Quo Vadis Mopped-Markt?

In den letzten Tagen haben mich einige Meldungen auf Motofire ins Grübeln gebracht.

Harley-Davidson

Harley-Davidson wird 2017 weniger Moppeds bauen, damit die Händler Überbestände von 2016 abverkaufen können (gut für die Händler, kurzfristig schlecht für die Mutterfirma). Damit werden höchst wahrscheinlich die Umsätze der Company weiter zurückgehen. Harley hatte 2016 in den USA (-3,9%) und in Lateinamerika (-13,2%) weniger Moppeds verkauft als im Vorjahr. In den anderen Märkten konnten die Stückzahlen gesteigert werden, aber da in den USA 168k Stück von insgesamt 264k verkauft werden, gibt das ein Gesamtminus von 1,6%.
Außerdem erklärte die Firma aus Milwaukee, dass in den nächsten fünf Jahren 50 neuen Moppeds auf den Markt kommen sollen und dass man in den nächsten 10 Jahren eine ganz neue Generation an H-D Fahrern aufbauen werde.

Oscar Quelle Pinterest

Quelle: Pinterest

Wobei mir nicht so ganz klar ist, was bei H-D mit einem neuen Modell gemeint ist. Meinen die damit wirklich etwas neu konstruiertes, oder nur eine neue Kombination alter, vorhandener Teile mit neuem Namen, das hat dort bekanntlich eine lange Tradition? Die aktuelle Einsteigerreihe hat zwei verschiedene Rahmen und zwei verschiedene Motoren und kommt damit auf drei Modelle. Die Sportster (ein Rahmen, zwei Motoren) kommt durch verschiedenen Anbauteile schon auf sechs Modelle.
Allerdings hat H-D in den letzten Jahren bereits viel wirklich Neues gebracht: neue Motoren, neue Rahmen, ganz neue Modellreihen.
Wie sportlich die Ankündigung von 50 neuen Modellen wirklich ist, zeigt ein Blick auf die aktuelle Website von H-D USA, auf der für 2017 „nur“ 38 Modelle angeboten werden.

Indien

Oscar - Quelle Pinterest

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Eine andere Meldung betrifft die beiden indischen Hersteller Bajaj (Exporte -18%) und Hero % zurück (Exporte -16%). Insgesamt gingen die Exporte der indischen Motorradindustrie um 10,5% zurück.
Die Inder liefern ganz andere Moppeds als H-D aus und das großteils in ganz andere Märkte. Die leichten, und preiswerten Moppeds gehen in großer Zahl in afrikanische, arabische und südamerikanische Märkte. Die dortigen politischen Unsicherheiten wird als Hauptursache für den Rückgang gesehen und man erwartet, dass es in ein paar Monaten wieder bergauf geht. Warten wir es ab, ob dort nicht aufs Auto umgestiegen wird.

Häh?

Wieso packe ich diese Meldungen hier zusammen? Ich denke, der Motorradmarkt entwickelt sich weltweit weiter. In den USA, wo die Nicest People [Google Bildersuche] schon viele Jahre vor den Europäern aufs Freizeit-Mopped gestiegen sind, geben diese netten Menschen bereits vermehrt den Führerschein und Löffel ab, so dass neue nette Leute fürs Mopped begeistert werden wollen.
Die Easy Rider [Google Bildersuche] sterben aus, Harley braucht ein neues Role Model für die Zukunft. Und die wollen neue und andere Moppeds um Ihre Zweirad-Karriere zu starten. Welche das sein werden, ist H-D noch nicht ganz klar, daher sollen nicht zwei oder drei neue Modelle kommen, sondern 50. Ich gehe davon aus, dass dabei von den 110 Cubic Inch in Richtung weniger Hubraum gegangen wird.

In Indien wird man sich um stabilere Exportzahlen bemühen. Da bieten sich stabile Märkte wie die USA und Europa an. Dort werden jedoch größere Moppeds gefahren als das, was die Hersteller momentan als Big Bike im Angebot haben. Ich gehe davon aus, dass die Entwicklung von 300 ccm in Richtung mehr Hubraum gehen wird.

Und Japan?

Oscar - Quelle Pinterest

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Honda ist zumindest in den USA bereits dort, wo die Einsteiger sind. Inklusive der Grom, der bei uns MSX heißt (als 125er habe ich sie unten in der Übersicht nicht berücksichtigt), bieten sie 10 Moppeds bis 500 ccm an; neue Moppeds, keine Überbleibsel aus vorvergangenen Zeiten.
Wenn die ollen Kamellen auch zählen, dann haben auch die anderen Japaner in Amerika viel zu bieten. Bei uns ist das Angebot deutlich schmaler. Ob das daran liegt, dass in Europa der Generationswechsel später erwartet wird, oder daran, dass niemand so richtig geguckt hat, wird die Zukunft zeigen.

Aktuelles Angebot in USA und DE

Hier eine Auflistung der Anzahl einsteigerfreundlicher Moppeds zwischen 125 und 500 ccm.

Hätte ich die Grenze bei 48 PS gezogen, wären für Deutschland noch mehr Modelle hinzugekommen, weil es hier einige größere Moppeds in einer gedrosselten Ausführung gibt. Diese Modelle zähle ich jedoch nicht zu den Einsteiger-Bikes. Aus den USA hätten sich noch einige 650er Dualsports mit offen unter 48 PS hinzugesellt und die Kluft noch größer gemacht. Diese 650er sind jedoch ausnahmslos sehr alte Konstruktionen ohne Chance auf Euro 4.

  • Honda: USA 9 / DE 6
  • Suzuki USA 8 / DE 1
  • Yamaha USA 6 / DE 2
  • Kawasaki USA 2 / 2 (Z 300 nur in DE, die Ninja 300 nur in den USA)
  • Harley USA 1 / DE 0

Einige USA Modelle sind bei uns spätestens durch die Euro 4 verschwunden (z.B. SR 400), andere schon vor Jahrzehnten (DRZ 400). Diese Modelle werden mit Sicherheit kein ABS und keinen Diagnosestecker für die Euro 4 bekommen. Solche Moppeds sind in der Übersicht vor allem bei Yam und Suzi zu finden.

Harley als Vorreiter – wer hätte das gedacht?

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4 Gedanken zu „Quo Vadis Mopped-Markt?

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