Off-Road Sportarten mit dem Mopped

Motocross, Hard-Enduro, Trial, Rally, EnduroCross, Supermoto, Freestyle, Ach-Du-Jemineh und mehr sind alles Sportarten, die mit einem Off-Road Motorrad betrieben werden. Das ist für die meisten ein wenig verwirrend und daher versuche ich mich hier mal an kurzen Beschreibungen ohne bei Wikipedia zu spicken. Ich bin mir sicher, dass es da draußen noch ein paar weitere Sportarten gibt, die hier fehlen, aber dafür gibt es ja die Kommentare da unten.

Motocross

Ein kurzer Rundkurs im Gelände mit Steilkurven, Sprüngen und Wellen. Es ist eine gebaute Rennstrecke, so wie für die Formel 1 nur ohne Asphalt. Alle starten gemeinsam und wer als erster eine bestimmte Anzahl an Runden gefahren hat ist der Sieger. Die Strecke ist meistens leicht zu fahren, die Herausforderung liegt in der Geschwindigkeit. Die Moppeds haben keine Straßenzulassung.

Enduro

Ein großer Rundkurs, der gerne auch mal mit künstlichen Hindernissen wie Betonröhren, Autoreifen oder Baumstämmen angereichert ist. Endurorennen sind meist deutlich länger als Cross-Rennen und es geht durch echtes Gelände anstatt durch einen gebauten Kurs. Häufig wird auf Zeit gefahren, die Teilnehmer starten einzeln oder in kleinen Gruppen. Wer die Strecke am schnellsten schafft hat gewonnen. Die Strecke ist schwer zu befahren und alleine das Ankommen ist schon ein kleiner Erfolg.
Es gibt auch Stunden-Enduros, in denen in einer bestimmten Zeit möglichst viele Runden gefahren werden müssen.
Enduro kommt aus dem spanischartigen und hat was mit Ausdauer zu tun, daher sind die Rennen meist mehrere Stunden lang. Die Moppeds haben oft eine Straßenzulassung und Beleuchtung.

Endurocross

Ist, wie der Name nahe legt, eine Mischung aus Cross und Enduro. Ein kurzer Rundkurs wie beim Moto Cross aber mit zusätzlichen Hindernissen wie Steinfeldern, Baumstämmen oder Wassergräben. Die Hindernisse machen es schwerer zu befahren als reine Crossstrecken. Es gibt Massenstarts und wer zuerst ankommt hat gewonnen.

Hard Enduro

Sammelsurium von verschiedenen Veranstaltungen bei denen der Schwerpunkt auf einer möglichst schwer zu bewältigenden Strecke ist. Wie ein Hindernis überwunden wird ist egal, wer mag kann das Mopped werfen oder tragen. Das Ziel erreichen in der Regel nur wenige Fahrer, der Rest scheitert glorreich.

Trial

Kurze sehr schwer zu befahrende Sektionen. Die Hindernisse müssen auf dem Mopped fahrend überwunden werden, wer einen Fuß absetzt bekommt einen Strafpunkt, wer mehr Füße absetzt oder umfällt bekommt mehr Strafpunkte und der mit den wenigsten Strafpunkten gewinnt. Manchmal gibt es auch Strafpunkte für Stillstand oder wenn zu langsam gefahren wurde. Im Wettbewerb werden meistens Trial-Motorräder ohne Straßenzulassung gefahren.

Rally

Meistens sehr lange Strecken. Der Kurs ist nicht ausgesteckt sondern muss mithilfe von Roadbook und GPS selbst gefunden werden. Es gibt Verbindungsetappen, die im normalen Straßenverkehr gefahren werden und Sonderprüfungen auf Zeit. In der Regel wird einzeln gestartet und wer die kürzeste Zeit benötigt gewinnt. Wer den Start zu spät findet oder einen Checkpunkt auslässt bekommt eine Strafzeit zusätzlich zur gefahrenen Zeit. Die Moppeds haben Straßenzulassung.

Supermoto

Ein kleiner asphaltierter Rundkurs mit engen Kurven und meistens mit einem kleinen nicht asphaltiertem Anteil mit Motocross-Elementen wie Steilkurve und Sprunghügel; Massenstarts und wer zuerst im Ziel ist hat gewonnen. Gefahren wird meist mit Off-Road Motorrädern mit Straßenreifen ohne Straßenzulassung.

FMX – Freestyle Motocross

Ist in meinen Augen kein Sport, weil die objektive Mess- und Vergleichbarkeit fehlt. Es geht um möglichst spektakuläre Shows mit Motocross Motorrädern und Sprunghügeln. Trotzdem gibt es FMX-Wettkämpfe, ähnlich wie beim Turnen oder Tanzen werden die Shows mit Punkten und Schwierigkeitsgraden bewertet, wer die meisten Punkte hat gewinnt. Extrem spektakulär.

Ein bisschen flach – Erzberg 2015 Berichterstattung

Mit dem Mopped durch den Steinbruch fahren, das hat wohl fast jeder schon mal gemacht, der im Laufe seiner Zweirad-Karriere eine Enduro oder ähnliches in der Garage hatte.

So was in der Art ist das Erzberg Rodeo, das dieses Jahr zum 21. Mal stattfand. Allerdings treffen sich dort nicht nur einfach ein paar Mopped-Jungs, sondern die Weltelite der Hard-Enduro Fahrer, eine paar Breitensportler und alles dazwischen. Das sind so viele, dass über einen Prolog die 500 Startplätze für das Hauptrennen, den Hare Scramble, ausgefahren werden. Diese 500 müssen dann im Tagebaugebiet Erzberg ein bisschen hoch und runter fahren und durchs Ziel. Zwischendurch sind einige Checkpunkte, die die Fahrer ansteuern müssen, wer einen davon auslässt, wird nur bis zum letzten regulären Punkt gewertet, Strafzeiten gibt es nicht. Die Strecke von ca. 30 km Länge ist dabei so gewählt, dass nur ein Bruchteil der Starter es in den gegebenen vier Stunden Renndauer bis ins Ziel schaffen kann. Letztes Jahr war der Schnellste schon nach 1:37h im Ziel, die Strecke war also zu leicht. Dieses Jahr wurde der Streckenverlauf geändert und verlängert. Der neu hinzugekommene Abschnitt namens Downton war so hart, dass die ersten fünf, die bis zum Ziel kamen, es nur schafften, weil sie sich und Ihre Moppeds gegenseitig nach oben zogen.

Für ein Wettrennen ist es schon mehr als nur ein bisschen außergewöhnlich, wenn die Topstars, die um den Sieg kämpfen, sich gegenseitig durch die Sektion helfen. In etwa so, als wenn Vettel und Hamilton erst Rossbergs Auto schieben und dann alle drei zusammen die anderen. Zugegeben, beim Erzberg gibt es nur einen Stein zu gewinnen und kein Preisgeld, aber trotzdem.

Das keiner der Top-Stars alleine durch diesen Abschnitt kam sagt einiges über die Schwierigkeit aus. Fünf Fahrer bildeten die Seilschaft an der Spitze und obwohl der Kurs so gebaut ist, dass nur ein Mopped gleichzeitig durch das Ziel passt und sie nacheinander ankamen, wurden vier von Ihnen zum Sieger erklärt und einer zurückgesetzt, weil er vorher einen Checkpunkt ausgelassen hatte.

Ich weiß nicht, ob die Fahrer schon vor der Zieldurchfahrt wussten, dass sie alle gleichermaßen zum Sieger erklärt werden oder ob sie einfach untereinander abgesprochen hatten in welcher Reihenfolge sie gemeinsam in Ziel fahren (und somit einem Konkurrenten einen möglichen Sieg schenken) und habe dazu leider auch keine Informationen gefunden. Das wäre einer der Fragen gewesen, die ich gerne in einem Interview gestellt hätte, leider hat das niemand gefragt oder die Antwort dazu nicht auffindbar ins Netz gestellt. Schade.

Aber da gibt es noch etwas, dass ich viel dringender wissen möchte. Fünf der weltbesten Enduro Fahrer schaffen es nur gemeinsam und mit gegenseitiger Hilfe ins Ziel und 23 Sekunden hinter ihnen kommt noch ein sechster Fahrer an, Mario Roman.

Hat er es ganz alleine durch den Wald geschafft, in dem die anderen scheiterten? Ja, hat er, schreibt Redbull.com in einem Nebensatz, und damit ist er mein heimlicher Sieger!

Warum zum Teufel schreibt da keiner was zu? Warum sind die ganzen Sportreporter vor Ort, wenn sie nur die Ergebnislisten abschreiben, wo sind die ganzen anderen Stories für die man vor Ort sein muss?

Alle freuen sich, zu recht, darüber dass vier Spitzensportler gemeinsam gewinnen, aber keiner schreibt darüber, dass einer es alleine geschafft hat.

Die Platzierungen:

1.Andreas Lettenbichler
1.Alfredo Gomez
1.Jonny Walker
1.Graham Jarvis

5. Mario Roman

Wade Young, der vor dem Ziel wegen einem verpassten Wegpunkt herausgenommen wurde, ist am Ende als 13. gewertet worden.

Von den 500 Startern haben es 79 nicht mal bis zum ersten Checkpunkt geschafft.

Gesamtergebnis Erzber Rodeo Hare Scramble (PDF)

Dieser Blog ist privat

Ich war am Wochenende auf der Nebenan in Hamburg, einer Konferenz für Leute die das Internetz nutzen. Dort kam kurz die Diskussion auf, warum ein Spiegel Journalist in seiner Twitter-Bio schreibt, sein Account sei „privat“ – erstens sei es Quatsch, weil man zwischen privat und Beruf nicht trennen könne und zweitens müsste es „persönlich“ heißen, so der Einwurf von den billigen Plätzen.

Dieser Einwurf ist natürlich noch viel mehr Quatsch als alles, was in dem mir unbekannten Twitterstream samt Bio des möglicherweise nicht mal existenten Spiegel Journalisten stehen könnte.

Ich wollte bei so einem Dummfug keine Diskussion vom Zaun brechen, ich lasse Leute lieber dumm sterben als mir den Mund fusselig zu reden und dann doch nur auf Ignoranz zu stoßen.

Nach dieser ausführlicheren Einleitung kommt jetzt der Hauptteil, der viel kürzer ist.

Dieser Blog ist privat.
Das erkennt Ihr daran, dass ich hier »Scheiße« schreibe, wenn etwas scheiße ist. Wäre es beruflicher Blog würde ich es wahrscheinlich »fäkaloid« nennen, außer wenn es ein Fachblog für Kloverstopfung wäre, dann würde ich selbstverständlich die korrekten Fachtermini verwenden.

Hier darf ich fahren – die TRF

Bei uns in Deutschland ist die Rechtslage für mich als Laien ziemlich unklar. In anderen Ländern sieht es da ganz anders aus. Mit sehr viel Freude blicke ich auf die Insel jenseits des Kanals, in England und Wales (und möglicherweise auch in Schottland) gibt es BOATS, und damit sind keine kleinen Schiffe gemeint, die dort wohl ebenfalls gibt, sondern 6.000 Meilen (mehr als 9.500 km) Byways Open to All Traffic. Die Streckenlänge reicht aus, um eine ganze Rally Dakar im UK zu fahren.
Die Dakar 2015 hatte für Moppeds 4.752 km Sonderprüfung plus 4.543 km Verbindungsetappen, also 9.295 km insgesamt (laut Planung), die Strecke für PKW und LKW war kürzer.

Endorwanderung, Foto TRF Trail Riders Fellowship

Foto: TRF

 

Das ist schon ziemlich cool, dass es so etwas dort gibt und damit es so bleibt, gibt es im UK einen Verein, die Trail Riders Fellowship (TRF), die dafür sorgt, dass diese Strecken auch offen bleiben und sie fleißig nutzt.

TRF Logo -Trail Riders Fellowship

Wer gut Englisch versteht, dem lege ich die TRF Webseiten ans Herz.

TRF bei Facebook

 

Natürlich darf man auch dort nicht einfach jeden Weg befahren aber auf guten Karten sind die BOATS zu finden und das ist ja schon mal was. Und mit einem Verein als Ansprechpartner ist es natürlich deutlich einfacher auch legale Strecke zu finden oder gar einen ortskundigen Vorfahrer.

Ich weiß schon, was ich bei meinem nächsten Besuch auf der Insel machen werde.

P.S.

Auch in anderen Ländern in unserer Nachbarschaft gibt es ganz viele legale Möglichkeiten im Dreck zu spielen, aber gibt es dort auch so etwas wie die TRF? Wenn Du was weißt, schreib einen Kommentar.

Enduro Wanderung TRF Trail Riders Fellowship

Foto: TRF

Darf ich hier fahren?

Wer mit einer Enduro fährt möchte diese womöglich auch mal abseits geteerter Straßen bewegen. Solch eine Straße muss man hierzulande erst mal finden. Ist sie gefunden, stellt sich die Frage, darf ich hier fahren?
Und wie fast immer im Leben gibt es auf eine einfache Frage keine einfache Antwort. Oder auch, egal was Du machst, mit einem Rad parkst Du im Knast.
Zusätzlich zu dem, was juristisch erlaubt ist gilt selbstverständlich:
Wo kein Kläger, da kein Richter.
Aber auch: Nicht jeder Kläger kriegt recht.

Kompliziert? Nach lange nicht. Nehmen wir mal an, wir ständen hier:

Feldweg und Landstraße

Das Bild habe ich von einer Landstraße aus aufgenommen. Wie Ihr sehen könnt, wird der asphaltierte Feldweg durch eine durchgezogene Linie von der Landstraße abgetrennt. Das übliche Schild
– Gesperrt, Land- und forstwirtschaftlicher Verkehr frei –
steht hier nicht. Darf ich da also hinein fahren, sieht ja schließlich wie eine schmale Straße aus?

Feldweg

Ein bisschen weiter ändert sich der Straßenbelag der obigen Straße. Jetzt ist es nicht mehr asphaltiert. Falls ich oben fahren durfte, darf ich hier weiterfahren?

Welches Gesetz gilt hier und muss ich Anwalt sein um das zu verstehen? Wer Jura mit Deutsch verwechselt ist selber Schuld. Ich bin kein Anwalt und habe demnach nur meinen kümmerlichen Menschenverstand für die folgenden Texte.

Straßenverkehrsordnung StVO

§ 1 Grundregeln
(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
(2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Klar, das kennt Ihr alle, aber warum schreibe ich das hier? Weil es zu jedem Gesetz ergänzende Kommentare, Verwaltungsvorschriften und Urteile usw. gibt, die erklären, was manchmal gemeint sein könnte aber nicht in diesen speziellen Fall gelten muss, z.B. die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung (VwV-StVO)

Zu § 1 Grundregeln
1 I. Die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) regelt und lenkt den öffentlichen Verkehr.
2 II. Öffentlicher Verkehr findet auch auf nicht gewidmeten Straßen statt, wenn diese mit Zustimmung oder unter Duldung des Verfügungsberechtigten tatsächlich allgemein benutzt werden. Dagegen ist der Verkehr auf öffentlichen Straßen nicht öffentlich, solange diese, zum Beispiel wegen Bauarbeiten, durch Absperrschranken oder ähnlich wirksame Mittel für alle Verkehrsarten gesperrt sind.

Na, das knallt oder? Die Straßenverkehrsordnung gilt auch, wenn Du gar nicht auf einer gewidmeten Straße (hört, hört) fährst, wenn der Verfügungsberechtigte duldet, dass da gefahren wird. Jetzt musst Du nur noch wissen, wer der Verfügungsberechtigte ist und wenn der sogar einer Befahrung seines Feldwegs zustimmt, dann darfst Du da nicht rechts überholen, wegen der StVO. Wenn Du ihn nicht fragst, duldet er es eventuell und dann darfst Du auch nicht rechts überholen.

Fährst Du dagegen an einer geschlossenen Schranke vorbei darfst Du dahinter rechts überholen, denn dann gilt die StVO nicht. In der Regel darf man da, wo eine geschlossene Schranke den Zutritt erschwert aber gar nicht fahren, daher steht da ja die Schranke.

Nachdem jetzt geklärt, wo die StVO überall gilt denke ich, ich bin auf einer vergleichsweise sicheren Seite, wenn ich auf gewidmeten Straßen im öffentlichen Verkehr unterwegs bin. Wo finde ich die?

Gucke ich mal weiter in die StVO

StVO § 2
Straßenbenutzung durch Fahrzeuge
(1) Fahrzeuge müssen die Fahrbahnen benutzen, von zwei Fahrbahnen die rechte. Seitenstreifen sind nicht Bestandteil der Fahrbahn

Das hilft nicht weiter, hier wird die Straße nicht gegen eine Nicht-Straße abgegrenzt sondern nur in Ihre Einzelteile zerlegt und auch die Abschnitte (2) bis (5) sind nicht wirklich hilfreich. Eine Definition von Straße muss her, also wieder die Suchmaschine anschmeißen.

§ 2 StVO Begriffsbestimmungen
1.Straße: eine für den Fußgänger- oder Fahrzeugverkehr bestimmte Landfläche samt den in ihrem Zuge befindlichen und diesem Verkehr dienenden baulichen Anlagen;

Ha, das klingt doch gut, als wäre ich auf dem richtigen Weg. Bin ich aber nicht, denn das sind Begriffsbestimmungen für die StVO in Österreich. Also weiter: auf sicherestrassen.de finde ich:

Straße
ist der Oberbegriff für alle Verkehrsanlagen, die dem Verkehr dienen. Dazu gehören auch Wege und Plätze, der Luftraum und das Straßenzubehör (Beleuchtung, Verkehrszeichen, Trenn und Seitenstreifen mit Bepflanzung) vergl. § 1 FStrG bzw. StrG der Länder. (siehe auch öffentlicher Verkehrsraum). Eine Straße kann somit eine oder mehrere Fahrbahnen (auch mit mehreren Fahrstreifen pro Fahrbahn), Geh, Radbahnen Seitenstreifen und/oder Grünstreifen haben.

Na toll, hier wir nicht nur auf das FStrG hingewiesen sondern auch noch darauf, dass die einzelnen Bundesländer eigenen StrG haben. Also bloß weil ein Dings das ich befahren könnte in Schleswig-Holstein eine Straße ist könnte es, wenn es rüber nach Niedersachsen führt, dort auf einmal keine Straße mehr sein. Das FstrG ist übrigens das Fernstraßengesetz und StrG ist das Straßengesetz und die die Steuerungs-Taste (CTRL für Euch alte Hasen).

Und mit Strg+Alt+Entf beende ich meine Suche nach der Wahrheit und hoffe dass auf dem nächsten Feldweg kein Mob Verfügungsberechtigter mit Mistgabel und Fackel auf mich wartet.

Motorsport vor der Haustür

Ich weiß nicht woran es liegt, aber Motorsport findet bei uns in Deutschland zu weiten Teilen unter Ausschluss der Medien und auch der breiten Bevölkerung statt. Ich habe beinahe den Eindruck, man schämt sich dafür, dass man sich für Motorsport interessiert. Da ist es dann auch nicht verwunderlich, wenn es diesem Bereich fast keine Sponsoren gibt.

Am Sonntag war die MotoGP zu Gast in Italien und nach dem letzten Rennen stürmten die Zuschauer die Strecke und feierten. Kurze Anmerkung am Rande, dass wir das nicht im Free-TV sehen konnten spricht für sich.

Ich war am Wochenende in Sankt Wendel im Saarland, wo ein Lauf zur Supermoto IDM stattfand. Also ein Motorradrennen, mitten in der Stadt. Geil!

Supermoto in St. Wendel

Was ist Supermoto?

Ein Motorradrennen das auf einem kurzen und kurvigen Kurs zum Teil aus Asphalt und zum Teil auf Schotter ausgetragen wir. In diesem Fall 1.143 Meter Streckenlänge inklusive 268 m Schotter mit Sprüngen. Aufgrund des kurvigen Layouts halten sich die Geschwindigkeiten im Rahmen, so dass keine riesigen Auslaufzonen nötig sind, als Zuschauer ist man ganz nah dran. Die Rennen sind kurz (in der Profiklasse längstens 15 Minuten plus zwei Runden) und die Starterfelder voll, so dass immer Action zu sehen ist.

Was für Moppeds werden gefahren?

Supermoto Kawasaki

Im Großen und Ganzen sind es Enduro oder Moto Cross Moppeds, die auf Asphaltreifen gestellt werden. Die meisten fahren Viertakter zwischen 250 und ganz viel Kubik. Aber es gibt auch Zweitakter, ich durfte bei Phil Gee (Startnummer 511) zu Gast sein, er fährt eine Zweitakt TM mit 344 Kubik und als einer wer wenigen steht sein Schätzchen auf Gußrädern, die meisten Fahrer vertrauen auf Speichenräder. Natürlich sind die Moppeds der Spitzenfahrer brutal umgebaut, andere Federelemente, Bremsen, und intensives Motortuning und Gewichtsersparnisse machen schnell und das Hobby teuer. Ich habe im Fahrerlager auch ein paar Maschinen gesehen, die zum Verkauf standen, eine sogar mit Preisschild: 3.900 Euro. Für einen Einsteiger ist das sicherlich ausreichend und erschwinglich ist es auch.

Was gab es zu sehen?

Am Samstag standen alle Türen für jeden offen, bis auf die Tür zur Boxengasse. Eintritt? Nö. Wer sich die Trainings und Qualifikationen der verschiedenen Klassen ansehen wollte konnte sich einen Platz suchen und dem Streckensprecher lauschen oder dem Gebrüll der Motoren. Zwischendurch konnte jeder durch jedes Fahrerlager schlendern, auch ohne Eintritt, und sich unter Fahrer und Teams mischen. Ungefragt mit den Fingern das Mopped gucken? Möglich und natürlich nicht gerne gesehen, aber so was machen ja höchstens kleine Kinder. Was ich damit sagen will, die Moppeds standen nicht in abgeschlossenen Garagen oder hinter heruntergelassener Zeltplane sondern offen und sichtbar. Wenn daran geschraubt wurde, dann war auch das öffentlich.
Das hat sich auch am Renntag nicht geändert, allerdings musste jetzt einmal Eintritt für alles gezahlt werden.

Supermoto Sankt Wendel

Also alles gut?

Spektakulärer und einsteigerfreundlicher Motorsport zum Anfassen in familienfreundlicher Atmosphäre direkt nebenan, was kann man sich noch besseres wünschen um Menschen fürs Motorrad und für Motorsport zu begeistern? Nichts, außer dass diejenigen, die davon profitieren könnten auch vor Ort sind und Flagge zeigen, also Hersteller und Importeure von Moppeds und Zubehör. Ich habe vor Ort Nolan Helme und Ortema Protektoren gesehen, dazu kamen noch der ADAC als Veranstalter und das Wochenspiegel, ein Saarländer Anzeigenblatt als Veranstaltungssponsor. Das wars. KTM, Husqvarna, Suzuki, Yamaha, Honda, Kawasaki oder TM? Die waren alle zu Hause geblieben.
Aber auch kein örtlicher Motorradhändler oder Bekleidungsladen war mit einem Stand vor Ort vertreten um die Begeisterung und das Interesse der Zuschauer zur Kundengewinnung zu nutzen. Kinder die mit der Hand Vollgas gaben und „Braaaaap“ brüllend herumliefen gab es reichlich. Väter deren Töchter altersmäßig aus dem Gröbsten raus waren, so dass Vati wieder mit dem Mopped fahren anfangen könnte oder Tocher an der Teilnahme in Nachwuchsklasse interessiert wärewaren auch reichlich vertreten. Man mag mir hier Sexismus vorwerfen, aber Muttis und Söhne in dieser Altersgruppe habe ich nicht gesehen. Junge A1-Führerscheinneulinge standen in Grüppchen zusammen, den coolen Desintressierten mimend oder die eklatanten Schräglagen bewundernd.
Der Anteil der Zuschauern die mit dem Mopped gekommen war geringer als ich dachte. Es hätten sowieso noch viel mehr Zuschauer vor Ort sein können. Vielleicht wären noch ein paar gekommen, wenn es Werbung für den Event gegeben hätte oder eine gute Website.
Eigentlich wollte ich fragen, ob es an den fehleden großen Sponsoren liegt, dass keine Medien kommen oder an den fehlenden Medien, dass die Sponsoren kneifen. Nachdem was ich vor Ort erlebt habe muss ich mich viel mehr darüber wundern, dass es überhaupt noch Motorsport gibt. Danke an alle Fahrer und deren Teams!

Haben die die Sponsoren vor Ort einen guten Job gemacht?

Der Eventsponsor hat großzügig beflaggt und hatte ein paar Promotoren herum laufen. auf der Webseite staht am heutigen Montag nach den Rennen jedoch nichts.
Der ADAC hatte auch beflaggt und war am Renntag redlich bemüht die Zäune rund um das Areal mit Sichtschutz zu verhängen, damit niemand schwarz gucken konnte. Werbung für die weiteren Läufe der Rennserie? Nö. Werbung für Fahrsicherheit- oder Kurvenlehrgänge? Auch nicht. Sonst etwas um die eigenen Leistungsfähigkeit zu präsentieren? Es gab einen Stand an dem man Mitglied werden konnte an dem aber nicht mal Werbung für das Motorsport-Programm des ADAC zu sehen war.
Lieblos ist noch das netteste, was mir dazu einfällt.

Supermoto St Wendel

Und sonst so?

Es gab natürlich eine Zeiterfassung der Trainings und der Rennen. In der Boxengasse gab es auch zwei Monitore auf denen die Zeiten angezeigt wurden. Für normale Zuschauer war die natürlich gesperrt, ich konnte, dank meiner Gastgeber, dort hinein. Ich bin ein großer Freund des Live Timings und frage mich jedesmal, wenn das Signal schon vorliegt, warum ist dann nicht für jeden verfügbar? Vielleicht in einer ADAC Sport App oder in einer Supermoto App? Dort könnten auch zusätzliche Infos wie eine Wegbeschreibung zu freien Parkplätzen, wo welche Klasse Ihr Fahrerlager hat (im Plan auf der Website steht z.B. Fahrerlager 4 statt Fahrerlager Ü40), welche Klasse als nächstes fährt usw.

Es wäre auch schön,

  • wenn die Ergebnisse der Rennen nicht erst am Montag nach der Veranstaltung und nur als PDF vorlägen, sondern sofort.
  • wenn die aktuellste News nicht schon sechs Wochen alt wäre obwohl sogar das Rennen schon gestern war.
  • Wenn erklärt würde, was die Klasse S1 von N2, P3, S3, T4 Süd, T4 Nord und Ü40 unterscheidet. (S1 ist die Top-Klasse, und Ü40 ist die Klasse für Fahrer ab 40, was der Rest ist ,weiß ich nicht.)
  • wenn ich auf der Website den Eindruck hätte, da hätte jemand Spaß am Sport und würde ihn nicht nur verwalten.

Hatte ich denn Spaß?

Und wie! Ich werde mit Sicherheit auch wieder zu einem Supermoto Rennen gehen. Ich werde, wenn alles klappt, im kommenden Herbst auch mal an einem Supermoto-Lehrgang teilnehmen, aber der Plan stand schon, bevor ich mir ein Rennen live angesehen habe.

In diesem Jahr finden noch fünf weitere Rennen statt, Ihr solltet hingehen, wenn eines davon in Eurer Nähe ist.

Schaut Euch an, wie nach einer langen Geraden im Drift in die Kurve geschossen wird, wie weit Slick-Reifen springen können, hört zu wie große Einzylinder brüllen und achtet drauf, in welchen Kurven welcher Fahrer im Hanging-off fährt und wo im Cross-Stil, wann im Stehen und wo im sitzend durch die Anlieger gepfeilt wird.

Supermoto Termine 2015
20.06. – 21.06. Großenhain
04.07. – 05.07. Harzring
25.07. – 26.07. Schaafheim
12.09. – 13.09. Cheb
26.09. – 27.09. Finale Stendal

Viele Bilder der Veranstaltung gibt es auf Rally3.de

Danke an Geemoto und Gerd’s Race Kitchen für die Gastfreundschaft

Gerd's Race Kitchen