Supersportler, die beliebtesten Moppeds der Welt (oder so)

Am 22. April hatte AutoScout24 eine Pressemeldung über die Top 10 der beliebtesten Moppeds veröffentlicht. Dabei wurden nicht die Verkaufszahlen zu Grunde gelegt sondern die Anzahl der aufgerufenen Detailseiten im März (ich nehme an März 2015, aber das wird in der Meldung nicht explizit gesagt).
Überraschenderweise lag nicht das meistverkaufte Mopped vorne, die 1200GS sondern die R1 von Yamaha. Die ist in der Zulassungsstatistik vom März 2015 nicht mal auf einen der ersten 50 Plätze zu finden, weil sie vermutlich noch nicht ausgeliefert wird. Aber auch im Gesamtjahr 2014 ist sie dort nicht zu finden.
Auch die weiteren Plätzedes AutoScout-Ranking sucht man in der Neuzulassungs-Top50 (jedoch von Jan bis März kumuliert) vergeblich. Bei Autoscout  regieren die Supersportler: R1 (Platz 1), R6 (Platz 2), CBR 600 – hier wird nicht zwischen F, R und RR unterschieden (Platz 3), GSX-R1000 (Platz 5), CBR 1000 (Platz 7), GSX-R600 (Platz 8), ZX-6R (Platz 9) und GSX-R750 (Platz 10).

Die einzigen Nicht-Superportler sind die Z 1000 auf Platz 6, wobei die Kawa verdammt nah an einem Supersportler dran ist und natürlich die 12er GS auf Platz 4. Bei der GS werden aber wohl nur die wassergekühlten betrachtet, nicht jedoch die ganzen Vorgänger-Generationen. Warum das so ist, wird nicht erklärt.

Die Autoscout-Zahlen sollte man dabei jedoch nicht überbewerten. Die Motorradindustrie lebt nicht von angeguckten Moppeds sondern von gekauften. Außerdem handelt es sich hier nur um die Zahlen von einer einzelnen Gebraucht-Börse, alle anderen Websites wurden nicht berücksichtigt.

Interessant finde ich es dennoch, dass die Supersportler in so geballter Masse dort auftauchen.

Über die Gründe lässt sich gut spekulieren und mir fallen bestimmt ein dutzend mögliche Erklärungen ein.
Ich bin mal gespannt, ob ich wirklich auf so viele komme, am Ende des Artikels werde ich sie auflisten. Ihr dürft Eure Ideen gerne in den Kommentaren anhängen. Einige der Gründe lassen sich bestimmt mit zusätzlicher Recherche erhärten oder widerlegen, das dürft Ihr auch gerne in den Kommentaren machen.

Vorher möchte ich jedoch noch auf die „Durchschnittspreise“ hinweisen, die in der Top-10 ebenfalls angegeben sind. Ich nehme an, es sind die Preise, die in der Anzeige aufgerufen werden und nicht die tatsächlich gezahlten, aber hey, es sind immerhin Zahlen. Die Preise liegen zwischen € 4.500 (GSX-R750 und ZX-6R) und 6.900 (CBR 1000). Da bewegen wir uns schon auf dem preislichen Niveau einiger aktueller Bestseller wie den NCs, ERs und MTs.

Wenn es also jemandem gelingen würde, dass aufgeflammte Interesse an Superportlern mit einem Modell aufzugreifen dass mindestens 600 Kubik und 100 PS (so wie im Beleibtheits-Ranking) hat, dabei aber preiswert ist, könnten da Stückzahlen am Markt gehen.
Weg mit dem ganzen teuren Firlefanz wie Federelemente die sich in Vorspannung, Zugstufe, Druckstufe, High- und Low-Speed einstellen lassen, super teure Hightech-Materialien, elektronischem Over-Kill und her mit einem preiswerten Einstiegs-Gerät, dass den Duft der Begehrlichkeit verströmt. Wo bleibt die Suzuki GS-RR 750 mit einem 100+ PS Motor im einfachem Fahrwerk und vielleicht einem Doppelscheinwerfer im Stil des letzten Jahrtausends für € 8.500? eine nackte GSR gibt es doch auch  und sogar auf Platz 11 in den Zulassungs-Charts. Wenn die Japaner das nicht bauen, dann kommen bald die Chinesen und machen das. Oder will der Supersport-Fahrer lieber ein gebrauchtes Topmodell statt einem abgespeckten Einsteigermodell? Ich weiß es nicht, momentan hat er jedoch keine Wahl und muss zum Gebrauchten greifen.

Meine vermuteten Gründe warum gebrauchte Supersportler so oft angeklickt werden

  1. Die aktuellen Neuheiten von Yamaha, BMW, Ducati und Co. wecken wieder Begehrlichkeiten.
  2. Die aktuellen japanischen Supersportler wurden in den letzten Jahren so wenig verbessert, dass man ruhig ein älteres Baujahr kaufen kann ohne viel Stammtisch-Performance einzubüßen.
  3. Es ist ein Phänomen, dass nur bei AutoScout auftaucht.
  4. Es ist ein März-Phänomen, in anderen Monaten sieht es ganz anders aus.
  5. Andere Modellreihen werden oft umbenannt oder bei Autoscout zu kleineren Clustern zusammengefasst, so dass dort kleinere Aufrufzahlen in der Statistik stehen (Siehe GS und CBR 600).
  6. Ein Supersportler wird nur kurz gefahren und dann zu einem neueren oder größeren Modell gewechselt. Der Gebrauchtmarkt ist also größer, bei einer kleinen Fahrzeuganzahl.
  7. Der Supersportler wird angeguckt, etwas Vernünftigeres gekauft.
  8. Supersportler werden auch von Nicht-Moppedfahrern angeguckt um davon zu träumen, also nur gucken, nichts kaufen.
  9. Es gibt so viele Angebote dass selbst eine geringe Click-Trough-Rate bei einzelnen Angeboten zu hohen Gesamtaufrufen beim Modell führen.
  10. Der Supersport-Fan behält den Markt im Auge und guckt oft nach Schnäppchen.
  11. Es gibt keine neuen Einstiegs-Supersportler, daher muss gebraucht gekauft werden.
  12. Mist, mit einem Dutzend Gründen habe ich den Mund weiter oben wohl doch etwas zu voll genommen.
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3 Gedanken zu „Supersportler, die beliebtesten Moppeds der Welt (oder so)

  1. Es ist vermutlich wie immer. Es wird ein Mischmasch aus dem ganzen Dutzend Gründe sein. Was ich mir denken könnte, wäre, daß überhaupt bezahlbare Motorräder in dem Bereich gesucht werden. Egal ob vom Einsteiger, oder dem Übersteiger. Oder dem schon länger Supersportfahrer. Ich sehe auch immer mehr junge Leute wieder mit solchen Motorrädern, oder zumindest solchen, die diese Optik vermitteln. Bei einem Kawa – Dealer sah ich neulich ein zierliches junges Mädchen, kaum 18, sich für eine 300er Ninja interessieren.
    Und, um Dir den Grund 12 zu liefern: Vielleicht suchen viele auch noch die letzten manuellen Maschinen. Auf denen Mann noch wirklich glaubt schalten und walten zu können und die Oberhand noch nicht an ein Kasterl mit Platinen abgegeben hat.

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      • Bittebitte! 🙂
        Vielleicht ist es aber so, daß die Leute in den Magazinen lesen von den ganzen Elektronikschmähs, die gerade in den aktuellen Bikes verbaut werden. Da spielt sich ja eine Menge mehr ab, als in den Reiseenduros, auch wenn es ein Kurven ABS in den großen Kanten gibt. Ich denke, an Traktionskontrolle und ABS haben sich die Meisten schon gewöhnt. Der neuerliche Schub mit interaktiven Fahrwerken, und so, der wird wohl den Gedanken an das pure Fahren wieder erwecken. Könnt ich mir zumindest so denken.

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