker-Hipster-Reparatur-Café-Freunde ansprechen, die nicht als Bikini-Vollbart-Model-Influencer bei Instagram 1.000 Hashtags unter jedes Foto schreiben. Wer sein Mppped mal selbst  beschraubt hat, wird viel schwerer auf ein Mopped verzichten und komplett aufs Auto umsteigen wollen, behaupte ich bis zum wissenschaftlichen Beweis des Gegenteils.
Für die großen Hersteller, mit Ihren vielen Händlern und Werkstätten für die 200 PS Moppeds mit voller Elektro-Packung ist das nicht unbedingt der richtige Weg, Einsteiger-Moppeds zum selber schrauben zu verkaufen. Trotzdem ist das kein Grund, den chinesischen Konfektionären das Feld zu überlassen, falls sie es denn auch nach Europa brächten. Neben den ca. 140.000 Neukunden pro Jahr könnten sich die Etablierten auch verstärkt um den Altbestand von mehr als 4,3 Millionen Moppeds kümmern und kleine, preiswerte 125er bis 400er haben inzwischen auch fast alle wieder im Programm. Vielleicht lassen sie sich von CSC inspirieren.

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19 Gedanken zu „Einmal Mopped zum selber schrauben bitte.

        • Das Beispiel habe ich nicht überlesen, BMWs Image leidet bereits durch die miese Qualität, die aus China kommt – von den Ersatzteillieferungen, wo man schonmal einen ganzen Sommer lang auf einen ‚Originalkühler‘ wartet, mal abgesehen.
          Ich denke an neue Wege, die Europa gehen müßte – der Motor, mit dem Zongshen bekannt wurde, kommt ja nicht von einem chinesischen Reißbrett, wie Du weißt – und der Rotax-Motor meiner Buell war sogar den US-Amis gut genug, um damit die Zuverlässigkeit einer ihrer Drohnen zu sichern.
          An theoretisch vorhandenes Potential glaube ich, an kaufmännisch interessante Umsetzungsmöglichkeiten einer mittelfristigen, direkten Amortisation nicht. An einen Handelskrieg nit China wg dieses minimalen Sektors leider auch nicht.

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          • Wo die Moppeds oder Teile gebaut werden ist bei dem Ansatz unwichtig. Das entscheidend andere, dass CSC macht, ist auf Händler zu verzichten und stattdessen auf verdammt günstige Preise setzt und die Kunden zum selber schrauben ermutigt und ihnen die nötigen Informationen und Tutorials gibt. Alle anderen versuchen das mit dem Händlernetz. Ob die Moppeds oder Teile aus Österreich, China, Japan, Deutschland, Indien, Italien, Thailand, Brasilien oder Kenia kommen ist egal, eine stabile Teileversorgung natürlich nicht.

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            • Die Frage nach der Eteilversorgung war auch die erste, die meine Sozia stellte ;) … Ich selbst glaube, daß ein zentrales Eteillager mit guter Bestückung maßgeblich zum Erfolg der Idee beitrüge – denn zB Honda Europe liefert auch innerhalb von max. 48h in ganz Europa aus.
              Das Herstellungsland ist so lange unwichtig, so lange die Qualität stimmt – und so lange sie bei den Lizenzgebührzahl/Copyright-Verweigerern mies bleibt, bin ich einigermaßen beruhigt. Denn nur mit der gewohnten Qualität wird sich ein derartiges Projekt durchsetzen – ob es in den USA längerfristig funktioniert, wird sich zeigen.
              Unkritische Geister, welche ohne ethische Bedenken in menschenverachtenden Diktaturen einkaufen, mögen meinetwegen nach einem uralten Grundsatz, der mit billig und zugleich teuer einkaufen zu tun hat, glücklich bleiben – Charakter ist ähnlich unvermittelbar wie Ästhetik – ein Hinweis auf ausschließlich europäische Hersteller wäre dem Umsatz sicher nicht abträglich.

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            • Nachtrag: die Himalayan ist ein ausgezeichnetes Beispiel für eine gute Idee für Selbstschrauber – doch zu teuer (sogar in Indien kostet sie mehr als 2300 EUR…) und vor allem unfahrbar abseits befestigter Wege (Luftpumpenfahrwerk). Und erst das Gewicht … ;)
              Eine verschenkte Chance.

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      • Wo die Europäer produzieren ‚lassen‘, ist mir egal.
        Wenn du geneigt wärest selbst zu denken, kämest du ev drauf, daß im Beitrag auch von eingesessenen Herstellern die Rede ist – und die haben, soweit ich informiert bin, ein dichtes Händler- und Servicenetz. Vielleicht nicht gerade in China, das wäre durchaus möglich. Daher werden diese in Europa kaum eine zweite, billige Schiene aufbauen. Dies zeigt das kalifornische Beispiel deutlich.
        Im Übrigen: ich selbst fahre Japaner und darf daher ausschließen, daß Chinaschrott jemals in eines meiner Moppets eingebaut werden wird; soweit meine Bildung reicht,stehen Japan und China einander ziemlich feindselig gegenüber und gerade im Moment sieht nichts nach Versöhnung aus.
        Was deine Meinung über deine Erfahrung mit Qualität von Chinaschrott betrifftt, dürfte sie jene eines Konsumenten ausdrücken, der zwar nicht selbst schraubt, es jedoch nicht glauben mag, daß seine Vespa mit kaputter (China ?)Wasserpumpe auch den Motor kaputtet, soferne man damit im überhitzten Zustand weiterfährt.
        Sie ist demnach unmaßgeblich für Selbstschrauber.

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          • beleidigend ?
            Meinst Du meine Aufforderung zum Nachdenken ? Das wäre bloß eine Beleidigung für jemanden, dem man die Fähigkeit denken zu können, abspricht,
            oder nicht ?
            Was den kaputtgefahrenen Motor der Vespa betrifft: das kannst Du nachlesen in Mäxchens Blog, falls Du die Geschichte nicht ohnehin kennst – und genau deswegen ist ein solcher Spezialist aus meiner Sicht kein Maßstab für Beurteilung von Qualität, an der sich schrauben läßt. Zumal er ohne technische Kenntnisse schreibt, das ist Fakt (siehe die Beurteilung des Motorschadens…) und keinerlei praktische Erfahrung besitzt, da er schrauben LÄSST.
            Was nun Mäxchens ‚andere‘ Meinung zur ‚bereits jahrzehntelang guten‘ Qualität von Chinaschrott angeht: eine solche falsche Aussage beleidígt meine Intelligenz und die all jener, zu denen sich die Wertigkeit chinesischer Produkte offenbar noch nicht durchgesprochen hat. Das sind dann zumindest auch all jene dummen GS-Fahrer, denen das Hinterrad wegzubrechen drohte und die deswegen von Qualität made in PRC nicht mehr so ganz überzeugt sind…

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              • Tatsächlich – ich habe Dich verwechselt. Unterwegs habe ich nicht so viele Möglichkeiten im Inet als vor dem PC zuhause.Außerdem hat es heute im Süden großteils stark geregnet – sonst hätte ich verm gar nicht so viel geschrieben ;-) Ich denke, es lag an den beiden linken, teilverdeckten Gesichtshälften euer beider Avatars und meiner Schlampigkeit. Gemeint war kettenritzel.cc, der sich zwar mehrerer, aber nichtmal ähnlicher Namen bedient – tlw aber einer ähnlichen Sprache. Ich dachte eigentlich an eine versuchte Retourkutsche seinerseits für meine Bloßstellung in seinem Blog und jetzt ist wohl ein Link fällig – ich hoffe, Du nimmst meine einfache Entschuldigung für meine Zuweisung an Deine Adresse an.
                https://kettenritzel.cc/2018/04/10/die-erloesung-vom-schandkarren-fuer-die-vespa-300-gts/#comment-1823

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  1. Da gibt es ja noch so einige andere Hersteller mit interessanten günstigen Fahrzeugen, aber wenn die eben nicht bei Händlern stehen bzw kurzfristig verfügbar sind, finde ich es schwierig.
    Was mache ich denn, wenn mir das Ding nicht gefällt oder passt? In der EU gibts Widerrufsrecht bei Fernabsatz, das haben die Amis nicht.
    So ne Probefahrt vorher fände ich ja nicht übel.

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    • Über mobile und andere Verkaufsplattformen werden regelmäßig gebrauchte Moppeds (und da wäre ich noch viel vorsichtiger) ohne Besichtigung und Probefahrt gekauft und dann quer durch die Republik verschickt. Es gibt also einen Markt dafür. Probefahrten sind auch bei den Händlern der Etablierten nur bei einigen wenigen Modellen möglich.
      Mash, als ein Beispiel, hat ein Händlernetz und die 250 kosten dafür fast 4.000 Euro. Mopped Messen und Verkaufs- und Probefahrt-Tourneen wären eine Möglichkeit, die Moppeds anzufassen, und zu testen. CSC macht so etwas.

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      • Ich kann hier ja nur für mich sprechen, da ich ja auch schon über mobile etc gekauft habe. Das waren beide Male Händler, sprich mit Gewährleistung, und ich bin das Modell zumindest schon gefahren.

        Aber auch wenn nicht alle Modelle beim Händler stehen, wenn man wirklich eine Kaufabsicht hat, dann kümmern die sich auch das Fahrzeug ranzubekommen, das habe ich auch schon mitbekommen.

        Aber so ganz ohne Händler wird es eben schwierig und der Gebrauchtmarkt ist bei den Exoten einfach zu klein.

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