Wer will ein Mopped?

Oscar - Quelle PinterestÜberall wird von der Krise im Motorradmarkt geschrieben und von der düsteren Zukunft sowieso. Tatsächlich ging die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland von 2016 zu 2017 zurück, von ca. 180.000 auf ungefähr 145.000 laut Statista.
Bevor ich den Statistiken den Rücken kehre hier noch schnelle eine zweite. Die vorherigen Zahlen beziehen sich alle auf die Zahl der verkauften und zugelassenen fabrikneuen Moppeds. Im Gesamtbestand gibt es jedoch auch eine nicht unerhebliche Menge an Gebrauchten. Und solange mehr Moppeds verkauft als verschrottet werden steigt dieser Gesamtbestand, was er seit 2008 tut. Aktuell sind über 4,4 Mio Moppeds in Deutschland mit einem Nummernschild versehen.

Wunsch und Möglichkeit

Die Website Ultimate Motorcycling hat einen Artikel, der sich mit den Verkaufszahlen in den USA beschäftigt. Der Satz “Growing motorcycle sales is about two things – accessibility and desirability” aus dem Artikel ist eine übermäßige Simplifizierung der Situation, aber genau deshalb gefällt er mir. Frei übersetzt: Damit mehr Moppeds verkauft werden, müssen die Kunden den Wunsch und die Möglichkeit haben.
Ich behaupte jetzt einfach, die Möglichkeiten auf Produktseite sind bei uns gegeben. Es gibt überall Händler und viele Moppeds, die auch einsteigertauglich sind, für Fortgeschrittene sowieso. Wenn ein Händler doof oder unfreundlich ist, ist der nächste nicht weit.
Bleiben also zwei mögliche Gründe, warum jemand kein Mopped kauft:

  • Hindernisse wie zu wenig Geld, keinen Führerschein, keine Ausrüstung
  • Der Wunsch nach einem Mopped fehlt

Getreu dem Motto: Wo ein Wille, da ein Gebüsch, ignoriere ich einfach die Hindernisse.

Der fehlende Wunsch

Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, warum jemand kein Mopped fahren will, aber es gibt so Menschen. Wenn die Mopped Industrie an der eigenen Zukunft interessiert ist, muss sie wohl daran arbeiten, diesen Wunsch bei möglichst vielen Menschen zu wecken. Davon habe ich in den vergangenen Jahren nichts mitbekommen. Kann natürlich daran liegen, dass ich bereits Moppedfahrer bin, das glaube ich aber nicht. Ich denke, es gab einfach nichts Bemerkenswertes. Wenn einem von Euch etwas abseits von Viva La Mopped (meiner Meinung nach eher eine Einstiegshilfe als Wunscherweckung) einfällt, freue ich mich, wenn Ihr es in einen Kommentar packt.

Stimmung

Oscar Quelle Pinterest

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Abseits von Marketing-Kampagnen kommen aus der Motorradwelt jedoch eine Menge Signale, dass Moppedfahren ein Ding der Vergangenheit ist und immer weniger interessant wird. Die oben erwähnte allseits beschriebene Krise fällt mir da als erstes ein. Wer will schon bei einer Krise mitmachen? Positive Themen werden entweder nicht gesetzt oder nicht aufgegriffen.
Branchenintern wird nicht an einem Strang gezogen. Es ist ein Gegeneinander, nicht nur zwischen den Herstellern sondern auch zwischen einzelnen Herrstellern und Ihren Händlern. Der Moppedmarkt als Großes Ganzes wird zu Gunsten kurzfristiger Umsätze aus dem Blick verloren, auch zum Nachteil des Kunden.
Rückläufige Verkaufszahlen bei Zeitschriften und Insolvenzen wie bei der Fastbike, die auf die Faszinationen Technik und schnelles Moppedfahren gesetzt hatte, deuten zumindest in Richtung rückläufiges Interesse bei denen, die bereits fahren. Hier spielen jedoch mehrere Faktoren hinein, wie unter anderem die Probleme auf dem Anzeigemarkt und kostenlose, dabei aber schnellere Informationen im Internetz. Aber wenn die Medien jammern und zetern, dann kriegt das jeder mit, der diese Medien nutzt. 

Sport

Motorradrennfahrer sind hierzulande unbekannt. Wer einen Solchen ohne Helm im Interview sehen will muss eine Talkshow auf Servus TV aus Österreich gucken.
Da passt es gut ins Bild, dass die IDM als höchste deutsche Rennserie seit Jahren nur so gerade eben stattfindet und dieses Jahr die Einsteigerserien Yamaha 600 Cup und Northern Europe Cup ersatzlos gestrichen wurden.
Es gibt zwar auch Enduro, Motocross, Supermoto, Trial und Bahnsport in Deutschland, aber nur unter Ausschluss der Medien. Wer keine verwandtschaftlichen Verbindungen in diese Szenen hat, wird nur über obskure Kanälen oder große Zufällen mit ihnen in Kontakt kommen. Gefühlt ist es heute bei vielen Moppedeinsteigern auch so, es kommen nur solche, bei denen die Eltern auch fahren.
Ohne Zuschauer sind die einzigen Kunden, die es im Motorsport gibt, die Aktiven. Das kann nicht im Interesse der Branche sein.

Im TV

Es gibt in Deutschland 2,36 Mio Ski-Langläufer, sagt der DSV auf seiner Website.

Das iOscar - Quelle Pinterestst ein bisschen mehr als 50% der zugelassenen Moppeds. Trotzdem wird im öffentlich-rechtlichen TV viel mehr Sendezeit mit Langläufen gefüllt als mit Moppedrennen.
In Deutschland wird das Interesse an Handfeuerwaffen und Schießsport sehr skeptisch gesehen und gerne mal in einen verfassungs- und gesellschaftsfeindlichen Topf geworfe
n – außer es ist Biathlon.
Es geht also, dass über Randgruppen und deren eigentlich suspekte Tätigkeit medial positiv und auf breiter Front berichtet wird. Warum ist ein Mensch, der mit einem Gewehr auf de
m Rücken durch den Wald rennt ein besseres Vorbild für die zuschauenden Kinder und Jugendlichen als einer der ohne Gewehr aber mit dem Mopped im Kreis fährt oder die Welt erkundet?

Filme

Was hat in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass Menschen Mopped fahren wollten? Annekdotisch werden immer wieder die Honda-Kampagne “You meet the nicest people” erwähnt und die Filme “The Wild One”, “Easy Rider” oder “The Long Way Round”. Zumindest bei den Spielfilmen halte ich das für Bullshit. Easy Rider kam 1969 in die Kinos, im Jahr 1970 wurden in Deutschland 8.892 Moppeds verkauft. Andererseits haben diese Filme das Mopped jedoch stark mit Werten wie Freiheit und Rebellion aufgeladen (oder war es andersherum?), Werte die in der heutigen Gesellschaft nicht mehr gefragt sind und mit Unsicherheit und Terrorismus verwechselt werden.

Werte

Oscar - Quelle PinterestWir leben in einer Zeit, in der bei uns alles im Überfluss vorhanden ist. Die überwiegende Mehrheit muss sich nicht fragen: Wie überlebe ich heute? Die Frage ist viel mehr: Wofür gebe ich mein Geld denn jetzt noch aus?
Profane Gebrauchsgegenstände werden mit Werten aufgeladen, die sie begehrenswert machen. Für welche Werte steht denn das Mopped heute? Praktisch kommt sicherlich wenigen Menschen hierzulande in den Sinn, dabei wimmelt es in südeuropäischen Innenstädten von Rollern und Moppeds, weil dort erkannt wurde, dass sie praktisch sind.
Niemand muss Angst haben, dass eine Kampagne für praktischen Nutzwert von Moppeds in Ballungsräumen den Zahnwalt davon abhalten wird mit seinem nagelneuen limitierten Supersportler zwei oder drei Wochenenden im Jahr über eine Rennstrecke zu fahren. Ein und dasselbe Auto kann auch für wirtschaftlichen Erfolg und Impotenz stehen.
Jetzt, wo das Frühjahr kommt, werden wir auf ZDF und Co. wieder sehen können, dass das Mopped für Lärm, Raserei und Tod steht. Die entsprechenden Formate wurden in den vergangenen Jahren immer wieder ausgestrahlt. Hier kommt aus der Branche kein Widerstand, kein Motorrad-Tourismusverband verschafft sich Gehör, keine Studie belegt, dass die empfundene Lärm-Belastung nur subjektiv ist, weil Moppeds das Image des Störenfrieds haben.

Oder kurz: Solange das Mopped für Werte von gestern steht, braucht sich niemand wundern, wenn die Gesellschafft von heute sich kein Mopped wünscht.

 

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16 Gedanken zu „Wer will ein Mopped?

  1. Ich kann den Gedanken folgen und verstehe was Du meinst, habe auch erst gedacht, ja, alles blöd.
    Aber andererseits habe ich aufgehört, nur Deutschland zu betrachten und denke mir, in anderen Ländern sind Moppeds alltäglich und mehr vertreten. Im Ernstfall bleiben dan noch EU-Importe, falls bei uns mal nix Neues mehr verkauft werden sollte.

    Bezüglich dem Vergleich zum Sport, da gibts noch mehr in anderen Bereichen, die im TV maximal als Randnotiz auftauchen.
    Tour de France kennt man noch, aber Bahnrad oder Radball nicht mehr.
    Olympische Spiele stellen da immer eine Ausnahme dar, wenn es normale Meisterschaften in bestimmten Sportarten gibt, wird da ja auch nix gezeigt.

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    • Mit dem internationalen Ansatz hast du natürlich recht, was die Hersteller angeht, aber die Läden und Werkstätte sollten dann doch in der Nähe sein.
      Radball gibt es wirklich selten zu sehen, dafür aber andere Ballsportarten.

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      • Bei Werkstätten mache ich mir noch weniger Sorgen, die Freoen sind ja überwiegend wegen der älteren Fahrzeuge gefragt. In der Regel fahren die Neukäufer ja noch zum Vertragshändler, solange da was wegen Garantie ist und danach wird nach günstigen Alternativen geschaut.

        Ich bin zwar noch jung, aber komme ja aus einer Welt der Mangelwirtschaft und da gab es ja damals schon Leute, die Exoten fuhren, die man nicht regulär bei uns kaufen konnte und die haben auch Lösungen gefunden. 😉

        Damals war das mit dem Moppednachwuchs nicht so schwierig, da gabs einen großen Gebrauchtmarkt und man musste nicht so lange auf ein Neufahrzeug warten wie bei Autos. War aber eben auch ein reines Zweckfahrzeug in erster Linie.
        Lastenseitenwagen kennt man ja heute gar nicht mehr.

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  2. Kommentar von Richard Anacker auf Google+ https://plus.google.com/104905809751971879641
    „dass das Mopped für Lärm, Raserei und Tod steht“
    Yup. Und zu Recht.
    In meiner Umgebung fahren seit kurzem wieder relativ(sic!) viele 125er und an Erwachsenen-Krädern hauptsächlich Harleys herum. Die einen pilotiert von Buben, deren Potential reziprok zum Vorwärtsdrang steht, die anderen geritten von Menschen, denen anscheinend die Schall-Schleppe, die sie hinter sich her ziehen, wichtiger ist als gute Bremsen oder Fahrdynamik.
    Um den Punkt Tod zu verdeutlichen reicht ein Blick in die Unfallstatistik: 50% der Unfälle sind Allein-Unfälle und vom Rest geht etwa ein Drittel hauptsächlich zu lasten der Kradler, allso zusammen etwa 2/3 der Unfälle. Ich bin zu faul jetzt zu recherchieren, aber ich erinnere mich dumpf an die etwa 13-fach höhere Chance, auf dem Mopped tötlich zu verunfallen als in der Dose, der Kradist steht ganz oben auf der Liste der Verkehrstoten, weit vor jeder anderen Verkehrsteilnehmer-Gattung.

    Zur Freiheit: Ich bin in späten 60ern ff Spaß-mäßig sozialisiert worden – als noch (alles selbst erlebt) Familienväter übergriffig wurden, wenn man an der Haltestelle mit der Freundin geknutscht hat, als der Lehrer dich noch nach hause schickte, weil die Strümofe nicht zur Hose passten – nachdem er dir eine gescheuert hat, wo in den Parlamenten noch ein guter Prozentsatz Altnazis saß und du mit langen Haaren als Gammler tituliert wurdest. Ich schätze, viele meiner Generation haben sich so gefühlt wie heute Türkischstämmige oder Flüchtende: Wie? Du hast noch nichts geleistet, willst aber mitreden? Ja, für mich hatte moppedfahren etwas von Abgrenzung, anders sein als der Mief, live fast, die young.
    Meiner Beobachtung nach ist „Motorrad“ heute meist wie Ballermann – ein Event, das allerdings zu viel Zeit in Anspruch nimmt und zu teuer ist.

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  3. Ich denke es hat in den letzten Jahren auch eine Verschiebung innerhalb des Sports stattgefunden. Ich habe in den 90ern mit dem Motorradfahren angefangen. Die „coolen Bikes“ damals waren natürlich die Supersportler. Man hat sich entsprechende Zeitschriften gekauft und wollte auch selbst sowas fahren.
    Heute schätze ich, dass sich das Interesse, gerade bei neuen Motorrädern, eher in den „Adventure“ Bereich verlagert hat. Ich selbst bin nach langer Pause vor ein paar Jahren auch dadurch wieder aufs Motorrad gestiegen, fahre inzwischen eine Enduro und es wird eher die „Motorrad Abenteuer“ gelesen. Mit dem Rennsport auf Beton (egal ob 2 oder 4 Räder), kann ich heute nichts mehr anfangen.
    Was leider trotzdem nicht dazu führt, dass die Rallye Dakar eine entsprechende mediale Beachtung erfährt. Ganz zu schweigen von den ganzen anderen Rallyes im europäischen Raum, deren Namen kein Schwein kennt. Am 2. Januar 2017 bin ich morgens zur Arbeit gefahren und war voller Vorfreude, weil die Dakar an diesem Tag anfing. Im Radio begann einer der Moderatoren seine Einleitung damit, dass er heute über ein großes internationales Sportereignis berichten müsse. Endlich dachte ich, wird auch mal was im Radio über die Dakar berichtet und ich brauche nicht bis kurz vor Mitternacht zu warten um die paar Schnipsel auf Eurosport zu sehen. Als er dann tatsächlich die Worte „Darts WM“ ausgesprochen hatte, wäre ich mit dem Auto fast in den Graben gefahren. Darts WM??? Internationales Sportereignis??? WTF!
    Wenn die Leute inzwischen tatsächlich eine Darts-WM spannender finden, als die Dakar, sind wir wirklich auf einem Tiefpunkt angekommen!
    Vielleicht liegt es daran, dass die Leute sich nicht mehr trauen zu träumen, oder für Sachen zu interessieren, die für sie nicht direkt greifbar sind… Nen Pfeil in ne Korkscheibe zu werfen ist wohl inzwischen das Maximum an Aufregung, was sich die Gesellschaft noch zutraut.

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  4. Moppedfahren ein Ding der Vergangenheit

    Juchhu, na das ist doch mal ne gute Nachricht. Doch nicht nur Moppedfahren, fahren überhaupt.
    Die Autos brauchen heute schon keine Fahrer mehr, die sind sogar besser und sicherer ohne unterwegs. Was mich bei den Fähigkeiten der meisten von uns auch nicht wundert. Eine wunderbare Zukunft steht uns bevor. Herrrlich, keiner muß mehr raus. Motorradhändler die sich angewöhnt haben, Emotionen zu verkaufen, können dies dann auch von Zuhause aus. Zweiradmechaniker die für eine Fehlerdiagnose am Motorrad ein Diagnosegerät anschließen müßen, die können das auch von Zuhause aus. Drohnen übernehmen die Versorgung von Otto Normal. Und die ewig Gestrigen und die die noch wissen wie man Öl wechselt, haben freie Fahrt.
    Ich sehe eine goldene Zukunft. Nur, wen kann ich dann noch überholen?

    LIEBEn Gruß
    rudi rüpel

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  5. Ganz klar: Der demografische Wandel ist schuld. Weniger junge Leute kaufen also weniger Motorräder. Und die nächste Generation isst anscheinend glutenfreie Gelpads anstatt sich mit Lego ein Motorrad zusammenzubauen. ;)

    Wobei die Fraktion der Neukäufer wohl eher jenseits der 30 abgeschlossenen Lebensjahre zu suchen ist. Mal eben 7’000 bis 16’000 Euro für eine neue Maschine hinzulegen während der für’s Studium als Transportmittel gekaufte Astra G Öl verliert ist eher untypisch.

    Das Schöne an Statistiken: Man kann bei der Lesart teilweise sehr wählerisch sein. Ich bin für ein Venn-Diagramm der motorradfahrenden Langläufer. :D

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    • Leider gibt es keine Statistiken mit tatsächlicher Aussagekraft zum Alter Mopped-Käufern, die ich gefunden habe, weder für Neue, noch für gebrauchte Moppeds.
      Falls Du oder jemand anders etwas findet, hätte ich gerne einen Link.

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  6. Ich wäre ganz zufrieden mit der Situation, so sie darauf hinausliefe, daß es zukünftig wieder weniger Moppets auf den Straßen gibt; ich bin eben kein Motorrad-Journalist, der von berichtenswerten Ereignissen in diesem Spektrum leben möchte, so er seriös ist.
    Den Kommentar des Richard Anacker kann ich gut nachempfinden und wundere mich, daß er bisher nur mir gefällt – dies mag durchaus am Alter derjenigen liegen, welche die persönlich gefärbte Schilderung des zeitgeistimmanenten Verhaltens der Altvorderen nicht nachfühlen können. Doch sonst ? Inwieweit irrt der Kommentar ?
    Ganz egoistisch gesehen, wäre es mir viel lieber, träfe ich zukünftig wieder mehr auf motorradfahrende Typen mit Hipsterbärten oder elektronikbegeisterte Reisende mit fixen Ideen, ein angeschlagenes Moppet wider jede Vernunft gut nach Hause zu bringen. Damit spreche ich die Austauschbarkeit jener Typen an, die ‚auch‘ Moppet fahren; eben weil es zum Standard wurde wie BlueRayHeimkino – sei es aus Gründen der zweckdienlichen Mittel, die in der Portokasse vorhanden sind oder weil die Gehirnwäschewerbung erfolgreich Vorgaben machte und das immer besser kann. Die braucht kein Mensch auf der Straße, außer der angeschlossenen Industrie.
    Zahlen wie etwa 8k verkaufte neue Moppets in Deutschland wirken auf mich sehr ansprechend – auf Ösien bezogen wären das vielleicht 800, ich schätze mal nur, es ist eine Wunschzahl. Innerhalb dieser erhofte ich mir eine Menge Individualität, die sich großteils abseits jener Trampelpfade bewegt, welche sich die abgehoben gebende Einsilbigkeit jede Woche neu auf der Tube gegenseitig innig bestätigt – für welche das Erlebnis moppetfahren nicht mehr als ein graues Band, angebliche kulinarische Leckerbissen und sonstige Nonsensabenteuer ist, die sie für ‚kulturell‘ obligat hält. Unterhaltungen abseits von markenbenzingeschwängerten Binsenweisheiten sind mit diesem Klientel nicht möglich, deren laute Aufdringlichkeit ist eine menschenunzumutbare Unmöglichkeit. Im Klartext: der Großteil der ‚Biker‘ ist nach meinem Empfinden eine soziale Wohlstandsseuche, die künstlich erzeugt und so lange als möglich am Leben gehalten werden wird. Sollte sie wider Erwarten schneller verschwinden, als der Verbraucherpreisindex dies schließen läßt, wäre mir dies nur recht.

    Ja – die theoretische Vorstellung schrumpfender Nummerntafelzahlen im Krachmachersektor versüßt mir den Tag – den ich aus (wie weiter oben beschrieben) praktischen Gründen mit dem 50er ZweitaktRolla herzblutmäßig mitteleuropäisch durchfahren werde und mir dabei wie ein Großer vorkommen darf – weil ich wahrscheinlich wieder einmal als singuläres Motorzweirad in weiten Abschnitten des Stadtverkehrs die winterlich hirnverstopften Dosenfahrer daran erinnern werde, daß es uns noch gibt … ;-)

    Gefällt 1 Person

    • Ich hatte Richards Kommentar extra von G+ hierher kopiert, weil ich auf Reaktionen gehofft habe.
      Aktuell, und im Winter sowieso, kann ich schön alleine fahren und pausieren. Mir persönlich reicht es auch, wenn ich ein Mopped zum fahren habe. Solange ich im Notfall eine Werkstatt finde und Ersatzteile bekomme bin ich zufrieden. Aber ich bin auch faul und will die Werkstatt in der Nähe haben und nicht wochenlang auf Ersatzteile warten müssen, dafür ist eine gesunde Moppedindustrie hilfreich. Gesund bedeutet dabei nicht unbedingt mehr verkaufte neue Moppeds,

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      • Ich finde zwar den Kommentar nicht unter dem Link, auch nicht weiterführend, aber die Seite gibt Einiges her – bekennende, skeptische Ironisten, welche die tägliche Praxis erleben (müssen), sind viell. die besten Parameter des Ist-Zustandes einer Sache.

        Die ‚gesunde Industrie des eigenen Landes‘ existiert leider nicht mehr – denn die läßt in cHinien fertigen und dies liegt am anderen Ende der Welt, nicht nur geographisch. Welche Marken, außer den cHinesischen, hier genannt werden könnten, weißt Du besser als ich – ein aktuelles Beispiel aus meiner Umgebung: Ein Kühler für eine K1300 – geordert Anfang Juli, geliefert Ende August, dafür aber in Originalverpackung – das schafft nicht endenwollende (?) Freude am Fahren … aber gut; mag ein Einzelfall sein.
        Nachdem ich früher schonmal, wie Du richtig schreibst, wochenlang auf Honda 450-Teile wartete, fand ich es ganz toll, daß ich auf Anhieb in GR eine passende Kette für eine XT im nächstbesten MotoSchuppen fand – heute keine Sache mehr, denn auch Ori-Teile hätten nur max. 2 Kalendertage aus Athen in den Norden gebraucht – theoretisch … ;)
        Ich denke, die unersättliche Gier wird den positiven Nebeneffekt der Verfügbarkeit von E-Teilen langsam auffressen – einfach aus wirtschaftlicher Notwendigkeit wie anno dazumals; wobei E-Moppets die Branche viell. ein wenig hoffen lassen. Damit kann man sogar manche grünen Ewiggestrigen, für die Strom wenig hinterfragt aus der neutralen Steckdose kommt, aus ihren ökologisch unbedarften Reservaten locken.

        Nebenbei: Süchtige Typen, die ihr Moppet zB unter einem umgestürzten Baum durchschleifen um weiterfahren zu können, sorgen zumeist für sicherheitstechnische Verwunderung (wie sieht die Straße weiter vorne aus…) oder sind echtheitszertifikatsmäßig aus dem Schneider, je nach Standort.

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