Ducati Hyper-Rotzbengel

Und dann war da dieser Nachmittag, an dem ich die Wahl hatte entweder eine MT-09 oder eine 821er Hypermotard zu testen. Im Grunde genommen ist ein Nachmittag auf einem Motorrad immer ein Gewinn, insofern ist eine Auswahl nicht wirklich tragisch. Beide Maschinen reizen mich und ich wusste gar nicht welche ich wählen werde und warum, bis ich wirklich vor Ihnen stand. Die Ducati sieht einfach interessanter aus, nach weniger Kompromiss, weniger gemütlich, nach mehr Spaß. Ob das die richtige Wahl war?

Ducati 821 Hypermotard

Ducati 821 Hypermotard

Ich bin ein großer Fan vom Sound der 90° V-Twins,insofern hat mich der Druck auf den Anlasser in meiner Wahl bestätigt. Aufgesessen zeigt mir die 821er was sie unter kompromissloser Sitzposition versteht. Die Sitzbank hält den Hintern mit aller Macht an genau einer Stelle fest, vor- oder zurückrutschen wird nicht akzeptiert. Allerdings bieten die Fußrasten genug Raum um die Stiefel zu platzieren. Damit ist die Sitzposition das Gegenteil zu der auf der aktuellen Monster, auf der die Füße nicht richtig drauf passen, die Sitzbank jedoch Variationen der Position erlaubt (ich bin nur die Monster mit dem 1200er Motor gefahren, es gibt sie jedoch auch mit dem 821er Motor und wie mir gesagt wurde, derselben 1200er-Sitzposition). So macht Ducati schon auf der ersten Sitzprobe deutlich, wo die Hypermotard die Monster ergänzt und umgekehrt. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass die Polsterung der Hypersitzbank so dünn und weich ist, das sie fast überflüssig ist. Ich wollte das Fahrzeug, dass nach weniger Kompromiss aussieht und habe zumindest eine kompromissbefreite Sitzbank bekommen. Abfahrt, raus aus der Stadt und rein ins hügelige Umland.

Auf dem Weg zur Kreisstraße merke ich noch mehr von der Mühe, die sich Ducati gegeben hat um dem Mopped „Charakter“ zu geben. Im Stadtverkehr mitschwimmen ist wenig erfreulich, bei konstanter Gasgriffstellung zeigt die Maschine, dass die Ingenieure in Bologna das Konstantfahrruckeln beherrschen, auch im Modus „Urban“. Die Modi (es gibt drei) unterscheiden sich in de ABS und Traktionskontrollwerten und im „Urban“ Modus fühlt sich die Gasannahme ein bisschen weicher und langsamer an.
Bergab kann der Einspritzer ein lustiges Vergaserpatschen imitieren und auch sonst wurden keine Mühen gescheut den Eindruck zu erwecken, bei dem Mopped handele es sich um einen handfesten Rüpel. Tut es aber nicht, es ist eher ein kleiner Rotzbengel, ein Frechdachs der auf dem Spielplatz sein Förmchen wegwirft und ein bisschen schmollt, nicht wirklich wild, eher niedlich in seiner Trotzphase. Das muss wohl so sein um die Hypermotard einer größeren Käuferschicht schmackhaft zu machen, die gerne den Eindruck hat, einen echten Hooligan zu reiten.

Im Nieselregen geht es über Kreisstraßen die eher eine Ansammlung von Schlaglöchern, Asphaltflicken und Bitumenstreifen sind. Hier gelingt es der Duc nicht, dass ich ihr genug vertraue um eine zügige Fahrweise an den Tag zu legen. Das Vorderrad wechselt öfter die Linie als ein durchschnittlicher Politiker seine Meinung, das Hinterrad hoppelt und rutscht von der Bitumenwurst ins Schlagloch. Der Fahrstil ist dabei egal, Fuß nach vorne und mit erhobenem Ellenbogen den Bock in die Kurve drücken ändert es nicht wirklich, enge Kurven auf schlechtem feuchten Asphalt scheinen nicht das Geläuf von der Hyper und mir. Auf der jetzt trockenen Landstraße werden die Bögen weiter und der Asphalt besser und jetzt macht es richtig Spaß. Weit in die Kurve hinein bremsen, tief umlegen und früh und heftig am Gas reißen, Feuer geben, das ist die Welt der Duc. Vor der Kurve abbremsen und mit Stützgas in tiefster Schräglage durch die Kurve funktioniert auch macht aber nicht so viel Spaß. Tempolimits machen auch keinen Spaß, liegt der Spaßbereich auf diesem Mopped doch deutlich darüber. Bundesstraßen machen auch Laune, allerdings ist der wirklich unterhaltsame Geschwindigkeitsbereich hier nochmal weiter von dem entfernt, was der Führerschein verträgt, also wieder zurück auf die Landstraße.

Beschauliches Bummeln kann man auch, habe ich aber nur kurz durchgehalten, zu groß ist der Spaß, wenn die Maschine rennen kann und dabei nicht die ganz engen Kurven fahren muss.

Seltsam, denn eigentlich dachte ich, ein Supermoto-Artiges Mopped wäre für die ganz enge und auch krummpeligen Straßen gebaut. Die Ducati Hypermotard und ich fühlten uns jedoch auf den weiteren Bögen der Landstraße deutlich wohler.

Ob es mir mit der MT-09 wohl auch so ergangen wäre?

 

Moppeds in diesem Beitrag

P.S.

Ein kurzer Vergleich zur 1200er Monster. Spaß machen beide. Die Sitzbank der Hyper ist leicher aufzupolstern als der Wechsel der Fußrasten-Auspuffhalterung der Monster. Der Kleine Motor macht genauso Spaß wie der große. Ich sehe nicht, wie der Aufpreis der Hyper gegenüber der 821 Monster gerechtfertig wird und würde zum Monster greifen, wenn ich eines kaufen müsste.

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Ein Gedanke zu „Ducati Hyper-Rotzbengel

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