Mit dem Mopped nach München

Ich muss zugeben, ich hatte schon bessere Ideen, zumindest hatte ich schon Ideen, die mir eine angenehmere Zeit bescherten als diese: am letzten Samstag, dem Tag an dem der Winter zurückkam, mit dem Mopped nach München fahren. Die 525 Kilometer Autobahn, die mir Google auswarf sind ohne Schneeregen keine Erwähnung wert. Am Samstag hat es jedoch geschneit, oder es war Stau. Oder beides.

Es ist nicht die Temperatur, die bei Schneefall natürlich deutlich niedriger ist als die, die man gemeinhin als ideales Fahrwetter bezeichnet, dagegen kann ich mich warm anziehen. Es ist die fehlende Sicht, wenn die Schneeflocken sich auf dem Visier niederlassen, die den Fahrspaß und die Sicht hemmen. Hinzu kommen noch die Salzmengen, die auf dem Asphalt liegen und von den vorausfahrenden Autos aufgewirbelt werden. Gesalzenes Wasser ist nicht gut für die Sicht. Ich bin die ersten 175 Kilometer praktisch einhändig gefahren, mit der Linken habe ich ständig Scheibenwischer gespielt. Als Autofahrer kann man sich wohl schwer vorstellen, wie schlecht die Sicht ist, ohne Wischwasch-Anlage. Wenn dann erst einmal die ersten Schneeflocken und Wassertropfen anfangen auf dem Visier festzufrieren hilft wenig, dann muss das Visier hochgeklappt und offen weitergefahren werden, zumindest bis auf dem nächsten Parkplatz die Gelegenheit zum Kratzen kommt.

Die zeitweise arg eingeschränkte Sicht hat mich dazu gezwungen, auf der rechten Spur und ziemlich langsam zu fahren. Ich habe mir also einen LKW gesucht und mich an ihn „festgehalten“; will sagen, ich bin immer mit soviel Abstand wie möglich gefahren, aber so, dass ich ihn, bzw. seine Bremslichter, noch erkennen konnte aber nie mit zu viel Abstand, so dass sich kein PKW in meinen Sicherheitsabstand drängen konnte.
Das war ein guter Plan und er hat auch ziemlich gut funktioniert, bis auf einmal, wo einer der Sonntagsfahrer, der einen Tag zu früh unterwegs war, sich, natürlich als der Schneefall am dichtesten und die Sicht am schlechtesten war, dazwischen quetschte; vielleicht fünf Meter vor mir. Kaum auf meiner Spur passierten zwei Dinge; erstens, der PKW bremste, zweitens, der Schnee vom PKW-Dach löste sich und verwandelte meine Aussicht in eine weiße Wand.

Das letzte was ich also sehe sind Bremslichter und dann nur noch Weiß. Keine Ahnung, ob er vor mir eine Notbremsung macht und ich gleich auffahre oder was überhaupt vor mir passiert. Also mache ich zwei Dinge gleichzeitig, Linke Hand vom Lenker und für Sicht sorgen (Visier aufreißen) sowie mit Rechts bremsen. Natürlich zu stark, das Vorderrad rutscht und klappt ein bisschen ein. Bremse lösen um den Sturz zu vermeiden ist der nächste Reflex. Zwei drei Schlenker später hält die gute Suzuki wieder die Spur und ich sehe vor mir nur noch den LKW, der PKW ist weg. Bastard! In diesem Augenblick wünschte ich mir eine Boden-Boden-Rakete

Als ich wenige Kilometer später die nächste Tankstelle ansteuere und auf dem angefrorenen Verzögerungsstreifen vorsichtig und langsam fahre, hatte ich meine nächste, und glücklicherweise für diese Fahrt letzte Begegnung mit einem Volltrottel in Dose. Dem fuhr ich wohl nicht schnell genug, so dass er mich auf meiner Spur mit gefühlten 5 cm Seitenabstand überholte. Es waren in Wirklichkeit wohl bestimmt 20 cm. Der Fahrer dieses dunklen Golf konnte von Glück sagen, dass vor mir an der Zapfsäule drei dunkle Golf standen und sein Nummernschild nicht erkennen konnte. Nein, angeschrien hätte ich ihn nicht. Und immer noch keine Boden-Boden-Rakete.

Zu diesem Zeitpunkt war der Schneefall wirklich stark und die zwei letzten Begegnungen mit komplett überforderten Autofahrern haben mich darüber nachdenken lassen, ob es wohl eine gute Idee wäre, umzukehren. Einen Cappuccino später war der Schnee jedoch Sonnenschein gewichen  (jedenfalls für einige Kilometer) und ich konnte frohen Mutes, und kurzzeitig ohne Wischarm, weiter fahren. Trotzdem brauchte ich bis München ca. siebeneinhalb Stunden, Schnee und Staus sei Dank.

Die Rückfahrt dagegen war ein Hochgenuss: Sonnenschein!

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