Die Baja Deutschland #baja300

Zuerst muss ich mich dafür entschuldigen, dass ich die ganze Zeit einen alten Hashtag #baja300 verwendet habe, denn die Baja heißt seit diesem Jahr wieder Baja Deutschland, auch wenn sie nicht Teil der FIM Baja-Serie ist.

Wie bereits im letzten Jahr konnte ich wieder mit den Dirtgirls von Tina Meier die Baja bestreiten und wieder mit einer geliehenen Maschine vom Team Kaiser. Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo ich mit einer schwachbrüstigen *hüstel* KTM 525 vorlieb nehmen musste, stellte Thorsten mir diesmal eine KTM mit „gemachtem Motor“ hin. Ich habe lieber gar nicht nachgefragt und trotzdem erfahren, dass der Motor 12 mm mehr Bohrung (also 650 ccm) und einen entsprechend angepassten Kopf hat. So sind bis zu 75 PS drin, bei geschätzten 115 kg Gewicht. Im Gelände. Um das mal in Relation zu setzen: Meine Hippe hat bei 145 kg  ganze 25 PS, also 25% mehr Gewicht bei nur einem Drittel der Leistung. Ich hatte ein bisschen Angst, was das Biest mit mir machen würde, wenn ich am Kabel ziehe. Die Kehrseite der Medaille war natürlich, dass ich immer genug Leistung zur Verfügung hatte. Viele Stellen gingen im Standgas, wo andere im Schlamm stecken blieben, reichten wenige Winkelminuten am Gasgriff um durchzukommen. Noch ein bisschen weitergedreht und das Vorderrad kam hoch genug um über jedes Hindernis auf der Strecke zu kommen. Ich will so ein Ding!

Aber ich wollte dieses Jahr gar nicht schneller fahren als im letzten sondern mein Ziel war eine fehlerfreie Navigation.

Fahren nach Roadbook

Auf der Baja muss man den richtigen Weg selbst finden. An einer Kreuzung kann es theoretisch nach links, rechts oder geradeaus gehen, welcher Weg der richtige ist, muss man dem Roadbook entnehmen. Dazu enthält das Roadbook folgende Informationen: Gesamtstrecke seit dem Start, Fahrstrecke seit dem letzten Roadbook-Bild, ein Bild auf dem die Kreuzung skizziert ist und daneben weitere Informationen um die Orientierung zu erleichtern. Um die Sache zu verkomplizieren ist nicht jede Kreuzung im Roadbook abgeblidet an der es geradeaus geht, aber manche.

Das Roadbook ist eine lange Rolle bedrucktes Papier, das vor dem Start der Rallye vom Veranstalter herausgegeben wird, man kann es sich vorher ansehen und auch bearbeiten. Ich habe zum Beispiel alle Bilder in denen ich links abbiegen muss rot markiert und alle wo es rechts abgeht in Grün. In Gelb wurden alle Bilder mit Kompasskursen markiert und weitere wichtige Informationen in Blau. Andere hatten andere Methoden und Farben gewählt.

Am Mopped wird die Rolle dann in einen Halter eingespannt und immer passend vorgespult.

Die zurückgelegte Strecke wird mit extra Instrumenten (in meinem Fall von Ico) gemessen, und über Knöpfe an die Angaben im Roadbook angepasst.

Vor dem Start

Wegen dem vielen Regen an den Tagen vor dem Rennen wurden die Sonderprüfungen eins und zwei in umgekehrter Reihenfolge gefahren und die Strecke leicht geändert. Diese Informationen erhielten wir auf dem Fahrerbriefing gegen 22:00 Uhr. Da um diese Zeit das Roadbook für Etappe eins vorbereitet war, aber nicht für Etappe zwei, hieß das also, noch mal ran ans Roadbook statt ins Bett. Start ist um 06:00 Uhr, Vorstart um 05:30, das bedeutet: aufstehen um 04:00 Uhr, genug essen für sechs Stunden Rennen, Roadbook einfädeln. Wenn man das vorher macht zieht das Papier die nächtliche Luftfeuchtigkeit und feuchtes Papier reißt schnell, was echt doof ist, wenn man im Rennen anhalten und Papier kleben muss.

Start

Gestartet wird in Zehnergruppen in der Reihenfolge der Startnummer, die nach dem Zeitpunkt der Anmeldung vergeben wird. Mit der Eins startet also nicht der Weltmeister sondern derjenige, der als erstes die Startgebühr bezahlt hat. So kommt es das Vollprofis, Staatsamateure und Eierbären (wie ich) nebeneinder am Start stehen und auf das herunterticken der Uhr warten. Alle 60 Sekunden geht eine neue Gruppe ins Rennen. Ich rolle vor zur Startlinie, die Uhr tickt herunter.

5 – Gang einlegen, Drehzahl hoch

4 – Nach vorne auf der Sitzbank rutschen, Oberkörper nach vorne, Ellenbogen hoch, Gewicht aufs Vorderrad

3 – Druckpunkt der Kupplung suchen

2 – Warten

1 – Warten

0 – Loooooooooooos!

Wer vorne fährt hat freie Sicht, wer hinten fährt bekommt Schotter, Sand und Steine von den vorne fahrenden ins Gesicht gespritzt. Rechts ab, den Abhang herunter, geradeaus, nächste wieder geradeaus dann links. Oder war es rechts? Ein Blick aufs Roadbook zeigt, ich muss vorspulen, ich bin zu schnell für meine Navigationskünste. Erstmal selbst einbremsen um nicht blind den Spuren und den vor mir her fahrenden zu folgen. Also immer ein Auge auf das Roadbook und den Ico und Finger weg vom Gas und schon sind weitere Dirtgirls auch da wo ich jetzt stehe und mich orientiere. Ab jetzt geht es langsamer weiter und so fahren wir praktisch in einer kleinen Gruppe. Da wo es geht immer den leichten Weg anstatt einfach geradeaus in den dicksten Matsch oder ins Wasser von dem man nicht weiß, wie tief es ist. Trampelpfad im Wald, Du bist mein Freund. So schaffen wir zwei Runden auf denen ich fast immer weiß, wo ich gerade bin und was als nächstes kommt. Einen Checkpoint verpassen wir meinetwegen. Entschuldigung dafür an meine wundervollen Begleiterinnen.

Tag zwei

So toll wie es bei mir gestern lief, klappte es nicht bei jeder aus unserem Team. Wir hatten einen frühen Ausfall zu verzeichnen, ein Mopped steckte so tief im Schlamm, dass es nur mit dem Bergungs-LKW befreit werden konnte, ausgerechnet bei dem Premiere-Küken (na klar kenne ich Ihren Namen, aber den behalte ich für mich). Wer als erstes ausfällt darf am nächsten Morgen zu letzt starten, also ca. 10 Minuten länger schlafen als der Etappensieger. Ich fühlte mich geehrt und geschmeichelt als ich am Vorstart von ihr gefragt wurde, ob ich eine Runde ihre Entenmutti machen würde (also hinterherfahren, für das beruhigende Gefühl, da ist noch jemand, der mir helfen könnte). Wir jagten also das Feld vor uns her und ließen uns richtig Zeit bei der Navigation und guckten immer nach Möglichkeiten, nicht im Schlamm stecken zu bleiben. So beendeten wir die erste Runde und eigentlich wollte sie jetzt raus fahren. Uneigentlich klappte es aber ganz gut und als Tina uns vom Zuschauerbereich aus sagte, dass wir die anderen durch kluges navigieren und Matsch umfahren überholt hatten, war klar, dass wir noch eine zweite gemeinsame Runde dranhängen. Gerade als wir losfahren wollten kamen zwei weitere Dirtgirls und so ging es zu viert in die nächste Runde. #Yeah!

Fazit

Ich brauche mein eigenes Rallye-Mopped und nächstes Jahr fahre ich wieder Baja. Vielleicht finde ich vorher noch eine andere Veranstaltung um das Fahren nach Roadbook zu üben.

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Moppeds in diesem Beitrag

 

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9 Gedanken zu „Die Baja Deutschland #baja300

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